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Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt! Es ist geschafft – mein Studium ist zu Ende und meine Magisterarbeit gibt es bereits zum Downloaden. Was ich Zeit dafür investiert habe… Genau deshalb gibt es hier und jetzt eine Auflistung der sieben wichtigsten Ergebnisse meiner Arbeit, die den literarisch angehauchten Titel trägt:

Stolz und Vorurteil im Journalismus.
Einstellungen von Tageszeitungsjournalisten zu Crossmedialität und Medienwandel.

Nun aber gleich zu den Findings:

1.
Zwischen Print- und Onlineredaktion ist die Stufe der Coopetition mit leichter Tendenz zum Content Sharing vorherrschend. Das bedeutet, österreichische Tageszeitungsjournalisten von Print und Online teilen sich Informationen zu Geschichten, an denen sie arbeiten und die sie gerade produzieren. Gelegentlich arbeitet dabei ein Journalist bereits für das jeweils andere Medium. Konkurrenzdenken und Misstrauen zwischen den Mitarbeitern des einen Mediums gegenüber dem anderen Medium beschränken jedoch die Kooperation (z. B. werden keine exklusiven Informationen ausgetauscht).

2.
Bei der Konvergenz von Tageszeitung und TV- bzw. Radiosendern befinden wir uns hingegen erst auf der Stufe der Cross Promotion. Das heißt, die verschiedenen Medien bewerben sich untereinander (z. B. TV-Werbung in der Zeitung), aber Inhalte werden nicht gemeinsam produziert.

3.
Die Mehrheit der Tageszeitungsjournalisten bevorzugt die Arbeit für nur ein Medium. Allerdings stehen jüngere Journalist der Arbeit für verschiedenen Medien signifikant aufgeschlossener gegenüber, als ihre älteren Kollegen. Die Bereitschaft mehrmedial tätig zu sein nimmt auch zu, je mehr die Journalisten bereits heute in ihren Redaktionen crossmedial tätig sind.

4.
Ein solcher Gewöhnungseffekt ist auch bei der Einstellung zum Newsroom feststellbar. Demnach wird ein Newsroom signifikant positiver beurteilt, wenn bereits in einem Newsroom gearbeitet wird. Genauso wie ein Newsroom positiver betrachtet wird, je regelmäßiger die Journalisten derzeit schon crossmedial tätig sind.

5.
Grundsätzlich beurteilen die österreichische Zeitungsjournalisten den Newsroom sehr skeptisch. Negative Auswirkungen durch einen Newsroom werden bei Lärmbelästigung, Rückzugsmöglichkeiten, Arbeitsplatzgröße, Betriebsklima, Arbeitseffizienz, journalistische Qualität und Recherchemöglichkeit befürchtet. Eine Verbesserung wird dagegen nur bei der Zusammenarbeit mit Kollegen gesehen.

6.
Es gibt allerdings ein paar Elemente, die für eine positivere Einstellung zum Newsroom sorgen können. Dazu zählen eine grundsätzliche Zufriedenheit mit dem Management, gute Stimmung in der Redaktion sowie eine gute Informationsweitergabe und Mitwirkungsmöglichkeiten bei den Arbeitsplatzveränderungen.

7.
Im Vergleich von sieben österreichischen Tageszeitungen zeigt sich: „Die Presse“ steht dem Newsroom am positivsten gegenüber, während Journalisten der Oberösterreichischen Nachrichten am ehesten für verschiedene Medien eingesetzt werden möchten und bei der Kleinen Zeitung wird am ehesten crossmedial gearbeitet.

Bei der Umfrage nahmen 211 Tageszeitungsjournalisten teil.

tri-medial_workingHier will ich zwei Aufsätze aus dem Sammelband „Tri-medial working in European local journalism“ wiedergegeben. Das Sammelband gibt es – mit anderen Seitenzahlen als in der gedruckten Ausgabe – hier zum Downloaden. Bei den zwei Aufsätzen handelt es sich um:

Paukens, Hans; Uebbing, Sandra (2006): Introduction – Prospects of TRIMEDIAL. In: Paukens, Hans; Uebbing, Sandra (Hg.): Tri-medial working in European local journalism. München: Reinhard Fischer, S. 7–12.

Rahofer, Meinrad; Weber, Stefan (2006): Bi-Medialization and Europization: The Journalistic Work in Austria. In: Paukens, Hans; Uebbing, Sandra (Hg.): Tri-medial working in European local journalism. München: Reinhard Fischer, S. 71–90.

Introduction

In der Einführung machen Hans Paukens und Sandra Uebbing klar, dass heute ein oft gehörter Slogan in der Medienszene postuliert: „Ein Inhalt für alle Medien“. Dieser Slogan widerspiegelt die derzeitige Transformation der journalistischen Arbeit. Für Journalisten bedeutet das eine ständige Veränderung der Profession und mehr multimediale Kompetenzerfordernisse. Dabei zeigt sich europaweit im Journalismus eine Tendenz zum multimedialen Arbeiten. Während Bulgarien im Vergleich mit anderen Ländern dem multimedialen Arbeiten hinterher hinkt, ist das multimediale Arbeiten in Rumänien schon stark umgesetzt und in Belgien, Dänemark, Deutschland und Österreich scheint die Entwicklung ziemlich gleichauf zu sein.

