Erhöhung des absoluten Mehrwerts durch einen längeren Arbeitstag.

Das Kapital von Karl Marx teilt sich das Schicksal mit vielen großen historischen Schriften: Oft zitiert und wenig gelesen. Das Buch von Marx ist aber auch schwer zu verstehen und heutzutage sind viele Annahmen und Prämissen bereits überholt. Doch in Teilen bleibt es eine spannende theoretische Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus. So auch der Begriff des relativen Mehrwerts, den Marx im vierten Abschnitt von Das Kapital behandelt.

Mehrwerttheorie

Ein grundlegendes Problem für Marx ist, dass ein Arbeitnehmer keinen anderen Wert besitzt als seine Arbeitskraft. Die muss er an den Kapitalisten verkaufen. Nun bezeichnet Marx das Äquivalent von Wert der geleisteten Arbeit zum Lohn als „notwendige Arbeit“ oder „bezahlte Arbeit“. Natürlich will der Kapitalist aber nicht bei Null aussteigen und wird sich nicht für den bezahlten Lohn nur mit einem gleich hohen Gegenwert zufriedengeben. Vielmehr wird er nach Gewinn streben, was Marx als Mehrwert bezeichnet. Dabei unterscheidet Marx zwischen dem absoluten und relativen Mehrwert.

Absoluter Mehrwert

Der Kapitalist kann seinen Gewinn dadurch erhöhen, dass er die Arbeitszeit für den Lohnabhängigen erhöht, während die „notwendige Arbeit“ gleich bleibt.

Erhöhung des absoluten Mehrwerts durch einen längeren Arbeitstag.

Erhöhung des absoluten Mehrwerts durch einen längeren Arbeitstag.

Ein Tag hat aber nun mal nur 24 Stunden und die Gewinnmaximierung ist damit beschränkt. Der Kapitalist kann aber auch versuchen, den Anteil der Arbeitszeit für die notwendige Arbeit zu drücken.

Relativer Mehrwert

Wie gelingt das? Indem der Wert der Ware Arbeitskraft verringert wird! Der Wert der notwendigen Arbeit kann aber nur verringert werden, wenn sich die Produktivkraft erhöht. Zum Beipiel wenn ein Arbeiter statt zwei Tische nun vier Tische erzeugen kann.

Ein Arbeiter erstellt an einem Arbeitstag einen Tisch als Mehrwert für den Kapitalisten. Mit industrieller Produktion und geringerer "notwendiger Arbeit" schafft er zwei Tische.

Ein Arbeiter erstellt an einem Arbeitstag einen Tisch als Mehrwert für den Kapitalisten. Mit industrieller Produktion und geringerer „notwendiger Arbeit“ schafft er zwei Tische als reinen Mehrwert für den Kapitalisten.

Das funktioniert durch eine industrielle Produktionsweise. Ein mehr an Produktion bedeutet aber auch einen kleineren Anteil an Arbeitszeit für ein Stück. Der Marktwert bleibt aber gleich. Der individuelle Wert eines Stückes wird also reduziert, aber sein gesellschaftlicher Wert bleibt gleich. Der Kapitalist kann das Stück ja trotzdem zum Marktwert verkaufen und diese Differenz ergibt bei Marx den „Extramehrwert“ für den Kapitalisten. Der Extramehrwert kann aber nicht aufrecht erhalten bleiben, denn schnell übernehmen andere Produzenten die neue Produktionsweise und damit schwindet die Differenz zwischen individuellen und gesellschaftlichen Wert wieder. Schlussfolgerung bei Marx: Der Kapitalist wird immer versuchen für einen möglichst geringen individuellen Wert, einen möglichst hohen gesellschaftlichen Wert tauschen zu können. Deshalb profitiert auch der Arbeiter nicht von Produktionssteigerungen, weil er dann einfach kürzer für das Äquivalent seines Lohnes arbeitet und länger für den Gewinn des Kapitalisten. Natürlich gibt es auch teils scharfe Kritik an der hier grob zusammengefassten Lehre des Mehrwerts von Karl Marx. Mehr dazu verrate ich in meiner Textanalyse. Hier geht es zum Download.

 

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