Über Medien, Web 2.0 und die meisten Artikel zu Publizistik- und Kommunikationswissenschaften

Wenn ich einmal drinnen bin in der Arbeit, vergesse ich gerne die Welt um mich. Deshalb hatte ich in der Vergangenheit Schwierigkeiten, nicht Geschäftstermine zu versäumen. Mit Outlook wollte ich standardmäßig E-Mail-Reminder einrichten. Das ist aber bei Outlook leider nur individuell bei Terminerstellung möglich. Da wir in der Arbeit Office 365 nutzen, gibt es aber mit dem Automatisierungstool Microsoft Flow einen Workaround.

  • Auf office.com einsteigen und in der Übersicht auf den Flow Button klicken.
  • Oben „Ohne Vorlage erstellen“
  • „Hunderte Connectoren oder Trigger suchen
  • Outlook Kalender eintippen
  • Office 365 wenn ein Termin bald startet

  • Seinen gewünschten Kalender auswählen
  • „Erweiterte Optionen anzeigen“ klicken und die Minuten angeben, wie viel im Voraus der Trigger für einen Termin starten soll. Ich habe zB 45 eingegeben, also eine Dreiviertelstunde vor dem Termin werde ich per Mail daran erinnert.
  • „+ Neuer Schritt“ und „Aktion hinzufügen“
  • Office 365 Outlook – E-Mail senden
  • Ich habe folgenden Dynamischen Inhalt eingefügt und bekomme damit Betreff und Adresse des Termins anzeigt

(Start- und Endzeit kann man sich anzeigen lassen, ist aber leider in einem schwer lesbaren Format geschrieben und bei mir wird die Angabe um eine 1 Stunde verstellt anzeigt – ich vermute mal, das hat mit Zeitzonen-Einstellungen zu tun)

  • Flow speichern
Sprache ist das Haus des Seins.

Martin Heidegger

Ein guter Journalist macht sich mit keiner Sache gemein, auch nicht mit einer guten.

Hajo Friedrichs

 

Die österreichische PR-Szene ist nicht auf Höhe der Zeit, das erlebe ich immer wieder. Wie viele PR-Profis optimieren ihre Texte für Suchmaschinen? Wie viele Agenturen und Unternehmen verfassen aufwendige Newsletter, messen aber nicht, wie diese bei der Zielgruppe ankommen? Und das in einer Branche, die sich laufend damit beschäftigt, wie Erfolg der eigenen Arbeit besser messbar wird.

Ich möchte hier zeigen, wie das beim Newsletter mit Mailchimp und Google Analytics einfach möglich ist. Und habe dazu ein paar einfache Fragen beantwortet:

  1. Wie viele Leute kommen durch die Newsletter-Kampagne auf die eigene Webseite?
  2. Wie entwickeln sich diese User weiter? Springen Sie ab? Oder schauen Sie sich noch andere Seite an? („beyond the click tracking“)
  3. Sind es immer dieselben Newsletter-Empfänger, die auf die Webseite finden, sprich wiederkehrende User, oder sind das immer unterschiedliche Leute?
  4. Wie viele von den neuen Subscribern klickt?

 

  1. Wie viele Leute kommen durch die Newsletter-Kampagne auf die eigene Webseite?

Diese Frage lässt sich zwar auch mit den Reportings von Mailchimp beantworten, aber Google Analytics bietet darüber hinaus auch die Möglichkeit sich anzusehen, wohin die User danach gewandert sind. Zuerst muss das Setup in Mailchimp aufgesetzt werden, in dem in der Mail-Kampagne ein Stichwort für Google Analytics vergeben wird. (siehe hier die Hilfe von Mailchimp für Details.)

Das Gehe zu Google Analytics. Unter Acquisition -> auf Campaigns -> all Campaigns -> sekundäre Dimension Medium auswählen -> Liste enthält geklickten Sessions.

 

2. Wie entwickeln sich diese User weiter? Springen Sie ab? Oder schauen Sie sich noch andere Seite an? („beyond the click tracking“)

Auch das lässt sich mit Google Analytics schnell beantworten. Dazu auf Audience ->  User Flow -> Und auf die aktuelle Mail-Kampagne klicken.

 

3. Sind es immer dieselben Newsletter-Empfänger, die auf die Webseite finden, sprich wiederkehrende User, oder auch neue User?

Dazu Session beim Kategoriepunkt User Flow im Google Dashboard auswählen und Returing Users sowie New Users auswählen.

 

Anmerkungen

By the way, in Google sieht man oft Referral Spam. Hier oder hier wird erklärt, wie der sich entfernen lässt.

 

 

 

„Es reicht nicht mehr, Menschen über große Erzählungen und Inszenierungen zu verzaubern“, so steht es schon im Vorwort des neuen Buches „Brand Experience“ geschrieben. Der Herausgeber Andreas Baetzgen verweist indem auch auf die wachsende Rolle der Erlebnisökonomie, in der sich der Erlebnisnutzen von Produkten und Dienstleistungen zu einem eigenen öknomischen Gut entwickelt. Gute Nachrichten für Marketer und deren Stellung im Unternehmen, aber wie lässt sich das Markenerlebnis wirklich optimieren? Mit dieser Frage beschäftigen sich im Buch 30 Praktiker in insgesamt 20 Beiträgen. Sie zeigen, wie Unternehmen den Kunden entlang der gesamten Customer Journey begleiten und begeistern und wie die enorm gestiegene Zahl an Consumer Touch Points (CTP) systematisch und strategisch gemanaget wird.

index

Mir gefällt am Buch, dass es nach der Einführung inhaltlich gleich mit „Analyse“ losgeht und damit auch deren Wichtigkeit betont wird. Ich sehe da nämlich schon einiges an Nachholbedarf bei Kommunikationsstragen und insbesondere bei PR-Tätige. Das Kapitel gibt jedenfalls einen schönen Überblick über die Möglichkeiten und Vorgehensweisen beim Messen und Steuern von Kundenerlebnissen. Die Praxisbeispiele der Autoren sind besonders interessant. Rainer Balensiefer, Christine Knackfuss und Oliver Mauthe zeigen etwa in ihrem Beitrag auf, wie ein Kaffeehersteller ein wenig befriedigendes Premium-Kundenerlebnis mittels Datenaggretion, Analyse und anschließendem Aktionplan verbessert. Gut gefallen hat mir auch der Beitrag von Nils Wollny, der einen Überblick gibt, wie Nutzer anhand ihrer Clickstreams segementiert und dadurch effektiver angesprochen werden. Am Beispiel des Contentportals „Curved“ zeigt er schön auf, wie Menschen auf die Webseite kommen und wie sich deren Nutzungsverhalten dann weiterentwickelt.

Im Allgemeinen bietet das Buch vor allem einen Überblick über neue Entwicklungen, Methoden und Techniken im Brand Experience Marketing. Es ist aber kein Leitfaden, mit dem sich ein Marketer ganz gezielt hinsetzen und seine Strategie Punkt für Punkt optimieren könnte. Der Sammelband ist daher vor allem für Marken- und Kommunikationsstrategen interessant, die für oder mit Großunternehmen im B2C-Sektor arbeiten und nach fundierte Inputs für die Optimierung des Kundenerlebnisses suchen.

„Brand Experience. An jedem Touchpoint auf den Punkt begeistern“ erschien im November 2015 und ist nunmehr das dritte Handbuch für Marken- und Kommunikationsstrategen von Andreas Baetzgen, Professor für Strategische Kommunikation und Branding an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Das Buch ist unter diesem Link bestellbar. Ich danke dem Schäffer-Poeschel Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplars.

Ich habe die Fotografie für mich entdeckt. Lange war mein Smartphone auch meine Kamera, aber die Fotos sind  zum Wegschmeißen. Beruflich ist es für mich auch relevant, dass ich einerseits weiß wie gute Fotos zustande kommen und andererseits selbst gute Fotos von Events und Portraits schießen kann. Eine Kamera muss also her und zwar eine, die offen für mehr Ambitionen ist. Nur welche?

Sehr geholfen hat mir dieser Artikel auf Techradar. Obwohl ich grundsätzlich eher die Marke Canon als Nikon schätze, scheint Nikon bei Kameras für ambitionierte Anfänger besser aufgestellt. Was auch ganz klar ist: Fotografie ist ein teures Hobby. Man braucht nicht nur den Body sondern eben auch die passenden Objektive. Bei diesem Thema hat mir dieser Artikel sehr gut weitergeholfen. Der Artikel sagt, 3 Objektive braucht jeder Fotograf.

Nach langem hin und her habe ich mich für die Nikon D5500 entschieden und bin schon fleißig am Foto machen, mit zusätzlichem Sigma Weitwinkelobjektiv (10-20mm f3.8) für Wanderungen und Landschaftsfotografie und ein Festbrennweiten-Objektiv von Nikkor (50mm 1:1,8G) für Portraits.

