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Social Media nutzen Unternehmen, Politiker und Private gleichermaßen. Verständlich, kann man doch damit relativ einfach seine Inhalte und Ideen fördern und außerdem seine Zielgruppe pflegen und informieren. Nur leider übertreiben es viele in ihrer Euphorie maßlos: Jede zehn Minuten ein Status-Update, das nervt! Genauso wie wenn gleichzeitig zehn oder mehr Tweets raus geschossen werden und dann war es das wieder für die nächsten zwei Tage. Diese Art der Informationsweitergabe ist einfach nur miserabel! Dabei wäre das gar nicht nötig, denn dafür gibt es ja HootSuite.

Mit dem Service kann man einfach Status-Updates für Facebook oder Tweets für Twitter vorschreiben und braucht dann nur mehr gewünschten Termin und Zeit für die Veröffentlichung angeben. So ist perfekte Verteilung der eigenen Social Media-Aktivität über den ganzen Tag und sogar am Wochenende gewährleistet, auch wenn man nicht gerade vor dem Computer sitzt. Zusatzplus: Man kann auch Status-Updates für die eigene Fan-Page in Facebook einplanen. HootSuite ist in der Basisvariante kostenlos.

 

Jahresvorsätze sind so eine Sache: Vornehmen tut man sich viel, einhalten schon weniger. Wenn man sich dann wieder im alten Habitus erwischt, heißt es nur allzu gerne: „Aber morgen wird alles anders!“ Die EAV lässt grüßen:

Mir soll das bitte nicht passieren. Realistisch und bescheiden will ich es darum angehen. Mein Jahresvorsatz für 2012: Privat Facebook und Twitter nur mehr unterwegs am Handy nutzen, ausgenommen am Wochenende.

Warum das? Social Media sind einfach irrsinnige (Frei-)Zeitfresser. Das lässt sich mit Vollzeit-Praktikum und Studium nicht mehr vereinbaren. Am Handy unterwegs ist der Konsum hingegen egal, weil man beispielsweise die Zeit in der Straßenbahn sowieso wartend verbringen muss. Trotzdem bin ich mir sicher, dadurch ein paar spannende Geschichte und vor allem Videos zu verpassen. Mein Samsung Wave, mit dem miesen Betriebssystem Bada, hat mit Videos nämlich so seine Probleme. Solche Sachen kann ich mir aber am Wochenende vom Notebook aus anschauen bzw. nachlesen, das wird mir hoffentlich die Abgewöhnungsphase erleichtern. Ich glaube auch nicht, dass sich damit mein Social Media-Konsum einfach auf das Wochenende verlagert, weil ich keinerlei Lust verspüre am Samstag und Sonntag stundenlang Facebook und Twitter anzustarren. Ganz einfach ist es aber sowieso nicht sein Verhalten zu ändern. Der Mensch ist absolut ein Gewohnheitstier. Leider. Und: ausgenommen von dem Vorsatz ist natürlich die berufliche Nutzung von Facebook und Twitter.

Seit Oktober 2009 nutze ich den Microblogging-Dienst Twitter. Im Umgang mit diesem Tool habe ich eine umfassende Entwicklung durchgemacht. Diese Entwicklung hat mich stark an das Oberg-Modell erinnert. Der Anthropologe Karlevo Oberg beschreibt darin, welche Phasen man als Neuankömmling in einem fremden Land durchmacht. Das erste Mal habe ich von diesem Modell in Kopenhagen gehört, auf einer Orientierungslehrveranstaltung für Erasmus-Studenten. Ich möchte zeigen, wie perfekt man dieses Modell auf die Eingewöhnung eines Social Media Dienstes wie Twitter ummünzen kann.

