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Viele Blogger tappen bei den gesetzlichen Regelungen im Dunkeln. Welche Bilder darf ich veröffentlichen? Wie weit darf ich mit meiner Meinung gehen? Und was sind mögliche Rechtsfolgen? Genau diese Fragen habe ich in 2010 in einer Bakkalaureatsarbeit für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft beantwortet. Das Dokument steht jetzt adaptiert und gekürzt zum Download bereit. Besonders schwer tun sich Blogger oft mit dem Urheberrecht. Ich möchte aus meiner Arbeit auf zwei wichtige Relegungen eingehen, die den Bloggeralltag doch sehr erleichtern.

Fremde Inhalte ausschnittsweise widergeben

Abgesehen von Creative Commens, sind alle fremden Inhalte ohne Genehmigung tabu. Eine ganz kleine Ausnahme bildet das Zitatrecht, § 46 UrhG (Z1). Demnach dürfen einzelne Stellen eines „veröffentlichten Sprachwerkes“ angeführt werden, wenn es dem Zweck nach gerechtfertigt ist. Diese Ausnahmeregelung wurde von der Rechtssprechung analog auch für Bildzitate als zulässig anerkannt. Es dürfen also Zeitungsausschnitte, wie etwa Kobuk es macht, zur Verfügung gestellt werden. Dieses Recht ist übrigens auch nicht in Stein gemeißelt. Derzeit machen sich österreichische Verlage für ein Leistungsschutzrecht stark, dann könnte auch diese Ausnahmeregelung fallen.

Der Bildnisschutz

Darf ich irgendwelche Personen ohne deren Erlaubnis auf der Straße fotografieren und dann auf meinem Blog hochladen? Schwierige Frage, auf die es leider nur ein Jein als Antwort gibt. § 78 UrhG regelt nämlich, dass das Abfotografieren schon OK ist, solange nicht berechtigte Interessen der abgebildeten Person verletzt werden. Wann das der Fall ist, ist aber immer Auslegungssache. Bildnisse von „allgemein bekannten Personen“ hingegen, also Promis, sind schwächer geschützt. Fotografieren geht da in Ordnung, solange es nicht zu privat wird.

Fazit: Kleine Ausschnitte aus einem fremden Werk sind dann in Ordnung, wenn sie für die eigenen Publikation unabkömmlich und dem Zweck nach gerechtfertigt sind. Das ist vor allem dann wichtig zu beachten, wenn man ein Buch, eine CD oder Webseite vorstellen möchte. Jetzt noch mehr Infos und Fallbeispiele zum Urheberrecht lesen.

Ich habe gerne Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert. Im Studium habe ich viel Philosophisches mitgenommen, mit Studienkollegen lang und breit über unser Mediensystem diskutiert und irgendwie vermisse ich sogar den Nervenkitzel vor einer schweren Prüfung. Intensiv habe ich mit Medienrecht beschäftigt und ich glaube, da habe ich auch einiges mitgenommen. Was aber gerade im Berufsalltag als PR-Berater  auffällt: Dem Studium mangelt es an konkretem Anwenderwissen. Es gibt vor allem drei ganz wichtige praktische Kompetenzen, die Publizistik vergaß uns Studenten zu lehren. Der Titel ist übrigens entleht von Wolf Schneider und das bringt mich gleich zur ersten geforderten Kompetenz:

Nr. 1: Bringt uns Schreiben bei!

In Österreich gibt es ungelogen viele Menschen, die aus beruflichen Gründen schreiben. Damit meine ich nicht nur Journalisten und PR-Leute sondern auch Jungunternehmer die einen Businessplan erstellen, Behörden die einen Bescheid ausstellen, oder eben auch Wissenschaftler, die einen Fachartikel publizieren. Schreiben ist eine Fähigkeit, die gelernt werden muss. Im Idealfall steht in jedem Studium ein Schreibtraining im Curriculum. Rechtswissenschaft würde zum Beispiel enorm davon profitieren, dann müssten wir vielleicht auch weniger grässliches Juristendeutsch lesen. Mehr als alle anderen Studenten, müssen aber Publizisten klar verständliche und gute Texte schreiben können. In Ansätzen gibt es im Studium auch ein Schreibtraining. Ich habe auf der Uni gelernt, was eine umgekehrte Pyramide ist und wie genau ich ein Porträt oder eine Reportage schreibe. Ich erinnere mich auch gerne an eine praktische Übung bei Katrin Burgstaller zurück, heute stellvertretende Ressortleiterin Inland beim Standard. Sie hat immer unsere Berichte durchgelesen und anschließend gezeigt was fehlt oder besser formuliert gehört. Dieses Feedback war ganz wichtig, denn ohne dem lässt sich der eigene Schreibstil nicht weiterentwickeln. Wertvolles Feedback zum Schreibstil habe ich auch bei Helge Fahrnberger erhalten. In seiner Lehrveranstaltung haben wir beim mittlerweile sehr bekannten Medienblog Kobuk.at mitgeschrieben.
Abgesehen von diesen zwei Positivbeispiele, gab es aber in Summe aber einfach zu wenig Schreibtraining an der Uni. Gutes Schreiben ist intellektuell anspruchsvoll und muss laufend geübt werden. Im Idealfall gleich über die gesamte dreijährige Studienzeit im Bakkalaureat! Solche Trainings sollten übrigens auch manche Professoren, Assistenten und Post-Docs besuchen. In vielen, an sich tollen, wissenschaftlichen Aufsätze werden völlig unnötig drei oder vier Gedanken in einen einzigen Satz gepresst und elendslange Substantivketten gebildet. Folge daraus: Die Leser müssen die Sätze erst einmal enträtseln, bevor sie das Geschriebene verstehen können.