Übrigens: Anfangs wollte ich mir eine gebrauchte Ausrüstung zulegen, aber auf Willhaben gibt es da nur Preise, die bei über 70% vom aktuellen Neukaufpreis liegen. Sorry, aber das ist es dann nicht wert.

Wer mir bei der Entwicklung meiner Fotografie-Künste zusehen will, einfach mal auf meiner flickr-Page vorbeischauen.

 

Innovative Hochschulen gesucht

„Ja, so findet zum Beispiel an vielen Hochschulen gerade ein Paradigmenwechsel statt. Dort wird allmählich erkannt, dass es nichts bringt, nur die Theorie zu lehren und den Studierenden zu sagen, dass ihre beruflichen Aussichten schlecht sind. Stattdessen wird zunehmend darauf gesetzt, Studierende konkret zu fördern. Natürlich sind wir jetzt nicht alle Unternehmerjournalisten, aber wir werden nicht weiterkommen, wenn nur gejammert wird.“

Carolin Neumann, Geschäftsführerin Vocer Innovation Medialab, hofft im Interview mit „Lousy Pennies“, dass es zukünftig mehr Unterstützung für innovative Jungjournalisten gibt. Ich meine: Gute Hochschulen fördern wissenschaftliche Skills, die auch in der Privatwirtschaft nützlich sind.

Politik und Fernsehen sind heute zwei untrennbare Bestandteile einer modernen Demokratie. Das Fernsehen spielt eine zentrale Rolle in der heutigen Gesellschaft. Das geht auch an der Politik nicht spurlos vorbei. Denn ohne Darstellungsfähigkeit ist heute keine Politik mehr zu machen. Ich habe mich in einer Forschungsarbeit aus Kommunikationswissenschaft mit der Frage beschäftigt, ob und wie das Fernsehen das Meinungsbild der Bevölkerung prägt. Die Arbeit besteht aus einem umfangreichen theoretischen Teil und einem empirischen Teil. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen:

  • Es gibt bemerkbare Unterschiede zwischen Viel- und Wenigseher in der Zufriedenheit mit der Politik. Die Umfrageergebnisse sind allerdings ein Trend und nicht signifikant.
  • Printmedien werden am häufigsten für die politische Information genutzt werden.
  • Politische Sendungen im ORF werden politischen Sendungen im Privatfernsehen bevorzugt.

Im theoretischen Teil wurden unter anderem die Videomalaise-These und der Negativismus im Fernsehen angesprochen. In beiden Ansätzen wird davon ausgegangen, dass Fernsehen ein negatives Bild von Politik vermittelt und dieses vom Zuschauer übernommen wird. Daraus zieht man den Schluss, dass Vielseher ein negativeres Bild von Politik haben als Wenigseher. Sowohl Thomas Meyer als auch Peter Filzmaier schreiben, dass es zu den problematischen Konsequenzen der politischen Inszenierung zählt, dass die Darstellungskompetenz und das strategische Themenmanagement zu den wichtigsten Erfolgskriterien geworden sind. Das führt dazu, dass inhaltliche Informationen auf der Strecke bleiben. Hans Karl Rupp und Andrea Gourd prägten 1997 den Begriff der „Telekratie“. Sie glauben, dass die „Medienherrschaft“ unter ökonomischer Art den Einzelnen konditioniert. Das Fernsehen hat die Fähigkeit, Distanzen und Ausdehnungen zu überwinden. Dadurch entsteht eine Desorientierung des Einzelnen und durch die Wirkungslosigkeit der Reaktionen des Rezipienten, gleiten diese in die Fremdbestimmung. Diese Theorie ist aber sehr umstritten. So zeigt sich auch in meiner Forschungsarbeit, dass die Glaubwürdigkeit des Fernsehens gering ist. Sind die Zuschauer kritisch eingestellt, kann das Fernsehen gar nicht so eine allumfassenden Einfluss entwickeln.

Die Konsonanz-Theorie
Die Allmacht des Fernsehens und der Medien überhaupt wird stark angezweifelt und wurde lange Zeit überschätzt. So zeigt die Konsonanz-Theorie auf, dass Menschen Medien selektiv, interpretativ (also subjektiv) und behaltend nützen. Weitere Forschungen zeigen, dass sehr wohl persönliche Kontakte und Meinungen von „Opinion Leaders“ für Menschen eine wichtige Rolle spielen und dass Medien auch nicht unabhängig von der Gesellschaft agieren können. Auch Heidemarie Schumacher konstatiert, dass mit dem Uses and Gratification Approach, die These vom manipulierten Zuschauer relativiert werden muss. Der Rezipient wird hier als aktiv beschrieben, der sich die Medieninhalte für seine individuelle Befriedigung aussucht. Daher können massenmediale Inhalte eine Person nicht beeinflussen, wenn die vermittelten Inhalte keinen Sinn oder Nutzen haben. Nur wenn der Person etwas relevant erscheint, hat die Nachricht auch die Chance zur Beeinflussung. Was von der Allmacht der Medien bleibt, wird in der Agenda-Setting-Hypothese beschrieben. Sie behauptet, dass Medien zwar nicht so sehr beeinflussen was wir denken, aber sehr wohl, worüber wir nachdenken. Die Dinge, die uns wichtig sind, werden von den Medien vorgegeben. Und tatsächlich haben Untersuchungen gezeigt, dass Themen die hohe Priorität in den Medien genießen, auch eine hohe Priorität bei den Rezipienten haben. Die Themen werden sozusagen von den Medien strukturiert. Allerdings gilt die Agenda-Setting-Hypothese nur mit Einschränkungen. Klaus von Beyme hat festgestellt, dass häufig die Thematisierung noch immer von Parteien, Regierungen und sozialen Bewegungen ausgeht. Dagegen sind die Medien gestalterisch, wenn es um „symbolische Politik“ und „Entlarvung von Skandalen“ geht.

Die Macht des Fernsehens
Trotzdem, Fernsehen hat zwar keine beherrschende Stellung, aber eine große politische Macht – auch wenn durch das divergente und vielfältige Angebot der Fernsehsender ein Integrationsverlust konstatierbar ist. Wenn aber das Fernsehen einen so großen Einfluss hat, unterstützt oder schädigt es das politische demokratische System? So kann man davon ausgehen, dass das Fernsehen durch seinen Negativismus zur Politikverdrossenheit beiträgt. 1976 wurde die These von der „Videomalaise“ des Politikwissenschaftlers Michael J. Robinson populär. Er vertrat die Ansicht, dass das Fernsehen negative Politikberichterstattung bevorzugt und dadurch die Menschen von der Politik entfernt. Aus dieser Überlegung heraus kann man darauf schließen, dass Vielseher ein negativeres Bild von Politik haben, als Wenigseher. Gegen diese These spricht, dass immer wieder auch der gegenteilige Zusammenhang festgestellt wurde. Auch wird darauf verwiesen, dass Vielkanalseher (Personen die mehrere unterschiedliche Kanäle nutzen, also sechs oder mehr Sender) mehr Informationssendungen sehen als Wenigkanalseher. Vielkanalseher verbringen außerdem fast doppelt so viel Zeit vor dem Fernseher, wie Wenigkanalseher. Allerdings zeigt sich, dass gerade eine große Nutzung von Information im Fernsehen zu einem besonders negativen Bild von Politik führen kann.

Problem des Negativismus
Patzelt sieht im „Negativismus“ der massenmedialen Berichterstattung ein „Sonderproblem“. Da Massenmedien zwar meist relativ neutral berichten, aber ganz klar negative über positive Berichterstattung überwiegt. Das führt dazu, dass der Einzelne seine eigene Lage wesentlich positiver einschätzt, als die allgemeine Lage. Schuld an der schlechten allgemeinen Lage wird dann der Politik gegeben. Daher kann behauptet werden, dass Vielseher, die häufiger mit der negativ orientierten Berichterstattung konfrontiert sind, auch unzufriedener mit der Politik sind. Es verwundert nicht, dass Politiker alles tun, um im Fernsehen in einem möglichst positiv Licht zu erscheinen bzw. der politische Gegner in einem negativen. Wie sehr verändert das Fernsehen und seine Darstellungsform die Politik? Man kann durchaus den Eindruck gewinnen, dass sich Politik nur mehr auf die Inszenierung konzentriert und sich den Spielregeln der Medien unterwerfen muss.

