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Bei manchen genießt das Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (PuKW) einen zweifelhaften Ruf. Unverdient, wie ich meine. Klarerweise gibt es einige Negativpunkte, wie beispielsweise das schlechte Betreuungsverhältnis. Auf der anderen Seite übersieht man dabei leicht, wie viel sich am Publizistikinstitut tut und wie viele kreative Ideen hier geboren werden. Kobuk ist dafür ein Beispiel.

Einzigartiges Projekt
Ein anderes Beispiel ist das Fachtutoriumsprojekt, was ziemlich einzigartig an der Universität Wien ist. Dabei werden erst- und zweitsemestrige Studierende von älteren Studierende unterrichtet, die zumindest schon die erste Bakkalaureatsarbeit (BAKK 1) geschrieben habe. Ich war letztes Semester gemeinsam mit meinem Kollegen Lubomir Polach so ein Fachtutor. Deswegen kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Eine tolle Sache, sowohl für die Studienbeginner als auch für uns ältere Studierenden. Die Studienbeginner profitieren davon, weil im Gegensatz zur gewöhnlichen Massenuniversität maximal 20 Personen in einer Fachtutoriumsgruppe sind. Für viele die erste Gelegenheit, ungezwungen andere Studierende kennen zu lernen und sich aktiv zu Themen des Faches einbringen und mitdiskutieren zu können. Aber auch wir Fachtutoren profitieren ungemein: Wer ein Fachtutorium leiten möchte, muss sich mit einem Konzept bewerben, in dem er schildert welches Thema warum und wie behandeln werden soll. Vorgegeben ist nämlich nur ein Überthema, an dessen Rahmen man sich halten muss. Dieses Überthema richtet sich wieder nach einer bestimmte Vorlesung, an die das Fachtutorium gekoppelt ist. In unserem Fall war das „STEP 6 – Medienkunde“, gehalten von Univ.-Prof. Dr. Hannes Haas. Das Thema unseres Fachtutoriums war dementsprechend Medienwandel und Medienkonvergenz und hatte den klingenden Titel „As Time Goes Bytes“.

Lebenserfahrung pur
Auf jeden Fall muss man sich schon im Vorfeld mit seiner Idee wirklich auseinandersetzen und diese auch begründen können. Auch keine schlechte Übung für einen selbst. Ebenso erfahrungsreich war das Unterrichten. Und ganz ehrlich: Ich habe auch aus meinen Fehlern besonders viel gelernt. Vieles ist nämlich so wie wir uns das vorgestellt haben nicht gelungen, woanders wurden wir wieder positiv überrascht. Gruppendynamik mit ihren verschiedenen Persönlichkeiten ist jedenfalls eine spannende Sache. Das Ganze darf ja auch fordernd sein, denn die Arbeit wird von der Universität Wien bezahlt. Natürlich verdient man nicht berauschend viel, aber es geht in jeden Fall in Ordnung. Ein Fachtutor muss eineinhalb Stunden pro Woche eine Gruppe unterrichten – Vorbereitung, Korrigieren von Übungsarbeiten und ähnlichem nicht inbegriffen. Das Fachtutorium ist für die Erst- und Zweitsemestrigen verpflichtend und wird auch benotet. Diese Benotung macht den kleineren Teil der Endnote aus, der größere Teil besteht aus der davon unabhängigen Prüfungsnote der Vorlesung.

Am 1. Oktober beginnt das Wintersemester an den Universitäten. „Frischlinge“ werden dann wieder die Hörsäle bevölkern und besonders viele von ihnen werden das beliebte Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft beginnen. Die Euphorie ist am Anfang meist riesig, verblasst aber ziemlich schnell. Nur ein Bruchteil wird das Studium tatsächlich beenden. Das zeigt auch die große Diskrepanz zwischen Anfänger und Absolventen. Viele Publizistikbeginner haben eine falsche Vorstellung vom Studium. Das lässt sich aber leicht vermeiden. Ich habe vier Tipps für eine gut überlegte Studienwahl parat, denn ein Studienwechsel kostet immer Zeit, Nerven und im schlimmsten Fall die Studien- und Familienbeihilfe.

