Politik und Fernsehen sind heute zwei untrennbare Bestandteile einer modernen Demokratie. Das Fernsehen spielt eine zentrale Rolle in der heutigen Gesellschaft. Das geht auch an der Politik nicht spurlos vorbei. Denn ohne Darstellungsfähigkeit ist heute keine Politik mehr zu machen. Ich habe mich in einer Forschungsarbeit aus Kommunikationswissenschaft mit der Frage beschäftigt, ob und wie das Fernsehen das Meinungsbild der Bevölkerung prägt. Die Arbeit besteht aus einem umfangreichen theoretischen Teil und einem empirischen Teil. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen:

  • Es gibt bemerkbare Unterschiede zwischen Viel- und Wenigseher in der Zufriedenheit mit der Politik. Die Umfrageergebnisse sind allerdings ein Trend und nicht signifikant.
  • Printmedien werden am häufigsten für die politische Information genutzt werden.
  • Politische Sendungen im ORF werden politischen Sendungen im Privatfernsehen bevorzugt.

Im theoretischen Teil wurden unter anderem die Videomalaise-These und der Negativismus im Fernsehen angesprochen. In beiden Ansätzen wird davon ausgegangen, dass Fernsehen ein negatives Bild von Politik vermittelt und dieses vom Zuschauer übernommen wird. Daraus zieht man den Schluss, dass Vielseher ein negativeres Bild von Politik haben als Wenigseher. Sowohl Thomas Meyer als auch Peter Filzmaier schreiben, dass es zu den problematischen Konsequenzen der politischen Inszenierung zählt, dass die Darstellungskompetenz und das strategische Themenmanagement zu den wichtigsten Erfolgskriterien geworden sind. Das führt dazu, dass inhaltliche Informationen auf der Strecke bleiben. Hans Karl Rupp und Andrea Gourd prägten 1997 den Begriff der „Telekratie“. Sie glauben, dass die „Medienherrschaft“ unter ökonomischer Art den Einzelnen konditioniert. Das Fernsehen hat die Fähigkeit, Distanzen und Ausdehnungen zu überwinden. Dadurch entsteht eine Desorientierung des Einzelnen und durch die Wirkungslosigkeit der Reaktionen des Rezipienten, gleiten diese in die Fremdbestimmung. Diese Theorie ist aber sehr umstritten. So zeigt sich auch in meiner Forschungsarbeit, dass die Glaubwürdigkeit des Fernsehens gering ist. Sind die Zuschauer kritisch eingestellt, kann das Fernsehen gar nicht so eine allumfassenden Einfluss entwickeln.

Die Konsonanz-Theorie
Die Allmacht des Fernsehens und der Medien überhaupt wird stark angezweifelt und wurde lange Zeit überschätzt. So zeigt die Konsonanz-Theorie auf, dass Menschen Medien selektiv, interpretativ (also subjektiv) und behaltend nützen. Weitere Forschungen zeigen, dass sehr wohl persönliche Kontakte und Meinungen von „Opinion Leaders“ für Menschen eine wichtige Rolle spielen und dass Medien auch nicht unabhängig von der Gesellschaft agieren können. Auch Heidemarie Schumacher konstatiert, dass mit dem Uses and Gratification Approach, die These vom manipulierten Zuschauer relativiert werden muss. Der Rezipient wird hier als aktiv beschrieben, der sich die Medieninhalte für seine individuelle Befriedigung aussucht. Daher können massenmediale Inhalte eine Person nicht beeinflussen, wenn die vermittelten Inhalte keinen Sinn oder Nutzen haben. Nur wenn der Person etwas relevant erscheint, hat die Nachricht auch die Chance zur Beeinflussung. Was von der Allmacht der Medien bleibt, wird in der Agenda-Setting-Hypothese beschrieben. Sie behauptet, dass Medien zwar nicht so sehr beeinflussen was wir denken, aber sehr wohl, worüber wir nachdenken. Die Dinge, die uns wichtig sind, werden von den Medien vorgegeben. Und tatsächlich haben Untersuchungen gezeigt, dass Themen die hohe Priorität in den Medien genießen, auch eine hohe Priorität bei den Rezipienten haben. Die Themen werden sozusagen von den Medien strukturiert. Allerdings gilt die Agenda-Setting-Hypothese nur mit Einschränkungen. Klaus von Beyme hat festgestellt, dass häufig die Thematisierung noch immer von Parteien, Regierungen und sozialen Bewegungen ausgeht. Dagegen sind die Medien gestalterisch, wenn es um „symbolische Politik“ und „Entlarvung von Skandalen“ geht.