Honeymoon-Phase
In der ersten Phase, werden alle Begegnungen in dem neuen Land als aufregend, positiv und stimulierend empfunden. Der im Ausland Tätige wird von einer Offenheit und Neugier getragen, er befindet sich in einem Zustand des Überschwangs. Das Urteilsvermögen ist eingeschränkt, kleine negative Erlebnisse werden unterdrückt oder gar nicht erst wahrgenommen. Die Konzentration gilt einzig auf den als schön und angenehm empfundenen Aspekte im Umgang mit den Mitmenschen in der neuen Umgebung. (Haufler, 2003) ((Haufler, Frank (2003): Phasen der Eingewöhnung – ein Modell von K. Oberg. In: http://teamarbeit.factlink.net/124772.0/. (04.03.2011) ))

Genauso erging es mir. Als Neuling war ich neugierig, offen und überschwänglich. Von Twitter hatte ich zuvor aus den klassischen Medien gehört. Eingeprägt hat sich dieser neuartige Dienst bei mir durch die Berichterstattung um ein im Jänner 2009 notgewassertes US-Passagierflugzeug. Ein Twitterer hatte die anschließende Rettungsaktion der Passagiere fotografiert und so für einen Ansturm auf TwitPic gesorgt. TwitPic ermöglicht das Posten von Fotos auf Twitter. Sobald ich registriert war, habe ich alles möglich angeklickt und durchstöbert, ohne wirklich zu wissen für was das alles überhaupt gut sein soll. Die Planlosigkeit wurde immer größer. Was folgte, kann man die Twitter-Kulturschock-Phase nennen. Aber zuerst wieder zum Modell von Oberg:

Kulturschock-Phase
In der darauffolgenden zweiten Phase bemerkt der Neuankömmling Unstimmigkeiten zwischen seinen eigenen Gepflogenheiten und den Verhaltensweisen der Menschen in seinem Gastland. Der Neuankömmling fühlt zum ersten Mal so etwas wie Fremdheit. Auslöser für ein Gefühl der Fremdheit kann ein sich einschleichendes Bewusstsein der Desorientierung sein. Man hat das Gefühl nicht genau zu wissen was „läuft“. (ebd.)

Ich hatte null Wissen über Twitter, aber noch immer die diffuse Vorstellung alle tollen und exklusiven Informationen würden mir sofort automatisch zufliegen. Natürlich muss man aber erst einmal den richtigen (!) Leuten folgen und dazu muss man die halt auch kennen. Außerdem: Erst wenn man einmal einer gewissen Anzahl folgt, hat man ständige und weiterführende Anknüpfungspunkte. Anfangs fühlte ich mich also fremd und desorientiert auf Twitter. Die Konsequenz daraus war, dass ich aufhörte mich damit zu beschäftigen. Ich denke, so ergeht es vielen Nutzern. Ich aber fand den Weg zurück zu Twitter, die nächste Phase begann. Was sagt das Oberg-Modell dazu:

Genesungsphase
Die dritte Phase beginnt in der Regel dann, wenn der Einzelne erkennt, dass er ein Problem mit der fremden Kultur hat und akzeptiert an der Lösung des Problems zu arbeiten. Zu weiten Teilen stellt die Phase einen Kompromiss zwischen den Gefühlen und Denkweisen der Honeymoon- und der Kulturschock-Phase dar. Mit anderen Worten, es wird ein Kompromiss zwischen den übertriebenen Erwartungen aus der ersten Phase und der Realität gefunden. (ebd.)

Einziger Unterschied zur Twitter-Erfahrung: Ein Ausländer muss sich mit der Situation auseinandersetzten (außer er fliegt Heim), Twitter kann man leicht verdrängen. Oft braucht man wohl einen Anstoß von außen, um die Twitter-Kulturschock-Phase zu überwinden. In meinem Fall war das die Lehrveranstaltung von Axel Maireder in Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Forschungsobjekt dieser Lehrveranstaltung war Twitter und Facebook. Meine Kollegen und ich mussten uns mit Twitter auseinandersetzen. Glücklicherweise, denn das war die Motivation die ich brauchte. Meine anfänglichen übertriebenen Erwartungen wurden realistischer. Twitter bietet eben nicht nur interessante und hochqualitative Informationen, sondern auch viel Schund. Aber den Schund kann man effektiv reduzieren und das bringt uns in die letzte Phase, der

Anpassungsphase
Man hat für sich seinen Platz in der fremden Gesellschaft gefunden. Ein Manager ist nun in der Lage, effektiv zu arbeiten. Er kennt die Grenzen seiner Fähigkeiten, seine Denkweise ist flexibler geworden und er ist zukünftig auch in der Lage neue Handlungswege zu beschreiten. (ebd.)