  1. Die Homepage des Institutes und die Facebook-Seite der Studienvertretung Publizistik genau studieren.
  2. Sich einen ersten Einblick in die Inhalte des Studiums verschaffen. Dazu gibt es einen wunderbares Skriptum (pdf-File) von Michael Brüggemann und Balthas Seibold. Die Fachgebiete, die da beschrieben sind, sind identisch mit denen in Wien. Ich habe aus diesem Skriptum sogar für Prüfungen gelernt. Wer sich also mit dem darin enthaltenen Stoff überhaupt nicht anfreunden kann, sollte sich nochmal überlegen Publizistik- und Kommunikationswissenschaft zu studieren.
  3. Wer sich intensiv vorab mit dem Studium beschäftigen möchte, kauft sich das Buch Kommunikationswissenschaft von Roland Burkart, einem Professor an unserem Institut. Das Standardwerk schlechthin und von uns Studenten liebevoll auch „Die Bibel“ genannt.
  4. Alternative überlegen. Wer die Praxis liebt, aber das Nachdenken über und Erforschen von Medien weniger, der sollte eine Fachhhochschule in Betracht ziehen. Beispielsweise eines der Studien an der FHWien. In St. Pölten wird das Bachelorstudium Medienmanagement angeboten.

Publizistik bietet keine Berufsausbildung. In einer empirischen Sozialwissenschaft geht es nun einmal hauptsächlich um Theorie, Methodik, Statistik & Co. Das heißt, Studenten dieses Faches müssen neben dem Studium extra Leistung erbringen, etwa durch Praktika, freiwilliges Engagement bei alternativen Medien (Okto, Mokant, Neuwal, Kobuk, udgl.), oder zusätzliche Ausbildungen. Gerade vor dem Hintergrund steigender Arbeitslosenzahlen von Absolventen der klassischen Massenstudien, wie nzz.at berichtet …

Forschungsfragen und dazu passende Hypothesen hat man immer in der quantitativen empirischen Forschung. Bei der Beantwortung der aufgestellten Hypothesen geht man nach der Falsifikation vor. Demnach sollte man immer so arbeiten, dass eine bestehend Problemlösung gerade nicht mehr funktioniert, damit die Hypothesen verfeinert bzw. verändert werden können und so die gesamte Theorie verbessert wird. Das Prinzip der Falsifizierbarkeit in der Wissenschaft geht auf den genialen Sir Karl Popper zurück. Und unter anderem begründet er das sinngemäß so: Wir sehen unzählig viele weiße Schwäne ein Leben lang. Darum könnten wir darauf schließen, dass alle Schwäne weiß sind. Wenn wir aber nun einen einzigen schwarzen Schwan sehen, erweist sich schon unsere Theorie als flasch und all unsere schönen Annahmen gehen den Bach runter. Suchen wir aber von Anfang an den schwarzen Schwan und finden ihn, dann können wir zumindest sagen, dass alle Schwäne nicht nur weiß sind. Die Aussage ist dann gesichert, wir könnten das sogar in Stein meißeln.

Bei der qualitativen empirischen Forschung hat man hingegen zu Beginn keine Hypothesen. Erst nach dem Forschungsprozess enstehen diese. Das nennt man Induktion und heißt, dass man einen/mehrere Einzelfälle untersucht und daraus allgemeingültige Aussagen ableitet, eben die Hypothesen.

Diese Hypothesen bieten sich dann an quantitativ zu forschen, um zu überprüfen ob das was induktiv herausgefunden wurde auch deduktiv stimmt. Deduktion bedeutet, dass man vom Allgemeinem auf den Einzelfall schließt.

Die Signifikanz bei einem t-Test lässt sich einfach errechnen. Das Interpretieren ist dagegen schon schwerer. Für Studenten oft verwirrend: Nehme ich jetzt den Signifikanzwert in der Zeile „Varianzen sind gleich“ oder „Varianzen sind nicht gleich“?

Das hängt wiederum von einem anderen Wert ab. Dazu liefert uns SPSS den Levene-Test. Den Wert der obere Zeile, also „Varianzen sind gleich“, nimmt man dann, wenn der Wert beim Levene-Test über 0,05 liegt. In unserem Fall beträgt der 0.006 und daher nehmen wir die Zeile „Varianzen sind nicht gleich“. Mit 0,067 sind die verglichenen Gruppen knapp nicht signifikant. Signifikant ist übrigens in der Sozialwissenschaft ein Ergebnis mit 0,05, was einer maximalen Irrtumswahrscheinlichkeit von 5% entspricht.

Im Internet findet man leicht Informationen, welche Skalenarten es gibt und was sie unterscheidet. Schwieriger wird es schon, festzustellen welche mathematischen Rechenoperationen überhaupt mit welcher Skalenart möglich sind. Häufig gibt es Fehlinterpretationen bei Statistiken, weil die durchgeführte Rechenoperation gar nicht zulässig ist.