Nr. 2: Data counts, Baby

Ich habe nie verstanden, warum Statistik in Publizistik- und Kommunikationswissenschaft so ein Schattendasein fristet. Jetzt wird allerorts von Data Journalism, Big Data und der Quantifizierung aller Lebenswelten gesprochen und dann lernen die Publizistikstudenten nur wenig über statistische Anwendungen. Freilich, ein bisschen SPSS haben wir gelernt und mit welcher Skala welche Rechenoperationen möglich sind. Im Detail habe ich mir aber selbst mit Praxisbüchern und Onlineforen helfen müssen. Datenanalyse ist aber ein Kernelement jedes sozialwissenschaftlichen Studiums und immerhin würden sich auch neue Berufschancen für Publizisten ergeben, etwa in der Marktforschung. Bei Statistik haben wir aber bisher gegen Soziologen oder Geografen kein Leiberl.

Nr. 3: Medientechnik

In Publizistik kann man zwei Praxisfelder völlig frei auswählen. Ich hatte Printjournalismus und Onlinejournalismus gewählt. Bei beiden Felder hätte ich mehr technisches Grundwissen gewünscht: Wie verwende ich Adobe InDesign? Welche Dinge sind vor dem Druck zu beachten? Wie bereite ich journalistische Inhalte optimal online auf? Und wie mache ich einen Blog auf und bearbeite diesen? Solche Dinge kamen viel zu kurz. Als einziges Positivbeispiel fällt mir da die Lehrveranstaltung von Michael Eisenriegler und Peter Adametz ein, bei denen wir ein Blogprojekt zur Bundespräsidentenwahl gestartet haben.

Mein Fazit: Schreibstil, Statistik und Medientechnik sind entscheidende Fähigkeiten und das weiß sicher auch die Studienprogrammleitung am Publizstikinstitut. Dass es hier an Angeboten mangelt, liegt wahrscheinlich auch daran, dass viele Lehrende selbst nicht das nötige Know-how haben. Problematisch ist sicher auch die Masse an Studenten. Denn alle drei Kompetenzen lassen sich nur in Kleinstgruppen und mit einer wirklich intensiven Betreuung erlernen. Deshalb hoffe ich auf ernsthafte Zugangsbeschränkungen zum Studium und generell mehr finanzielle Mittel. Das würde auch zu einer Imageverbesserung des Studiums beitragen und den Berufseinstieg für Publizisten erleichtern.

Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt! Es ist geschafft – mein Studium ist zu Ende und meine Magisterarbeit gibt es bereits zum Downloaden. Mann, was ich Zeit dafür investiert habe … Genau deshalb gibt es hier und jetzt eine Auflistung der sieben wichtigsten Ergebnisse meiner Arbeit, die den literarisch angehauchten Titel trägt:

Stolz und Vorurteil im Journalismus.
Einstellungen von Tageszeitungsjournalisten zu Crossmedialität und Medienwandel.

Nun aber gleich zu den Findings:

1.
Zwischen Print- und Onlineredaktion ist die Stufe der Coopetition mit leichter Tendenz zum Content Sharing vorherrschend. (zu den beiden Begriffen vgl. Dailey; Demo; Spillmann, 2005: S. 153f) [ref]Dailey, Larry; Demo, Lori; Spillman, Mary (2005): The Convergence Continuum: A Model for Studying Collaboration Between Media Newsrooms. In: Atlantic Journal of Communication 13 (3), S. 150–168.[/ref] Das bedeutet, österreichische Tageszeitungsjournalisten von Print und Online teilen sich Informationen zu Geschichten, an denen sie arbeiten und die sie gerade produzieren. Gelegentlich arbeitet dabei ein Journalist bereits für das jeweils andere Medium. Konkurrenzdenken und Misstrauen zwischen den Mitarbeitern des einen Mediums gegenüber dem anderen Medium beschränken jedoch die Kooperation (z. B. werden keine exklusiven Informationen ausgetauscht).

2.
Bei der Konvergenz von Tageszeitung und TV- bzw. Radiosendern befinden wir uns hingegen erst auf der Stufe der Cross Promotion. Das heißt, die verschiedenen Medien bewerben sich untereinander (z. B. TV-Werbung in der Zeitung), aber Inhalte werden nicht gemeinsam produziert.