In der Twitter-Genesungsphase folgte ich besonders vielen Twitter-Accounts. Dementsprechend viele Tweets hatte ich zu lesen. Von Erlebnissen auf einer tollen Party, über Liebeskummer, bis hin zu Musikgeschmack war da alles dabei.

Irgendwann begann mich das alles zu stören. Persönliches interessiert mich nur von Leuten die ich eben auch persönlich kenne. Mal ganz davon abgesehen, dass Persönliches grundsätzlich persönlich bleiben soll! Und wenn doch, dann bitte auf Facebook. Facebook sehe ich als Medium für Kontakt zu Leuten aus dem persönlichen Umfeld. Zugegeben, ich habe auch auf Facebook einige „Freunde“, wo man das Persönliche schon sehr weit herleiten muss. Trotzdem füge ich auf Facebook nur Kontakte hinzu, die ich kenne. In Twitter hingegen folge ich fast nur Personen, an denen ich wegen ihrer Profession interessiert bin. Ich will von deren Wissen profitieren, das Privatleben interessiert mich nicht.

Das ist auch der Grund warum ich beginne Leuten zu entfolgen. Außerdem prüfe ich nun sehr genau, bevor ich jemand neuen folge. Wichtigstes Selektionskriterium ist für mich die Bio des Twitterers. Wer eine hohe, wichtige oder interessante Position innehat, bietet oft auch interessante Tweets. Ist das nicht gegeben, schaue ich, ob sich der Twitterer für dieselben Themen interessiert wie ich. Oft ist das ja in der Bio erwähnt. Ist das alles nicht vorhanden, lese ich mir durch, was derjenige bisher getweetet hat. Ist da tatsächlich Relevantes für mich dabei, folge ich ihm auch. Alles in allem versuche ich also den Informationsstrom möglichst effektiv und qualitativ zu machen.

Fazit:
Für mich ist erstaunlich, wie gut sich das Oberg-Modell auf den Gebrauch von neuen Internetdiensten wie Twitter umlegen lässt: Anfangs ist man überschwänglich aber desorientiert, was schließlich zur Ernüchterung führt. Überwindet man das, werden die Erwartungen realistischer und schließlich benützt man das Tool individueller und effektiver. Firmen sollten versuchen die Kulturshock-Phase möglichst leicht überwindbar zu machen. Ich persönlich nutze Twitter als einen Kanal für qualitative Informationen zu (Sach-)Themen, zu viel Persönliches ist für mich ein Entfolgungsgrund.

Langsam werden sogar die ewig jungen Social Media alt. Dementsprechend liegt bei vielen Usern auch das Beitrittsdatum länger zurück. Wann bin ich eigentlich Facebook beigetreten? Und wann Twitter? Diese Fragen stellen sich viele Leute immer häufiger. Gründe dafür gibt es genug: Sentimentale Gefühle, Rekapitulation wann man seine Privatsphäre aufgegeben hat, oder man wurde schlicht um das Datum bei einer der vielen sozialwissenschaftlichen Erhebungen zur Social Media-Nutzung gebeten.

 

In Facebook ist es leider nicht möglich, das Beitrittsdatum exakt ausfindig zu machen. Man kann sich aber am ältesten Profilfoto oder am ersten Status Update orientieren:
Profilfoto: Man klickt rechts oben auf „Profil“ -> dann auf „Fotos“ -> und „Profilbilder“. Dort das älteste auswählen. Unter dem Foto steht wann das Foto hochgeladen wurde. Das verrät ungefähr das Beitrittsdatum, da die meisten gleich am Anfang ein persönliches Foto hochgeladen haben.

Vorsicht: Auf Facebook haben auch schon Betrüger versucht User zu ködern mit „finde heraus was Deine erste Status Meldung war“.

Und Twitter gibt es natürlich auch noch. Langen Erklärungen sind aber unnötig: Einfach auf http://www.whendidyoujointwitter.com gehen und Username eingeben. Viele Applikationen wie Tweetdeck sollen auch das Beitrittsdatum zeigen, so Florian Allesch.