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Die Kurse, die ich in Kopenhagen besucht habe, sind offiziell zu Ende. Mitte Jänner erwartet mich noch eine mündliche Prüfung, dann ist das Semester abgeschlossen. Wer geglaubt hat gerade auf seiner Universität wäre alles kompliziert und umständlich, der muss sich das Folgende durchlesen:

Das Modulsystem

In Kopenhagen steht eine Lehrveranstaltung für eine Vielzahl von Modulen. Als Studierender entscheidet man für welches Modul die Lehrveranstaltung zählen soll. Je nachdem für welches Modul man sich schließlich registriert hat, gibt es unterschiedliche Prüfungsarten. Als Beispiel: Ich besuche den Kurs „Contemporary European Cinema“. Für diesen Kurs gibt es verschiedene Examensformen. Man kann sich anmelden für Modul 1 „Media Organisations and Institutions“ oder auch für das Modul 8 „Optional Subject“. Modul 1 erfordert drei schriftliche Arbeiten, zwei mit jeweils 5 Standardseiten und eine abschließende im Umfang von 10 Standardseiten. Modul 8 besteht dagegen aus einer mündlichen Prüfung am Ende des Semesters. Der Lehrveranstaltungsleiter von Contemporary European Cinema benotet also einerseits die Arbeit bei den Einen schriftlich und prüft die Anderen mündlich. Wobei, auch bei einer mündlichen Prüfung muss ein Paper eingereicht werden, in welchem der Studierende erklärt über welches Themengebiet er geprüft werden will und welche Literatur dazu herangezogen werden soll. (ein Syllabus im Umfang von 1.200 Seiten muss dazu abgeben werden) Das Paper selbst umfasst maximal 10 Standardseiten. Verwirrenderweise findet man die Deadline (1. Dezember) für die Abgabe dieses Papers nicht im Curriculum oder auf sis.ku.dk sondern online nur in diesem pdf. Um dem ganzen Anmeldewirrwarr das Sahnehäubchen aufzusetzen gibt es nicht nur ein Curriculum sondern zwei: einmal für Film und einmal für Media. Ein dänischer Studienvertreter hat uns aber versichert, dass es egal ist ob wir Module von Film oder Media machen. Desweiteren muss man aus zwei verschiedene Notensysteme wählen, es gibt eine numerischen Benotung (mit den Noten 12, 10, 7, 4, 2, 0, die schlechteste Note ist -3) und eine Benotung nur bestehend aus bestanden oder nicht bestanden. Ich als ERASMUS-Student habe Modul 8 „Optional Subject 2“ genommen, bedeutet mündliche Prüfung und numerische Benotung, weil das die unkomplizierteste Lösung sein soll. Welche Module man für welchen Kurs nehmen kann, erfährt man auf sis.ku.dk. Hier zur Veranschaulichung die Beschreibung meines Kurses.

Dieses System ist wirklich schwer zu verstehen. Es soll aber den Studierenden mehr Flexibilität erlauben, so zumindest die Erklärung bei einer Orientierungsveranstaltung. Die dänischen Institutionen lieben die Bürokratie offensichtlich sehr. Um sich halbwegs zurechtzufinden sollte man daher unbedingt alle Orientierungsveranstaltungen besuchen. Für „exchange students“ gab es die einmal von der Universität Kopenhagen und einmal vom „Film and Media“-Institut, in der speziell die Registrierung von Examen erledigt wurde.

Was ist noch generell zu den Kursen zu sagen?

Die Kurse in Kopenhagen waren nett, eine höhere Qualität als an der Universität Wien haben sie aber definitiv nicht. Pro Kurs waren meist so ca. 30-40 Studierende anwesend, die überwältigen Mehrzahl waren exchange students. Das liegt auch daran, dass ich ausschließlich englischsprachige Kurse besucht habe. Jedes Semester werden 4-5 englischsprachige Kurse angeboten und jeder Kurs ist 15 ECTS wert. Mein Kurs umfasste nachgerechnet 26 Anwesenheitsstunden. Die  Anwesenheit wird aber nicht so streng kontrolliert. Überhaupt wird viel Wert auf Selbstständigkeit gelegt, das wurde schon bei der ersten Orientierungsveranstaltung mehrmals betont. Den meisten exchange students und auch mir war das aber zu viel des Guten, hatte das doch mehr den Charakter von „friss oder stirb“.