3.
Die Mehrheit der Tageszeitungsjournalisten bevorzugt die Arbeit für nur ein Medium. Allerdings stehen jüngere Journalist der Arbeit für verschiedenen Medien signifikant aufgeschlossener gegenüber, als ihre älteren Kollegen. Die Bereitschaft mehrmedial tätig zu sein nimmt auch zu, je mehr die Journalisten bereits heute in ihren Redaktionen crossmedial tätig sind.

4.
Ein solcher Gewöhnungseffekt ist auch bei der Einstellung zum Newsroom feststellbar. Demnach wird ein Newsroom signifikant positiver beurteilt, wenn bereits in einem Newsroom gearbeitet wird. Genauso wie ein Newsroom positiver betrachtet wird, je regelmäßiger die Journalisten derzeit schon crossmedial tätig sind.

5.
Grundsätzlich beurteilen die österreichische Zeitungsjournalisten den Newsroom sehr skeptisch. Negative Auswirkungen durch einen Newsroom werden bei Lärmbelästigung, Rückzugsmöglichkeiten, Arbeitsplatzgröße, Betriebsklima, Arbeitseffizienz, journalistische Qualität und Recherchemöglichkeit befürchtet. Eine Verbesserung wird dagegen nur bei der Zusammenarbeit mit Kollegen gesehen.

6.
Es gibt allerdings ein paar Elemente, die für eine positivere Einstellung zum Newsroom sorgen können. Dazu zählen eine grundsätzliche Zufriedenheit mit dem Management, gute Stimmung in der Redaktion sowie eine gute Informationsweitergabe und Mitwirkungsmöglichkeiten bei den Arbeitsplatzveränderungen.

7.
Im Vergleich von sieben österreichischen Tageszeitungen zeigt sich: „Die Presse“ steht dem Newsroom am positivsten gegenüber, während Journalisten der Oberösterreichischen Nachrichten am ehesten für verschiedene Medien eingesetzt werden möchten und bei der Kleinen Zeitung wird am ehesten crossmedial gearbeitet.

Bei der Umfrage nahmen 211 Tageszeitungsjournalisten teil.

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Laut Meier [ref]Meier, Klaus (2010): Crossmedialer Journalismus. Eine Analyse redaktioneller Konvergenz. In: Hohlfeld, Ralf (Hg.): Crossmedia – wer bleibt auf der Strecke? Beiträge aus Wissenschaft und Praxis. Berlin, Münster: Lit, S. 94–110.[/ref] findet Konvergenz aufgrund von

  • Medientechnik (Digitalisierung)
  • Medienrezeption (Internet)
  • Marktentwicklung

statt. Damit verändert sich auch die Arbeits- und Organisationweise von Journalismus. So ist immer häufiger ein crossmedialer Newsdesk bzw. ein integrierter Newsroom anzutreffen. Ressort-, programm- und medienübergreifendes Arbeiten wird immer wichtiger. Der Newsdesk ist eine Produktions- und Koordinationszentrale und ist das Zentrum des Newsrooms. Beispiele sind etwa der Springer Newsroom oder der Newsroom der WAZ-Gruppe.

Jakubetz[ref]Jakubetz, Christian (2010): Crossmedia – und die Tücken des Alltages. In: Hohlfeld, Ralf (Hg.): Crossmedia – wer bleibt auf der Strecke? Beiträge aus Wissenschaft und Praxis. Berlin, Münster: Lit, S. 233–238[/ref] postuliert, dass Journalisten zukünftig zumindest Grundkenntnisse audiovisueller Produktion haben müssen. Während früher Journalisten einfach gute Geschichten schreiben mussten, ist heute strategisches Denken hinsichtlich der Aufbereitung für verschiedene Plattformen gefragt. Das scheitert noch oft am unflexiblen Denken. Außerdem gibt es nach wie vor einige Probleme wie inkompatible CMS, ständige Veränderungen, neue Arbeitsgewohnheiten ohne Redaktionsschluss und Überalterung in der Redaktion und damit zu wenig digitale Kompetenz.

Funny und ein kleiner Stich ins Publizistik-Herz

Your career options as a Publizistik student in Vienna

publizistik

Das steht so im wirklich gut gemachten tumblr-Blog When you really study in Vienna. Ganz so schlimm ist es dann aber auch nicht. Viele Studienkollegen haben gleich nach dem Studium eine gute Stelle bekommen. Voraussetzung sind allerdings massig Praxiserfahrungen und die erwirbt man sich am besten mit Praktika neben dem Studium.