 

Bi-Medialization and Europization: The Journalistic Work in Austria
Meinrad Rahofer, Stefan Weber

Die beiden Autoren zeigen: Die Bimedialität beschränkt sich meistens auf die Umwandlung der Print-Inhalte für Web. Laut ihren Studienergebnissen arbeiten bereits 45 % der Journalisten bimedial. Wobei Rahofer und Weber unter „monomedial“  so definieren, dass der journalistische Output nur in einem Medienkanal veröffentlicht wurde. Ich halte diese Definition für wenig sinnvoll, denn damit zählt auch ein Journalist als bimedial, wenn er beispielsweise seinen Text in einem Word-File dem Onlineredakteur schickt und der dann daraus einen Onlineartikel bastelt. Sich auf den journalistischen Output zu konzentrieren zeigt zwar die Mehrfachverwertung von Inhalten auf, aber sagt wenig über die tatsächlich multimedialen Tätigkeiten von Journalisten aus.

Die beiden Autoren meinen dann auch, dass zumindest echte trimediale Arbeit meistens nur von Freelancern (Freien) ausgeübt wird. Kompetenzlücken gibt es bei den Journalisten nicht nur beim Umgang mit CMS-Systemen sondern auch in allen Bereiche des Onlinejournalismus. Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

  • „Real‘ tri-medial work – covering print media, radio/TV and the net – is still an exception and can possibly mainly be found by some freelancers offering their ideas and stories to many media and adapting them to all media channels.
  • But already at least about fifty percent of the journalists do bi-medial work. In Austria, at the moment, this mainly means converting print articles to the web (doing an online edition of a printed media), but of course also converting radio or TV reports to the web.
  • At the moment, bi-medially working journalists see their lack of competence in the field of content management systems and in all areas connected to online journalism.
  • So the main gaps of Austrian journalists are a missing bi-medial competence and a lacking European/international horizon in their work. Bimedialisation and ‚Europization‘ seem to be the major empirical facts to which the Tri-medial project reacts.“(Rahofer; Weber: 2006: S. 57f; Seitenangabe bezieht sich auf PDF-File)

Zusammenfassung: Daniels, George L.; Hollifield, C. Ann (2002): Times of Turmoil: Short- and long-term effects of organizational change on newsroom employees. In: Journalism & Mass Communication Quarterly 79 (3), S. 661–680.

Eine interessante Studien zu den Einstellungen von Journalisten kommt von George L. Daniels und Ann C. Hollifield. Eingangs erwähnen sie, dass der Grund für die hohe Attraktivität des Journalistenjobs die Abwechslung und Vielfältigkeit sind.

In ihrer Längsschnittstudie untersuchen sie die Einstellungen von Journalisten der Nachrichtensendung CNN Headline News. Dabei stellten sie fest, dass Veränderungen in der Organisation zu reduzierter Jobzufriedenheit und reduziertem Engagement führen sowie das Kündigungspotential erhöhen.

Gutes Change Management versucht da

  • Problem zu identifizieren
  • den Change Process einzuleiten
  • diesen zu beobachten und zu unterstützen

Change Management und die Möglichkeit am Wandel zu partizipieren/mitzugestalten verringert Kündigungsabsichten. Durch den Wandel braucht es Journalisten mit neuen Fähigkeiten. Dabei bleibt weniger Zeit für Inhalte und es wird mehr Zeit für die Technik investiert.

Bei CNN Headline News waren große Veränderungen geplant. Es zeigt sich in der Studie, dass die Journalisten negativ dem Wandel gegenüber eingestellt waren. Das verändert auch die Stimmung innerhalb der Redaktion. Wobei hier die Journalisten vor allem ihre intrinsischen Motive bedroht sehen (z.B. Qualität ihres Produktes). Ältere Journalisten sind signifikant reservierter als jüngere Journalisten gegenüber den Veränderungen. Allerdings zeigt sich grundsätzlich, dass sich die Einstellung mit der Zeit wieder verbessert. Dabei zeigt sich auch, dass sich die Einstellung gegenüber dem Wandel schneller wieder verbessert als gegenüber dem Management, der diesen eingeleitet hat.

Im Journalisten-Report aus dem Jahre 2007 präsentieren Kaltenbrunner et. al. eine Studie über den österreichischen Journalismus. Dabei ist diese Unterfangen gar nicht so leicht, denn wer aller ist überhaupt Journalist? Definitionsmöglichkeiten sind die folgenden drei:

  • formal-taxativ (Berufslisten, Kammern, gesetzliche Regelungen)
  • strukturell-institutionell (wer unter bestimmen vertraglichen Bedingungen in einem Medienunternehmen journalistische Tätigkeiten ausübt)
  • individuell (wer den überwiegenden Teil seines Einkommens aus journalistischer Tätigkeit erwirtschaftet)

In der Studie von Kaltenbrunner et. al. wurden zuerst österreichische Medienunternehmen ermittelt und an diese wurden dann die Fragebögen verschickt. Detaildaten wurden außerdem nur von jenen journalistischen Personen erfasst, die mindestens 1.000 Euro pro Monat brutto verdienen.