Die Nominalskala

Nominalskalen bringen lediglich einen Verschiedenheit eines Merkmals zum Ausdruck. Klassisches Beispiel für eine Nominalskala ist die Frage nach dem Geschlecht: Geschlecht ist also das zu messende Merkmal und weiblich oder männlich die Ausprägungen dazu. Diese Ausprägungen müssen natürlich in Zahlen umgemünzt werden, z.B.

weiblich => 1 und männlich => 2

Selbstverständlich kann eine Nominalskala auch mehrere Ausprägungen haben, z.B.

Welche Augenfarbe haben Sie? blau => 1, braun => 2, grün => 3

Aus den Beispielen wird auch ersichtlich, dass es bei der Nominalskala keine Rangfolge gibt.

Welche Auswertungen können mit Nominalskalen vorgenommen werden?

Die Auswertungsmöglichkeiten sind auf Auszählungen eingeschränkt. Man kann Häufigkeitsverteilungen machen, etwa auszählen lassen, dass 60 Frauen und 40 Männer an einer Befragung teilgenommen haben. Mit Nominalskalen können Kreuztabellen erstellt werden und der Chi-Quadrat-Test gemacht werden. So kann man herausfinden, wie viele von den 60 Frauen und 40 Männern blaue, braune oder grüne Augen haben. Mit dem Chi-Quadrat-Test kann unter anderem geprüft werden, ob ein Zusammenhang zwischen zwei Merkmalen zufällig oder nicht zufällig ist, über das Ausmaß des Zusammenhanges sagt er allerdings nichts aus.

Ordinalskala

Die Ordinalskala bringt die Merkmalsausprägungen sozusagen in eine Ordnung. Man kann bestimmen, wo Merkmalsausprägungen stärker oder schwächer sind. Ein Bespiel für eine Ordinalskala sind Schulnoten. An diesem Beispiel sieht man auch das größte Problem: Ein Zweier ist nicht doppelt so gut wie ein Vierer. Der Abstand zwischen zwei Werten ist bei Ordinalskalen nicht bestimmt. Neben Häufigkeitsdarstellungen ist auch die Berechnung des Medians möglich. Der Median halbiert eine Verteilung.

Intervall-Skalen

Im Unterschied zur Ordinalskala, gibt es bei der Intervallskala zwischen den Werten vergleichbare Abstände. Damit können in SPSS Korrelationen nach Pearson berechnet werden. Mit Korrelationen kann berechnet werden, in welchem Ausmaß ein Zusammenhang zwischen zwei Merkmalen besteht. Auch arithmetische Mittel und Varianz kann bei Intervallskalen eingesetzt werden.

Verhältnisskala / Relationsskala

Verhältnisskalen haben einen absoluten Nullpunkt und bieten die Möglichkeit, Abstandswerte quantitativ in Beziehung zu setzen. Nur mit dieser Skala sind Divisionen und Multiplikationen sinnvoll. Atteslander erklärt das in seinem Buch anhand der Abfrage des Alters. Stellen wir uns vor, die Befragten werden aufgefordert das Alter einzutragen. Befragter A gibt 20 Jahre an, Befragter B gibt 40 Jahre an. Man kann daher sagen, B ist doppelt so alt wie A, weil 20 * 2 = 40.

 

Wenn wir uns jetzt vorstellen, dass Befragte aufgefordert werden, das Geburtsjahr anzugeben, dann hätten wir Folgendes: Befragter A wurde 1991 geboren und Befragter B 1971. Es handelt sich hier um einen Intervallskala, da die Abstände messbar sind. Man kann aber nicht sagen: B ist doppelt so alt wie A, weil 1971 * 2 ergibt keine Logik. Man muss erst wieder die Geburtsjahre in das aktuelle Alter umrechnen, erhält so einen Verhältnisskala und kann dann erst wieder wie zuvor berechnen, dass B doppelt so alt ist wie A.

Ein weiteres Beispiel für den Unterschied zwischen Intervall- und Verhältnisskala sind Grad Celsius und Kelvin. Kelvin ist einen Verhältnisskala (da absoluter Nullpunkt vorhanden), die Celsius-Temperaturskala eine Intervallskala. Hatte es gestern 10°C und heute 20°C, kann man zwar sagen „Es ist 10°C wärmer als gestern“, aber nicht „Es ist doppelt so warm wie gestern“. (dieses Beispiel ist aus der Wikipedia) Das wird besonders deutlich wenn wir die Celsius in Kelvin umrechnen: 10°C sind nämlich 283,15K und 20°C sind 293,15K, damit es doppelt so warm ist wie gestern, müsste es 566,3K haben, das sind umgerechnet 293,15°C.

Heureka! Heute habe ich am Publizistik-Institut die Anrechnung meiner Lehrveranstaltungen aus dem Erasmus-Semester vornehmen lassen. Zum Abschluss gibt es von mir eine kleine unterhaltsame Zusammenfassung des dänischen Königreiches und seiner Bewohner.