Yeah. Meine Magisterarbeit  ist bereits benotet und damit muss nur noch eine Hürde überwunden werden: Die Magisterprüfung Ende Juni. In Publizistik- und Kommunikationswissenschaft macht man sich vorab mit seinem Diplomarbeitsbetreuer eine Literaturliste aus, die allerlei wissenschaftlichen Aufsätzen und Büchern enthält. Das Ganze kann dann bei der mündlichen Magisterprüfung abgefragt werden. Nachdem die große Menge an Lernstoff organisiert sein will, schreiben die meisten Studenten für sich selbst Kurzzusammenfassungen. Ich finde es schade, dass so viele hart erarbeitete Zusammenfassungen in studentischen Schubläden versauern. Warum also nicht gleich die Arbeit mit dem Vergnügen verbinden und nacheinander die Zusammenfassungen bloggen und mit ein paar eigenen Gedanken versehen? 😉 Und vielleicht hilft das ja dem ein oder anderen Publizistikstudenten oder solche die es kunczikzipfel_publizistiknoch werden wollen. Los geht es mit einem echten Klassiker:

Kunczik, Michael; Zipfel, Astrid (2005): Publizistik. 2. Aufl. Köln: Böhlau Verlag. Teil III – JOURNALISMUS; Kapitel 1-5. (S.129-187)

Es geht also um die Journalismusforschung. Das Buch ist schon acht Jahre alt. Bei der Zusammenfassung konzentriere ich mich deshalb ganz bewusst auf allgemeinere Aussagen und weniger auf Studienergebnisse. Der erste Abschnitt beschäftigt sich mit „Journalisten und ihr Berufsfeld“. Dabei stellen Michael Kunczik und Astrid Zipfel fest, dass sich das Wort „Journalismus‘ vom französischem „le jour“ ableitet, was wiederum „der Tag“ meint. (vgl. Kunczik; Zipfel, 2005: S. 129) [ref]Kunczik, Michael; Zipfel, Astrid (2005): Publizistik. 2. Aufl. Köln: Böhlau Verlag.[/ref] Die beiden Autoren diagnostizieren einen Wandel vom „Begabungs- zum Ausbildungs- und Qualifikationsberuf“. Gott sei Dank möchte ich anfügen! Was aber unterscheidet nun eigentlich Öffentlichkeitsarbeit von Journalismus? Leichte Antwort: Public Relations ist die Selbstdarstellung von Institutionen, Unternehmen, Politikern und anderen Persönlichkeiten in der Öffentlichkeit und Journalismus deren Fremddarstellung. (vgl. ebd.: S. 130)

Journalist ist aber nicht gleich Journalist. Denn es gibt neben den fix angestellten Journalisten auch nebenberufliche und freie Journalisten. Nebenberuflich sind Journalisten dann, wenn die journalistischen Tätigkeiten alleine nicht für den Lebensunterhalt sorgen und man noch einem anderen Beruf nachgeht. Die Arbeit der freien Journalisten wird auf Honorarbasis vergütet. Dann gibt es noch so Spielarten wie „Feste Freie“ oder Pauschalisten. Es ist schon lange keine Geheimnis mehr, dass sich der Journalismus derzeit stark verändert. Das liegt vor allem an den Neuen Medien. Es können drei Auswirkungen der Neuen Medien unterschieden werden:

  1. Neue Arbeitsmittel (Google & Co.)
  2. neue Gegenstände der Berichterstattung (z.B. Fachzeitschriften wie e-media oder neue Rubriken in den Zeitungen)
  3. und neue journalistische Produkte. (z.B. e-paper) (vgl. ebd.: S. 134)

In dem Zusammenhang diskutieren die beiden Autoren auch die Frage, ob durch die Neuen Medien die journalistische Funktion des „Gatekeepers“ unnötig wird. Kunczik und Zipfel meinen, dass Journalisten in Zukunft verstärkt die nutzerfreundliche Aufbereitung und Selektion der Information gewährleisten. Stichwörter dazu: Journalisten als „Pfadfinder“, „Navigatoren“ oder „Lotsen“ (vgl. ebd.: S. 134) Ich denke allerdings, dass genau das heute nicht mehr zutrifft. Diese Orientierung schafft Googles Algorithmus oder der „intelligente Schwarm“ besser.

In den Neuen Medien gibt es keine klassische Periodizität mehr, daher werden neue Arbeitsabläufe wie etwa 24/7-besetzte Redaktionen notwendig. Auch neu: Zunehmend sind medienübergreifende Erfahrungen gefragt und es bilden sich neue Berufsprofile. (vgl. ebd.: S. 135f)

Historische Aspekte
Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit der Geschichte des Journalismus. Dieter Paul Baumert (1928) unterscheidet folgende vier Phasen des Journalismus in Deutschland:

  • präjournalistische Phase (ab ca. 1500)
  • korrespondierender Journalismus (16. bis Mitte des 18. Jhdt.)
  • schriftstellerischer Journalismus (Mitte des 18. bis Mitte des 19. Jhdt.)
  • redaktioneller Journalismus (seit Mitte des 19. Jhdt.) (vgl. Kunczik; Zipfel, 2005: S. 137f)

Vorfahren der Journalisten waren demnach die im Mittelalter umher reisenden Sänger, Sendboten sowie Stadtschreiber. Die ersten kontinuierlich schreibenden Journalisten waren Korrespondenten der Fürsten, Reichsstädte und Handelshäuser. Doch die vier Merkmale einer modernen Zeitungen waren damit noch lange nicht erfüllt:

  • Publizität
  • Aktualität
  • Universalität
  • und Periodizität

Zwischen dem 15. und Anfang des 17. Jahrhunderts gab es Einblattdrucke (verschieden Mitteilungen), Neue Zeitungen (zu einem einzelnen großen Ereignis), Flugblätter und Flugschriften. Die ersten regelmäßigen Zeitungen gab es dann im ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts. Durch die zunehmende Arbeitsteilung entstanden differenzierte Märkte, die wiederum mittels Anzeigen bedient werden mussten. Der Journalismus Ende des 18. Jahrhunderts war stark von der Aufklärung und der französischen Revolution geprägt. Übrigens wurde auch schon damals die schlechte Bezahlung der Journalisten beklagt. Wobei Untersuchungen sehr wohl zeigen, dass das Journalistengehalt dem anderer bürgerlicher Berufe ebenbürtig war. (vgl. ebd.: S. 139f)

So eine Art Geburtshelfer der Kommunikationswissenschaft war der Soziologe Max Weber, der 1910 beim Ersten Deutschen Soziologentag eine „Soziologie des Zeitungswesens“ forderte. Karl Bücher gründete dann 1916 in Leipzig das erste „Institut der Zeitungskunde“. (vgl. ebd.: S. 141)

Sozialprestige
Der dritte Abschnitt im Einführungsbuch zu Publizistik von Kunczik und Zipfel behandelt das Ansehen der Journalisten. Dieses war schon von jeher negativ oder zumindest ambivalent. Da wurde schon im 19. Jahrhundert über die (angebliche) Geldgier der Verleger und Journalisten geschrieben und in der Neuzeit kennt man ja das Bild des rauchenden und saufenden Journalisten aus Fernsehen und Belletristik. (vgl. ebd. S. 149f)

Journalismus als Profession
Im vierten Abschnitt geht es um den Beruf Journalismus. Der (auch umstrittene) Begriff der Profession wird für einen Beruf verwendet, wenn es sich um

  1. einen Ganztagesberuf handelt,
  2. es dazu eigene Ausbildungen
  3. und Berufsverbände gibt,
  4. und ein Berufsmonopol durch den Staat
  5. sowie eine spezifische Berufsethik existiert.

Bis auf Nummer 4 sind alle Merkmale im Journalismus erfüllt. Es gibt zwar in einigen Ländern ein staatliches Berufsmonopol im Journalismus, nicht aber in Deutschland oder Österreich. Auf ein Berufsmonopol wird in Hinblick auf die Meinungs- und Pressefreiheit verzichtet. (vgl. ebd.: S. 152)

Journalismus ist beliebt. Kunczik und Zipfel sehen einen großen Anziehungspunkt für den Journalismus in der autonomen Arbeitsweise. Umfragen zeigen, dass genau das Journalisten an ihrem Beruf schätzen! Und wie wird man nun Journalist? In Österreich führt der Weg in den Journalismus meist (und ich sage fast ausschließlich!) über Volontariate und Praktika. (vgl. ebd.: S. 159)

Nach Esser wirken vier Einflusssphären auf den Journalismus:

  1. Subjektsphäre (Individualebene)
  2. Institutionssphäre (Organisationsebene)
  3. Medienstruktursphäre (rechtlich-normative und ökonomische Ebene)
  4. Gesellschaftssphäre (historisch-kulturelle Ebene)

Die Auffassungen der Journalisten zu ihrem Beruf lässt sich grob in ein Gegensatzpaar teilen: dem neutralen, objektiven Journalismusverständnis versus dem anwaltschaftlichen Journalismusverständnis (Journalismus als vierte Gewalt im Staat). Oder mit anderen Worten beschrieben: Informations- versus Meinungsjournalismus (vgl. Kunczik; Zipfel, 2005: S. 163)

Natürlich können die Journalismusarten noch viel genauer kategorisiert werden:

  • investigativer Journalismus (z.B. Florian Klenk, Kurt Kuch, Ulla Kramar-Schmid und Michael Nikbakshs)
  • Civic Journalism (auch Public Journalism  oder Community Journalism genannt – Einbindungen von Bürgern in das lokale Medium. Ich finde das BezirksBlatt macht das recht gut.)
  • Development Journalism (in Entwicklungsländern)
  • pädagogischer Journalismus
  • Pfadfinder
  • Präzisionsjournalismus (sozialwissenschaftliche Methoden im Journalismus anwenden, Dossier.at macht das hervorragend)
  • New Journalism (z.B. Hunter S. Thompson)
  • literarischer Journalismus
  • Unterhaltungsjournalismus
  • Thesenjournalismus
  • Protokoll- und Verlautbarungsjournalismus (darunter fällt der Journalismus in der DDR) (vgl. ebd.: S. 164ff)

Was noch interessant ist, ist die vergleichsweise geringe Arbeitsteilung und Rollendifferenzierung in deutschen (und österreichischen) Redaktionen. In britischen Redaktionsstuben gibt es etwa

