„Wir brauchen mehr Facharbeiter!“ – fordert jeder echte und vermeintliche Arbeitsmarkt-Experte. Tatsächlich aussagen tun sie damit aber wenig. Es ist schon klar, ein Schlosser oder Elektroinstallateur ist begehrt, aber nach meinem Dafürhalten haben beispielsweise Tischler eher schlechte Karten. Alle drei können aber als Facharbeiter bezeichnet werden. Wo gibt es wirklich mehr Bedarf als Personal? Wikipedia zählt auf: Ärzte, Vulkaniseure, Elektroinstallateure, Ingenieure, Mathematiker, Naturwissenschaftler, Datenverarbeitungsfachleute und Techniker. Man könnte annehmen, dass der Arbeitsmarktservice (AMS) mit offenen Stellen in diesen Bereichen nur so geflutet wird. Weit gefehlt, die meisten offenen Stellen gibt es in Österreich im Tourismus. Was im ersten Augenblick verwirrend erscheint, ist ziemlich logisch: Im Tourismus und anderen Sparten braucht man quantitativ einfach mehr Leute. Die Top Ten der meistgesuchten Berufe liest sich dann laut AMS so:

  1. Kellner
  2. Warensortierer, -verpacker
  3. Reinigungskräfte
  4. Köche
  5. allgemeine Verkäufer
  6. Lagerarbeiter
  7. Kochgehilfen
  8. allgemeine Hilfsarbeiter
  9. Elektroinstallateure
  10. Verkäufer Lebensmittel

Zu beachten ist, dass es sich hier nur um die dem AMS gemeldeten offenen Stellen handelt, bei höher qualifizierten Jobs verzichten Unternehmen oft auf den AMS und inserieren ausschließlich in Zeitungen oder Jobbörsen. Spannend ist die Liste aber allemal.

Viele arbeitslose Naturwissenschaftler?
Und wenn wir schon beim Bashing von flapsig gemachten Aussagen sind: „Uns fehlen Naturwissenschaftler“ ist so pauschal auch nicht richtig. Massig Studierende gibt es etwa in der Biologie und in persönlichen Gesprächen höre ich immer wieder, dass die schwer einen Job finden. Laut Statistik des AMS kam im Jänner 2012 die zweitgrößte Gruppe an arbeitslosen Akademikern aus den „Naturwissenschaften“, insgesamt 1.474 waren arbeitslos gemeldet. Nur in den „Sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Studien“ gab es mit 2.260 noch mehr arbeitslose Akademiker. Die Statistik kann man aber nur mit Vorbehalt betrachten: Es wird nämlich nicht erklärt was unter Naturwissenschaften subsumiert wurde oder das Verhältnis von Arbeitslosen zu (adäquat) Beschäftigten ausgewiesen. Verbesserungsfähig aber immer noch aussagekräftiger ist da schon der Karrierewegweiser.

Vom selbst gemachten Mangel
Und noch was stört mich bei der Diskussion um Fachkräftemangel, Mismatch und „studier was Gescheites“: Als ich noch zur Schule ging, wurde allen Maturanten abgeraten Lehrer zu werden. Heute müssen Lehrer teuer aus der Pension geholt werden. Diese 180-Grad-Wendung spielte sich übrigens innerhalb von zehn Jahren ab! Da stellt sich doch die Frage: Kann der Bedarf wirklich nicht besser vorhergesagt werden? Wenn der Wikipedia-Artikel stimmt, dann gilt die gleiche Schweinezyklus-Logik für die Ärzte. Denn im Gegensatz zu Maschinenbautechnik gibt es ja mehr als genügend junge Menschen die Medizin studieren wollen. Natürlich muss die Ausbildung qualitätsvoll sein, natürlich muss selektiert werden, natürlich hat man nicht von heute auf morgen unendlich mehr Ressourcen – aber wenn man schon weiß, dass es einen Bedarf an Ärzten gibt, dann müsste man doch alles daran setzen mehr Studienplätze anbieten zu können. Ärzte müssten dann auch schnell gut bezahlte Arbeit finden und davon profitiert wiederum Gesellschaft und Staat. Einen Mangel dürfte es meiner Meinung also nur geben, wenn sich einfach zu wenige für einen Bereich interessieren oder wo die Ausbildung so schwer ist, dass sie nur wenige schaffen. So gravierende Fehler wie bei den Lehrern, oder vielleicht in Zukunft bei den Ärzten, dürfen nicht passieren.  Für gute Prognosen und Analysen braucht es anscheinend dann doch ein paar dieser „Taxi fahrende“ Sozialwissenschaftler.

