Zusammenfassung von:

Neverla, Irene (1998): Die verspätete Profession. Journalismus zwischen Berufskultur und Digitalisierung. In: Duchkowitsch, Wolfgang (Hg.): Journalismus als Kultur. Analysen und Essays ; [Wolfgang R. Langenbucher aus Anlaß seines 60. Geburtstages gewidmet]. Opladen: Westdt. Verl, S. 53–62.

 

Journalismus hat sich im Vergleich zu anderen Professionen historisch erst spät entwickelt und die Pfeiler dieser Profession beginnen schon wieder zu wanken. Neverla stellte schon 1998 (!) fest: „Was einmal guter Beruf war, hat heute kein Fundament mehr für eine ‚Normalbiografie‘ und bietet keine sicheren Lebenschancen.“ (Neverla, 1998: S. 53) [ref]Neverla, Irene (1998): Die verspätete Profession. Journalismus zwischen Berufskultur und Digitalisierung. In: Duchkowitsch, Wolfgang (Hg.): Journalismus als Kultur. Analysen und Essays ; [Wolfgang R. Langenbucher aus Anlaß seines 60. Geburtstages gewidmet]. Opladen: Westdt. Verl, S. 53–62.[/ref]

Entwicklung des Faches Publizistik- und Kommunikationswissenschaft

Die Zeitungswissenschaft der 20er und 30er-Jahre sowie die Publizistikwissenschaft der 50er und 60er-Jahre hat sich auf publizistische Persönlichkeiten und deren Einflüsse auf die Berichterstattung konzentriert. In den 70er-Jahren änderte sich dann der Blick auf redaktionelle Organisationen und das „System“ (= Systemtheorie) wurde Forschungsgegenstand. Journalismus wird als differenziertes soziales System verstanden, das der Beobachtung der Gesellschaft dient und dabei nach eigenen Regeln funktioniert, das sich aber auch auf spezifische Weise auf andere Teilsysteme der Gesellschaft bezieht. (vgl. ebd.: S. 54)

Profession

Das Professionskonzept wurde in den 70er-Jahren in die kommunikationswissenschaftlichen Diskussion eingebracht. Dabei gab es berufspolitische als auch hochschulpolitische Intentionen. So diente für die Schaffung von entsprechenden Studien und Lehrgängen an Hochschulen einerseits demokratietheoretische Überlegungen als auch das Interesse der Journalistenverbänden. Das klassische Professionskonzept als wissenschaftliches Konzept will aber einfach nicht auf den Journalismus passen.

Zwar hat Journalismus eine entsprechende Ausbildung, Berufsbezeichnung und Berufsorganisation zu bieten, aber es mangelt am Ausschluss von Nicht-Lizenzierten, einheitlichen Ehrenkodexes und positive Sanktionierung durch staatliche Institutionen. Denn eEs gibt zwar Kodexes, die haben aber keine Sanktionierungsmacht  (vgl. ebd.: S. 55). Durch die Aufgabe des Journalismus als Vermittler zwischen gesellschaftlichen Teilsystemen kann Journalismus auch gar nicht autonom sein.

Dagegen kann Journalismus sehr wohl als Profession aufgefasst werden, wenn damit die Ablösung von Laienlösungen durch Formen rationalisierter Expertenlösungen gemeint ist. Überhaupt scheint aber die Bestimmung eines Berufes/einer Profession immer schwieriger zu fallen. Durch den Transformationsprozess der Gesellschaft ist ein „Beruf“ nicht mehr ein Bündel an Fähigkeiten, die eine Normalbiografie lang vorhalten und allen Berufsangehörigen eine gemeinsame Identität geben. Es gibt kein lebenslang gültiges Repertoire an Kompetenzen und gesicherten Lebenschancen mehr, auch keinen zuverlässigen Status, ein garantiertes Einkommen oder einen festen Wohnort (vgl. ebd.: S. 57).

Die Menschen setzen aufgrund der Erodierung der äußeren Strukturen auf Planungs- und Entscheidungshandeln. Die eigene Arbeitskraft wird aktiv gemanagt (vgl. ebd.: S. 58). Auch der klassische Betrieb befindet sich im Wandel. Berufliches Handeln lässt sich an Organisationen anknüpfen, nicht jedoch an festen Organisationsstrukturen festmachen. Flexible, lernende Organisationen mit eigentverantwortlich und intrinsisch gesteuerten Individuen prägen die Zukunft (vgl. ebd.: S. 58). Je virtueller aber die Arbeitsorganisation ist, desto dynamischer sind die Regelwerke in Bewegung und umso stärker ist der Ausgestaltungsraum für Individuen.

Dabei lassen sich zwei Extremmuster bei Implementierung neuer Systeme beobachten: das technische und das kommunikative Modell. Beim kommunikativen Modell werden auch Nicht-Technikern in die Entscheidungen eingebunden. Die Entscheidungswege sind dadurch länger aber es gibt dadurch auch weniger soziale Probleme bei der Implementierung nach und die Veränderungen werden eher sozial akzeptiert.

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