  • Reporter (recherchiert Themen)
  • News Editor (begutachtet die Meldung)
  • Copy Taster (entscheidet welche Meldungen weiterverarbeitet werden)
  • Chief Sub-Editor (entscheidet mit der Chefredaktion, welche Meldungen veröffentlicht werden und wie der Seitenspiegel aussieht)
  • Page Planner macht das Feinlayout
  • Copy Sub-Editor redigiert
  • Revise Sub-Editor überprüft die Arbeit des Copy Sub-Editor
  • der Production Editor prüft auf technische Layoutfehler und inhaltliche Widersprüche
  • der Stone Sub-Editor liest Korrektur
  • und der Chefredakteur kann abschließend noch Korrekturwünsche an den Executive Chef Sub-Editor schicken (vgl. ebd.: S. 181f)

In Deutschland und Österreich erledigt eine Person fast alle der genannten Tätigkeiten. In angelsächsischen Ländern gibt der Journalist also seine Arbeit ab und mit dem Endprodukt hat er meist nicht mehr viel zu tun. Genau das ist in Deutschland und Österreich undenkbar. Da klagt auch ein Journalisten seinen Arbeitergeber, wenn unautorisiert in den Text eingegriffen wird.

Bei manchen genießt das Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (PuKW) einen zweifelhaften Ruf. Unverdient, wie ich meine. Klarerweise gibt es einige Negativpunkte, wie beispielsweise das schlechte Betreuungsverhältnis. Auf der anderen Seite übersieht man dabei leicht, wie viel sich am Publizistikinstitut tut und wie viele kreative Ideen hier geboren werden. Kobuk ist dafür ein Beispiel.

Einzigartiges Projekt
Ein anderes Beispiel ist das Fachtutoriumsprojekt, was ziemlich einzigartig an der Universität Wien ist. Dabei werden erst- und zweitsemestrige Studierende von älteren Studierende unterrichtet, die zumindest schon die erste Bakkalaureatsarbeit (BAKK 1) geschrieben habe. Ich war letztes Semester gemeinsam mit meinem Kollegen Lubomir Polach so ein Fachtutor. Deswegen kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Eine tolle Sache, sowohl für die Studienbeginner als auch für uns ältere Studierenden. Die Studienbeginner profitieren davon, weil im Gegensatz zur gewöhnlichen Massenuniversität maximal 20 Personen in einer Fachtutoriumsgruppe sind. Für viele die erste Gelegenheit, ungezwungen andere Studierende kennen zu lernen und sich aktiv zu Themen des Faches einbringen und mitdiskutieren zu können. Aber auch wir Fachtutoren profitieren ungemein: Wer ein Fachtutorium leiten möchte, muss sich mit einem Konzept bewerben, in dem er schildert welches Thema warum und wie behandeln werden soll. Vorgegeben ist nämlich nur ein Überthema, an dessen Rahmen man sich halten muss. Dieses Überthema richtet sich wieder nach einer bestimmte Vorlesung, an die das Fachtutorium gekoppelt ist. In unserem Fall war das „STEP 6 – Medienkunde“, gehalten von Univ.-Prof. Dr. Hannes Haas. Das Thema unseres Fachtutoriums war dementsprechend Medienwandel und Medienkonvergenz und hatte den klingenden Titel „As Time Goes Bytes“.

Lebenserfahrung pur
Auf jeden Fall muss man sich schon im Vorfeld mit seiner Idee wirklich auseinandersetzen und diese auch begründen können. Auch keine schlechte Übung für einen selbst. Ebenso erfahrungsreich war das Unterrichten. Und ganz ehrlich: Ich habe auch aus meinen Fehlern besonders viel gelernt. Vieles ist nämlich so wie wir uns das vorgestellt haben nicht gelungen, woanders wurden wir wieder positiv überrascht. Gruppendynamik mit ihren verschiedenen Persönlichkeiten ist jedenfalls eine spannende Sache. Das Ganze darf ja auch fordernd sein, denn die Arbeit wird von der Universität Wien bezahlt. Natürlich verdient man nicht berauschend viel, aber es geht in jeden Fall in Ordnung. Ein Fachtutor muss eineinhalb Stunden pro Woche eine Gruppe unterrichten – Vorbereitung, Korrigieren von Übungsarbeiten und ähnlichem nicht inbegriffen. Das Fachtutorium ist für die Erst- und Zweitsemestrigen verpflichtend und wird auch benotet. Diese Benotung macht den kleineren Teil der Endnote aus, der größere Teil besteht aus der davon unabhängigen Prüfungsnote der Vorlesung.