Glücklich ohne Berge und mit viel Bier

Dänemark hat vieles zu bieten. Schifahrer werden sich allerdings nicht wohlfühlen, der höchste „Berg“ misst gerade einmal 171 Meter. Macht aber nichts, als Ausgleich für lange Wintertage hat man in Dänemark das Lego erfunden. Wenn das nichts mehr hilft, können die Dänen auf Unterhaltungselektronik von Bang & Olufsen zählen, vorausgesetzt man hat das nötige Kleingeld. Reißen alle Stricke können sich die Dänen auf ihr Bier verlassen und davon hat man hier reichlich: Carlsberg ist der viertgrößte Brauereikonzern der Welt. Bier hat man also und zu feiern wissen die Dänen auch. Wahrscheinlich sind sie deshalb nach einer internationalen Studie weltweit am glücklichsten. Wobei, auf der Universität wird das mehr mit der „trustful society“ erklärt. Mit „trusful society“ sind hohe – von der Gesellschaft akzeptierte – Steuern gemeint, einhergehend mit einem hohen Lebensstandard, sozialer Sicherheit und Chancengleichheit.

Und wie studiert es sich?

Apropos Universität: Ich glaube, jeder Erasmus-Student weiß zu feiern, immerhin gilt es neue Menschen und ein neues Land kennenzulernen. Ich bin natürlich trotzdem regelmäßig auf die Uni gepilgert, wenn auch oft mit einem müden Auge. Eigentlich studiere ich Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, in Kopenhagen war mein Studium aber eher mit dem der Film-, Theater- und Medienwissenschaft in Österreich zu vergleichen. Darum war zum Beispiel der dänische Regisseur Lars von Trier fester Bestandteil meines Semesters. Der und überhaupt die Filmproduktion in Dänemark gelten weltweit als künstlerisch herausragend. Das „Dogma 95“-Manifest ist Filmfreunden wahrscheinlich ein Begriff. Trotzdem, die Qualität der Kurse auf der Uni sind definitiv nicht besser als in Wien, nach meiner Einschätzung muss ein Wiener Publizistikstudent sogar mehr für seinen Magister leisten, als ein Kopenhagener Student für seinen Master. Auch wenn einige Wiener Studenten jetzt ungläubig den Kopf schütteln werden, aber in Wien ist außerdem die Organisation klarer, übersichtlicher und einfacher strukturiert. Die Dänen müssen Bürokratie lieben, schlimmer geht es anscheinend immer.

Eine einmalige Chance

Trotzdem muss man betonen: Ein Auslandssemester bereichert ungemein, man gewinnt neue Einsichten, erweitert seinen Horizont und es ist eine Gelegenheit aus seinen alten Mustern auszubrechen. Wer also noch studiert, sollte die Möglichkeit wirklich nutzen!

Allgemeines über das komplizierte Modulsystem und die Kurse habe ich schon Letztens gebloggt. Diesmal geht es über die Inhalte der Kurse und ich vergleiche mein Studium in Wien mit dem in Kopenhagen.

Während einer Lehrveranstaltung in Kopenhagen

Während einer Lehrveranstaltung in Kopenhagen

Was in Kopenhagen gelehrt wird

Das dänische „Film and Media“-Institut rühmt sich damit, dass der Master gänzlich in Englisch gemacht werden kann. In meinem Semester sind folgende englischsprachige Kurse zur Auswahl gestanden, wobei jeder 15 ECTS umfasste:

  • Converging Media: Transmedia Discourses, Participatory Culture and Branding
  • Contemporary European Cinema
  • Contemporary Images of Women from a Cross-Media Perspective
  • Evolutionary and Cognitive Film Theory
  • The French New Wave

Anfangs habe ich Converging Media, Contemporary European Cinema und Evolutionary and Cognitive Film Theory besucht. Zusätzlich habe ich einen Academic English Course absolviert, der auch 15 ECTS gebracht hat. Angenehm war, dass man sich für die Kurse nicht vorab registrieren musste (außer dem Englischkurs) und den exchange students sogar empfohlen wurde mehrere Kurse zu besuchen und dann auszuwählen. Das ist auch kein Problem, da man sich für Prüfungen erst später im Semester anmeldet. Cognitive Film Theory habe ich bald aufgegeben, da es einerseits vorrangig um Psychologie ging und mir andererseits der Professor ein zu holpriges Englisch sprach. In Contemporary European Cinema ging es vor allem um den europäischen Film: Besucherzahlen, finanzielle Situation und Unterschiede zwischen europäischen Filmen und denen aus Hollywood waren die Hauptthemen. In Converging Media ging es um Medieninnovationen und die Fusion verschiedener Medien.

