Flickr ist wohl einer der bekanntesten und ältesten noch bestehenden Photosharing-Plattformen im Internet. UX und Features des US-amerikanischen Dienst haben wir schon immer gefallen, doch als Teil von Yahoo kam auch Flickr ordentlich ins Strudeln. Seit April 2018 besitzt nun SmugMug die Plattform und rührt ordentlich um.

Ich bin gespannt ob sie es schaffen, Flickr wieder zur alten Stärke zurückzuführen. Genug Erfahrung hätte die Firma. SmugMugs Zielgruppe sind Fotografen, die schnell und einfach eine Portfolio-Webseite erstellen und ihre Fotos und Dienstleistungen vermarkten wollen.

Riskante Strategie

Dabei fährt SmugMug eine interessante Strategie. Das Management kündigte im November an, dass Free User in Zukunft nur mehr 1.000 Bilder hochladen können und nicht wie bisher ein Terabyte an Datenspeicher zur Verfügung haben. Ab den 8. Jänner 2019 werden zudem Fotos von Free Usern gelöscht, die schon über 1.000 Bilder gespeichert haben.

Ich bin gespannt wie erfolgreich dieser Move sein wird und würde gerne Zahlen wissen, wie viele Free User auf Pro gewechselt haben als auch wie viele User dem Dienst nun den Rücken kehren. Ich selber hatte auch über 1.000 Fotos auf Flickr gespeichert. Eine ganze Menge, aber das lag einfach daran, dass PC und Smartphone alle Fotos auf Flickr synchronisiert haben. Etwas, das Yahoo aktiv beworben hat, passend zur damaligen Strategie möglichst viel Traffic zu generieren. In den vergangenen Monaten habe ich alle Fotos heruntergeladen, gesichert und hunderte meiner Fotos gelöscht, sodass heute nur mehr meine „Best Shots“ auf Flickr zu finden sind.

Meine Hoffnung: Weniger Fotos, höhere Qualität, mehr Fotophile

Flickr geht damit bewusst einen anderen Weg als etwa Instagram, Google Photos oder Imgur. Der neue Chef Mac Askill will damit Flickr wieder mehr zur Plattform „Von Fotografen für Fotografen“ machen. Eine gute Entscheidung, denn er macht die Zielgruppe spitz, kann diese besser bedienen, und so einfacher ein nachhaltiges Geschäftsmodell abseits von Werbeeinschaltungen aufbauen. Natürlich sorgt das Downgrading für zum Teil weinerlichen Beschwerden bei der Community, aber Flickr wird es gut tun, wenn alle Leute wegfallen, die die Plattform nur als kostenlosen Onlinespeicher für ihre Schnappschüsse genützt haben, egal von welcher Qualität die waren.

Ich sehe das bei mir, mit der neuen Beschränkung konzentriere ich mich darauf, nur gute Fotos hochzuladen. Hoffentlich setzt dieser Effekt auch bei anderen Usern ein. Denn bei Flickr ist noch immer so, dass man unter viel Müll erst die richtig guten Fotos suchen muss. Flickr leidet also nicht an zu wenig sondern an zu viel an Fotos. Sinn und Zweck von Flickr sollte nicht der Datenspeicher sein, sondern der Austausch und Inspiration in der Community.

Darum frage ich mich, ob es nicht sogar besser wäre, wenn Flickr bei Free User keine Kommentare und Chats erlaubt, und die Funktionen erst in einem kostengünstiges Basic User Modell für beispielsweise 5 Dollar im Jahr freigeschaltet werden. Ich glaube, so würde man auch den Spam besser in den Griff bekommen. Das wäre aber natürlich ein noch radikalerer Schritt, mit viel Empörung bei der Community inklusive. Den ego-schmeichelnden Zugriffszahlen für die Fotografen tut es wahrscheinlich auch nicht gut.

Flickr vs 500px

Darum sehe ich mit gewisser Hoffnung und Optimismus der Zukunft von Flickr entgegen. Größte Herausforderung: Durch die jahrelange Schwäche von Flickr ist mit 500px ein Konkurrent entstanden, der auch eine Plattform für (halb-)professionelle Fotografen anbietet. Laut Similarweb hat Flickr gegenüber 500px bei den Visits zwar noch deutlich die Nase vorne, dafür finde ich über 500px einfacher hochwertige Fotos. Es wird interessant, wer hier langfristig das Rennen macht.

Achja, zum Abschluss, wer mir auf Flickr folgen möchte, bitte hier entlang.