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Digitale Plattformen gibt es wenige, wenn man den Begriff sehr eng fasst. Glaubt man dem Wiktionary, dann hat das Wort Plattform folgende Bedeutungen:

[1] ebene, (erhöhte) Fläche
[2] separate Stehfläche in Bahnen, Bussen
[3] Basis für Auftritte

Die letzte Begriffserklärung ist wohl eine passende Beschreibung für digitale Plattformen. Wir können Plattform als etwas verstehen, dass die Anwendung von anderen Diensten und Auftritten überhaupt erst ermöglicht. Neben spezieller Software kann man dazu wohl auch Hardware zählen. Die derzeit meist beachteste sind Tablet-Computer.


Der Hype um das iPad 

Bekanntester Ableger davon ist Apples iPad. Das Gerät schlägt hohe mediale Wellen. Neben der technischen Raffinesse liegt das wohl daran, dass Verlagshäuser es als den Heilsbringer gegen ihren dahinsiechenden Absatz betrachten. Die Hoffnungen scheinen auch begründet, liegt doch der Zweck des iPads im digitalen Medienkonsum. Manche Medienvertreter hoffen offenbar auch, den Fluch des Internets mit seiner Gratiskultur abschütteln und am iPad Geld verlangen zu können. Ganz im Gegensatz zum konventionellen Internet eben, so zumindest Christian Krebs auf journalist.at. Das Liebesglück zwischen Verleger und Apple hielt aber nur kurz. Wenig überraschend möchte Apple nicht nur durch den Verkauf des IPads Geld verdienen. Das heißt, Verlage werden gezwungen eine Umsatzprovision von 30% zu zahlen und auch den Kauf der Inhalte über Apples iTunes Store zu ermöglichen. Besonders bitter für die Verlage ist, dass sie den Kontakt zur ihre Kunden verlieren. Es ist ein offenes Geheimnis: Nicht nur Google und Facebook verdienen an zielgruppenrelevanten Kundendaten wie Alter, Geschlecht und Beruf, sondern eben auch Zeitungs- und Zeitschriftenverlage. Einen bissigen Kommentar zu dieser Tatsache hat Thomas Knüwer geschrieben. Es ist ein Treppenwitz der Internetgeschichte, dass nun ausgerechnet das verhasste Google zu Hilfe eilt. Google ist mit dem Betriebssystem Android für Tablet-Computer der größte Konkurrent von Apple. Über den Android-Market kann man ebenso Medieninhalte kaufen, dafür verlangt Google nur 10% Prozent Umsatzprovision. Die Verlage dürfen also hoffen, dass Google gegenüber dem Marktführer Apple an Boden gewinnt.

Smartphone die neue digitale Plattform schlechthin
iPad & Co. stehen derzeit im Rampenlicht. Dabei sind Tablet-Computer noch ein Nischenprodukt. Smartphones dagegen sind echte Renner. Bereits 32% der österreichischen Handy-Kunden benutzen ein solches. Überall und jederzeit online, das ist mit dem Smartphone möglich. Wer zum Beispiel häufig Straßenbahn fährt, möchte so ein Handy nicht mehr missen. Wartezeiten kann man optimal nützen. Auch bei Smartphones hat Apple mit dem IPhone die Vorreiterrolle übernommen. Allerdings wächst der Marktanteil von Google und dessen Betriebssystem Android. Auch Microsoft möchte kräftig mitmischen, erst vor kurzem hat das Unternehmen einen Deal mit Mobilfunkhersteller Nokia getroffen. Demnach werden in Zukunft alle Nokia-Geräte mit Windows Phone laufen. Einen anderen Weg geht der Mobilfunkhersteller Samsung: einerseits verwendet man Googles Android und Windows Phone, andererseits hat man ein eigenes Betriebssystem namens Bada entwickelt.

Auf alle Fälle boomt der Markt, dementsprechend viele Anwendungen gibt es, die speziell für die Internetnutzung am Handy entwickelt wurden. Der Social Network-Dienst „Foursquare“ nutzt zum Beispiel das häufig eingebaute GPS von Smartphones. Auch Twitter und Facebook sind beliebte Anwendungen. So erlauben Smartphones eine neue Art der Kommunikation: Für Geburtstagseinladungen versendet man keine SMS mehr, sondern postet das auf Facebook und alle Freunde wissen Bescheid.