Universität Wien vs. Universität Kopenhagen

Ein großer Pluspunkt in Kopenhagen ist, dass vieles in Englisch angeboten wird. Leider ist das in Wien nur sehr selten der Fall. Vielleicht ändert sich das aber mit den neuen Professoren. In Dänemark ist man auch mehr oder weniger gezwungen in Englisch zu publizieren um eine größere Leserschaft zu erreichen, die deutschsprachige Scientific Community ist dagegen wahrscheinlich groß genug. Die Studierenden haben auf der Universität viele Freiheiten und das Klima ist sehr kollegial. Jeden Freitag gibt es zum Beispiel die so genannte „Friday’s bar“, wo sich die Studierenden am Abend auf der Uni treffen, trinken und feiern. (Übrigens: Reinigungskraft möchte ich auf der Kopenhagener Uni nicht sein)

Das sind sicher große Pluspunkte, ansonsten ziehe ich aber die Universität Wien definitiv vor. Die Schwerpunkte meines Studiums der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft gefallen mir mehr, in Kopenhagen liegen die nämlich auf Film. Außerdem ist das Studium in Wien klarer, übersichtlicher und einfacher strukturiert. (ja, wirklich!) Eine negative Erfahrung in Kopenhagen war zum Beispiel, dass man wirklich lange brauchte bis man überhaupt wusste was von einem konkret verlangt wird. Ich halte es auch für besser und fordernder, dass man in Wien ca. 3-5 Kurse besuchen muss um auf 15 ECTS zu kommen und nicht wie in Kopenhagen nur einen Kurs, auch wenn der umfangreicher ist. Nach meiner Einschätzung muss ein Wiener Publizistikstudent mehr leisten um seinen Magister zu erhalten, als ein Kopenhagener Student für seinen Master. (Wobei ich natürlich nach einem Semester keinen vollständigen Überblick habe.)

Fazit

Trotzdem muss man betonen: Wer nie im Ausland studiert hat ist selber Schuld. Wenn ich nicht viel Zeit in meinem Studium in Österreich verlieren würde hätte ich verlängert. Obwohl ich noch ein Monat in Kopenhagen sein werde blicke ich schon etwas wehmütig zurück. Unter Umständen war es das letzte Mal, dass ich nicht nur Urlaub in einem fremden Land mache sondern auch dort lebe. Ein Auslandssemester bereichert ungemein, man gewinnt neue Einsichten, erweitert seinen Horizont und es ist eine Gelegenheit aus seinen alten Mustern auszubrechen.

Nach dem Oktober möchte ich ein paar Sightseeing-Highlights aus dem November präsentieren:

Die Vor Frue Kirke (Liebfrauenkirche) wird auch als Dom zu Kopenhagen bezeichnet. Die Kirche liegt gegenüber dem ältesten Universitätsgebäude Kopenhagens und wird von der königlichen Familie für wichtige Anlässe genützt wie Inthronisation oder Heirat.

Dieses Foto stammt von der Wachablöse vor dem Schloss Amalienborg. Amalienborg ist die Stadtresidenz der dänischen Königin Margrethe II. Die Wachen erinnern mich übrigens sehr an meine Lego-Soldaten, ob das Zufall ist?

Die Marmorkirken habe ich wieder mal besucht. Diesmal zeigt das Foto den prunkvollen Altar.

Auch in der Glyptothek war ich im November. Das Bild zeigt die grandiose Skulptur “ Tod und die Jungfrau“ von Elna Borch. (vielleicht bin ich schon sosehr Wiener, dass mir alles Morbide gefällt. ;-))

Am jüdischen Museum ist die Architektur ehrlich gesagt interessanter ist als die Ausstellungsstücke. Es hat die Form des hebräischen Wortes Mitzvah, was soviel bedeutet wie „eine gute Tat“. Das wiederum bezieht sich auf die Zeit, als die Nationalsozialisten Dänemark besetzten, aber den meisten dänischen Juden mit Hilfe der Dänen die Flucht nach Schweden gelang. Geplant wurde das Museum vom bekannten Architekten Daniel Libeskind.

Roskilde war die erste dänische Hauptstadt, deswegen befindet sich in dem kleinen verschlafenen Ort ein riesiger Dom indem die dänischen Könige begraben sind. Der Dom ist heute UNESCO-Weltkulturerbe. Auch ein Wikingerschiffmuseum befindet sich hier, was uns aber zu teuer war und außerdem befinden sich zu viele Austellungstücke im kalten Freien. Jedes Jahr findet in Roskilde übrigens auch eines der größten Musikfestival Europas statt.