Am 1. Oktober beginnt das Wintersemester an den Universitäten. „Frischlinge“ werden dann wieder die Hörsäle bevölkern und besonders viele von ihnen werden das beliebte Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft beginnen. Die Euphorie ist am Anfang meist riesig, verblasst aber ziemlich schnell. Nur ein Bruchteil wird das Studium tatsächlich beenden. Das zeigt auch die große Diskrepanz zwischen Anfänger und Absolventen. Viele Publizistikbeginner haben eine falsche Vorstellung vom Studium. Das lässt sich aber leicht vermeiden. Ich habe vier Tipps für eine gut überlegte Studienwahl parat, denn ein Studienwechsel kostet immer Zeit, Nerven und im schlimmsten Fall die Studien- und Familienbeihilfe.

  1. Die Homepage des Institutes und die Facebook-Seite der Studienvertretung Publizistik genau studieren.
  2. Sich einen ersten Einblick in die Inhalte des Studiums verschaffen. Dazu gibt es einen wunderbares Skriptum (pdf-File) von Michael Brüggemann und Balthas Seibold. Die Fachgebiete, die da beschrieben sind, sind identisch mit denen in Wien. Ich habe aus diesem Skriptum sogar für Prüfungen gelernt. Wer sich also mit dem darin enthaltenen Stoff überhaupt nicht anfreunden kann, sollte sich nochmal überlegen Publizistik- und Kommunikationswissenschaft zu studieren.
  3. Wer sich intensiv vorab mit dem Studium beschäftigen möchte, kauft sich das Buch Kommunikationswissenschaft von Roland Burkart, einem Professor an unserem Institut. Das Standardwerk schlechthin und von uns Studenten liebevoll auch „Die Bibel“ genannt.
  4. Alternative überlegen. Wer die Praxis liebt, aber das Nachdenken über und Erforschen von Medien weniger, der sollte eine Fachhhochschule in Betracht ziehen. Beispielsweise eines der Studien an der FHWien. In St. Pölten wird das Bachelorstudium Medienmanagement angeboten.

Publizistik bietet keine Berufsausbildung. In einer empirischen Sozialwissenschaft geht es nun einmal hauptsächlich um Theorie, Methodik, Statistik & Co. Das heißt, Studenten dieses Faches müssen neben dem Studium extra Leistung erbringen, etwa durch Praktika, freiwilliges Engagement bei alternativen Medien (Okto, Mokant, Neuwal, Kobuk, udgl.), oder zusätzliche Ausbildungen. Gerade vor dem Hintergrund steigender Arbeitslosenzahlen von Absolventen der klassischen Massenstudien, wie nzz.at berichtet …

Forschungsfragen und dazu passende Hypothesen hat man immer in der quantitativen empirischen Forschung. Bei der Beantwortung der aufgestellten Hypothesen geht man nach der Falsifikation vor. Demnach sollte man immer so arbeiten, dass eine bestehend Problemlösung gerade nicht mehr funktioniert, damit die Hypothesen verfeinert bzw. verändert werden können und so die gesamte Theorie verbessert wird. Das Prinzip der Falsifizierbarkeit in der Wissenschaft geht auf den genialen Sir Karl Popper zurück. Und unter anderem begründet er das sinngemäß so: Wir sehen unzählig viele weiße Schwäne ein Leben lang. Darum könnten wir darauf schließen, dass alle Schwäne weiß sind. Wenn wir aber nun einen einzigen schwarzen Schwan sehen, erweist sich schon unsere Theorie als flasch und all unsere schönen Annahmen gehen den Bach runter. Suchen wir aber von Anfang an den schwarzen Schwan und finden ihn, dann können wir zumindest sagen, dass alle Schwäne nicht nur weiß sind. Die Aussage ist dann gesichert, wir könnten das sogar in Stein meißeln.

Bei der qualitativen empirischen Forschung hat man hingegen zu Beginn keine Hypothesen. Erst nach dem Forschungsprozess enstehen diese. Das nennt man Induktion und heißt, dass man einen/mehrere Einzelfälle untersucht und daraus allgemeingültige Aussagen ableitet, eben die Hypothesen.

Diese Hypothesen bieten sich dann an quantitativ zu forschen, um zu überprüfen ob das was induktiv herausgefunden wurde auch deduktiv stimmt. Deduktion bedeutet, dass man vom Allgemeinem auf den Einzelfall schließt.

Die Signifikanz bei einem t-Test lässt sich einfach errechnen. Das Interpretieren ist dagegen schon schwerer. Für Studenten oft verwirrend: Nehme ich jetzt den Signifikanzwert in der Zeile „Varianzen sind gleich“ oder „Varianzen sind nicht gleich“?

Das hängt wiederum von einem anderen Wert ab. Dazu liefert uns SPSS den Levene-Test. Den Wert der obere Zeile, also „Varianzen sind gleich“, nimmt man dann, wenn der Wert beim Levene-Test über 0,05 liegt. In unserem Fall beträgt der 0.006 und daher nehmen wir die Zeile „Varianzen sind nicht gleich“. Mit 0,067 sind die verglichenen Gruppen knapp nicht signifikant. Signifikant ist übrigens in der Sozialwissenschaft ein Ergebnis mit 0,05, was einer maximalen Irrtumswahrscheinlichkeit von 5% entspricht.

