Vier Monate lang war ich Praktikant bei der Tageszeitung „Die Presse“, im Ressort Karrieren. Dementsprechend viele Karrieremeldungen sowie Curricula Vitae (CV) habe ich in dieser Zeit erhalten und selektiert. Wirklich geärgert habe ich mich immer über solche und ähnliche Formulierungen: „Frau Mag. XY studierte Politikwissenschaft, Germanistik und Geschichte an der Universität Wien“.

Eine solche Aussage ist formal durchaus vertretbar, denn studieren kann man viel. Allerdings hat Frau XY nur einen Magistertitel und dementsprechend wird sie auch nur ein Studium abgeschlossen haben. In den meisten Fällen ist das erstgenannte Studium auch das Hauptstudium gewesen, also bei Frau XY Politikwissenschaft. Das muss aber leider nicht immer so sein. Ich habe etwa die Karrieremeldung eines Herrn in Erinnerung, der das Studium der Betriebswirtschaftslehre zuerst nannte, obwohl er seinen akademischen Grad woanders erhielt. BWL passte ihm aber wahrscheinlich wegen der höheren Reputation besser ins Konzept. Der Klarheit und Verständlichkeit sind solche substanzlosen Formulierungen allerdings abträglich. Außerdem zeugt eine mehrfache Studiennennung bei nur einem Abschluss nicht von einem hervorragenden Intellekt, sondern vielmehr von einem pfauenartigen Aufplustern.

Warum? Die Frage lässt sich gut an meinem Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (PuKW) beantworten. PuKW ist sehr interdisziplinär angelegt, eine gewisse Anzahl an Lehrveranstaltungen muss sogar verpflichtend aus anderen Fachrichtungen absolviert werden. Jeder Publizistik-Student macht daher automatisch Prüfungen aus anderen Studien. Ich würde deswegen aber nie auf die Idee kommen zu schreiben: „Fabian Greiler studierte Publizistik, Betriebswirtschaft und Politikwissenschaft.“ Ja, nicht einmal Rechtswissenschaften führe ich in meinem Lebenslauf an, obwohl ich darin viele Prüfungen absolviert habe die weit über die Anrechenbarkeit für PuKW hinausgehen. Ich bin aber natürlich trotzdem noch lange kein vollständig ausgebildeter Jurist und genauso wenig bin ich ein ausgebildeter Politikwissenschaftler oder Betriebswirt. Für mich macht die Nennung dieser Studien darum keinen Sinn.

Überhaupt sollten grundsätzlich Studien im Lebenslauf weglassen werden, die man halt einmal ausprobiert oder nur teilweise abgeschlossen hat. Ausnahme kann nur sein, wenn beispielsweise neben dem abgeschlossenen Studium ein weiteres noch ernsthaft betrieben wird. Noch ein Tipp für alle Lebenslauf- und Karrieremeldungsschreiber: Wer ein Doktorat gemacht hat, kann statt studieren auch das präzisere Verb promovieren verwenden. Von spondieren kann derjenige schreiben, der den wissenschaftlichen Grad Mag., Dipl.-Ing., Dr. med. univ. oder äquivalent M.A., M. Sc., etc. erlangte.

(An diesem Artikel schrieb ich rund 160 Minuten.)

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