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Bei manchen genießt das Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (PuKW) einen zweifelhaften Ruf. Unverdient, wie ich meine. Klarerweise gibt es einige Negativpunkte, wie beispielsweise das schlechte Betreuungsverhältnis. Auf der anderen Seite übersieht man dabei leicht, wie viel sich am Publizistikinstitut tut und wie viele kreative Ideen hier geboren werden. Kobuk ist dafür ein Beispiel.

Einzigartiges Projekt
Ein anderes Beispiel ist das Fachtutoriumsprojekt, was ziemlich einzigartig an der Universität Wien ist. Dabei werden erst- und zweitsemestrige Studierende von älteren Studierende unterrichtet, die zumindest schon die erste Bakkalaureatsarbeit (BAKK 1) geschrieben habe. Ich war letztes Semester gemeinsam mit meinem Kollegen Lubomir Polach so ein Fachtutor. Deswegen kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Eine tolle Sache, sowohl für die Studienbeginner als auch für uns ältere Studierenden. Die Studienbeginner profitieren davon, weil im Gegensatz zur gewöhnlichen Massenuniversität maximal 20 Personen in einer Fachtutoriumsgruppe sind. Für viele die erste Gelegenheit, ungezwungen andere Studierende kennen zu lernen und sich aktiv zu Themen des Faches einbringen und mitdiskutieren zu können. Aber auch wir Fachtutoren profitieren ungemein: Wer ein Fachtutorium leiten möchte, muss sich mit einem Konzept bewerben, in dem er schildert welches Thema warum und wie behandeln werden soll. Vorgegeben ist nämlich nur ein Überthema, an dessen Rahmen man sich halten muss. Dieses Überthema richtet sich wieder nach einer bestimmte Vorlesung, an die das Fachtutorium gekoppelt ist. In unserem Fall war das „STEP 6 – Medienkunde“, gehalten von Univ.-Prof. Dr. Hannes Haas. Das Thema unseres Fachtutoriums war dementsprechend Medienwandel und Medienkonvergenz und hatte den klingenden Titel „As Time Goes Bytes“.

Lebenserfahrung pur
Auf jeden Fall muss man sich schon im Vorfeld mit seiner Idee wirklich auseinandersetzen und diese auch begründen können. Auch keine schlechte Übung für einen selbst. Ebenso erfahrungsreich war das Unterrichten. Und ganz ehrlich: Ich habe auch aus meinen Fehlern besonders viel gelernt. Vieles ist nämlich so wie wir uns das vorgestellt haben nicht gelungen, woanders wurden wir wieder positiv überrascht. Gruppendynamik mit ihren verschiedenen Persönlichkeiten ist jedenfalls eine spannende Sache. Das Ganze darf ja auch fordernd sein, denn die Arbeit wird von der Universität Wien bezahlt. Natürlich verdient man nicht berauschend viel, aber es geht in jeden Fall in Ordnung. Ein Fachtutor muss eineinhalb Stunden pro Woche eine Gruppe unterrichten – Vorbereitung, Korrigieren von Übungsarbeiten und ähnlichem nicht inbegriffen. Das Fachtutorium ist für die Erst- und Zweitsemestrigen verpflichtend und wird auch benotet. Diese Benotung macht den kleineren Teil der Endnote aus, der größere Teil besteht aus der davon unabhängigen Prüfungsnote der Vorlesung.

Allgemeines über das komplizierte Modulsystem und die Kurse habe ich schon Letztens gebloggt. Diesmal geht es über die Inhalte der Kurse und ich vergleiche mein Studium in Wien mit dem in Kopenhagen.

Während einer Lehrveranstaltung in Kopenhagen

Während einer Lehrveranstaltung in Kopenhagen

Was in Kopenhagen gelehrt wird

Das dänische „Film and Media“-Institut rühmt sich damit, dass der Master gänzlich in Englisch gemacht werden kann. In meinem Semester sind folgende englischsprachige Kurse zur Auswahl gestanden, wobei jeder 15 ECTS umfasste:

  • Converging Media: Transmedia Discourses, Participatory Culture and Branding
  • Contemporary European Cinema
  • Contemporary Images of Women from a Cross-Media Perspective
  • Evolutionary and Cognitive Film Theory
  • The French New Wave

Anfangs habe ich Converging Media, Contemporary European Cinema und Evolutionary and Cognitive Film Theory besucht. Zusätzlich habe ich einen Academic English Course absolviert, der auch 15 ECTS gebracht hat. Angenehm war, dass man sich für die Kurse nicht vorab registrieren musste (außer dem Englischkurs) und den exchange students sogar empfohlen wurde mehrere Kurse zu besuchen und dann auszuwählen. Das ist auch kein Problem, da man sich für Prüfungen erst später im Semester anmeldet. Cognitive Film Theory habe ich bald aufgegeben, da es einerseits vorrangig um Psychologie ging und mir andererseits der Professor ein zu holpriges Englisch sprach. In Contemporary European Cinema ging es vor allem um den europäischen Film: Besucherzahlen, finanzielle Situation und Unterschiede zwischen europäischen Filmen und denen aus Hollywood waren die Hauptthemen. In Converging Media ging es um Medieninnovationen und die Fusion verschiedener Medien.

