Zusammenfassung des Artikels:

García Avilés, José A.; Meier, Klaus; Kaltenbrunner, Andy; Carvajal, Miguel; Kraus, Daniela (2009): Newsroom Integration in Austria, Spain and Germany. In: Journalism Practice 3 (3), S. 285–303.

Die Autoren unterscheiden drei Arten der „newsroom integration“:

  • full integration
  • cross-media
  • co-ordination

Bei der Konvergenz verschwimmen die Grenzen zwischen „content provider“ und „distributors“. Manager wollen mit der Konvergenz die Kosten reduzieren und gleichzeitig die Qualität des journalistischen Outputs verbessern. In den meisten Fälle ist zwischen verschiedenen Medien eine Partnerschaft und Zusammenarbeit vorherrschend. Konvergenz wird von den Autoren als eine Managemententscheidung aufgefasst die sich auf

  • Organisation
  • Produktion
  • Distribution
  • HR
  • Marketing

auswirkt. Das multimediale Arbeiten könnte neue kreative Wege im Journalismus befördern, aber auch den Arbeitsdruck erhöhen. Zum internationalen Vergleich wurde aus Österreich die Tageszeitungen „Der Standard“ und „Österreich“ herangezogen.

Bei der Zeitung „Österreich“ wissen die Onliner jederzeit über den Stand der Printproduktion Bescheid. Es gibt gemeinsame morgendliche Redaktionskonferenzen von Onlinern und Printlern. Dabei wird die Koordination und das Cross-media-Marketing abgestimmt. Trotzdem ist anzumerken, dass das Level von „multiskilled“ Journalisten nicht sehr hoch ist. (Die Initiative, bei der in Zusammenarbeit mit einem lokalen Rundfunksender Videonachrichten produziert wurden, wurde aus Kostengründen wieder eingestellt.)

Der Standard hat wiederum Online- und Printredaktion völlig getrennt. (Die Studie aus 2009 ist da bereits veraltet, beim Standard hat sich da bereits einiges getan.)

Bei der spanischen El Mundo gab es anfänglich große Abneigung gegen einen Newsroom, gemeinsam mit Onlinern und weiteren Magazinen/Zeitungen desselben Verlages. Gerade Print-Journalisten waren nicht begeistert von der Idee, zu multimedialen Storytellern werden zu müssen. Bald erkannten Journalisten aber auch Vorteile und es bildeten sich bereits ressortübergreifende Teams um gemeinsam crossmediale Inhalte zu produzieren. Ein Austausch zwischen Print und Online ist gewünscht, wobei die meisten Journalisten eher von Print zu Online gehen. Ressortleiter ranken im neuen Newsroom den Nachrichtenwert von Stories und schaffen so Transparenz was wichtig bzw. was unwichtiger ist.

In Deutschland wiederum ist die Welt/Morgenpost in einen großen gemeinsamen Newsroom gezogen. Leider wurden dabei auch 100 Stellen eingespart. Heute arbeiten in diesen Newsroom 70 % der Journalisten plattformübergreifend und nur 30 % für ein Medium.

Unterschiede zwischen Full Integration, Cross-Media und Co-Ordination

Das wichtigste Tool des Studiums ist eine Klassifizierung der Newsroom-Konvergenz entlang einer Matrix bestehend aus den drei Kategorien „full integration“, „cross-media“ und „co-ordination“.

 

Bei Full Integration besteht

  • 1 gemeinsamer Newsroom, 1 zentrales Nachrichtensystem
  • Konvergenz ist ein strategisches Ziel
  • Im Vordergrund steht die Produktion von Inhalten
  • Es gibt crossmediales Training für die Journalisten

 

Bei Cross-Media bestehen

  • separate Newsrooms, die aber durch z.B. einen gemeinsamen multimedialen Koordinator miteinander verknüpft sind
  • es wird simultan an gemeinsamen Kommunikationsinhalten gearbeitet
  • Informationen werden von den Journalisten untereinander geteilt
  • Redakteure produzieren für mehr als nur eine Plattform (ev. gibt es ein Multiplattform-Konzept)
  • Multiskilled Journalisten sind aber die Ausnahme
  • Konvergenz wird als Werkzeug und nicht als Strategie begriffen

 

Co-Ordination zeichnet sich folgend aus

  • Eine Kooperation ist möglich, aber nicht systematisch verankert
  • Austausch gibt es max. bei gemeinsamen Redaktionssitzungen
  • Konvergenz findet mittels button-up statt und ist keine definitive Managemententscheidung
  • kommt auch dann vor, wenn es in Ländern rechtliche Beschränkungen gibt was „Cross-Ownership“ angeht
Die Matrix