Nach dem Oktober möchte ich ein paar Sightseeing-Highlights aus dem November präsentieren:

Die Vor Frue Kirke (Liebfrauenkirche) wird auch als Dom zu Kopenhagen bezeichnet. Die Kirche liegt gegenüber dem ältesten Universitätsgebäude Kopenhagens und wird von der königlichen Familie für wichtige Anlässe genützt wie Inthronisation oder Heirat.

Dieses Foto stammt von der Wachablöse vor dem Schloss Amalienborg. Amalienborg ist die Stadtresidenz der dänischen Königin Margrethe II. Die Wachen erinnern mich übrigens sehr an meine Lego-Soldaten, ob das Zufall ist?

Die Marmorkirken habe ich wieder mal besucht. Diesmal zeigt das Foto den prunkvollen Altar.

Auch in der Glyptothek war ich im November. Das Bild zeigt die grandiose Skulptur “ Tod und die Jungfrau“ von Elna Borch. (vielleicht bin ich schon sosehr Wiener, dass mir alles Morbide gefällt. ;-))

Am jüdischen Museum ist die Architektur ehrlich gesagt interessanter ist als die Ausstellungsstücke. Es hat die Form des hebräischen Wortes Mitzvah, was soviel bedeutet wie „eine gute Tat“. Das wiederum bezieht sich auf die Zeit, als die Nationalsozialisten Dänemark besetzten, aber den meisten dänischen Juden mit Hilfe der Dänen die Flucht nach Schweden gelang. Geplant wurde das Museum vom bekannten Architekten Daniel Libeskind.

Roskilde war die erste dänische Hauptstadt, deswegen befindet sich in dem kleinen verschlafenen Ort ein riesiger Dom indem die dänischen Könige begraben sind. Der Dom ist heute UNESCO-Weltkulturerbe. Auch ein Wikingerschiffmuseum befindet sich hier, was uns aber zu teuer war und außerdem befinden sich zu viele Austellungstücke im kalten Freien. Jedes Jahr findet in Roskilde übrigens auch eines der größten Musikfestival Europas statt.

Ich habe schon länger nicht mehr gebloggt, weil ich mehr für die Uni machen musste und sehr oft Besuch hatte. Darum möchte ich mit einer bilderreichen Aufzählung die letzten zwei Monate Revue passieren lassen. Den Anfang macht der Oktober:

Das Foto zeigt das Foyer der Glyptothek. Dort kann man unter anderem Werke von Auguste Rodin betrachten. Möglich machte das Ganze der Mäzen Jacob Christian Jacobsen, Gründer der Carlsberg-Brauerei. Besonders erfreulich: Sonntag ist der Eintritt frei, das ist auch der Grund warum ich bis jetzt fünfmal dort war.

Eine durch die Kopenhagener Kanäle ist sowieso Pflichtprogramm, man fühlt sich fast wie in Venedig. Die Tour wird meist um 60 DKK angeboten, allerdings habe ich schon ein Angebot für 30 DKK entdeckt.

Außerhalb von Kopenhagen gelegen, aber wunderschön: Møns Klint. Eine Fahrt dorthin zahlt sich immer aus. Auch der Park von Liselund befindet sich in der Nähe, ist aber nicht besonders aufregend.

Für Kinder und alle die es mal wieder sein wollen: Das Legoland in Billund. Dort wird dem Lego gehuldigt, der besten dänische Erfindung ever! Sorry, lieber Niels Bohr, Tycho Brahe & Co. Billund ist allerdings rund 260 Kilometer von Kopenhagen entfernt, darum haben wir uns ein Auto gemietet. Mit drei Leuten an Bord ist das auch in etwa gleich teuer wie Zug fahren. Übrigens, die Preise der Autoverleiher variieren stark nach Standort, am Flughafen zahlt man viel mehr als in der Stadt. Aufgrund leichten Nieselregens und Windes waren nicht viele Besucher im Legoland und wir mussten bei fast keiner Fahrattraktionen warten, das schlechte Wetter war damit ein echter Gewinn!