Wichtige Ergebnisse

Der durchschnittliche Journalist ist männlich, 40 Jahre alt, hat keinen Studienabschluss und arbeitet für ein Printmedium in Wien. Insgesamt gibt es rund 7.100 hauptberufliche Journalisten in Österreich. 4.700 Journalisten arbeiten in der Print-Branche. Davon 1.820 bei einer Tageszeitung. Nur 211 Journalisten sind reine Online-Journalisten. Die Online-Redakteure haben sich ihre Fähigkeiten durch learning by doing erworben. Eine Professionalisierung tut hier Not, den an sich müssten sie sogar hohe Anforderungen wie die eines Schnittstellenmanager bzw. Community-Manager erfüllen.

 

Quelle: Kaltenbrunner, Andy; Karmasin, Matthias; Kraus, Daniela; Zimmermann, Astrid (2007): Der Journalisten-Report. Wien: Facultas.

Zusammenfassung von:

Neverla, Irene (1998): Die verspätete Profession. Journalismus zwischen Berufskultur und Digitalisierung. In: Duchkowitsch, Wolfgang (Hg.): Journalismus als Kultur. Analysen und Essays ; [Wolfgang R. Langenbucher aus Anlaß seines 60. Geburtstages gewidmet]. Opladen: Westdt. Verl, S. 53–62.

 

Journalismus hat sich im Vergleich zu anderen Professionen historisch erst spät entwickelt und die Pfeiler dieser Profession beginnen schon wieder zu wanken. Neverla stellte schon 1998 (!) fest: „Was einmal guter Beruf war, hat heute kein Fundament mehr für eine ‚Normalbiografie‘ und bietet keine sicheren Lebenschancen.“ (Neverla, 1998: S. 53)

Entwicklung des Faches Publizistik- und Kommunikationswissenschaft

Die Zeitungswissenschaft der 20er und 30er-Jahre sowie die Publizistikwissenschaft der 50er und 60er-Jahre hat sich auf publizistische Persönlichkeiten und deren Einflüsse auf die Berichterstattung konzentriert. In den 70er-Jahren änderte sich dann der Blick auf redaktionelle Organisationen und das „System“ (= Systemtheorie) wurde Forschungsgegenstand. Journalismus wird als differenziertes soziales System verstanden, das der Beobachtung der Gesellschaft dient und dabei nach eigenen Regeln funktioniert, das sich aber auch auf spezifische Weise auf andere Teilsysteme der Gesellschaft bezieht. (vgl. ebd.: S. 54)

Profession

Das Professionskonzept wurde in den 70er-Jahren in die kommunikationswissenschaftlichen Diskussion eingebracht. Dabei gab es berufspolitische als auch hochschulpolitische Intentionen. Die Schaffung von entsprechenden Studien und Lehrgängen an Hochschulen entsprang einerseits demokratietheoretische Überlegungen als auch dem Engagement von Journalistenverbänden. Das klassische Professionskonzept als wissenschaftliches Konzept will aber einfach nicht auf den Journalismus passen.

Zwar hat Journalismus eine entsprechende Ausbildung, Berufsbezeichnung und Berufsorganisation zu bieten, aber es mangelt am Ausschluss von Nicht-Lizenzierten, einheitlichen Ehrenkodexes und positive Sanktionierung durch staatliche Institutionen. Denn es gibt zwar Kodexes, die haben aber keine Sanktionierungsmacht  (vgl. ebd.: S. 55). Durch die Aufgabe des Journalismus als Vermittler zwischen gesellschaftlichen Teilsystemen kann Journalismus auch gar nicht autonom sein.

Dagegen kann Journalismus sehr wohl als Profession aufgefasst werden, wenn damit die Ablösung von Laienlösungen durch Formen rationalisierter Expertenlösungen gemeint ist. Überhaupt scheint aber die Bestimmung eines Berufes/einer Profession immer schwieriger zu fallen. Durch den Transformationsprozess der Gesellschaft ist ein „Beruf“ nicht mehr ein Bündel an Fähigkeiten, die eine Normalbiografie lang vorhalten und allen Berufsangehörigen eine gemeinsame Identität geben. Es gibt kein lebenslang gültiges Repertoire an Kompetenzen und gesicherten Lebenschancen mehr, auch keinen zuverlässigen Status, ein garantiertes Einkommen oder einen festen Wohnort (vgl. ebd.: S. 57).

Die Menschen setzen aufgrund der Erodierung der äußeren Strukturen auf Planungs- und Entscheidungshandeln. Die eigene Arbeitskraft wird aktiv gemanagt (vgl. ebd.: S. 58). Auch der klassische Betrieb befindet sich im Wandel. Berufliches Handeln lässt sich an Organisationen anknüpfen, nicht jedoch an festen Organisationsstrukturen festmachen. Flexible, lernende Organisationen mit eigenverantwortlich und intrinsisch gesteuerten Individuen prägen die Zukunft (vgl. ebd.: S. 58). Je virtueller aber die Arbeitsorganisation ist, desto dynamischer sind die Regelwerke in Bewegung und umso stärker ist der Ausgestaltungsraum für Individuen.