Von der extrem schwierigen Wohnungssuche in Kopenhagen habe ich schon berichtet. Schlussendlich haben wir aber doch eine nette Wohnung gefunden. Ich glaube, mein Studienkollege Lubo und ich hatten echtes Glück. Seit Ende August leben wir nun hier. Die Wohnung befindet sich im Stadtteil Amager und mit dem Fahrrad brauchen wir weniger als 10 Minuten zur Uni. Übrigens: Mit dem Bus sind es weit über 30 Minuten, kein Wunder, dass in Kopenhagen alle mit Fahrrad fahren…

Aber Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte, darum ein kleiner Einblick wie es sich um 3500 Kronen (rund 470 Euro) pro Monat in der fünfteuersten Stadt Europas lebt. (die 3500 Kronen sind mein zu zahlender Anteil an der Gesamtmiete)

Die Küche ist altmodisch, hat aber alles was wir brauchen. Kochen tun wir mit einem Gasherd und ich muss sagen: Wir kochen brav und oft. Nur einen Geschirrspüler vermissen wir sehr.

Mein Zimmer ist sehr geräumig, leider ist das Bett alt und winzig. Es dürfte schon viele Studenten darauf geschlafen haben.

Auf der anderen Seiten befindet sich der Schreibtisch und unser Esstisch. In der Küche gibt es keine Sitzmöglichkeit.

Auch eine nette Couch befindet sich in meinem Zimmer. Leider ist sie nicht ausziehbar. Lubos Zimmer und unser kleines Bad mit WC habe ich nicht fotografiert.

 

Angeblich sagen ja die Tiroler: „Bischt ka Tiroler, bischt ka Mensch.“ Bei den Dänen gilt wohl etwas ähnliches: „Bischt ka Radfahrer, bischt ka Mensch“ – soll heißen, ein Fahrrad ist Pflicht. Auch ich habe mir eines gekauft, um 1800 Kronen (rund 240 Euro). Das also ist mein Bike, fährt sich wirklich super und hat sogar 24 Gänge:

Auf dem Fahrradsitz befindet sich ein Regenschutz mit Werbung. Die werden oft und gerne für Fahrräder verteilt.

Von meinem K(r)ampf mit der heimischen Bürokratie habe ich schon lang und breit erzählt. Aber ein Gusto-Stückchen österreichischer Beamtenlogik soll nicht unerwähnt bleiben…

Anfang September wurde meinem österreichischen Studienkollegen bereits 80% des gesamten Erasmus-Stipendiums überwiesen – mir aber nicht. Woran das liegt? Ich bekomme Studienbeihilfe und er nicht.

In Österreich zahlt nämlich grundsätzlich der Österreichische Austauschdienst (OeAD) das ERASMUS-Stipendium aus. Für Kopenhagen sind das 335 Euro. Als Empfänger von Studienbeihilfen bekomme ich die Förderung jedoch von der Studienbeihilfenbehörde, wozu ich nochmal einen Antrag stellen musste. Dieser nennt sich „Antrag auf Genehmigung einer Gewährung einer Beihilfe für ein Auslandsstudium“. Der Witz an der ganzen Sache ist: Die Studienbeihilfenstelle zahlt weniger aus als die OeAD GmbH. So kommt es, dass ich jetzt weniger Geld als mein Kollege erhalte und das monatlich statt im Vorhinein. Dafür kann ich nach dem Auslandssemester wieder Formulare beim OeAD einreichen, um so den Differenzbetrag zwischen Auslandsstudienbeihilfe und deren Erasmus-Stipendium zu erhalten. (genannt „Top-Up“)

Die Regelung ist also wirklich kompliziert. Irgendwie erwartet man sich da eine bessere Lösung. Zumindest aber hat der OeAD von Anfang an darauf hingewiesen, dass es solche Differenzen geben kann, auch wenn einem die Information nicht wirklich hilft. Aber etwas ganz Positives gibt es auch zu sagen: Die Höhe der Förderung ist in Österreich richtig anständig. Auslandsstudierende aus Deutschland haben mir erzählt, dass sie nur in etwa die Hälfte erhalten.