2 Kommentare
  1. roland
    roland sagte:

    Diese Reihung soll man glauben?
    Werden solche nicht Großteils von BILLIGEN (somit eben unqualifizierten) Arbeitskräften abgedeckt? Ist dies für die Abdeckung der Quantität nicht Kostendrückender? Den Qualifizierten will man sowieso nicht angemessen bezahlen – solange es auch solche erledigen. Die Quantität deckt eben nicht die Qualität ab – jedoch die Gewinnsteigerung(en) bringen sie allemal! Ob der Kunde dabei den Königstatus verliert interessiert doch sowieso keine Sau mehr – wenn der Gewinn für die Aktionäre passt. Vorallem kassieren erst dadurch die jeweiligen Ruderkräfte ihr entsprechendes (angemessenes??) Gehalt. Eben auf dem Rücken der Letzten (welche ja bekanntlich von den Hunden gebissen werden). Solange Fachkräfte nicht entsprechen entlohnt werden sollen ändert sich gar nichts! Billigkräfte aus den Nachbarländern bringen es doch auch! Wir müssen doch International mit den Ärmsten mithalten, dass diese nicht die gleichen sozialstaatlichen Status haben lockt doch keinen Politiker mehr vom Ofen vor! Ein Sieg an die Lobbisten! Ein Sieg an den tollen selbststeuernden Kapitalismus (der EGO-Trip – ist gefragt je schneller REICH umso besser)! Wem interessiert schon der langweilige soziale Rest – die durch den Rost fallenden Menschen dabei! Ein soziales Gewissen, egal von welcher Seite, gibt es eben nicht mehr! Ob demokratische Staaten damit überleben können bleibt dahingestellt. Nur, nochmals gesagt/gefragt – wem interessiert es!? Ob schwarz, ob rot usw. deren Plan ist doch eh schon der Gleiche – politische Differenzen sich nicht mehr gefragt – jeder will doch allen genüge Tun – zumindest am Wahltag!
    Zu mir ich bin 56 Jahre, Vater von zwei Söhnen in Ausbildung – und ich denke zu Wissen von was ich rede! Leid tun mir schon heute unsere folgenden Generationen, wenn es keine Umkehr zu den viel wichtigeren menschlichen(!) Werten gibt. Leider hat uns die jüngste Vergangenheit schon zum wiederholten Male aufgezeigt wie falsch das (alleinige) Anbeten des GOLDENE KALBES (Money) sein kann! Vor allem wer die Nutznehmer bzw. die Geber (Opfer) dabei sind!
    Österreich hat dzt. (04/2013) mehr als 400.000 Arebitslose (ohne Kursbesucher!
    LG Roland

  2. Fabian
    Fabian sagte:

    Es handelt sich bei diesen Berufen um eine reine quantitative Aufzählung des AMS. Wie im Artikel beschrieben, sind die Zahlen aufgrund mehrerer Faktoren nur eingeschränkt reliabel.

    Es ist aber einleuchtend, dass es viel mehr Kellner im Tourismusland Österreich braucht, als beispielsweise Geisteswissenschaftler. Und ich bin überzeugt, dass man den Bedarf an Kellnern leicht decken könnte, nur halt wahrscheinlich nicht mit den Lohnvorstellungen der Arbeitgeber. Da bin ich voll bei Ihnen.

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