Inszenierung der Politik im Fernsehen
Peter Filzmaier schreibt, dass es zu den problematischen Konsequenzen der politischen Inszenierung zählt, dass die Darstellungskompetenz und das strategische Themenmanagement zu den wichtigsten Erfolgskriterien geworden sind. Das führt dazu, dass inhaltliche Informationen auf der Strecke bleiben. Thomas Meyer stellt wiederum fest, dass der Bezug zur Wirklichkeit verloren geht. Es gibt eine „Scheinpolitik“ oder „Scheinereignissen“. Was zählt sind Bildbotschaften, wie zum Beispiel Gesten, Symbole und ähnliches. Andererseits hat die Politik keine andere Wahl, als sich unterhaltsam und medienwirksam in Szene zu stellen. Prisching meint wiederum, dass es die Gegenwartspolitik mit einer Gesellschaft zu tun hat, die vorrangig Vergnügen, Witz, Ironie und Spiel sehen möchte. Dagegen wird aber festgehalten, dass auch unterhaltende Sendungen in hohem Maße informieren können. Durch die spannenden Darstellungen können auch politisch uninteressiertere Personen für Politik gewonnen werden. Dadurch können solche Sendungen einen integrativen Nutzen für das demokratische System haben. Voraussetzung dafür ist aber eine große fachliche Kompetenz der verantwortlichen Journalisten. Die Dependenzthese geht wiederum davon aus, dass die Medien so mächtig sind, dass Politik in ihre Abhängigkeit geraten ist. Fakt ist, dass Politiker Medienpräsenz zeigen müssen und auf der Vermittelungsleistung der Medien angewiesen sind. Die Instrumentalisierungsthese ist das Gegenstück zur Dependenzthese. Sie besagt, dass Politiker die Medien instrumentalisieren können, um ihre Botschaften zu verbreiten. Dies gelingt ihnen, indem sie sich professionell auf die Erwartungen der Medien einstellen und ihnen fertige „Erzeugnisse“ liefern. In der Praxis kann man davon ausgehen, nie einen dieser beiden Extremsituationen in reiner Form anzutreffen. Vielmehr wird es immer ein Wechselspiel zwischen Medien und Politik geben, zwischen beeinflussen und beeinflusst werden.

Gesamte Forschungsarbeit hier.

Alltägliche Beobachtung

Alltägliches Beobachten dient der Orientierung der Menschen in der Welt. Sie ist eher selektiv und unreflektiert. Das heißt, wir stehen der Welt mit einem gewissen Vormuster gegenüber. Wir beobachten und beurteilen mehr oder weniger unbewusst. Z.B. wenn wir fremde Menschen begegnen: Wie sehen sie aus? Wie verhalten sie sich? Wir beobachten sie und formen uns daraus ein Bild dieses Menschen.

 Wissenschaftliche Beobachtung

Wissenschaftliche Beobachtung versucht natürlich nach objektiven Kriterien vorzugehen. Eine Beobachtung ist dann wissenschaftlich, wenn:

  1. es einem Forschungszweck dient
  2. systematisch geplant
  3. systematisch aufgezeichnet
  4. es wiederholten Kontrollen hinsichtlich der Gültigkeit, Zuverlässigkeit und Genauigkeit unterworfen wird

Exkurs:

Gültigkeit = Validität: Das Messinstrument misst genau das, was es vorgibt zu messen

Zuverlässigkeit = Reliabilität: Das Messinstrument misst unter gleichen Bedingungen, immer wieder das Gleiche

Genauigkeit = Es dürfen sich keine Fehler einschleichen

Doppelcharakter sozialwiss. Beobachtung

Quantitativ orientierte Beobachtung

Quantitative Studien unterscheiden sich von qualitativen in erster Linie durch die wissenschaftstheoretische Grundposition (normativ-ontologische Theorien vs. empirisch-analytische Theorien), den Status von Hypothese sowie dem Methodenverständnis und die Trennung von Entdeckungs- und Begründungszusammenhang und die Theorienprüfung folgen. Soziale Realität wird als objektiv und mittels kontrollierter Methoden erfassbar angesehen. Empirische Forschung soll theoriegeleitete Daten über die soziale Realität sammeln, wobei diese Daten den Kriterien der Reliabilität, der Validität sowie der Repräsentativität und der intersubjektiven Überprüfbarkeit zu genügen haben und in erster Linie der Prüfung der vorangestellten Theorien und Hypothesen dienen. Forscher haben den Status unabhängiger wissenschaftlicher Beobachter, welche die soziale Realität von außen erfassen sollen.

Diese Ansprüche äußern sich in der Entwicklung strukturierter Beobachtungsschemata, und in einer Forschungspraxis, die der Forderung nach intersubjektiver Überprüfbarkeit durch die personelle Trennung von Forscher und Feldarbeiter sowie der Erhebung großer Fallzahlen gerecht zu werden versucht.

Zentraler Kritikpunkt gegen die quantitative Sozialforschung sind der durch die Theorie stark begrenzte Erfahrungsbereich und dass die Beschäftigung mit der Methode den eigentlichen Gegenstand überlagert.

 Die qualitative Beobachtung

Zentral Annnahme in der qualitative Methode, dass soziale Akteure Objekten Bedeutungen zuschreiben, und sich somit nicht starr nach Normen und Regeln verhalten, sondern soziale Situationen interpretieren und so prozeßhaft soziale Wirklichkeit konstituieren.

Forschungsprinzipien sind:

  • Offenheit: Der Untersuchungsgegenstand und nicht vorab entwickelte Theorien und Hypothesen bestimmen die Forschung.
  • Prozesscharakter von Gegenstand und Forschung: Die sozialen Akteure schaffen Wirklichkeit, indem sie diese dauernd interpretieren und neu aushandeln.
  • Reflexivität: Es werden keine vorab aus der Theorie abgeleiteten Hypothesen geprüft, sondern im laufenden Forschungsprozess generiert, modifiziert und verallgemeinert.
  • Problemorientierung: Die Formulierung und Auswahl der Forschungsfrage resultiert aus dem vom Forscher wahrgenommenen gesellschaftlichen Problemen.

Für qualitativ teilnehmende Beobachtungsstudien bedeutet dies den Verzicht auf vorab konstruierte Beobachtungsschemata, standardisierte Verfahrensweisen und –regeln und die Teilnahme der Forscher in dem natürlichen Lebensumfeld der Untersuchten.

 Beobachtungsfeld

Der Bereich, in dem eine Beobachtung stattfinden soll, bezeichnet man als Beobachtungsfeld. Es handelt sich dabei nicht nur um das räumliche Umfeld, sondern auch um den soziale Bereich, den Zeitpunkt und die Rahmenbedingungen der Untersuchung.

 Formen der Beobachtung

Die folgende Aufzählung und Beschreibung der verschiedenen Beobachtungsformen soll einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten, die die wissenschaftliche Beobachtung bietet, geben.

Feld- vs. Laborbeobachtung

Beobachtungen in natürlichen sozialen Situationen werden als Feldbeobachtungen und Beobachtungen in künstlich/experimentell erzeugten Situationen als Laborbeobachtung bezeichnet. Bei der Laborbeobachtung stellt sich die Frage, ob die so erhaltenen Ergebnisse Aussagen über das entsprechende Verhalten sich auf die Realität übertragen lassen. Bestimmte Situationen können jedoch kontrolliert nicht hervorgerufen werden.

Vorteile der Laborbeobachtung sind allerdings die leichtere Wiederholbarkeit im Vergleich zur Feldbeobachtung und somit eine leichtere Überprüfbarkeit, und es kann gezielter, genauer und kontrollierter beobachtet werden.

 Teilnehmende vs. nicht-teilnehmende Beobachtung

Bei der teilnehmenden bzw. nicht-teilnehmenden Beobachtung unterscheidet man, ob der Wissenschaftler selbst ein Teil der zu beobachtenden Situation ist oder die Verhaltensabläufe als Unbeteiligter beobachtet. Die nicht-teilnehmende Beobachtung zeichnet sich dadurch aus, dass der Beobachter von außen, ablaufenden sozialen Ereignisse registriert.
Die teilnehmende Beobachtung ist dadurch charakterisiert, dass der Beobachter selbst eine im Beobachtungsfeld definierte Rolle übernimmt und sich den anderen Handelnden dieser Rolle entsprechend verhält, ohne von ihnen als Beobachter mit einem wissenschaftlichen Interesse erkannt zu werden.

Hoher vs. geringer Partizipationsgrad

Nimmt der Forscher bei der Beobachtung eine soziale Rolle ein, kann diese entweder aktiv oder passiv sein. Aktiv ist sie, wenn der Forscher bestimmte Situationen provoziert oder herbeiführt. Hierbei spricht man von einem hohen Partizipationsgrad bzw. von einer aktiv-teilnehmenden Beobachtung.
Im Gegensatz dazu kann der Forscher aber auch eine passive Rolle einnehmen, so z.B. als Mitglied der Gruppe. Beobachtet er nur den Verlauf der Dinge und nimmt selbst keinen Einfluss auf das Geschehen, so ist sein Partizipationsgrad niedrig bzw. es liegt eine passiv-teilnehmende Beobachtung vor.

Strukturierte vs. unstrukturierte Beobachtung

Strukturierte und unstrukturierte Beobachtungen unterscheiden sich in dem Grad ihrer Differenziertheit. Dabei beachtet der Forscher bei der unstrukturierten Beobachtung relativ grobe Kategorien sozialen Verhaltens. Je differenzierter diese Kategorien werden, desto strukturierter wird die Beobachtung.