Mit diesen drei Kategorien entwickelten die Autoren eine Matrix, mit der es einfacher möglich ist, Konvergenzentwicklungen einzuordnen und festzustellen. Dabei wird das Ganze nochmals unterteilt in

  • Projektgröße
  • Newsroom-Management
  • journalistische Praxis
  • Arbeitsorganisation

Hier nun die wichtigsten Punkte aus der Matrix:

Projektgröße
full integration cross-media co-ordination
Newsroom und Medienunternehmen streben Konvergenz an Unternehmens- und Newsroomkonvergenz möglich nichts von beiden geplant
Konvergenz wird mit Journalisten diskutiert; Change Management ist etabliert Diskussion mit Mitarbeiter ja, aber nicht alle sind involviert Diskussion nur bei Vorstände
Konvergenz ist eine Strategie Konvergenz ist ein Werkzeug Konvergenz hat keine Relevanz
Einführung erfolgt top-down top-down und buttom-up Nur buttom-up

 

Newsroom-Management
full integration cross-media co-ordination
Distribution von Inhalten vorrangig Plattform ist vorrangig, aber Inhalte genauso wichtig Plattform vorrangig
online-first von Fall zu Fall verschieden kein online-first
Eine zentrale Anlaufstelle für Nachrichten Eine Anlaufstelle für jede Plattform, aber Abstimmung und Zusammenarbeit mehrere Redakteure tragen Verantwortung für Nachrichten
ein zentraler leitender Redakteur, der für alle Plattformen verantwortlich ist Mulitmedia-Redakteur der die Koordination der Plattformen inne hat. Redakteure für jede Plattform.
gemeinse Redaktionssitzungen aller Journalisten Pflicht gemeinsame Redaktionssitzungen optional keine gemeinsamen Redaktionssitzungen
crossmediale journalistische Zusammenarbeit permanent Multimedia-Koordinator organisiert Teams eventuell Nur sehr selten
Ein gemeinsame CMS mehrere CMS, aber Multimedia-Redakteur bedient alle mehrere CMS

 

journalistische Praxis
full integration cross-media co-ordination
ev. eine Abteilung, das Material zentral sammelt und für alle Plattformen produziert keine eigene Abteilung keine eigene Abteilung
jedes Ressort hat Video-Equipment teilweise, Videokameras in manchen Ressorts No
Jeder Journalist muss alle technischen Mittel zur Informationssammlung bedienen können Plattform-Koordinator hat alle technischen Mittel verfügbar. No
Jeder Journalist hat Zugang zur technischen Nachbearbeitung von Material, aber meist sind Spezialisten dafür zuständig No No
Journalisten werden ermutigt multimedial Informationen zu verarbeiten immer eine Option multimedial zu Arbeiten, nie Zwang No
Strategisches Ziel ist multimediale Produktion Meinung, dass es für Qualität Spezialisten braucht No
Multimediale Distribution vorhanden Multimediale Distribution zum Teil vorhanden No
Journalisten sammeln und produzieren zum Teil auch für mehrere Medienplattformen Informationen. Distribution obliegt den Journalisten Journalisten sammeln und verteilen Informationen zum Teil für mehrere Medienplattformen, aber überlassen Produktion und Distribution alleine Spezialisten No

 

Arbeitsorganisation
full integration cross-media co-ordination
gleiches Gebäude Newsroom zumindest in Fußweite nicht wichtig
ein Newsroom separate Newsroom mit Verbindungen separate Newsrooms
Journalisten sind gut vorbereitet auf den Newsroom und damit einhergenden Veränderungen und sehen diese positiv Journlisten sind zurückhaltend bezüglich Newsroom und befürchten Qualitätsverlust bzw. fürchten um ihre hierarchische Stellung Die meisten Journalisten sind gegen einen Newsroom
Es gibt nicht weniger Journalisten, sondern anders qualifizierte Journalisten Mehr Journalisten mit multimedialen Fähigkeiten werden benötigt Produktion wie immer
multimediales Training wird für alle Mitarbeiter angeboten multimediales Training wird für manche Mitarbeiter angeboten Nur gelegentlich
multimediale Journalisten haben mehr Karrierechancen No No
Es gibt neue Jobs wie Teamleiter und neue Kommunaktionsanlaufstellen No No
Es gibt eine journalistische Unternehmenskultur Separate Unternehmenskulturen. Aber durch die Zusammenarbeit verändert sich hier langsam etwas Unternehmenskulturen sind strikt voneinander getrennt
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