Der Turm der „Vor Freslers Kirke“ hat eine Außentreppe, wovon man einen traumhaften Überblick über ganz Kopenhagen hat. Sicher auch ein Fixpunkt, wenn man Kopenhagen besucht, zumal das bekannte Christiania auch nicht mehr weit entfernt ist.

Wenn es nicht zu kalt ist, kann man auch im wunderschönen Friedhof namens „Assistens Kierkegarde“ spazieren gehen und die Gräber prominenter Dänen besichtigen. Gräber wie das von Hans Christian Andersen sind auch gut beschildert.

Von der extrem schwierigen Wohnungssuche in Kopenhagen habe ich schon berichtet. Schlussendlich haben wir aber doch eine nette Wohnung gefunden. Ich glaube, mein Studienkollege Lubo und ich hatten echtes Glück. Seit Ende August leben wir nun hier. Die Wohnung befindet sich im Stadtteil Amager und mit dem Fahrrad brauchen wir weniger als 10 Minuten zur Uni. Übrigens: Mit dem Bus sind es weit über 30 Minuten, kein Wunder, dass in Kopenhagen alle mit Fahrrad fahren…

Aber Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte, darum ein kleiner Einblick wie es sich um 3500 Kronen (rund 470 Euro) pro Monat in der fünfteuersten Stadt Europas lebt. (die 3500 Kronen sind mein zu zahlender Anteil an der Gesamtmiete)

Die Küche ist altmodisch, hat aber alles was wir brauchen. Kochen tun wir mit einem Gasherd und ich muss sagen: Wir kochen brav und oft. Nur einen Geschirrspüler vermissen wir sehr.

Mein Zimmer ist sehr geräumig, leider ist das Bett alt und winzig. Es dürfte schon viele Studenten darauf geschlafen haben.

Auf der anderen Seiten befindet sich der Schreibtisch und unser Esstisch. In der Küche gibt es keine Sitzmöglichkeit.

Auch eine nette Couch befindet sich in meinem Zimmer. Leider ist sie nicht ausziehbar. Lubos Zimmer und unser kleines Bad mit WC habe ich nicht fotografiert.

 

Angeblich sagen ja die Tiroler: „Bischt ka Tiroler, bischt ka Mensch.“ Bei den Dänen gilt wohl etwas ähnliches: „Bischt ka Radfahrer, bischt ka Mensch“ – soll heißen, ein Fahrrad ist Pflicht. Auch ich habe mir eines gekauft, um 1800 Kronen (rund 240 Euro). Das also ist mein Bike, fährt sich wirklich super und hat sogar 24 Gänge:

Auf dem Fahrradsitz befindet sich ein Regenschutz mit Werbung. Die werden oft und gerne für Fahrräder verteilt.

Kopenhagen ist stolz auf seinen Vergnügungspark. Der Tivoli ist auch einer der ältesten noch bestehenden Vergnügungsparks der Welt. Damit hat er schon etwas mit dem Wiener Prater gemeinsam. Nur kleiner ist er und teurer und zwar um einiges. Eintritt, eine Fahrt mit der Achterbahn plus Schließfach für Wertgegenständen, machten insgesamt 195 Kronen aus, umgerechnet rund 26 Euro. Stammgast werde ich keiner.

Pavillon und Achterbahn

Pavillon und Achterbahn

Aber abgesehen vom finanziellem, hat der Vergnügungspark auch seine schöne Seite. Alles ist sauber und am Abend toll beleuchtet. Die Atmosphäre ist natürlich ausgelassen und entspannt. Die Wege laden zum Flanieren ein und häufig finden Konzerte statt – die sind dann auch kostenlos. Allzu lange hat der Park nicht mehr offen: Ende September schließen seine Pforten und werden während dem Wintersemester nur mehr zu Halloween und zur Weihnachtszeit geöffnet. Dann soll es dort auch einen Weihnachtsmarkt geben. Fast so wie in Wien.