Dabei lassen sich zwei Extremmuster bei Implementierung neuer Systeme beobachten: das technische und das kommunikative Modell. Beim kommunikativen Modell werden auch Nicht-Technikern in die Entscheidungen eingebunden. Die Entscheidungswege sind dadurch länger, aber es gibt dadurch auch weniger soziale Probleme bei der Implementierung nach und die Veränderungen werden eher sozial akzeptiert.

Quelle: Neverla, Irene (1998): Die verspätete Profession. Journalismus zwischen Berufskultur und Digitalisierung. In: Duchkowitsch, Wolfgang (Hg.): Journalismus als Kultur. Analysen und Essays ; [Wolfgang R. Langenbucher aus Anlaß seines 60. Geburtstages gewidmet]. Opladen: Westdt. Verl, S. 53–62.

Christoph Neuberger gehört fraglos zu den versierten Kommunikationswissenschaftler auf dem Gebiet des Medienwandels und der Crossmedialität. Für meine Magisterprüfung lerne ich folgenden Aufsatz von ihm:

Neuberger, Christoph; Nuernbergk, Christian; Rischke, Melanie (2009): Journalismus im Internet. Zur Einführung. In: Neuberger, Christoph; Nuernbergk, Christian; Rischke, Melanie (Hg.): Journalismus im Internet. Profession, Partizipation, Technisierung. 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften / GWV Fachverlage, S. 9-18.

Neuberger macht darin klar, dass der Journalismus bisher eine „(…) zentrale und machtvolle Vermittlungsinstanz der aktuellen Öffentlichkeit (…)“ war (Neuberger, 2009: S. 9).  [ref]Neuberger, Christoph; Nuernbergk, Christian; Rischke, Melanie (2009): Journalismus im Internet. Zur Einführung. In: Neuberger, Christoph; Nuernbergk, Christian; Rischke, Melanie (Hg.): Journalismus im Internet. Profession, Partizipation, Technisierung. 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften / GWV Fachverlage, S. 9-18[/ref] war. Diese Rolle ändert sich durch das Internet. Die Grenzen zwischen Kommunikator- und Rezipientenforschung verwischen (vgl. ebd.: S. 11). Professioneller Journalismus erobert das Internet. Dabei stellt sich die Frage, ob es zu einer Verselbstständigung vom Internetjournalismus kommt, oder zu einer crossmedialen Verflechtung. Klar ist jedenfalls, dass es zu einer Erosion von Werbeerlösen kommt und das hat fatale Konsequenzen. Journalismus, oder besser gesagt Verlage, könnten dadurch ihre Aktivitäten auf andere Geschäftsfelder verlagern (vgl. ebd.: S. 12ff).

Alte Medien online

Es zeigt sich allerdings, dass 77 % des journalistischen Onlineangebotes Ableger von etablierten Presse- und Rundfunkmedien sind. 53 % davon alleine von Tageszeitungen (vgl. ebd.: S. 15). Es bildet sich ein eigenständiger Internetjournalismus, mit eigenen Qualifikationsanforderungen, Vorbildern und technischem Potential. Es ist fraglich, ob im Internet die journalistischen Selektionskriterien wichtiger werden, um den Konsumenten die Orientierung in der Informationsflut zu gewährleisten. Journalisten also dementsprechend weniger als Gatekeeper und mehr als „Gatewatcher“ agieren. Ich persönlich bezweifle das, denn genau das sind die Dinge die Freunde, Bekannte auf Facebook oder Experten auf Twitter besser für mich erledigen. Grundsätzlich kann aber festgestellt werden, dass es im Journalismus zu einer „Googlisierung“ kommt. Das Internet jedenfalls bringt eine Flexibilisierung und Erweiterung der Raum- und Zeitbezüge mit sich (vgl. ebd.: S. 16f).

In diesem Blogartikel gehts um

„Researching Media Convergence and Crossmedia News Produktion. Mapping the Field.“,

einem Artikel von Ivar John Erdal aus dem Jahre 2007.

In seinem Aufsatz geht es konzentriert um Medienkonvergenz im Rundfunkjournalismus. Erdal sieht die Ursache der Medienkonvergenz/Crossmedialität in der Digitalisierung. Heute werden gerne Fernsehinhalte im Web aufbereitet und die Audiospur vom Fernsehen im Radio verwendet. Erdal erwähnt Jenkins, der de Sola Pool (1983) als den Ersten identifiziert, der von „Medienkonvergenz“ spricht und damit die „Macht des Wandels“ meint. (vgl. Erdal, 2007: S. 51f) [ref]Erdal, Ivar John (2007): Researching Media Convergence and Crossmedia News Production. Mapping the Field. In: Nordicom Review 28 (2), S. 51–61.[/ref]

Für Erdal ist Crossmedia ein Prozess, bei dem gleichzeitig zwei oder mehrere Medienplattformen aufeinander bezogene Inhalte innerhalb der selben Organisation kommunizieren (vgl. ebd.: S. 52). Erdal macht klar, dass es mehrere Arten von Kooperationen zwischen Medienplattformen gibt:

  • Teilen von Inhalte
  • multimedial arbeitende Journalisten
  • gleiche Inhalte, die dann aber verschieden aufbereitet werden (vgl. ebd.: S. 53)

In diesem Zusammenhang gibt es unter Experten auch die Diskussion, ob von „multiskilled“ oder „deskilled“ Journalisten zu sprechen ist. Auffallend ist jedenfalls, dass auch das Fernsehen versucht dem Internet seinen medienspezifischen Stempel aufzudrücken (vgl. S. 53f). Der Kommunikationswissenschafter Fogerjord wiederum postuliert, dass das Web kein Medium sein, sondern vielmehr eine Plattform für Medien (vgl. ebd.: S. 58).