Abgabe der Formulare

Man bekommt also die abgestempelten und unterschriebenen Formular vom Studienprogrammleiter zurück. Und was soll man nun damit machen? Man gibt die Originale im Büro für Studierendenmobilität ab. Zwar fordert das Büro im zugesendeten Mail auf, selbst Kopien zu erstellen, aber wenn man keine gemacht hat werden die auch dort kopiert. Das Büro befindet sich übrigens im Hauptgebäude der Universität Wien. Dazu geht man beim Haupteingang hinein, wendet sich nach rechts, geht die ersten 4 Stufen (also man bleibt im Erdgeschoss) hinauf und auf der rechten Seite befindet sich der Eingang, eine unscheinbare weiße Türe. Ich empfehle frühstmöglich dort die Formulare abzugeben, denn dann muss man nicht solange warten. Später bilden sich Schlangen, da alle „Outgoings“ innerhalb der Frist ihre Formulare abgeben müssen.

Nächste Anmelderunde

Das Büro für Studierendenmobilität sendet dann alle Unterlagen an die Partner-Universität im Ausland. Diese meldet sich schließlich per E-Mail. Mir hat die Kopenhagener Universität einen PIN zugeschickt, mitdem ich mich in ihr Internetportal einloggen kann. Und Einloggen musste ich mich, weil die Kopenhagener mich zur nächsten „Application“ aufgefordert haben. Für was ich eigentlich die Bewerbung schon auf englisch geschrieben hatte, frage ich mich noch heute. Auf jeden Fall heißt es wieder Formulare ausfüllen. Adresse, Geburtsdatum & Co., welche Dänischkenntnisse man hat, ob man einen Mentor will, ob die Universität für eine Unterkunft sorgen soll usw. Desweiteren muss man noch einmal ein mindestens 300 Wörter langes Motivationsschreiben in Englisch verfassen. Schließlich wollten sie auch, dass man ein „official transcript“ hochlädt. Official transcript wurde in der Hilfe als Zeugnisse der Heim-Universität beschrieben. Das alles habe ich auch brav gemacht.

„proof of english“ fehlte

Bald nachdem ich meine „Application“ abgeschickt hatte, bekam ich ein ungutes Mail. Darin stand, dass meine Application gestoppt wurde, bis ich einen proof of english erbringen würde. Mit proof of english meint man einen der anerkannten Englischtest, wie zum Beispiel das Certificate in Advanced English (CAE), oder noch bekannter den TOEFL. Natürlich habe ich schnellstmöglich den TOEFL-Test gemacht und glücklicherweise auch bestanden. Für Kopenhagen braucht man ein Testergebnis von mindestens 80 von 120 erreichbaren Punkten. Durch Gespräche habe ich herausgefunden, dass das sogar mehr ist als bei manchen amerikanischen Unis. Was aber wirklich schmerzte: Solange ich die Test-Ergebnisse nicht hatte, wurde meine Application und damit auch das Housing gestoppt. Housing meint die Vermittlung einer Unterkunft durch die Universität. Beim Housing hatten die Kopenhagener leider eine sehr knappe Deadline, die ich nicht mehr einhalten konnte. Als ich schließlich die Testergebnisse nachreichte, wurde meine Application fortgesetzt und positiv abgeschlossen – aber eine Unterkunft muss ich mir jetzt selber suchen!

Exkurs: der TOEFL-Test

Das überhaupt ein TOEFL-Test verlangt wird, ist innerhalb des ERASMUS-Programmes schon seltsam. Angeblich dürfen die teilnehmenden Universitäten das gar nicht verlangen, die Kopenhagener machen es trotzdem. Ich persönlich finde es auch ein wenig seltsam, dass – laut der Homepage der Universität Kopenhagen – Studierenden aus skandinavischen Ländern keinen TOEFL brauchen.

