„Es ist eine kleine Medienrevolution“, schreibt Thomas Knüwer und ich gebe ihm da vollkommen recht. Getty Images, weltweit größter Fotodienstleister aus Seattle, öffnet sein Archiv für Blogger. Abertausende Fotos professioneller Fotografen stehen jetzt für die private Nutzung kostenlos zur Verfügung. Die Einbindung in den eigenen Blog ist einfach: 1. Bild suchen, 2. Einbetten-Symbol anklicken, 3. den HTML-Code für den Getty Images Viewer kopieren und im eigenen Beitrag einfügen. Weil Getty Images das Headquarter in Seattle hat, habe ich da mal ein schönes Stadtpanorama dieser US-City eingebunden:

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Fotos gegen Views

Gratis Profifotos zu bekommen, klingt verführerisch. Getty Images ist aber natürlich nicht die Heilsarmee: Wer Bilder einbindet, akzeptiert auch die Nutzungsbedingungen und die erlauben Getty Images Daten von Blogbesuchern zu sammen und Werbung über ihren Viewer einzuspielen. Es ist also eine Tauschgeschichte: Der Blogger bietet gratis Werbefläche und Getty Images bietet gratis Bildmaterial. Wer sich mit den Details zu den Nutzungsbedingungen auseinandersetzen will, Rechtsanwalt Thomas Schwenke hat einen hervorragenden FAQ-Leitfaden geschrieben.

Auf der Facebook-Seite der österreichischen Blogger ist deswegen auch eine kleine Diskussion aufgekommen, ob das wirklich ein guter Deal für Blogger ist. Dazu kommt noch, dass die Bilder nicht als Vorschaubilder verfügbar sind und dass Getty Images die Fotoauslieferung jederzeit abdrehen kann. Dann hat man plötzlich einen Linkfriedhof auf dem eigenen Blog. Auf der anderen Seite profitieren viele Blogs immens von besseren Fotos. Ein Blog über Stars und Sternchen hat zum Beispiel immer Schwierigkeiten legal an passende Fotos zu kommen. Man kann ja nicht mal schnell zur Oscar-Verleihung fliegen und da seine eigenen Fotos schießen. Hunderte von Euros für Paparazzi-Fotos auszugeben, spielt sich aber auch nicht. Getty Images ist da eine super Alternative. Am Ende des Tages wird aber jeder Blogger die Vor- und Nachteile abwägen müssen. Schlussendlich ist das auch immer eine rationale Entscheidung, was einem geboten wird und was man selbst bieten kann. Wenn ich wöchentlich fünfstellige Views am Blog habe, dann würde ich auch nicht gratis Werbefläche hergeben wollen.

Neue Geschäftsfelder für Getty Images

Eines steht aber fest: Die nichtkommerzielle Nutzung freizugeben, war ein verdammt mutiger und smarter Zug von Getty Images. Mal ganz abgesehen von der Eigenwerbung, erschließt sich Getty Images damit neue Geschäftsfelder. Targeting, also auf den User abgestimmte Werbung, ist eines davon. Denn die dazu notwendigen Cookies könnte Getty Images einfach über den Viewer setzen. Dann hätte der Fotodienstleister ziemlich schnell ein ziemlich großes Mediennetzwerk in der Hand. Und: Alle Werbegelder bleiben bei Getty Images, denn keiner der eingebundenen Medien muss dafür bezahlt werden. Luca ist wiederum eingefallen, dass so auch die Geschichte hinter einem Bild verkauft werden könnte. Zum Beispiel bucht eine Onlinzeitung Werbung zum Foto eines russischen Panzers. Ein Blogger baut das Foto ein und von der Onlinezeitung wird dann als Werbung eingespielt: „Lesen Sie bei uns alle Hintergründe zur Krise in der Ukraine.“ Mir fällt noch ein dritter Vorteil ein: Getty Images könnte damit sogar einen Weg finden, AdBlocker zu umgehen. Denn wenn das US-Unternehmen vorab Werbung am Server ins Bild einfügt und dann erst das Bild ausliefert, ist Werbung und Content fast nicht mehr zu trennen.

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