Dänemark und Kopenhagen im speziellen haben viel gemeinsam mit den Eidgenossen: Die Lebenserhaltungskosten sind immens und verstehen tut sie niemand. Die dänische Sprache muss man zweimal lernen – einmal schriftlich und einmal mündlich. Als Beispiel eignet sich wunderbar das deutsche Wort „natürlich“: Im Dänischen heißt das selvfølgelig und ausgesprochen wird das ungefähr so: „selfööli“. Überhaupt lassen die Dänen bei der Aussprache gerne einzelne Buchstaben weg und sprechen mehrere Wörter zusammenhängend aus, sodass es sich wie ein einziges Wort anhört.

Aufgrund dessen war mein Dänisch-Kurs gar nicht so einfach. Eigentlich hatte ich mir erwartet, dass man als Deutschsprechender mehr versteht. Aber zumindest ein paar grundlegende Dinge sitzen schon. Fast genau 3 Wochen lerne ich jetzt schon Dänisch. Der Kurs endet am 31. mit einem mündlichen Test. Den schriftlichen Teil hatte ich bereits am 27. Erfreulicherweise war die schriftliche Prüfung nicht allzu schwer, vorausgesetzt man hat alle Kurseinheiten besucht. Ich bin ganz zuversichtlich auch den mündlichen zu schaffen. Darum bleibt nur noch zu sagen: Jeg kan tale lidt dansk!

Aber warum sind jetzt Dänen die Schweizer des Nordens? Na weil sie sich nicht mal untereinander verständigen können und ich habe den Beweis!

Die letzten vier Artikel haben sich ausschließlich mit Bürokratie beschäftigt. Dieses Martyrium ist nun vorbei, ich befinde mich bereits in Kopenhagen.

Kopenhagen: Schön (und) teuer

Am 2. August flog mein Studienkollege Lubomir und ich nach Kopenhagen. Den ersten bleibenden Eindruck von unserem Gastland bekamen wir beim Fahrkartenautomaten für die Metro: Kopenhagen ist teuer, wirklich teuer. 34,50 Dänische Kronen für ein 3 Zonen-Ticket,  das sind rund 4,60 Euro! Keine Vergünstigungen für Studierende! Da bleibt dem WienerLinien-Fahrgast erst mal die Spucke weg. Der zweite bleibende Eindruck folgte während der U-Bahn-Fahrt: Kopenhagen ist kleiner als erwartet. Die Metro besteht aus zwei Linien, wobei diese zwei Linien zu einem Gutteil die gleichen Gleise befahren. Nur zwei Teilstücke des Netzes gehen in verschiedene Richtungen. Verfahren kann man sich also nicht. Auch Hochhäuser sucht man in Kopenhagen vergeblich. Dafür ist die Stadt sauber und nicht sehr hektisch.

Im Studentenwohnheim

Wie schon berichtet, war die Wohnungssuche wirklich schwierig. Wir sind schließlich in einem Studentenwohnheim untergekommen, allerdings nur bis 28. August. Die eigentlichen Mieter sind gerade auf Urlaub und wollen mit der Untervermietung Geld sparen. Unser Studentenheim namens „Tietgen Kollegiet“ ist sehr modern. Es ist architektonisch sogar so gut, dass ein Modell davon auf der Expo in Shanghai steht. In den oberen Geschossen des Rundbaues befinden sich die Zimmer und verschiedene Gemeinschaftsräume. Das Erdgeschoss besteht nur aus solchen Gemeinschaftsräumen: Fitnesskammer, Wäscherei, Lern- und Computerräume, Musik- und Filmräume – einfach alles was der Student von heute so braucht. Aber auch hier wieder: 5000 Kronen pro Monat, das sind 670 Euro, für ein Zimmer im Studentenwohnheim? An die Preise muss man sich erst gewöhnen.