Internet-TV
Noch wenig Beachtung hat das Internet am Fernsehgerät erhalten. Dabei gibt es schon genügend Geräte mit Internetanschluss zu kaufen. Früher oder später wird das ein großes Thema werden. Diese Entwicklung wird auch einige Veränderungen für die Fernsehsender mit sich bringen: Stur abgespielte Fernsehprogramme sind Auslaufprodukte, „on demand“ wird Standard. Dass man vor dem Fernseher sitzt und seiner Lieblingssendung entgegenfiebert, wird bald der Vergangenheit angehören. Zeiten werden nur mehr bei Live-Ereignissen, wie zum Beispiel bei einem Fußballspiel, Relevanz haben.

Wie sehr das Internet auch andere Medien beeinflusst, sieht man gut am Beispiel der Sendung Club 2 im ORF. Während dort die geladenen Gäste mit- und gegeneinander diskutieren, machen dasselbe die Zuseher auf Twitter. Dieses Beispiel macht anschaulich, dass alle Medien anfangen müssen – ob sie wollen, oder nicht – ihren Konsumenten zuzuhören und mit ihnen zu kommunizieren. Das wird für den Erfolg maßgebend sein. Wer aber zuhören muss, wird auch Unangenehmes zu hören bekommen. Der gemütliche Kommunikationsmonopolismus ist vorbei, wenn er denn je existiert hat.


Fazit
Neue Plattformen schaffen neben neuen technischen Anwendungen auch neue soziale Realitäten. Das Internet ist die zentrale Grundlage all dieser neuen digitalen Plattformen, egal ob am Tablet-Computer, am Smartphone oder am Fernsehgerät. Es handelt sich um Plattformen, weil sie für andere Anwendungen die Basis bilden. Erfreulich ist, dass die neuen Technologien dem Konsumenten viel mehr Kritik- und Gestaltungsmöglichkeiten liefern, sofern er das möchte.

Ja. Ein e-Reader/Tablet-Computer könnte die traditionellen Printmedien aus der Krise führen. Aber: Es kann nicht irgendein Tablet sein und bestimmt nicht das iPad von Apple. Der Retter der Printmedien kann nur ein Gerät sein, das von den Verlagen selbst produziert wird.

 

Als in Verlagen Wörter nicht nur geschrieben sondern auch vervielfältigt wurden

Bevor Radio und Fernsehen erfunden wurden, waren Zeitungen das einzige und damit uneingeschränkte „Massenmedium“. Massenmedium ist deshalb in Anführungszeichen zu schreiben, weil die damaligen Zeitungen wenig mit den heutigen Printprodukten gemeinsam haben. Der damalige Erfolg der Zeitungen lag sicher auch daran, dass sich nur Verlage große Druckerpressen leisten konnten. Sie waren damit Monopolisten was das Produzieren von Nachrichten angeht. Heute wird die technische Vervielfältigung der Wörter immer weiter outgesourct, trotzdem gehörte das zur ureigensten Aufgabe der Zeitungsverlage!

 

Wenn Verlage einen Tablet-Computer produzieren würden

Verlage könnten mit einem eigenen Tablet diese technische Vervielfältigung wieder an sich reißen. Finanziell wie technisch ist so ein Gerät jedenfalls machbar, wenn sich nur alle deutschen bzw. deutschsprachigen Verlage darauf verständigen könnten. Mit einem solchen Tablet könnten journalistischen Angebote besonders genau und überzeugend auf ein technisches Gerät abgestimmt werden. Außerdem hätte man gegenüber Apple einen riesigen Vorteil: Noch sind Zeitungen viel näher am Bürger als ein Konzern aus der USA. Zeitungen genießen großes Vertrauen und wenn alle Zeitungen das gleiche Produkt bewerben würden, hätte man ein Meinungsmonopol gebündelt mit einer unglaublichen Reichweite. Das neue Tablet könnten auch preislich eine Kampfansage sein: Man verkauft das Tablet besonders günstig, verknüpft damit aber ein Bezahlabonnement. Damit würde man vor allem eine jüngere Leserschaft an das Medium binden, eine Zielgruppe die derzeit besonders arg wegbricht. Schlussendlich wäre das „Zeitungstablet“ eine angemessene Reaktion gegen Apple, Google & Co., die derzeit immer mehr zur (überlegenen) Konkurrenz von Verlagen werden.