Zum TOEFL-Test selbst ist zusagen, dass man ihn unter- aber auch überschätzen kann. Ich hatte nicht so viel Zeit Englisch zu lernen, im Nachhinein gesehen hätte das wahrscheinlich auch nicht viel gebracht. Beim Test bekommt man nämlich irgendwelche Texte zu hören und zu lesen. Man muss daher einfach ein gewisses Niveau haben um die Aufgaben bewältigen zu können. Die Texte beim Test sind sehr wissenschaftlich und kompliziert. Allerdings glaube ich, dass die Benotung sehr fair ist. Ich hatte 95 Punkte und mir ist es eigentlich gar nicht gut gegangen. Ich war an dem Tag total übermüdet und pessimistisch eingestellt – was ich normal bei fast keiner Prüfung bin. Noch dazu fing meine Nachbarin gleichzeitig mit mir den „Speaking“-Teil an, was extrem störend war. An sich ist es so, dass die Leute nach der Registrierung einen Platz zugewiesen bekommen und dann sofort anfangen können zu arbeiten. Dadurch arbeiten alle etwas zeitversetzt und es wird darauf geachtet, dass die, die ungefähr zur selben Zeit anfangen, getrennt sitzen. Leider glich sich der Zeitabstand zwischen meiner Nachbarin und mir bis zum „Speaking“-Teil aus. Übrigens: Ich dachte mir, es würde beim Test so Art Kabinen geben – aber davon war keine Rede. Man sitzt in einem Raum der aussieht wie ein Klassenzimmer und vor Dir steht ein PC und ein Headset. Alles offen also, dafür müssen alle persönlichen Utensilien weggelegt werden, nicht mal ein Getränk darf man stehen lassen. (was ich besonders gemein finde, denn in der einzigen zehnminütigen Pause trank ich ein RedBull und es ging mir gleich wieder besser. ;-)) Der Test dauert netto 4 Stunden und das ist schon zäh. Aber wie gesagt: Die Benotung dürfte moderat sein. Meine Detailergebnisse sind: Reading: High, Listening: High, Speaking: Good-Fair, Writing: Fair. Last but not least noch ein Tipp: Beim Reading wird zuerst der gesamte Text präsentiert, dann Fragen dazu gestellt. Zu den Fragen kann man aber den Text auch noch einmal lesen. Daher sollte man anfangs den Text überspringen und erst im Zusammenhang mit den Fragen die betreffenden Textstellen lesen. Das Problem ist nämlich die knappe Zeit!

Ich bin froh den Test bestanden zu haben, aber es ist wirklich blöd, dass der TOEFL-Test mein Zeitmanagement über den Haufen geworfen hat. Was das für mich bedeutet und warum das grundsätzlich von den Instituten schlecht geregelt ist, beschreibe ich im nächsten Artikel.

Jeder der schon mal im Ausland studierte, schwärmt über die neuen Erfahrungen die er dort gemacht hat. Bis man allerdings die Reise antreten kann, sind einige bürokratische Hürden zu überwinden.

Auf dem Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaften in Wien wären das folgende:

 

1. Die Qual der Wahl

Wohin soll es gehen? Diese Frage ist natürlich zentral und sollte wohl überlegt sein. Im Nachhinein sehe ich meine „Recherche“ auf eigene Faust als vergeudete Zeit und es wäre wohl vernünftig gewesen, hätte ich bis zum Infoabend gewartet und dann erst die nächsten Schritte geplant. Zur Auswahl der Unis ist noch zu sagen: Man sollte sich für zwei Partneruniversitäten bewerben. Zwar kann man auch nur eine Präferenz angeben, allerdings erhöht man mit einer Alternative seine Chancen genommen zu werden. Laut meiner zuständigen Koordinatorin kann man sich maximal für zwei Unis bewerben. Das ist etwas verschieden zu anderen Instituten, die eine längere Präferenzliste oft sogar verlangen. Wichtig ist, dass es auf den Partnerunis Master- oder Bachelorplätze gibt.  Man sollte auf dasselbe Niveau achten, sprich sich nur  für einen Masterplatz bewerben, wenn man selbst im Master ist. Ansonsten kann es zu Problemen bei der Anrechnung der im Ausland absolvierten ECTS-Punkte kommen, oder die Partneruni könnte die Bewerbung sogar stoppen.

 

2. Die Bewerbung

Hat man seine Wahl getroffen, muss man bis zu einer gewissen Frist seine Bewerbung beim zuständigen Koordinator (am Institut) einreichen. Dabei umfasst die Bewerbung: Bewerbungsschreiben, Lebenslauf, Motivationsschreiben, Notenspiegel und das Nominierungsformular. Das Nominierungsformular findet man auf erasmus.univie.ac.at. Dort muss man sich registrieren und zumindest dieses eine Formular ausfüllen und bei der Bewerbung mitabgeben. Es gibt noch viele andere Formulare, die werden aber erst später relevant.

Die Bewerbung ist in deutsch und englisch zu verfassen und sollte auf jede der zwei Partnerunis angepasst sein, die man präferiert. D.h. im Endeffekt schreibt man alles viermal: zweimal in deutsch und zweimal in englisch. Außerdem muss ein Sammelzeugnis ausgedruckt werden. Wer das noch nie gemacht hat: Für UniVie-Studierende gibt es Automaten für den Ausdruck. Diese findet man vor der StudienService-Stelle auf der „Hauptuniversität“. Man soll übrigens auch seinen Notendurchschnitt errechnen und diesen bei der Bewerbung angehen. Er ist ein wichtiger Kriterienpunkt wer fahren darf und wer nicht.

Sobald man seine Unterlagen eingereicht hat, heißt es aber erstmals warten. Denn die Bestätigung, dass man nominiert wurde, kann schon dauern. Dazu aber mehr im nächsten Artikel.