 Offene vs. verdeckte Beobachtung

Bei der offenen Beobachtung ist dem Beobachteten bewusst, dass ein Wissenschaftler anwesend ist, der ihn in der vorliegenden Situation beobachtet. Für den Forscher bedeutet dies, dass er sich freier und offener im Feld bewegen kann, im Gegensatz zur verdeckten Beobachtung. Verzerrungen und Probleme können auftreten, wenn sich der Beobachtete in dieser ungewohnten Situation anders verhält, als es normalerweise der Fall wäre.

Bei der verdeckten Beobachtung weiß keiner der Beobachteten, das sich in Forscher in Gruppe befindet. Dadurch soll erreicht werden, dass sie sich so natürlich und ungestört wie möglich fühlen.

Die große Quantifizierung unserer Lebenswelt startet. Überall sind Daten vorhanden und mit neuen Tools lassen die sich auch sehr schnell und elegant aufbereiten. Datenjournalismus ist ein geflügeltes Wort geworden und für Redaktionen genauso interessant wie für PR-Tätige. Denn Öffentlichkeitsarbeit muss immer möglichst anschaulich Inhalte transportieren, sowohl in der internen als auch in der externen Kommunikation. Klarerweise lassen sich etwa die hervorragenden Umsatzentwicklungen des Kunden besser mit einer Infografik veranschaulichen als rein mit Text. Journalisten freut es meist auch, gleich ein Bild zu haben und übernehmen dann eher die Meldung. Mitarbeiter schauen sich wiederum im Mitarbeiterblog oder Magazin eher eine Grafik an, als dass sie Texte lesen.

infografic

Infografik erstellt mit infogr.am.

Das mit Abstand coolste und ausgefeilteste Tool ist hier infogr.am. Gesehen habe ich das erstmals bei Dominik Leitner. Spielereien sind damit super einfach möglich. Über Ulrike Langer habe ich das Open Source Tool Datawrapper kennengelernt. Damit lassen sich schnell einfache Grafiken erstellen. Interessant ist dieses deutsche Start-up allemal, wobei die Praxisbeispiele von Datawrapper in der „Chart Gallery“ (noch) wenig ansprechend sind. Hoffentlich tut sich da noch was, ansonsten ist wohl infogr.am immer die erste Wahl. Datawrapper wurde übrigens für das deutsche Bildungswerk der Zeitungen gebaut, das wiederum zum Bundesverband deutscher Zeitungsverleger gehört. Die Voraussetzungen wären also da, einen journalistisch wirklich überzeugenden Workflow und Output zu kreieren. Über Luca Hammer und seinem Blognetz-Projekt bin ich auf Gephi gestoßen. Mit diesem Tool lassen sich Netzwerken und komplexe Systeme visualisieren. Ich weiß zwar noch nicht genau, wie man das außeruniversitär einsetzen kann, aber spannend ist es auf jeden Fall.

Fazit: Am besten gefällt mir infogr.am, spezielle Netzwerkvisualierungen sind mit Gephi möglich und Datawrapper hat ein großes Potential für den Datenjournalismus.

Dieser Abriss des Studienfaches Publizistik- und Kommunikationswissenschaft basiert vor allem auf dem Buch Journalistik, Band I, von Siegfried Weischenberg.

 

Journalistik als Begriff

  • Anfang des 19. Jh. veröffentlichte Heinrich von Kleist „Lehrbuch der französischen Journalistik“
  • Unterscheidet zwischen normativen Ansprüchen und Medienrealität
  • Anfang des 20. Jhdt. wissenschaftlich-systematische Beschäftigung
  • 1899 gründet Alexander Wrede in Berlin die erste private Journalistenhochschule
  • Erstmals Journalistik als wissenschaftlicher Begriff verwendet
  • Bis in den zweiten Weltkrieg hinein wurde „Journalismus“ und „Journalistik“ synonym verwendet
  • 1916: Karl Bücher gründet das „Institut für Zeitungskunde“ in Leipzig, die Zusammenführung mehrerer Wissenschaften wird jedoch skeptisch beurteilt
  • In den 50ern hat sich in Deutschland die Wissenschaft „Publizistik“ durchgesetzt
  • „Journalistik“ wurde bis 1976 als Begriff nur in Zusammenhang mit drittem Reich und DDR verwendet
  • Später gab es aber auch in Westdeutschland „Journalistik“-Studiengänge
  • Ruß-Mohl: Scharnier zwischen Kommunikationswissenschaft und Journalismus

 

Journalistik als Institution

  • Vorbild: Studiengang in Zürich
  • Seit Anfang des Jh. unter Journalisten Diskussion um wiss. Ausbildung
  • 1916 Leipzig: Studienschwerpunkte sind politischer und Handelsjournalismus, Feuilleton
  • nach 2 WK etablierte sich Journalistik in der DDR
  • in BRD war wegen Berufslisten der Nazis Studeingang Journalistik bis in 70er tabuisiert
  • Druck der Journalistenverbände: in 70ern gab es sechs entsprechende Studiengänge in Westdeutschland, aber keine einheitlichen Modalitäten
  • Primär Praxisorientierung und inhaltliche Spezialisierung
  • Mehrmediale Ausbildung
  • Sozialwissenschaftliche Ausrichtung
  • These: Institutionalisierte Ausbildung soll Kontrolle der Politik über Medien gewähren

 

Journalistik als Lehr- und Forschungsbereich

  • Kommunikationswissenschaftliche Theorie
  • Redaktionelle Produktion (Volontariat)
  • Karl Bücher definierte Recherche und Vermittlungskompetenz als zentrale Lernziele
  • Journalismus sei reproduktive Tätigkeit mit Regelhaftigkeit
  • Journalistik ist die systematische Untersuchung der Regelhaftigkeiten und ihre Ursachen
  • Vermittlung dieser Regeln ist Journalismusausbildung
  • Paradigma Journalistik bisher nur in Umrissen erkennbar
  • Durch institutionalisierte Formen und diffuse Forschungs- und Lehraktivitäten
  • Transfer zwischen Journalismus und Journalistik bleibt Wunschvorstellung (Rühl)
  • Journalistik hat immer zwei Ebenen:
    Theoretisch – Empirisch: Wissen über Journalismus generieren und reflektieren
    Praktisch – Normativ: Regeln für nützliche und glaubwürdige Kommunikationsleistungen erzeugen

 

Sozialistische Journalistik

  • KMU Leipzig Journalistik mit Doppelrolle
  • Muster für überbetriebliche Journalistenausbildung
  • Zentralisierte Indoktrination zukünftiger Journalisten
  • etabliert 1954
  • auch bei Nazis war Leipzig Zentrum der Journalistenausbildung (Publizistik)
  • Vorbild für Leipzig waren sowjetische Journalistenfakultäten
  • Begriff „Journalistik“ war nicht wie „Zeitungswissenschaft“ und „Publizistik“ durch Nazis verunglimpft

 

Säulen der Ausbildung

  • Pressegeschichte
  • Theorie der Presse
  • Methodik der Pressearbeit
  • Praxis und Theorie miteinander verbinden
  • verstand sich als Zweig der marxistisch-leninistischen Gesellschaftswissenschaft
  • zwei Drittel der DDR-Journalisten haben in Leipzig studiert
  • insgesamt 5000 Diplome
  • Forschung sollte instrumentalisiert werden, deshalb wurden Lehrredaktionen eingerichtet
  • Schwerpunkt: „Ausarbeitung der Genretheorie der proletarischen Presse“
  • Journalisten sollte damit Gesetzmäßigkeit bewusst gemacht werden, denen sein Schaffen unterliegt
  • 1990: neuer Studienführer – gewendete Identität sollte vermittelt werden
  • Bemühen um Kontakte zu westdeutschen KMWissenschaftlern

 

Der Gegenstand: Journalismus

Begriffliche und methodische Probleme

  • vor 150 Jahren: Journalismus als Zeitgespräch einer Gesellschaft mit ihren aktuellen Stimmungen und Widersprüchen – ein sozialer Prozess, wobei die Moderatoren, also Journalisten, für Robert E. Prutz gar nicht besonders relevant sind.
  • Späteres Verständnis: Journalismus als Tätigkeit von Journalisten
  • Erst mit empirischer Kommunikatorforschung aus USA kam es zur Aufgabe des naiven „Berufsrealismus“
  • Systemtheorie: Journalismus als Handlungszusammenhang, der in soziale Prozesse eingebunden ist (vgl. Weischenberg, Journalistik, S. 42)
  • Themen aus sozialen Systemen sammeln, auswählen, bearbeiten und den soz. Systemen präsentieren
  • Aktualitätsprinzip: informativ und relevant (Klaus Merten)
  • Problem: Themen ohne Neuigkeitswert, Berichterstattungsanlässe werden künstlich geschaffen
  • Kann zur Falle werden: wenn unter Zeitdruck Analysen und Prognosen erstellt werden (müssen)
  • macht heute Angebote, die weit über Prod. von Nachrichten hinausreicht
  • Gefahr: Identitätsverlust
  • Haller: E- und U- Journalismus – „ernsthafter Journalismus“ (20%) vs. „unterhaltender Journalismus“ (80%)
  • normaler Journalismus entzieht sich empirischen Zugriff (psychol. Prozesse von Journ., journ. Milieu)