Hier präsentieren ich Euch eine knappe und knackige Zusammenfassung von Birgit Starks und Daniela Kraus‘ Aufsatz:

Crossmediale Strategien überregionaler Tageszeitungen. Empirische Studie am Beispiel des Pressemarkts in Österreich.

Mitte der 90er-Jahren waren die Verlage mit 1:1 Übernahmen von Print für Online zufrieden. Heute geht es mehr um Themenmanagement, also wie Themen für verschiedene Verbreitungskanäle aufbereitet werden können. Dabei gibt es mit dem „Newsroom-Konzept“ und dem „Convergence Journalism“ neue Redaktionsorganisationen. Dabei ist eine komplementäre Strategie bei deutschen Verlagen am häufigsten zu beobachten. Damit ist gemeint, dass Print- und Onlineangebote sich innerhalb einer Markenfamilie präsentieren, deren Inhalte sich ergänzen bzw. miteinander verknüpft sind. Hindernisse bei dieser Strategie sind

  • logistische/technische
  • kulturelle/generationsbedingte
  • und fehlende Ressourcen (vgl. Stark; Kraus, 2008: S. 307) [ref]Stark, Birgit; Kraus, Daniela (2008): Crossmediale Strategien überregionaler Tageszeitungen. Empirische Studie am Beispiel des Pressemarkts in Österreich. In: Media Perspektiven (6), S. 307–317.[/ref]

„Synergien werden in erster Linie durch Mehrfachverwertung, durch gegenseitige Verweise und durch die Interaktivität des Webs erhofft.“ (ebd.: S. 307)

In ihrer Studie aus dem Jahre 2008 stellen Stark und Kraus fest, dass Redakteure noch immer eindeutig einer Print- oder Onlineredaktion zuordenbar sind. Die Idee von plattformübergreifenden Teams scheitert bereits an der personellen Ausstattung von Onlineredaktionen. So arbeite im Schnitt 10-20 Mitarbeiter im Onlinebereich. In den Printredaktionen gibt es dagegen zehn Mal mehr Mitarbeiter. Die Ausnahme bildet hier derstandard.at (vgl. ebd.: S. 309).

In ihrer inhaltsanalytischen Studie zeigen die beiden Autorinnen, dass es bei Online und Print zum Teil andere Ressorts gibt, aber sich die Themensetzung sehr ähneln. Exklusive Vorabthemen im Internet sind weiterhin die Ausnahme und der Austausch zwischen Print und Online funktioniert noch unzureichend. Es ist sogar so, dass die Printredakteure ungern die eigene Webseite als Quelle nennen. Bei den Printredakteuren steigt die Bereitschaft für Online, wenn ein eigener Blog für Sie aufgesetzt wird. Vom Content-Fluss her gibt es noch immer eine eindeutige Stromrichtung von Print zu Online. (vgl. ebd.: S. 310f)

Zur Vernetzung

Laut Kraus und Stark gibt es keine medienübergreifende Vernetzung bei den österreichischen Verlagen. Crossmediale Vernetzung gibt es da nur im Servicebereich oder bei Promotion-Projekte. Dabei ist die Abstimmung über Querverweise bereits mehr oder weniger institutionalisiert, doch gilt die Umsetzung bei den Journalisten als aufwendig. „Full-Convergence“ ist daher kein Thema, sondern vielmehr Kommunikations- und Koordinationsmaßnahmen der voneinander unabhängig tätigen Redaktionen. Das umfangreichste Newsroom-Konzept hat die Zeitung Österreich umgesetzt. Auf rund 2.400 Quadratmetern kreisförmigen Newsroom arbeiten 150 Personen auf einer Ebene. Allerdings bildet auch hier die Onlineredaktion eine eigene Abteilung.

Es kann daher festgestellt werden, dass bimediales Arbeiten weiterhin die Ausnahme ist. Redakteure die für beide Plattformen arbeiten sind selten und das Engagement dazu wird auch nicht gefördert. Allerdings gehen die Online-CvD zur gemeinsamen Konferenz mit Ressortleitern und Chefredakteuren. Trotzdem besteht die Aufgabe der Onlineplattform weiterhin darin die News schnellstmöglich zu verbreiten sowie der Mehrfachverwertung von Print-Inhalten. (vgl. ebd.: S. 314ff)

Stefan_WeberPlagiatsjäger und Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber hat 2006 eine Studie über Österreichs Journalisten für das Kuratorium für Journalistenausbildung herausgebracht. Die wichtigsten Ergebnisse sind:

  • Im Journalismus gibt es mehr weibliche denn männliche Berufseinsteiger
  • Printjournalisten sehen sich mit gestiegenen Zeitdruck, Stress und einer Informationsflut konfrontiert
  • Die Themenfindung, Recherche und das Schreiben macht trotzdem noch mehr als die Hälfte der täglichen Arbeitszeit aus
  • Bei der Weiterbildung werden kernjournalistische den technischen Schwerpunkte vorgezogen
  • Google gewinnt bei der täglichen Arbeit an Relevanz, die Buchrecherche verliert dagegen
  • 38,2 % der Printjournalisten holen sich zumindest manchmal Infos von Blogs. (vgl. Weber, 2006: S. 7f) [ref]Weber, Stefan (2006): So arbeiten Österreichs Journalisten für Zeitungen und Zeitschriften. Salzburg: Ja Kuratorium für Journalistenausbildung (Schriftenreihe Journalistik, 18).[/ref]
Mehrfachverwertung von Inhalten

Bei österreichischen Verlagen beschränkt sich die Mehrfachverwertung von journalistischen Inhalten auf Print und Online. Nicht so in Deutschland, wo zum Beispiel der Spiegel mit Spiegel TV oder der Stern mit Stern TV eigene TV-Sendungen produzieren (vgl. ebd.: S. 21). Interessant sind die Ergebnisse hinsichtlich des Umganges von Printjournalisten mit dem verlagseigenen Onlinemedium:

  • Jeder Siebte arbeitet für die Online-Redaktion
  • Jeder Dritte hat Zugrifft auf die Webseite des eigenen Verlages
  • und 70,7 % der befragten Journalisten liefern Text und/oder Bilder für Online ab (vgl. ebd.: S. 23)

Daher sieht Weber einen „(…) Trend zu einer Bimedialisierung des Printjournalismus.“ (Weber, 2006: S. 23) Bei der „Print-Online-Konvertierung“, wie es Weber nennt, sind folgende Strategien zu unterscheiden:

  • reine Kopie
  • erweiterte Online-Ausgabe
  • reduzierte Online-Ausgabe
  • strukturell und inhaltlich Unterscheidung (w.z.B. bei der Kronen Zeitung) ( vgl. ebd.: S. 23f)

Der Umgang mit neuen Techniken scheint bereits 2006 sehr etabliert gewesen zu sein:

  • Dreiviertel der Journalisten arbeiten zumindest manchmal mit Photoshop & Co.
  • die Hälfte layoutiert manchmal selbst
  • und ein Viertel arbeitet manchmal mit „Webprogrammiersprachen“ [sic!] wie HTML. [ref]Anm.: HTML gilt technisch nicht als „Programmiersprache“ sondern als Auszeichnungssprache.[/ref] (vgl. ebd.: S. 26)

Weber stellt die These auf, dass es aufgrund steigenden wirtschaftlichen Drucks zu einer Entgrenzung der Berufsrollen in den Redaktionen kommt (vgl. ebd.: S. 30). Wohin aber entgrenzt sich der Journalismus? Weber kritisiert den Dualismus von Entgrenzungserklärungen wie sie Neuberger aufgestellt hat mit „Fakten / Fiktion“, „öffentlich / privat“ usw. Er stellt eine neue Systematik  auf

  1. Entgrenzung von journalistischen Berufsrollen
  2. Entgrenzung von redaktionellen Binnedifferenzierungen
  3. Entgrenzung der mediensysteminternen Organisation
  4. Entgrenzung des journalistischen Produktes
  5. Entgrenzung der Technik
  6. Entgrenzung zur systemexternen Umwelt (vgl. ebd. S. 32)

Entgrenzungen erklärt

1. Journalistische Berufsrollen: Journalisten übernehmen heute zusätzliche Aufgaben (PR-Texter, Anzeigenverkäufer, etc.) und umgekehrt übernehmen andere journalistische Aufgaben. (z.B. der PR-Texter, der etwa eine bezahlte Magazinbeilage journalistisch aufbereitet) (vgl. ebd.: S. 32f) Die „Proams“ nehmen zu. Das sind professionelle Amateure, die nicht alleine von der journalistischen Arbeit leben können und zusätzlich Geld etwa in der PR verdienen.

2. Entgrenzung der redaktionellen Binnendifferenzierungen und 3. Entgrenzung der mediensysteminterne Organisation: Die Ressortgrenzen lösen sich auf. Jeder zweite Printjournalist gibt an, dass es (vor allem bei Großereignissen) zu einer ressortübergreifenden Berichterstattung kommen kann. Und wenn ressortübergreifend berichtet wird, dann arbeiten 62,80 % auch in einem ressortübergreifenden Team. Es entstehen außerdem neue Ressorts wie zum Beispiel Technik und Web und neue journalistische Themen wie Mode oder Erotik (vgl. ebd.: S. 35).

4. Entgrenzung des journalistischen Produktes. Laut Weber steigt der Einfluss auf die PR: 60,8 % der Journalisten geben an, dass die Berichterstattung zumindest manchmal mit PR oder einem Inserat korrespondiert (vgl. ebd.: S. 38).