Fahrrad: ein „must have“

Fahrräder, Fahrräder und noch mehr Fahrräder. Überall sieht man sie in Kopenhagen. Während die öffentlichen Verkehrsmittel nie überfüllt sind, herrscht auf den Fahrradstreifen immer reger Betrieb. Beim Radfahren entsprechen die Kopenhagener also dem Klischee und noch eines erfüllen sie gänzlich: Alle Dänen können perfekt Englisch. Nein wirklich, die können das echt. Der Supermarktkassierer spricht akzentfrei und fehlerfrei Englisch. Aber sie haben auch einen Vorteil: Fernsehserien und ähnliches laufen immer im Original mit dänischen Untertiteln – ich glaube, schon alleine so lernt man viel.

Beeindruckende moderne Architektur

Nachdem der Dänisch-Sprachkurs erst am 9. August begann, hatten wir viel Zeit für Sightseeing. Da fahrradlos und Metro zu teuer, haben wir in den letzten Tagen einiges an Kilometer zu Fuß heruntergespult. Wobei die meisten Ziele auch gut zu Fuß erreichbar sind. Da ist es ein Vorteil, dass die Stadt verhältnismäßig überschaubar ist. Wir haben alles gesehen: vom Altstadtrundgang, über das

Blick auf Kopenhagen von Havneparken

Blick auf Kopenhagen von Havneparken

Museum des dänischen Bildhauers Thorvaldsen bis hin zum Kunstmuseum. Wir waren auch in Christiania – der berühmten selbstverwalteten Kommune – in der das Leben bunt und fotografieren verboten ist. Was wahrscheinlich daran liegt, dass dort offen auf den Straßen gedealt wird. Als echte Studenten haben wir übrigens auch schon alle Universitätsgebäude inspiziert. In Kopenhagen fällt generell eines auf: Die moderne Architektur ist beeindruckend, dagegen sind die historischen Gebäude sehr unauffällig. Zum Beispiel die Marmorkirche in Kopenhagen: Sehenswert aber auch nicht aufregend. Vor allem im Vergleich zu St. Peters in London oder zur Peterskirche in Rom, die auch das Vorbild für diesen Bau waren.

Kuppel der Mamorkirken

Besonders gut gefallen hat mir der Strand in Kopenhagen. Der Sand, die Dünen und die Flora erinnern sehr an die Nordsee. Baden ist aber eher was für Hartgesottenen, das Wasser ist einigermaßen kalt. Aber alleine die Sonne genießen, dazu etwas Trinken und Essen – das ist der perfekte Tag zum Entspannen.

Amager Strand

Die erste Woche ist freilich wahnsinnig schnell vergangen. Jetzt ist Dänisch lernen angesagt und eines kann man schon sagen: Diese Sprache ist nicht einfach! Mehr dazu werde ich demnächst bloggen. 😉

(Alle Fotos geschossen mit dem Smartphone SAMSUNG Wave)

Die Lehrveranstaltungen sind ausgesucht, Formulare ausgefüllt, Bestätigungen eingeholt und schließlich der TOEFL-Test bestanden. Aber die nächste Hürde wartet schon.

Die Wohnungssuche

Die Wohnungssuche in Kopenhagen gestaltet sich nämlich sehr mühselig. Im Großraum Kopenhagen leben rund 1,2 Millionen Einwohner und Wohnungen sind in der Stadt hart umkämpft. Ich verbringe mein Erasmus-Semester zusammen mit Lubomir, einem Freund und Kommilitonen der auch für Kopenhagen nominiert ist. Darum suchen wir gemeinsam eine Wohnung. Dutzenden Anfragen haben wir schon verschickt, aber fast nie eine Antwort erhalten und wenn doch, dann war diese negativ. Ein anderer Freund von mir meinte, dass es aufgrund des Wohnungsmangels in Kopenhagen sogar häufig Hausbesetzungen gibt, ganz einfach weil sich viele die Miete nicht mehr leisten können. (Man verzeihe mir bitte diese ungeprüfte Quelle.) Wir haben uns bei allen Studentenwohnheimen registriert, Bekannte und Freunde um Hilfe gebeten und sind bereit 7500 Kronen zu zahlen – das sind umgerechnet rund 1000 Euro. Ich verstehe aber auch, dass sich ein Vermieter keine unbekannten Ausländer in die Wohnung nehmen möchte, die man vor Mietbeginn nicht mal zu Gesicht bekommt. Es gibt für uns nur eine Alternative: Wir müssen uns in eine Herberge einquartieren und dann von Kopenhagen aus eine Wohnung suchen.