Die Macht des Fernsehens
Trotzdem, Fernsehen hat zwar keine beherrschende Stellung, aber eine große politische Macht – auch wenn durch das divergente und vielfältige Angebot der Fernsehsender ein Integrationsverlust konstatierbar ist. Wenn aber das Fernsehen einen so großen Einfluss hat, unterstützt oder schädigt es das politische demokratische System? So kann man davon ausgehen, dass das Fernsehen durch seinen Negativismus zur Politikverdrossenheit beiträgt. 1976 wurde die These von der „Videomalaise“ des Politikwissenschaftlers Michael J. Robinson populär. Er vertrat die Ansicht, dass das Fernsehen negative Politikberichterstattung bevorzugt und dadurch die Menschen von der Politik entfernt. Aus dieser Überlegung heraus kann man darauf schließen, dass Vielseher ein negativeres Bild von Politik haben, als Wenigseher. Gegen diese These spricht, dass immer wieder auch der gegenteilige Zusammenhang festgestellt wurde. Auch wird darauf verwiesen, dass Vielkanalseher (Personen die mehrere unterschiedliche Kanäle nutzen, also sechs oder mehr Sender) mehr Informationssendungen sehen als Wenigkanalseher. Vielkanalseher verbringen außerdem fast doppelt so viel Zeit vor dem Fernseher, wie Wenigkanalseher. Allerdings zeigt sich, dass gerade eine große Nutzung von Information im Fernsehen zu einem besonders negativen Bild von Politik führen kann.

Problem des Negativismus
Patzelt sieht im „Negativismus“ der massenmedialen Berichterstattung ein „Sonderproblem“. Da Massenmedien zwar meist relativ neutral berichten, aber ganz klar negative über positive Berichterstattung überwiegt. Das führt dazu, dass der Einzelne seine eigene Lage wesentlich positiver einschätzt, als die allgemeine Lage. Schuld an der schlechten allgemeinen Lage wird dann der Politik gegeben. Daher kann behauptet werden, dass Vielseher, die häufiger mit der negativ orientierten Berichterstattung konfrontiert sind, auch unzufriedener mit der Politik sind. Es verwundert nicht, dass Politiker alles tun, um im Fernsehen in einem möglichst positiv Licht zu erscheinen bzw. der politische Gegner in einem negativen. Wie sehr verändert das Fernsehen und seine Darstellungsform die Politik? Man kann durchaus den Eindruck gewinnen, dass sich Politik nur mehr auf die Inszenierung konzentriert und sich den Spielregeln der Medien unterwerfen muss.

Inszenierung der Politik im Fernsehen
Peter Filzmaier schreibt, dass es zu den problematischen Konsequenzen der politischen Inszenierung zählt, dass die Darstellungskompetenz und das strategische Themenmanagement zu den wichtigsten Erfolgskriterien geworden sind. Das führt dazu, dass inhaltliche Informationen auf der Strecke bleiben. Thomas Meyer stellt wiederum fest, dass der Bezug zur Wirklichkeit verloren geht. Es gibt eine „Scheinpolitik“ oder „Scheinereignissen“. Was zählt sind Bildbotschaften, wie zum Beispiel Gesten, Symbole und ähnliches. Andererseits hat die Politik keine andere Wahl, als sich unterhaltsam und medienwirksam in Szene zu stellen. Prisching meint wiederum, dass es die Gegenwartspolitik mit einer Gesellschaft zu tun hat, die vorrangig Vergnügen, Witz, Ironie und Spiel sehen möchte. Dagegen wird aber festgehalten, dass auch unterhaltende Sendungen in hohem Maße informieren können. Durch die spannenden Darstellungen können auch politisch uninteressiertere Personen für Politik gewonnen werden. Dadurch können solche Sendungen einen integrativen Nutzen für das demokratische System haben. Voraussetzung dafür ist aber eine große fachliche Kompetenz der verantwortlichen Journalisten. Die Dependenzthese geht wiederum davon aus, dass die Medien so mächtig sind, dass Politik in ihre Abhängigkeit geraten ist. Fakt ist, dass Politiker Medienpräsenz zeigen müssen und auf der Vermittelungsleistung der Medien angewiesen sind. Die Instrumentalisierungsthese ist das Gegenstück zur Dependenzthese. Sie besagt, dass Politiker die Medien instrumentalisieren können, um ihre Botschaften zu verbreiten. Dies gelingt ihnen, indem sie sich professionell auf die Erwartungen der Medien einstellen und ihnen fertige „Erzeugnisse“ liefern. In der Praxis kann man davon ausgehen, nie einen dieser beiden Extremsituationen in reiner Form anzutreffen. Vielmehr wird es immer ein Wechselspiel zwischen Medien und Politik geben, zwischen beeinflussen und beeinflusst werden.

Gesamte Forschungsarbeit hier.

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