5.  Entgrenzung der Technik. Journalisten übernehmen Layoutierung, Lektorat und Bildbearbeitung.

6. Entgrenzung zur systemexterne Umwelt. Auch der Einfluss der Werbewirtschaft steigt. Zwei Drittel der befragten Printjournalisten hatten schon mal einen Interessenskonflikt mit der Anzeigenabteilung. (vgl. ebd.: S. 42f)

Rezension: tb_B1-Kepplinger_18470-8-13Kepplinger, Hans Mathias (2011): Journalismus als Beruf. 1. Aufl. Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwiss. ISBN: 978-3-531-18470-8

Der bekannte Kommunikationswissenschafter Hans Mathias Kepplinger leitet sein Buch Journalismus als Beruf mit einer geschichtlichen Darstellung ein. Demnach hat sich der Journalismus im 19. Jahrhundert von einer Nebentätigkeit zu einem Ganztagesberuf entwickelt. Genau dieses Profil verliert im 21. Jahrhundert aufgrund von Internet und Bloggern wieder an Schärfe. Ohne es ausdrücklich zu nennen, spricht Kepplinger damit die Medienkonvergenz an, indem er die verschwimmenden Berufsprofile von Presse-, Hörfunk- und Fernsehjournalisten anspricht. (vgl. Kepplinger, 2011: S. 7)[ref]Kepplinger, Hans Mathias (2011): Journalismus als Beruf. 1. Aufl. Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwiss.[/ref]

Kepplinger beschäftigt sich in seinen Forschungen stark mit Medienwirkungen auf Individuen. Es ist deshalb überraschend, dass er im Buch Journalismus als Beruf mit einem systemtheoretischen Ansatz startet. Demnach ist Journalismus ein Subsystem der Gesellschaft und wie jedes andere System versucht auch der Journalismus vollständige Autonomie zu erhalten und sich selbst aufzuwerten. Genau das passiert aber immer auf Kosten eines anderen Systems.
Ein System kann immer als Akteurs- oder als Regelsystem begriffen werden. Letzteres meint die Fokussierung auf die Normen innerhalb eines Systems und ersteres auf die in diesem System tätigen Menschen (vgl. ebd.: S. 9). Kepplinger gibt zu bedenken, dass sich heute alle anderen gesellschaftlichen Subysteme den Erfolgsbedingungen der Medien anpassen müssen. Diese Logik wird auch gerne als Medialisierung [der Gesellschaft, Anm. d. Verf.] bezeichnet. Ein Spezifikum des Journalismus ist laut Kepplinger, dass keine Ziele des beruflichen Handelns und allgemeine anerkannte Normen existieren (vgl. ebd. S. 13).

Kepplinger widmet sich dann den methodischen Möglichkeiten der Kommunikationsforschung. Am häufigsten werden in der Kommunikationswissenschaft Befragungen angewendet. Feldexperimente wären zwar sehr erkenntnisbringend, sind aber nicht umsetzbar, weil man die experimentellen Faktoren nicht manipulieren kann. Eine gangbare Alternative sind Quasi-Feldexperimente (vgl. ebd.: S. 16). Anschließend nennt Kepplinger wichtige Theorien, die Ursachen, Wirkungen und Funktionsweise des Journalismus erklären können:

  • die vergleichende Staats- und Rechtstheorie
  • die Entwicklungs- und Dependenztheorie (Abhängigkeiten von Entwicklungsländern von den westlichen Staaten)
  • die Systemtheorie
  • die Theorie der öffentlichen Meinung
  • die Wettbewerbstheorie
  • die Organisationstheorie
  • die Bezugsgruppentheorie
  • die Rollentheorie
  • der Attributionstheorie
  • die Konsistenztheorie und die
  • Nachrichtenwerttheorie (Kepplinger, 2011: S. 17)
Rollenkonflikte im Journalismus

In einem späteren Kapitel geht Kepplinger auf mögliche Rollenkonflikte ein. An Journalisten werden formelle und informelle Verhaltenserwartungen gestellt. Ersteres sind berufsspezifische Standards wie Presserecht, Pressekodex und ähnliches und zweiteres betreffen Kleidungsstil oder auch das Auftreten (vgl. ebd.: S. 41). Die Außenwelt hat viele Erwartungen an die Journalisten. Manche davon sind konsistente Rollenerwartungen, passen also zueinander, andere Rollenerwartungen sind dagegen inkonsistent. Dadurch ergeben sich Intra-Rollenkonflikte. So sollen Journalisten

  • schnell aber auch sorgfältig arbeiten
  • umfassend informieren, aber auch die Privatsphäre respektieren
  • sachlich informieren, aber auch vor Fehlentwicklungen warnen
  • die Relevanz des Geschehenes würdigen, aber auch an die Interessen der Rezipienten denken
  • bei der Berichterstattung nur journalistische Auswahlkriterien gelten lassen, aber auch die wirtschaftlichen Belange der Verlage beachten (vgl. ebd.: S. 42).

Nach Kepplinger sind Rollenselbstbilder normative Selbstwahrnehmungen. So kann sich der Journalist etwa als Investigativjournalist, Kritiker von Missständen oder als neutraler Berichterstatter sehen. Interne Rollenkonflikte werden wiederum dann ausgelöst, wenn die persönlichen Erwartungen eines Journalisten mit den an ihn gestellten externen Faktoren nicht zusammenpassen (vgl. ebd.: S. 44).