Universität Wien vs. Universität Kopenhagen

Ein großer Pluspunkt in Kopenhagen ist, dass vieles in Englisch angeboten wird. Leider ist das in Wien nur sehr selten der Fall. Vielleicht ändert sich das aber mit den neuen Professoren. In Dänemark ist man auch mehr oder weniger gezwungen in Englisch zu publizieren um eine größere Leserschaft zu erreichen, die deutschsprachige Scientific Community ist dagegen wahrscheinlich groß genug. Die Studierenden haben auf der Universität viele Freiheiten und das Klima ist sehr kollegial. Jeden Freitag gibt es zum Beispiel die so genannte „Friday’s bar“, wo sich die Studierenden am Abend auf der Uni treffen, trinken und feiern. (Übrigens: Reinigungskraft möchte ich auf der Kopenhagener Uni nicht sein)

Das sind sicher große Pluspunkte, ansonsten ziehe ich aber die Universität Wien definitiv vor. Die Schwerpunkte meines Studiums der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft gefallen mir mehr, in Kopenhagen liegen die nämlich auf Film. Außerdem ist das Studium in Wien klarer, übersichtlicher und einfacher strukturiert. (ja, wirklich!) Eine negative Erfahrung in Kopenhagen war zum Beispiel, dass man wirklich lange brauchte bis man überhaupt wusste was von einem konkret verlangt wird. Ich halte es auch für besser und fordernder, dass man in Wien ca. 3-5 Kurse besuchen muss um auf 15 ECTS zu kommen und nicht wie in Kopenhagen nur einen Kurs, auch wenn der umfangreicher ist. Nach meiner Einschätzung muss ein Wiener Publizistikstudent mehr leisten um seinen Magister zu erhalten, als ein Kopenhagener Student für seinen Master. (Wobei ich natürlich nach einem Semester keinen vollständigen Überblick habe.)

Fazit

Trotzdem muss man betonen: Wer nie im Ausland studiert hat ist selber Schuld. Wenn ich nicht viel Zeit in meinem Studium in Österreich verlieren würde hätte ich verlängert. Obwohl ich noch ein Monat in Kopenhagen sein werde blicke ich schon etwas wehmütig zurück. Unter Umständen war es das letzte Mal, dass ich nicht nur Urlaub in einem fremden Land mache sondern auch dort lebe. Ein Auslandssemester bereichert ungemein, man gewinnt neue Einsichten, erweitert seinen Horizont und es ist eine Gelegenheit aus seinen alten Mustern auszubrechen.

Ich habe schon länger nicht mehr gebloggt, weil ich mehr für die Uni machen musste und sehr oft Besuch hatte. Darum möchte ich mit einer bilderreichen Aufzählung die letzten zwei Monate Revue passieren lassen. Den Anfang macht der Oktober:

Das Foto zeigt das Foyer der Glyptothek. Dort kann man unter anderem Werke von Auguste Rodin betrachten. Möglich machte das Ganze der Mäzen Jacob Christian Jacobsen, Gründer der Carlsberg-Brauerei. Besonders erfreulich: Sonntag ist der Eintritt frei, das ist auch der Grund warum ich bis jetzt fünfmal dort war.

Eine durch die Kopenhagener Kanäle ist sowieso Pflichtprogramm, man fühlt sich fast wie in Venedig. Die Tour wird meist um 60 DKK angeboten, allerdings habe ich schon ein Angebot für 30 DKK entdeckt.

Außerhalb von Kopenhagen gelegen, aber wunderschön: Møns Klint. Eine Fahrt dorthin zahlt sich immer aus. Auch der Park von Liselund befindet sich in der Nähe, ist aber nicht besonders aufregend.

Für Kinder und alle die es mal wieder sein wollen: Das Legoland in Billund. Dort wird dem Lego gehuldigt, der besten dänische Erfindung ever! Sorry, lieber Niels Bohr, Tycho Brahe & Co. Billund ist allerdings rund 260 Kilometer von Kopenhagen entfernt, darum haben wir uns ein Auto gemietet. Mit drei Leuten an Bord ist das auch in etwa gleich teuer wie Zug fahren. Übrigens, die Preise der Autoverleiher variieren stark nach Standort, am Flughafen zahlt man viel mehr als in der Stadt. Aufgrund leichten Nieselregens und Windes waren nicht viele Besucher im Legoland und wir mussten bei fast keiner Fahrattraktionen warten, das schlechte Wetter war damit ein echter Gewinn!

Der Turm der „Vor Freslers Kirke“ hat eine Außentreppe, wovon man einen traumhaften Überblick über ganz Kopenhagen hat. Sicher auch ein Fixpunkt, wenn man Kopenhagen besucht, zumal das bekannte Christiania auch nicht mehr weit entfernt ist.

Wenn es nicht zu kalt ist, kann man auch im wunderschönen Friedhof namens „Assistens Kierkegarde“ spazieren gehen und die Gräber prominenter Dänen besichtigen. Gräber wie das von Hans Christian Andersen sind auch gut beschildert.