 

Journalismus und Wissenschaft

  • Helmut F. Spinner: Gemeinsamkeit Wissenschaft und Journalismus ist selbstständige freie Informationstätigkeit
  • Unterschied: Art des Wissens, der Beschaffung und der Überprüfung
  • Gegenwartskonzentration zeichnet Journalismus aus

– Gemeinsam:      – Wissensvermittlung als Dienstleistung

– professionelle Methoden

– Objektivitätsbemühung

– organisiertes Handeln

– Unterschiede:    – W. sucht Regelmäßigkeite, J. Unregelmäßiges

– W. langfristig, J. kurzfristige Problemlösung

– J. hat weniger Ressourcen (Zeit, Geld)

 

Der Wahrheitsbegriff

  • beide wollen Welt vereinfachen
  • Ereignis im Journ.: Merkmale der Wirklichkeit werden vermittelt, Wahrheit wird stark reduziert
  • Präzisionsjourn.: soll mit empirischen Methoden Wahrheit regelhaft vermitteln
  • Objektivität:
    Verzicht auf eigene Meinung (Neutralität, Ausgewogenheit, Fairness) (Weischenberg, Journalistik, S. 54)
    Trennung von Subjekt und Objekt. Frage bleibt, ob das überhaupt möglich ist

 

Journalistik und Journalismusforschung

  • Interesse an Erforschung von Medienmechanismen durch 68er
  • 1963: „Psychologie der Massenkommunikation“ (Gerhard Maletzke)
  • Nachfrage durch politische Institutionen und dadurch mehr Geld

 

Journalismus als Wirklichkeitskonstruktion

  • Journalisten liefern Wirklichkeitsentwürfe auf Grundlage von gelernten, allgemein akzeptierten Regeln
  • Konstruktivismus: Mensch konstruiert sich autonom eigene Wirklichkeit, Medien können das nur beschränkt beeinflussen
  • Realität ist nur ein unzulängliches Modell von Wirklichkeit, das aufgrund der Funktionsweise unseres Gehirns entsteht (vgl. S. 61)
  • Mit konstruierter Wirklichkeit besteht man in dieser Realität – „Viabilität“
  • Medien entwerfen also Wirklichkeitskonstruktionen, mit denen man in der Realität „durchkommt“
  • Verschiedene Wirkl.entwürfe sind miteinander abgestimmt und damit sozial verbindlich
  • wenn kognitive Systeme autonom, dann sind auch Journalisten bei ihrer Wirklichkeitskonstruktion autonom (allerdings Beeinflussung durch Strukturen, Regeln und Schmata im Prozess beruflicher Sozialisation)

 

Themen und Grenzen der Journalistik

Journalistik beschäftigt sich im gesamten Feld der Medienkommunikation mit:

  • Normen (des Mediensystems)
  • Strukturen (Zwänge des Systems)
  • Funktionen (welcher Leistungs- und Wirkungskontext der Medienaussagen)
  • Rollen (Verhaltensmuster der Medienakteure)
  • Kontexte bestimmen, was Journalistik ist
  • Zwiebelmodell: siehe Weischenberg, Journalistik, Seite 71
  • zur Untersuchung Interdiszipinarität gefordert
  • Kompetenzgrenzen des Forschers bedingen Informationsverlust

 

 

Gesellschaftliche Rahmenbedingungen der Medienkommunikation

Durch den Wandel eines Gesellschaftsystems wandel sich auch die Medien und damit auch der Journalismus in der Gesellschaft (vgl. ebd.S. 77). Dabei lassen sich 4 Denkrichtungen unterscheiden:

Allgemeine Theorien der Medien und der Gesellschaft

  1. Kritik der Massengesellschaft und Massenkultur
  • taucht durch Industrialisierung Anfang des 19. Jh. erstmals auf
  • Zerstörung traditioneller Werte und Beziehungen (Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit nicht durchsetzbar?)
  • Kritik an Massenpresse
  • Entfremdete und passive Konsumenten in Abgrenzung zur früheren Hochkultur
  • Glauben an übermächtige, uniforme Macht der Medien
  1. Kritische Theorie (baut auf voriger Theorie auf)
  • Frankfurter Schule (Marcuse, Adorno) sehen in Massenmedien totalitäre Macht
  • wie und was Menschen denken = monokausaler Wirkungszusammenhang
  • Verschmelzung von Kultur und Unterhaltung als Kritik (S. 81)
  • Herrschaftsstabilisierend und antiaufklärerisch (unter dem Mantel der „Objektivität“)
  • Weischenberg: beruht auf Vorurteilen und Arroganz der Eliten gegenüber dem Massenpublikum, bietet keine Handlungsalternativen, bleibt theoretisch
  1. Der Historische Materialismus
  • marxistische Grundlage (Klasse, Ideologie)
  • Bewusstsein direkt verbunden mit der gesellschaftlichen Arbeit (S. 81). Das gesellschaftliche Sein prägt Bewusstsein (S. 81)
  • Medien sollten nicht Medienkonglomeraten gehören, sondern in gesellschaftliche Kontrolle kommen
  • Das Publikum wird als Verfügungsmasse der Medien aufgefasst
  • beide Ansätze verweigern die Anerkennung der Partizipationskraft in pluralistisch-kapitalistischen Gesellschaften. Gerade die „gesellschaftliche Kontrolle“ der Medien führte in der DDR und Osteuropa in den Totalitarismus.
  1. Liberal-pluralistischer Ansatz
  • räumt Konstruktionscharakter jeder Theorie ein
  • Produktivkraft Kommunikation
  • gibt Wahrheitsanspruch auf und will sich der Wahrheit annähern, sie nicht beschreiben
  • Laut Kelsen ist der Relativismus die Weltanschauung, die dem demokratischen Gedanken vorausgeht. (vgl. S. 85)

 

Der normative Divergenz – Ansatz

  • vier Theorien zur Klassifikation von weltweiten Mediensystemen
  • Natur des Menschen, Staatsverständnis, Beziehungen Staat – Mensch, Wissen und Wahrheit (Medienrealität)
  • geht von westlich-pluralistischen Standards aus
  • Grundannahme: Medien übernehmen Strukturen der Gesellschaft, in denen sie arbeiten
  1. Autoritarismus: Herrschaftsunterordnung, Zensur, Vergehen gegen Autorität = Straftat (Nazis)
  2. Liberalismus: Pressefreiheit im heutigen westlichen Sinne
  3. Sozialverantwortungsmodell: Kritik der Medien- und somit Meinungskonzentration

Forderung: Medien haben Verpflichtung gegenüber Gesellschaft, Pluralität der Gesellsch. muss gezeigt werden; Forderung nach Verantwortung rechtfertigt Eingriffe der Gesellschaft bei Medien.

Der analytische Kontingenz-Ansatz

  • keine normative Betrachtungsweise, sondern empirische
  • Kategorisierung in:
  1. Offenheit des Rezeptions- und des Produktionssystems (geschlossen – offen)
  2. Medienbesitz (öffentlich/privat) / Medienkontrolle ([de]zentralisiert)
  3. Kommunikationsrechte – und Bedingungen: 4 Modelle des normativen Ansatzes

 

Der empirische Konvergenz-Ansatz

  • sucht statt Unterschieden nach Gemeinsamkeiten – „Weltsymphonie“ der Mediensysteme
  • Wahrheit unter dem Banner der Sozialverantwortung, Erziehungsproblem wird untersch. gehandhabt

 

Merkmale und Probleme geschlossener Mediensysteme am Beispiel der Sowjetunion

  • Marx´ Verständnis vom Journalisten: sollte nicht objektiv sein, sondern die Gesellschaft ändern, also gegen die herrschende Klasse ankämpfen
  • Lenin machte daraus die Forderung an die Presse, die Revolution zu unterstützen und wollte Presse kontrollieren
  • Pressefreiheit war zwar in Verfassung gewährt (für die „Werktätigen“), wurde aber durch Pressebehörde eingeschränkt
  • Presse als Agitator und Organisator, Partei hatte Meinungsmonopol

Professionelle Grundlagen

  • ideologischer Kampf gegen Kapitalismus, gute Nachrichten aus der SU, schlechte aus dem Westen
  • DDR: Bestinformiertes Publikum im Block durch Angebot zweier Nachrichtensysteme
  • Rege Teilnahme des Publikums (Leserbriefe) und hohes Ansehen von Journalisten in SU

Glasnost (Publizität)