Nachrichtenwerttheorie

Einen Gutteil des Buches beschäftigt sich Kepplinger mit den Schwächen der Nachrichtenwerttheorie. So stellt er fest, dass die Nachrichtenfaktoren abhängig vom gesellschaftlichen Wandel sind. (Nachrichtenfaktoren sind gegebene Ereignismerkmale, die den Nachrichtenwert bestimmen.) Das wird gerade bei Umweltthemen deutlich, die heute viel mehr Aufmerksamkeit genießen als früher, obwohl etwa die Nachrichtenfaktoren Schaden oder Aktualität unverändert blieben. Demnach ist die Nachrichtenwerttheorie nicht, wie oft postuliert, eine zeit-, raum- und kontextunabhängige Theorie. Außerdem haben Nachrichtenfaktoren einen gattungsspezifisch unterschiedlichen Nachrichtenwert, man denke nur an die Nachrichtenauswahl von einer Boulevardzeitung versus einer Qualitätszeitung (vgl. ebd.: S. 61ff).

Ethik im Journalismus

Im Kapitel „Rationalität und Ethik im Journalismus“ bedient sich Kepplinger der bekannten Definition der ethischen Verhaltensweisen nach Max Weber. Demnach können Menschen zweckrational oder wertrational handeln. Zweckrational wird dann gehandelt, wenn Zweck und Mittel und deren Folgen miteinander abgewogen werden. Beim wertrationalen Handeln wird dagegen keine Rücksicht auf die Folgen genommen. Des Weiteren kann zwischen verantwortungsethisch und gesinnungsethisch unterschieden werden. Gesinnungsethik orientiert sich nach bestimmten (unveränderlichen) Normen während Verantwortungsethik die möglichen Auswirkungen einer Handlung abwägen (vgl. ebd.: S. 177ff).

Journalismus als Profession

Als letzten großen Abschnitt im Buch wird der Journalismus als Profession behandelt. Laut Kepplinger befindet sich der Journalismus in einer Professionalisierungsphase, aber es ist zweifelhaft ob Journalismus bereits als Profession gelten kann (vgl. ebd.: S. 227). Kepplinger erwähnt Schumpeter, der zwischen freien und intellektuellen Berufe unterschieden hat. Intellektuelle hantieren mit der Macht des geschriebenen oder gesprochenen Wortes, haben aber keine direkte Verantwortlichkeit für praktische Dinge. Beim Journalismus wird Kritik zum Beruf, wobei Journalisten über Themen sprechen, über die ihnen die praktische Kompetenz fehlt (vgl. ebd. S. 231ff).

Ausführlich beschäftigt sich Kepplinger mit Berufsnormen. Berufsnormen sollen

  • den internen Wettbewerb sowie
  • ungerechtfertigte Laienkritik und Laienerwartungen eindämmen.

Das Aktualitätsgebot im Journalismus hebelt dieses Prinzip aber aus. Denn oft werden die Berufsnormen von Journalisten übergangen, wenn es darum geht möglichst schnell eine Nachricht zu publizieren (vgl. ebd.: S. 239f). Aufgrund der Art der Berufsausbildung und die Art des Berufszuganges ist für Kepplinger der Journalismus keine Profession (vgl. ebd.: S. 245). Für mich persönlich ist es allerdings eine leidliche Diskussion, ob Journalismus nun als Profession zu gelten hat oder nicht. Der Begriff Profession birgt wenig Erkenntnisgewinn und kann auch empirisch nicht sinnvoll eingesetzt werden. Warum wird streng an der Definition festgehalten, wonach eine Profession ein (1) Ganztagesberuf sein muss, (2) spezielle Ausbildungen notwendig sind, (3) nationale und/oder internationale Berufsverbände bestehen müssen, (4) es eine spezifische Berufsethik geben muss genauso wie (5) ein Berufsmonopol durch den Staat? (Kepplinger nennt noch eine spezifische Fachterminologie bzw. Fachsprache als weiteres Merkmal.) Abgesehen von der fehlenden Akademisierung müsste demnach auch das Schornsteinfegergewerbe als Profession zählen. Der Beruf eines IT-Technikers darf wiederum nicht als Profession zählen, denn hier gibt es kein Berufsmonopol und selbst eine Ausbildung ist nicht zwingend vorgegeben. Wer beweist, dass er programmieren kann, wird den Job erhalten. IT-Berufe sind aber eine hoch komplexe Tätigkeit mit eigener Fachsprache und oft braucht es einen jahrelangen Lernprozess um sich die notwendigen Kenntnisse anzueignen

Was sagt es uns also genau, wenn ein Beruf als Profession bezeichnet wird? Wie gehaltvoll ist der Erklärungswert dieses Begriffes tatsächlich? Für klassische Berufe wie Arzt oder Jurist passt die Definition zwar, aber für die heutige moderne und diversifizierte Berufs- und Arbeitswelt ist sie unbrauchbar. Beruf als Bezeichnung für die Arbeitstätigkeit einer Person reicht völlig aus.