Kann nicht die Uni eine Unterkunft besorgen?

Diese Frage wurde auch schon manchmal an mich gestellt. Und tatsächlich kümmert sich die Kopenhagener Uni um Unterkünfte für ihre Erasmus-Studenten. Allerdings sind mein Kollege Lubomir und ich dafür zu spät dran. Dass wir zu spät sind, liegt wiederum am TOEFL-Test. Ich habe im letzten Artikel ausführlich über den TOEFL geschrieben und dass der mein Zeitmanagement über den Haufen geworfen hat.

Hier nun die Erklärung: Kopenhagen verlangt einen TOEFL, das hat uns die Koordinatorin bereits am Infoabend erklärt. Nun wussten wir natürlich nicht, ob wir wirklich für Kopenhagen nominiert werden würden. Es dauert aber bis man die Bestätigung über die Nominierung erhält und sich dann um die Anmeldung zum TOEFL kümmern kann. Vor der Nominierung wollten wir uns nicht für den TOEFL anmelden, da die Testgebühr mit € 180,- recht saftig ist und kein Student gerne so viel Geld ausgibt. Es ist sehr ärgerlich, dass die Deadline für die Vermittlung einer Unterkunft sehr kurz war. Etwas worauf uns im Vorfeld auch niemand hingewiesen hat. Mit Lernen, Antreten und Abwarten der Testergebnisse – das dauert auch mindestens 2 Wochen – ist sich das alles nicht mehr rechtzeitig ausgegangen. Und hier auch ein wichtiger Hinweis: In Österreich organisiert der CIU den TOEFL-Test. Auf deren Homepage kann man alle Prüfungstermine ansehen. Allerdings ist das mit der Anmeldung nicht so einfach. Bei uns waren zum gewollten Termin alle Plätze ausgebucht, auch das sollte man immer beachten. Wenn die Wunschuniversität einen TOEFL fordert, sollte man diesen Test wirklich schon im Vorfeld machen und nicht auf die Nominierung warten. Das ist zwar ein (Geld-)Risiko, aber man erspart sich dann viel Ärger.

Beihilfe nicht vergessen

Die Studienbeihilfenbehörde unterstützt Studierende im Ausland, wenn sie auch in Österreich Beihilfe beziehen. Dabei bezieht sich die Höhe der Beihilfe auf die Lebenserhaltungskosten des Ziellandes. Den „Antrag auf Genehmigung einer Beihilfe für ein Auslandsstudium“ kann man auf deren Homepage abrufen.

Abgabe der Formulare

Man bekommt also die abgestempelten und unterschriebenen Formular vom Studienprogrammleiter zurück. Und was soll man nun damit machen? Man gibt die Originale im Büro für Studierendenmobilität ab. Zwar fordert das Büro im zugesendeten Mail auf, selbst Kopien zu erstellen, aber wenn man keine gemacht hat werden die auch dort kopiert. Das Büro befindet sich übrigens im Hauptgebäude der Universität Wien. Dazu geht man beim Haupteingang hinein, wendet sich nach rechts, geht die ersten 4 Stufen (also man bleibt im Erdgeschoss) hinauf und auf der rechten Seite befindet sich der Eingang, eine unscheinbare weiße Türe. Ich empfehle frühstmöglich dort die Formulare abzugeben, denn dann muss man nicht solange warten. Später bilden sich Schlangen, da alle „Outgoings“ innerhalb der Frist ihre Formulare abgeben müssen.