  • Gorbatschow wollte zwar kritische Presse, aber weiterhin Unterstützung des Kommunismus
  • Öffnung des Systems verlief unkontrolliert, Folgen sind bekannt
  • Heute Russland auf dem Weg zu einem „neuen Journalismus“
  • Öffnung war Einsicht in Dysfunktionalität geschlossener Systeme: sorgen für starre Gesellschaft

 

Normative Grundlagen und aktuelle Erscheinungsformen

Die Tradition der Pressefreiheit in Deutschland

  • wirtschaftlicher Aufschwung seit 1800 führte zu Massenpublikum (Urbanisierung), Alphabetisierung
  • Vormärz: Verständnis des Journalisten als „öffentliches Amt“
  • Reichspressegesetz: Vorzensur abgeschafft
  • Presse wurde vom Gesinnungswesen zum Kommerz (Generalanzeiger)
  • Verlage hatten politische Ausrichtung, dadurch keine innere Pressefreiheit (in den Redaktionen)
  • Bis 1933 gab es unzählige kleine Zeitungen, die publizistisch und finanziell nicht konkurrenzfähig waren
  • Presse lag trotz vereinzelter Großverlage am Boden
  • Publizistische Konzentration bedeutet auch ökonomische Konzentration
  • In Westdeutschland später wieder weitere Konzentration
  • Pressefreiheit war in Deutschland immer entweder repressiven Gesellschaften oder hartem Markt ausgesetzt

 

Das Mediensystem der Bundesrepublik

 

Pressefreiheit und Medienrecht

  • Mediensystem der BRD in hohem Grad verrechtlicht
  • Versuch, öffentliche Funktion der Presse mit Prinzip der Marktwirtschaft übereinzubringen

Pressefreiheit und Medienvielfalt

Einflüsse auf die Pressefreiheit:

  • Vielfalt auf dem Meinungsmarkt
  • Einfluss des politischen Systems auf die Medien (Partei in Aufsichtsräten)
  • Ausmaß der journalistischen Autonomie
  • Intensität der Mediennutzung
  • deshalb sollte in Westdeutschland durch Konkurrenz von privater Presse (Außenpluralismus) und ÖR Rundfunk (mit Binnenpluralität) Medienvielfalt sichergestellt werden
  • doch auch zunehmende Konzentrationen auf dem Pressemarkt

 

Der Start in eine neue Medienlandschaft

  • am 1.1.85 Gründung von Sat1
  • Anforderungen an Ordnungspolitik für den Rundfunk
  1. gewisse Pluralität im Programm (BVG)
  2. Verlegerlobbyismus (verlangten bessere Startbedingungen gegenüber ÖR)
  3. Ansprüche SPD-geführter Länder, ÖR durch Gebühren Bestand zu garantieren
  • Staatsvertrag suchte Kompromiss (Grundversorgung durch ÖR)
  • Grundversorgung kein stabiler Begriff
  • Großverlage (Bertelsmann, Springer) haben nötige fin. Kraft, sich in PrR zu engagieren
  • Deutliche Kommerzialisierung der Medien
  • Grenzen zwischen Werbung und Programm immer verschwommener

Programmanforderungen mit Bezug zum Qualitätskonzept:

  1. Vielfaltsgebot
  2. Relevanzgebot
  3. Professionalitätsgebot
  4. Rechtmäßigkeitsgebot
  • marktwirtschaftlicher Flexibilität des Mediensystems stehen immer soziale Kosten gegenüber
  • darauf muss sich Medienpolitik einstellen und flexibel handeln

 

Die deutsch-deutsche Medienentwicklung

  • DDR-Journalisten unterstützen die Wende in DDR nicht, erst als Fakten unübersehbar waren
  • Westdeutsches Mediensystem bemühte sich früh um ostdeutschen Markt
  • Ostdeutschland diente als Brückenkopf nach Osteuropa

 

Die Perspektive: „Amerikanisierung“ des Mediensystems

 

Der rechtliche Rahmen des Mediensystems der USA

  • First Amendment (erster Zusatzartikel der Verfassung – Bill of Rights) – Rede- und Pressefreiheit
  • Pressefreiheit als Unterfall der Redefreiheit mit vielen Interpretationsmöglichkeiten: (wie in D)
  • Liberalismus vs. Sozialverantwortung
  • Markt vs. Teilhabe der Menschen
  • Interesse der Medieneigentümer vs. Interesse des Publikums
  • Freiheit der Presse vom Staat als zentrales Gut
  • Seit 70ern Renaissance des Liberalismuskonzepts und seit Reagan des Eigentümerschutzes
  • Aufsichtsbehörde FCC (ÖR): soll Binnenpluralität gewähren und verteilt Lizenzen (Prinzip: Regulation)
  • Idee der Deregulation ging von USA aus und wurde mit als erstes in D aufgegriffen:
    Freiheit = Wettbewerb = Vielfalt
    Nur wo keine Vielfalt herrscht, sind Eingriffe gerechtfertigt
    FCC kämpft hier gegen aufkommenden Sozialdarwinismus

 

Strukturmerkmale des Mediensystems der USA

  • lokale Pressemonopole und Zeitungsketten
  • im Rundfunk vier private Networks mit starker Dominanz: NBC, ABC, CBS, FOX (Murdoch)
  • übrige Networks auf Spenden und staatliche Zuwendungen angewiesen
  • Konglomerate: Medienunternehmen mit Beteiligungen an diversen Medienbereichen
  • Ethnozentriert: kaum internationale Berichterstattung (NY Times wird kaum außerhalb von New York gelesen)
  • Infotainment und „market-driven journalism“ setzen sich auch in Europa durch
  • Weischenberg: „Die amerikanische Krankheit ist ansteckend.“

 

Ethische und professionelle Standards

 

Selbstverpflichtung durch Sozialverantwortung

  • Widerspruch von ökonomischen Interesse und publizistischen Idealen des Medienbetriebs
  • Idee des Sozialverantw.modells: Medien sollen freiwillig der Gesellschaft dienen, dass die nicht eingreifen muss
  • Forderungen:
    Wahrhaftigkeit in der Darstellung von Ereignissen
    Forum zum Austausch von Kritik in der Gesellschaft bieten
    Berücksichtigung aller gesellschaftlichen Kräfte
    Bevölkerung vollen Zugang zum aktuellen Wissen verschaffen
  • Kritik: Das setze Regulierung voraus, sei mit Meinungsfreiheit aber nicht vereinbar
  • Renaissance erhält Sozialverantwortungsmodell immer dann, wenn etwas schief läuft
  • Journalisten sollen sich nicht aus Verantwortung stehlen können, sich nicht auf Marktmechanismus berufen

 

Grundlagen einer Medienethik

 

Aktuelle Begründungen

  • Medienethik wird oft aufgrund aktueller Anlass zur Diskussion gestellt

Medienkritik an:

  • Undurchschaubares Gemisch von Daten führt zu Infotainment
  • Konzentrationsprozesse: Anonymisierung von Verantwortung
  • Journalistische Kompetenz: wird immer nötiger gegen Einflüsse der PR
  • Publikum: wendet sich wegen Unsicherheit über Glaubwürdigkeit von Medien ab
  • Korruption durch Anzeigenkunden, Infotainment, Anchorman als Berühmtheit
  • Katastrophenjournalismus
  • Presse verweist oft auf TV als Sündenbock
  • Macht der Journalisten macht Verantwortungsbewusstsein notwendig
  • Dazu bedarf es gut ausgebildeter Journalisten, die dann automatisch richtig handeln
  • Ethikbedarf besteht bei allen Ebenen des Zwiebelmodells (Normen, Strukturen…)

 

Philosophische Prinzipien

  • Gesinnungsethik (Kant): deleontlogische Ethik, Pflichtethik
  • Verantwortungsethik (Bentham): teleologische Ethik – wird im Journalismus favorisiert
  • Doch zunehmend wird auch Gesinnungsethik wieder entdeckt: Handeln, das in sich gut ist als Grundethik
  • Darauf beruhen auch die Pressekodizes

 

Zur Substanz von Pressekodizes

  • seit dem zweiten Weltkrieg gibt es in vielen Ländern derartige Gebotslisten
  • diene zur Legitimation des beruflichen Handelns und drücken berufliche Ideologien aus
  • USA 1925: Verhaltenskatalog von Prof. Bleyer als Vorbild
  • Ehre, Wahrheit, Saubereit, Fairness, Anstand als absolute Werte
  • 1973: Presserat überreicht Heinemann Pressekodex mit vier grundlegenden Handlungsempfehlungen:
    Wahrhaftige und unabhängige Berichterstattung
    Keine unlauteren Methoden bei der Informationsbeschaffung
    Wahrung der Persönlichkeitsrechte
    Besondere Zurückhaltung bei schweren Verbrechen

Kritik:

  • Kodex hat allgemeingültige Regeln aufgezeichnet, an denen sich eh keiner stört
  • Ist eher Dekoration als ernstzunehmender Ratgeber

 