Im Internet findet man leicht Informationen, welche Skalenarten es gibt und was sie unterscheidet. Schwieriger wird es schon, festzustellen welche mathematischen Rechenoperationen überhaupt mit welcher Skalenart möglich sind. Häufig gibt es Fehlinterpretationen bei Statistiken, weil die durchgeführte Rechenoperation gar nicht zulässig ist.

Die Nominalskala

Nominalskalen bringen lediglich einen Verschiedenheit eines Merkmals zum Ausdruck. Klassisches Beispiel für eine Nominalskala ist die Frage nach dem Geschlecht: Geschlecht ist also das zu messende Merkmal und weiblich oder männlich die Ausprägungen dazu. Diese Ausprägungen müssen natürlich in Zahlen umgemünzt werden, z.B.

weiblich => 1 und männlich => 2

Selbstverständlich kann eine Nominalskala auch mehrere Ausprägungen haben, z.B.

Welche Augenfarbe haben Sie? blau => 1, braun => 2, grün => 3

Aus den Beispielen wird auch ersichtlich, dass es bei der Nominalskala keine Rangfolge gibt.

Welche Auswertungen können mit Nominalskalen vorgenommen werden?

Die Auswertungsmöglichkeiten sind auf Auszählungen eingeschränkt. Man kann Häufigkeitsverteilungen machen, etwa auszählen lassen, dass 60 Frauen und 40 Männer an einer Befragung teilgenommen haben. Mit Nominalskalen können Kreuztabellen erstellt werden und der Chi-Quadrat-Test gemacht werden. So kann man herausfinden, wie viele von den 60 Frauen und 40 Männern blaue, braune oder grüne Augen haben. Mit dem Chi-Quadrat-Test kann unter anderem geprüft werden, ob ein Zusammenhang zwischen zwei Merkmalen zufällig oder nicht zufällig ist, über das Ausmaß des Zusammenhanges sagt er allerdings nichts aus.

Ordinalskala

Die Ordinalskala bringt die Merkmalsausprägungen sozusagen in eine Ordnung. Man kann bestimmen, wo Merkmalsausprägungen stärker oder schwächer sind. Ein Bespiel für eine Ordinalskala sind Schulnoten. An diesem Beispiel sieht man auch das größte Problem: Ein Zweier ist nicht doppelt so gut wie ein Vierer. Der Abstand zwischen zwei Werten ist bei Ordinalskalen nicht bestimmt. Neben Häufigkeitsdarstellungen ist auch die Berechnung des Medians möglich. Der Median halbiert eine Verteilung.

Intervall-Skalen

Im Unterschied zur Ordinalskala, gibt es bei der Intervallskala zwischen den Werten vergleichbare Abstände. Damit können in SPSS Korrelationen nach Pearson berechnet werden. Mit Korrelationen kann berechnet werden, in welchem Ausmaß ein Zusammenhang zwischen zwei Merkmalen besteht. Auch arithmetische Mittel und Varianz kann bei Intervallskalen eingesetzt werden.

Verhältnisskala / Relationsskala

Verhältnisskalen haben einen absoluten Nullpunkt und bieten die Möglichkeit, Abstandswerte quantitativ in Beziehung zu setzen. Nur mit dieser Skala sind Divisionen und Multiplikationen sinnvoll. Atteslander erklärt das in seinem Buch anhand der Abfrage des Alters. Stellen wir uns vor, die Befragten werden aufgefordert das Alter einzutragen. Befragter A gibt 20 Jahre an, Befragter B gibt 40 Jahre an. Man kann daher sagen, B ist doppelt so alt wie A, weil 20 * 2 = 40.

 

Wenn wir uns jetzt vorstellen, dass Befragte aufgefordert werden, das Geburtsjahr anzugeben, dann hätten wir Folgendes: Befragter A wurde 1991 geboren und Befragter B 1971. Es handelt sich hier um einen Intervallskala, da die Abstände messbar sind. Man kann aber nicht sagen: B ist doppelt so alt wie A, weil 1971 * 2 ergibt keine Logik. Man muss erst wieder die Geburtsjahre in das aktuelle Alter umrechnen, erhält so einen Verhältnisskala und kann dann erst wieder wie zuvor berechnen, dass B doppelt so alt ist wie A.

Ein weiteres Beispiel für den Unterschied zwischen Intervall- und Verhältnisskala sind Grad Celsius und Kelvin. Kelvin ist einen Verhältnisskala (da absoluter Nullpunkt vorhanden), die Celsius-Temperaturskala eine Intervallskala. Hatte es gestern 10°C und heute 20°C, kann man zwar sagen „Es ist 10°C wärmer als gestern“, aber nicht „Es ist doppelt so warm wie gestern“. (dieses Beispiel ist aus der Wikipedia) Das wird besonders deutlich wenn wir die Celsius in Kelvin umrechnen: 10°C sind nämlich 283,15K und 20°C sind 293,15K, damit es doppelt so warm ist wie gestern, müsste es 566,3K haben, das sind umgerechnet 293,15°C.