Nächste Anmelderunde

Das Büro für Studierendenmobilität sendet dann alle Unterlagen an die Partner-Universität im Ausland. Diese meldet sich schließlich per E-Mail. Mir hat die Kopenhagener Universität einen PIN zugeschickt, mitdem ich mich in ihr Internetportal einloggen kann. Und Einloggen musste ich mich, weil die Kopenhagener mich zur nächsten „Application“ aufgefordert haben. Für was ich eigentlich die Bewerbung schon auf englisch geschrieben hatte, frage ich mich noch heute. Auf jeden Fall heißt es wieder Formulare ausfüllen. Adresse, Geburtsdatum & Co., welche Dänischkenntnisse man hat, ob man einen Mentor will, ob die Universität für eine Unterkunft sorgen soll usw. Desweiteren muss man noch einmal ein mindestens 300 Wörter langes Motivationsschreiben in Englisch verfassen. Schließlich wollten sie auch, dass man ein „official transcript“ hochlädt. Official transcript wurde in der Hilfe als Zeugnisse der Heim-Universität beschrieben. Das alles habe ich auch brav gemacht.

„proof of english“ fehlte

Bald nachdem ich meine „Application“ abgeschickt hatte, bekam ich ein ungutes Mail. Darin stand, dass meine Application gestoppt wurde, bis ich einen proof of english erbringen würde. Mit proof of english meint man einen der anerkannten Englischtest, wie zum Beispiel das Certificate in Advanced English (CAE), oder noch bekannter den TOEFL. Natürlich habe ich schnellstmöglich den TOEFL-Test gemacht und glücklicherweise auch bestanden. Für Kopenhagen braucht man ein Testergebnis von mindestens 80 von 120 erreichbaren Punkten. Durch Gespräche habe ich herausgefunden, dass das sogar mehr ist als bei manchen amerikanischen Unis. Was aber wirklich schmerzte: Solange ich die Test-Ergebnisse nicht hatte, wurde meine Application und damit auch das Housing gestoppt. Housing meint die Vermittlung einer Unterkunft durch die Universität. Beim Housing hatten die Kopenhagener leider eine sehr knappe Deadline, die ich nicht mehr einhalten konnte. Als ich schließlich die Testergebnisse nachreichte, wurde meine Application fortgesetzt und positiv abgeschlossen – aber eine Unterkunft muss ich mir jetzt selber suchen!

Exkurs: der TOEFL-Test

Das überhaupt ein TOEFL-Test verlangt wird, ist innerhalb des ERASMUS-Programmes schon seltsam. Angeblich dürfen die teilnehmenden Universitäten das gar nicht verlangen, die Kopenhagener machen es trotzdem. Ich persönlich finde es auch ein wenig seltsam, dass – laut der Homepage der Universität Kopenhagen – Studierenden aus skandinavischen Ländern keinen TOEFL brauchen.

Zum TOEFL-Test selbst ist zusagen, dass man ihn unter- aber auch überschätzen kann. Ich hatte nicht so viel Zeit Englisch zu lernen, im Nachhinein gesehen hätte das wahrscheinlich auch nicht viel gebracht. Beim Test bekommt man nämlich irgendwelche Texte zu hören und zu lesen. Man muss daher einfach ein gewisses Niveau haben um die Aufgaben bewältigen zu können. Die Texte beim Test sind sehr wissenschaftlich und kompliziert. Allerdings glaube ich, dass die Benotung sehr fair ist. Ich hatte 95 Punkte und mir ist es eigentlich gar nicht gut gegangen. Ich war an dem Tag total übermüdet und pessimistisch eingestellt – was ich normal bei fast keiner Prüfung bin. Noch dazu fing meine Nachbarin gleichzeitig mit mir den „Speaking“-Teil an, was extrem störend war. An sich ist es so, dass die Leute nach der Registrierung einen Platz zugewiesen bekommen und dann sofort anfangen können zu arbeiten. Dadurch arbeiten alle etwas zeitversetzt und es wird darauf geachtet, dass die, die ungefähr zur selben Zeit anfangen, getrennt sitzen. Leider glich sich der Zeitabstand zwischen meiner Nachbarin und mir bis zum „Speaking“-Teil aus. Übrigens: Ich dachte mir, es würde beim Test so Art Kabinen geben – aber davon war keine Rede. Man sitzt in einem Raum der aussieht wie ein Klassenzimmer und vor Dir steht ein PC und ein Headset. Alles offen also, dafür müssen alle persönlichen Utensilien weggelegt werden, nicht mal ein Getränk darf man stehen lassen. (was ich besonders gemein finde, denn in der einzigen zehnminütigen Pause trank ich ein RedBull und es ging mir gleich wieder besser. ;-)) Der Test dauert netto 4 Stunden und das ist schon zäh. Aber wie gesagt: Die Benotung dürfte moderat sein. Meine Detailergebnisse sind: Reading: High, Listening: High, Speaking: Good-Fair, Writing: Fair. Last but not least noch ein Tipp: Beim Reading wird zuerst der gesamte Text präsentiert, dann Fragen dazu gestellt. Zu den Fragen kann man aber den Text auch noch einmal lesen. Daher sollte man anfangs den Text überspringen und erst im Zusammenhang mit den Fragen die betreffenden Textstellen lesen. Das Problem ist nämlich die knappe Zeit!