Kommunikationswissenschaftliche Annäherungen

Der normativ-ontologische Ansatz

  • Hermann Boventer
  • Grundannahme: Journalismus hat eine normative Prägung
  • Diese muss vom Journalisten reflektiert werden und wird so zu einer Handlungsethik
  • Verantwortung ist durch allgemeine (christliche) Werte gewährleistet
  • In jeder Situation muss Ethik abgewogen werden (Prudentia des Journalisten gewährleistet aber Ethik)
  • Trotzdem gibt es grundlegende Moral: Kants Vernunftbegriff
  • Journalist muss Leser als sittliches Objekt anerkennen (Forderung nach Sachlichkeit)
  • In 60ern Abwendung von diesem Ansatz

 

Der empirisch-analytische Ansatz

  • von der publizistischen Ziellehre zur empirischen Wissenschaft
  • Grundannahme: Es existiert Wertepluralismus, der keine gesellschaftsfernen Moralkonzepte zulasse
  • Orientierung an jeweiligen sozialen Bindungen und Verhältnissen (beruht auf Systemtheorie)
  • Kritik: zeitigt nur die gegenwärtigen Systemzustände und rechtfertigt sie (Boventer)
  • Eingeständnis, journ. Verhalten könne nicht verbessert werden
  • Entmythologisierung des journ. Handelns

 

Zum Praxisbezug einer Medienethik

  • Schaffung einer Medienethik ist oft Versuch, einer Verrechtlichung vorzukommen
  • Schwerpunkte: Verfälschung von Aussagen und Bildern; reißerische Schlagzeilen, künstliche Themenbeschaffung, schmutzige Soziologie (zu schnell verallgemeinern)
  • Meist wird am Einzelfall dikutiert, auch in Journalistenausbildung

 

Steuerungsinstanzen einer Medienethik

Individualethik

  • Moralische Verhaltensregeln für den einzelnen Journalisten
  • idealisierte Menschenkonzeption mit feststehenden ethischen Werten
  • ist empirisch nicht vorfindbar
  •  bedeutet Idealisierung der Berufswirklichkeit (auch in Pressekodizes)
  • kann nur Auseinandersetzung mit Soll-Sein bedeuten, wenn Ist-Sein verbessert werden soll
  •  vernachlässigt, dass sich alle Menschen in unterschiedlichen soz. Systemen bewegen
  •  für journalistische Ethik ungeeignet

 

Professionsethik

–          Ethik = Verhaltensregeln für Berufsalltag

Kritik: Sprachlich aufbereitete Betriebsroutine — keine Ethik

  • alles über die Verhaltensregeln hinausgehende ist schon von Problem der ethischen Divergenz bedroht (d.h. unterschiedliche Ansichten beim jeweiligen Journalisten)
  • Professionsethik heißt also, keine absoluten Charakterwerte zu formulieren

 

Institutionenethik

  • Verleger sehen zuerst ökonomische Interessen, selbst wenn sie hohe ethische Standards haben
  • Verleger wären aber die ersten, die Medienmoral durchsetzen könnten

 

Zur Ökonomie der Presse

Kosten- und Erlösstruktur

  • Klassisches Verständnis: Redaktion als Kostenfaktor, der die Anzeigen an den Mann bringt
  • Salz (Nachrichten) macht Durst auf Bier, für das man bezahlen muss
  • in Deutschland: zwei Drittel der Erlöse aus Anzeigen, ein Drittel aus Verkauf
  • Papierkosten höher als Vertriebserlöse (deshalb hier besonders Bemühungen um Rationalisierung)
  • Konjunkturabhängigkeit des redaktionellen Umfangs (weniger Werbung, weniger Text)
  • Redaktion zweitgrößter Kostenfaktor (20%) – hier wird bei nachlassenden Erlösen zuerst gespart
  • Vertrieb (20%) — Anzeigen (13%) —- Verwaltung (8%)
  • Großkonzerne mit mehreren Produktionseinheiten unter einem Dach sind privelegiert (Rationalisierung)

Anzeigen – Auflagen – Spirale

  • Kosten nehmen mit höherer Auflager nur unterproportional zu, da größter Teil Fixkosten
  • Aber mehr Einnahmen, dadurch Investition in bessere redaktionelle Arbeit
  • Außerdem sinken Kosten für Anzeigenkunden pro Kontakt, dadurch mehr Werbekunden
  • Das befördert Pressekonzentration

 

Wettbewerb, Marktzutritt, und Subventionsmodelle

  • seit über dreißig Jahren nur sechs Neuzutritte auf dem Markt
  • faktisch keine Neuzutritte möglich
  • Doppelter Markt: Publizistischer und Werbemarkt
  • Hier haben Erstanbieter uneinholbaren Vorsprung
  • Schweden:
    Subventionen für nachrangige Zeitungen, um publ. Vielfalt zu gewährleisten
    Auffassung: Qualität und Profit gehen nicht überein
    Sozialverantwortungsmodell, Reaktion auf Zeitungssterben
  • Frankreich:
    Subventionen für Zeitungen mit weniger als 30% Anzeigenerlös o. weniger als 200T Auflage
    Anzeigenmonopol: Staat vergibt großen Teil der Anzeigen über Agentur
    Strukturpolitik: Staat besitzt Großbanken und nimmt Einfluss auf Bildung von Zeitungsgruppen
    wäre in Nordamerika mit Liberalismusmodell nicht denkbar

 

Die Ökonomie des Rundfunks

  • durch duales Rundfunksystem Konkurrenz von Medienrecht (Binnenpluralität) und Wettbewerbsrecht
  • Grundversorgungsanspruch (BVG) bedeutet, dass:
    Sich die ÖR nicht dem wirtsch. Wettbewerb mit den Privaten aussetzen müssen, nur dem publizistischen
    Die Privaten untereinander aber im publ. und wirtsch. Wettbewerb stehen
    Die Privaten auf dem Werbemarkt besser dastehen (weniger Vorgaben)
    Die ÖR weiter und immer mehr auf Gebühren angewiesen sind durch sinkende Werbeeinnahmen
  • Konkurrenz zw. Marktmodell und ÖR – Modell (Ziel ist Vielfalt)
  • Frage: Wieviel Werbung, wieviel Gebühren, wieviel Grundversorgung?
  • Programmauftrag der ÖR: unterrichten, unterhalten und bilden
  • Deutsches ÖR – Mediensystem ist international führend (Größe, Professionalität, Ausstattung)
  • Werberelation Fernsehen 1997: ÖR – 870 Millionen; PrR – 10 Milliarden = 1:100!
  • Kosten ÖR 1996: 12 Milliarden (ein Drittel für Mitarbeiter)
  • Werbung im ÖR. Täglich 20 Minuten vor 20 Uhr, danach nur noch Sponsoring
  • Bestandsgarantie (BVG) heißt: Ausweitung der Gebühren und der Werbezeiten legitimiert
  • Herausforderung: „Neue Rundfunkökonomie“

 

Die Perspektive: Kommerzialisierung und Internationalisierung

Kommerzialsierung

  • „Informationsgesellschaft“
  • Privatisierung des Rundfunks, Werbung, internationale Medienmultis

Kriterien zur Abschätzung und Beurteilung: (Dennis McQuail)

  1. Vielfalt (Zutrittschancen, Angebotsbreite, Verfügbarkeit für alle, Meinungsvielfalt)
  2. Qualität (Kulturelle Standards, Originalität, Kulturelle Authentizität, Objektivität)
  3. Soziale Beziehung zwischen Sender und Empfänger ( Abwesenheit von Manipulation, Gleichgewichtigkeit)
  4. Freiheit und Unabhängigkeit (vom Staat, Innere Freiheit)

Internationalisierung

  • übt kommerziellen Druck aus
  • im Geiste des Liberalismus-Modells
  • (Satelliten), pol. (Deregulation) und ökon. (EU-Markt)
  • Entwicklungen marginalisieren nationale Grenzen
  • Forderung nach internationales Presserecht (Europa)

 

Gruppenstrukturen und Redaktionsverfassungen

  • in größeren Medienunternehmen herrscht hierarchisches Prinzip vor, größere Rollendifferenzierung
  • Chefredakteursverfassung: klar geregelte Zuständigkeiten mit raschen Entscheidungen
  • Befürworter sagen, das sei notwendig aufgrund des Zeitdrucks
  • Kollegialverfassung: taz (ohne Ressortaufteilung aber mit Chefredakteur) und partiell die FAZ (mit Herausgebern und ohne Chefredakteur)
  • Vorteil sei: bestmöglicher Ausgleich der innerredaktionellen Gegensätze
  • Nachteil: zeitraubend im Wettbewerb, mit Notwendigkeit von schnellen Entscheidungen nicht konkurrenzfähig
  • in meisten Redaktionen gibt es heute Mischform: Chefredakteur, auf unterer Ebene aber kollegiale Entscheidungen (dezentral – kollegiales Entscheidungshandeln)
  • alle Entscheidungsträger verfügen über relevante Informationen und haben auch Entscheidungsfreiraum
  • von Vorgesetztenrechten wird nur sparsam Gebrauch gemacht