Ich bin froh den Test bestanden zu haben, aber es ist wirklich blöd, dass der TOEFL-Test mein Zeitmanagement über den Haufen geworfen hat. Was das für mich bedeutet und warum das grundsätzlich von den Instituten schlecht geregelt ist, beschreibe ich im nächsten Artikel.

Jeder der schon mal im Ausland studierte, schwärmt über die neuen Erfahrungen die er dort gemacht hat. Bis man allerdings die Reise antreten kann, sind einige bürokratische Hürden zu überwinden.

Auf dem Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaften in Wien wären das folgende:

 

1. Die Qual der Wahl

Wohin soll es gehen? Diese Frage ist natürlich zentral und sollte wohl überlegt sein. Im Nachhinein sehe ich meine „Recherche“ auf eigene Faust als vergeudete Zeit und es wäre wohl vernünftig gewesen, hätte ich bis zum Infoabend gewartet und dann erst die nächsten Schritte geplant. Zur Auswahl der Unis ist noch zu sagen: Man sollte sich für zwei Partneruniversitäten bewerben. Zwar kann man auch nur eine Präferenz angeben, allerdings erhöht man mit einer Alternative seine Chancen genommen zu werden. Laut meiner zuständigen Koordinatorin kann man sich maximal für zwei Unis bewerben. Das ist etwas verschieden zu anderen Instituten, die eine längere Präferenzliste oft sogar verlangen. Wichtig ist, dass es auf den Partnerunis Master- oder Bachelorplätze gibt.  Man sollte auf dasselbe Niveau achten, sprich sich nur  für einen Masterplatz bewerben, wenn man selbst im Master ist. Ansonsten kann es zu Problemen bei der Anrechnung der im Ausland absolvierten ECTS-Punkte kommen, oder die Partneruni könnte die Bewerbung sogar stoppen.

 

2. Die Bewerbung

Hat man seine Wahl getroffen, muss man bis zu einer gewissen Frist seine Bewerbung beim zuständigen Koordinator (am Institut) einreichen. Dabei umfasst die Bewerbung: Bewerbungsschreiben, Lebenslauf, Motivationsschreiben, Notenspiegel und das Nominierungsformular. Das Nominierungsformular findet man auf erasmus.univie.ac.at. Dort muss man sich registrieren und zumindest dieses eine Formular ausfüllen und bei der Bewerbung mitabgeben. Es gibt noch viele andere Formulare, die werden aber erst später relevant.

Die Bewerbung ist in deutsch und englisch zu verfassen und sollte auf jede der zwei Partnerunis angepasst sein, die man präferiert. D.h. im Endeffekt schreibt man alles viermal: zweimal in deutsch und zweimal in englisch. Außerdem muss ein Sammelzeugnis ausgedruckt werden. Wer das noch nie gemacht hat: Für UniVie-Studierende gibt es Automaten für den Ausdruck. Diese findet man vor der StudienService-Stelle auf der „Hauptuniversität“. Man soll übrigens auch seinen Notendurchschnitt errechnen und diesen bei der Bewerbung angehen. Er ist ein wichtiger Kriterienpunkt wer fahren darf und wer nicht.

Sobald man seine Unterlagen eingereicht hat, heißt es aber erstmals warten. Denn die Bestätigung, dass man nominiert wurde, kann schon dauern. Dazu aber mehr im nächsten Artikel.