 

Rollen-, Entscheidungs- und Produktionsmuster

Rolle des Chefredakteurs

  • Anleitung und Überwachung der redaktionellen Arbeit
  • Prägung des „journalistischen Gesichts“ der Zeitung
  • Vertretung der Redaktion gegenüber anderen Teilen des Unternehmens
  • Vertretung der Redaktion und des Unternehmens gegenüber der Öffentlichkeit
  • Ressortleiter: Führung, Koordinierung und Kontrolle des Ressorts

ÖR: Leitung durch Intendanten; Abteilungsleiter bzw. Chefredakteure

  • je höher die Position, desto weniger journalistisch die Aufgabe und die Orientierung an politischer Richtung der Führung

Institutionelle Zwänge für Rollenmuster:

  • Zwang, journ. Produkt zu liefern, beeinflusst Sorgfalt bei der Nachrichtenselektion
  • Zeitdruck und Platzmangel sind stärker als journ. Ziele
  • Viele Redaktionsmitglieder sind nur Durchlaufstationen, eigene Wertvorstellungen irrelevant
  • Organisationsmuster und Rollenerwartungen beeinflussen Einstellungen des Journalismus und so die Medien
  • In Europa ist die redaktionelle Arbeitsteilung noch unterentwickelt, kommt aber (CvD, Chefreporter)

 

Die Redaktion als organisiertes soziales System

Ansätze der Redaktionsforschung

  • Der normativ-praktizistische Ansatz: Die Redaktion als abgeschlossenes geistiges Zentrum, das wie ein Organismus als Ganzes funktioniert. Ohne Interaktion mit der Umwelt, nur innerhalb der Redaktion.
  • Der materialistische Ansatz: Journ. publiziert nicht, er produziert Text, um ihn zu verkaufen. Er wird deshalb bestimmt von den Spielräumen in seiner Redaktion.

Der systemtheoretische Ansatz

  • Untersucht das menschliche Verhalten in der Gruppe
  • Gesellschaft besteht aus sozialen Gruppen, die ihren Fortbestand sichern wollen
  • Status als Journalist bedeutet bestimmtes Rollenverständnis – so verhält sich der Journalist dann auch
  • Redaktionen vermitteln also nicht Informationen, sondern konstruiert Wirklichkeit
  • Redaktionen sind aber selber Subsysteme, es entsteht Selbstreferenz

 

Redaktionelles Entscheidungshandeln

  • Rolleneinhaltung ist elementar zum Eintritt und Verbleiben in einer Redaktion (Mitgliederselektion)
  • Zustimmung zu Redaktionszwecken und Anerkennung der Entscheidungsrechte der Chefredaktion
  • Rolle ist Grundlage für Entscheidungen (Sammlung, Auswahl, und Verarbeitung von Material)

Zwei Routinen:

  • Konditionalprogramm (wenn – dann)
  • Routineverhalten bei bestimmten Situation (bei Platzmangel weglassen der Rezension)
  • Zweckprogramm (mögliche Folgen von redaktionellen Handeln)
  • Intellektuelles Blatt macht Leitartikel, das andere exklusive, teure Nachrichten

 

Redaktionelles Handeln als Gatekeeping

  • auf allen Hierarchien findet Gatekeeping (Schleusenwärtern) statt, auf Grundlage subjektiver Entscheidungen
  • Theorie entstand in 40ern
  • Mechanische Zwänge sind für Redakteure wichtiger als Bedeutung der Nachricht selbst
  • Die Werte des Chefs werden verinnerlicht
  • Die Reporter nehmen Nachrichtenpolitik als Teil der bürokratischen Struktur hin
  • Der Nachrichtenredakteur hat nur vage Vorstellungen vom Publikum
  • Gatekeeper-Forschung untersuchte im Lauf der Zeit Institutionen statt Personen
  • Strukturelle Abhängigkeit der Redakteure und deren Handeln
  • Dazu gehören neben Verlag auch Agenturen, Presseämter etc.
  • Kybernetisches Modell: Redakteure in Organisationssystem eingebunden, das sich über ständigen Kommunikationsfluss selbst reguliert und dafür sorgt, dass sich das Nachrichtenselektionssystem stabilisiert

 

Mechanische Zwänge und strategische Kommunikationsmuster

  • es gibt die strategischen Kommunikationsmuster „Gegenlesen“ und „Redaktionskonferenzen“
  • stellen redaktionelle Kontinuität her und sichern vor Abweichen des Redakteurs von Redaktionslinie

Gegenlesen

Redakteur fühlt sich zwar von Verantwortung entlastet, übersieht dabei aber dysfunktionale Eigenschaften:

  • Lautlos auf Linie trimmen
  • Ständige (Selbst-)Kontrolle
  • Diskussion wird vermieden
  • Kollegen werden zum journalistischen Bezugspunkt, nicht das Publikum
  • findet häufiger bei Politikressort statt

Redaktionskonferenzen

  • nur Anschein demokratischer Entscheidungen, meist entscheidet Chef allein
  • dient oft zur Disziplinierung

 

Merkmale redaktioneller Organisation und Produktion

  • Phase 1: Recherchieren (Themen, Nachrichten, Termine und Bildinfos gesammelt – Veröffentlichungswert)
  • Hier greifen Einzelentscheidungen
  • Phase 2: organisatorische, technische und ökonomische Aspekte im Vordergrund (Prinzip der Präsentation)
  • Redaktionelle Produktion und technische Reproduktion verschmolzen
  • Redaktion im Zentrum eines kybernetischen Modells

medienDie digitale Revolution wird von vielen Medienmachern verschlafen. Anders ist es nicht zu erklären, dass im Corporate Publishing und bei vielen Medien PDFs für mobile Endgeräte zu den ganz heißen Innovationen zählen. Sind sie nämlich nicht. Warum das so ist, beschrieb ich ich im ersten Teil dieser zweiteiligen Serie. Der zweite Teil dreht sich um die Werkzeuge, die Publizisten morgen benützen werden.

Relevanzverlust von InDesign

Egal ob Print oder Digital Publishing: InDesign ist die weltweit meist benutzte professionelle Layout-Software. Das Programm aus dem Hause Adobe hat da ein Alleinstellungsmerkmal und den langjährigen harten Konkurrenten Quark XPress praktisch in die Bedeutungslosigkeit geschickt. Jetzt steht InDesign aber selbst ein kleiner Relevanzverlust bevor. Das liegt daran, dass gerade das Konzept von Magazinen und Zeitungen zu erodieren beginnt. Ich denke, in 50 oder 100 Jahren wird man es eher kurios finden, dass völlig verschiedene Texte gebündelt und dann zeitgleich auf einem Trägermedium publiziert wurden. Diese Veränderung trifft natürlich auch InDesign, wobei das Programm für die Produktion von Büchern, Geschäftsberichten, Studien udgl. immer noch gebraucht werden wird.

Brauchen Medienmacher Programmierkenntnisse?

Solange aber Menschen existieren, wird auch publiziert werden – nur die Art und Weise ändert sich eben. Die mediale Vermittlung im Internet basiert immer mehr auf Programmier- und Auszeichnungssprachen. Brauchen also PR-Profis und Marketer entsprechendes Knowledge? Ich persönlich erlebe die derzeitige Entwicklung recht paradox: Auf der einen Seite gibt es eine fortlaufende berufliche Spezialisierung und mit WYSIWYG-Editoren, wie in WordPress, lässt sich auch hervorragend ohne Programmierkenntnisse publizieren. Auf der anderen Seite glaube ich, dass kleinere Grafik- und Layoutaufgaben immer häufiger an Journalisten, PR-Berater und Marketer ausgelagert werden. Newslettergestaltung in HTML sind da ein gutes Beispiel.

Photoshop rulez

Immer wichtiger wird wohl auch die Bildbearbeitung mit Adobe Photoshop werden. Kenntnisse im Umgang mit dem Bildbearbeitungsprogramm werden irgendwie von jüngeren Berufstätigen vorausgesetzt: Zähne digital bleichen oder Glanz und Falten retuschieren ist ja auch einfach möglich.

Audio + Video

Genauso wird auch Software für Audio- sowie Videoschnitt an Relevanz gewinnen. Im Internet verschmelzen Text, Sound und Video miteinander. Deshalb heißt es auch immer wieder, dass Unternehmen wie Journalisten bald über mehrere Kanäle kommunizieren werden (müssen).

Zusammenfassend bedeutet das: Medienmacher brauchen neues Anwenderwissen. Denn ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass noch sehr lange jemand die Texte schreibt und als Word verschickt, damit sie ein Dritter ins Layout oder auf die Webseite einfügt. Genauso wie ein Grafiker nicht mehr für alle kleinen Arbeiten beauftragt und bezahlt werden kann.