Artikel zu meinem Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien.

Alltägliche Beobachtung

Alltägliches Beobachten dient der Orientierung der Menschen in der Welt. Sie ist eher selektiv und unreflektiert. Das heißt, wir stehen der Welt mit einem gewissen Vormuster gegenüber. Wir beobachten und beurteilen mehr oder weniger unbewusst. Z.B. wenn wir fremde Menschen begegnen: Wie sehen sie aus? Wie verhalten sie sich? Wir beobachten sie und formen uns daraus ein Bild dieses Menschen.

 Wissenschaftliche Beobachtung

Wissenschaftliche Beobachtung versucht natürlich nach objektiven Kriterien vorzugehen. Eine Beobachtung ist dann wissenschaftlich, wenn:

  1. es einem Forschungszweck dient
  2. systematisch geplant
  3. systematisch aufgezeichnet
  4. es wiederholten Kontrollen hinsichtlich der Gültigkeit, Zuverlässigkeit und Genauigkeit unterworfen wird

Exkurs:

Gültigkeit = Validität: Das Messinstrument misst genau das, was es vorgibt zu messen

Zuverlässigkeit = Reliabilität: Das Messinstrument misst unter gleichen Bedingungen, immer wieder das Gleiche

Genauigkeit = Es dürfen sich keine Fehler einschleichen

Doppelcharakter sozialwiss. Beobachtung

Quantitativ orientierte Beobachtung

Quantitative Studien unterscheiden sich von qualitativen in erster Linie durch die wissenschaftstheoretische Grundposition (normativ-ontologische Theorien vs. empirisch-analytische Theorien), den Status von Hypothese sowie dem Methodenverständnis und die Trennung von Entdeckungs- und Begründungszusammenhang und die Theorienprüfung folgen. Soziale Realität wird als objektiv und mittels kontrollierter Methoden erfassbar angesehen. Empirische Forschung soll theoriegeleitete Daten über die soziale Realität sammeln, wobei diese Daten den Kriterien der Reliabilität, der Validität sowie der Repräsentativität und der intersubjektiven Überprüfbarkeit zu genügen haben und in erster Linie der Prüfung der vorangestellten Theorien und Hypothesen dienen. Forscher haben den Status unabhängiger wissenschaftlicher Beobachter, welche die soziale Realität von außen erfassen sollen.

Diese Ansprüche äußern sich in der Entwicklung strukturierter Beobachtungsschemata, und in einer Forschungspraxis, die der Forderung nach intersubjektiver Überprüfbarkeit durch die personelle Trennung von Forscher und Feldarbeiter sowie der Erhebung großer Fallzahlen gerecht zu werden versucht.

Zentraler Kritikpunkt gegen die quantitative Sozialforschung sind der durch die Theorie stark begrenzte Erfahrungsbereich und dass die Beschäftigung mit der Methode den eigentlichen Gegenstand überlagert.

 Die qualitative Beobachtung

Zentral Annnahme in der qualitative Methode, dass soziale Akteure Objekten Bedeutungen zuschreiben, und sich somit nicht starr nach Normen und Regeln verhalten, sondern soziale Situationen interpretieren und so prozeßhaft soziale Wirklichkeit konstituieren.

Forschungsprinzipien sind:

  • Offenheit: Der Untersuchungsgegenstand und nicht vorab entwickelte Theorien und Hypothesen bestimmen die Forschung.
  • Prozesscharakter von Gegenstand und Forschung: Die sozialen Akteure schaffen Wirklichkeit, indem sie diese dauernd interpretieren und neu aushandeln.
  • Reflexivität: Es werden keine vorab aus der Theorie abgeleiteten Hypothesen geprüft, sondern im laufenden Forschungsprozess generiert, modifiziert und verallgemeinert.
  • Problemorientierung: Die Formulierung und Auswahl der Forschungsfrage resultiert aus dem vom Forscher wahrgenommenen gesellschaftlichen Problemen.

Für qualitativ teilnehmende Beobachtungsstudien bedeutet dies den Verzicht auf vorab konstruierte Beobachtungsschemata, standardisierte Verfahrensweisen und –regeln und die Teilnahme der Forscher in dem natürlichen Lebensumfeld der Untersuchten.

 Beobachtungsfeld

Der Bereich, in dem eine Beobachtung stattfinden soll, bezeichnet man als Beobachtungsfeld. Es handelt sich dabei nicht nur um das räumliche Umfeld, sondern auch um den soziale Bereich, den Zeitpunkt und die Rahmenbedingungen der Untersuchung.

 Formen der Beobachtung

Die folgende Aufzählung und Beschreibung der verschiedenen Beobachtungsformen soll einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten, die die wissenschaftliche Beobachtung bietet, geben.

Feld- vs. Laborbeobachtung

Beobachtungen in natürlichen sozialen Situationen werden als Feldbeobachtungen und Beobachtungen in künstlich/experimentell erzeugten Situationen als Laborbeobachtung bezeichnet. Bei der Laborbeobachtung stellt sich die Frage, ob die so erhaltenen Ergebnisse Aussagen über das entsprechende Verhalten sich auf die Realität übertragen lassen. Bestimmte Situationen können jedoch kontrolliert nicht hervorgerufen werden.

Vorteile der Laborbeobachtung sind allerdings die leichtere Wiederholbarkeit im Vergleich zur Feldbeobachtung und somit eine leichtere Überprüfbarkeit, und es kann gezielter, genauer und kontrollierter beobachtet werden.

 Teilnehmende vs. nicht-teilnehmende Beobachtung

Bei der teilnehmenden bzw. nicht-teilnehmenden Beobachtung unterscheidet man, ob der Wissenschaftler selbst ein Teil der zu beobachtenden Situation ist oder die Verhaltensabläufe als Unbeteiligter beobachtet. Die nicht-teilnehmende Beobachtung zeichnet sich dadurch aus, dass der Beobachter von außen, ablaufenden sozialen Ereignisse registriert.
Die teilnehmende Beobachtung ist dadurch charakterisiert, dass der Beobachter selbst eine im Beobachtungsfeld definierte Rolle übernimmt und sich den anderen Handelnden dieser Rolle entsprechend verhält, ohne von ihnen als Beobachter mit einem wissenschaftlichen Interesse erkannt zu werden.

Hoher vs. geringer Partizipationsgrad

Nimmt der Forscher bei der Beobachtung eine soziale Rolle ein, kann diese entweder aktiv oder passiv sein. Aktiv ist sie, wenn der Forscher bestimmte Situationen provoziert oder herbeiführt. Hierbei spricht man von einem hohen Partizipationsgrad bzw. von einer aktiv-teilnehmenden Beobachtung.
Im Gegensatz dazu kann der Forscher aber auch eine passive Rolle einnehmen, so z.B. als Mitglied der Gruppe. Beobachtet er nur den Verlauf der Dinge und nimmt selbst keinen Einfluss auf das Geschehen, so ist sein Partizipationsgrad niedrig bzw. es liegt eine passiv-teilnehmende Beobachtung vor.

Strukturierte vs. unstrukturierte Beobachtung

Strukturierte und unstrukturierte Beobachtungen unterscheiden sich in dem Grad ihrer Differenziertheit. Dabei beachtet der Forscher bei der unstrukturierten Beobachtung relativ grobe Kategorien sozialen Verhaltens. Je differenzierter diese Kategorien werden, desto strukturierter wird die Beobachtung.

 Offene vs. verdeckte Beobachtung

Bei der offenen Beobachtung ist dem Beobachteten bewusst, dass ein Wissenschaftler anwesend ist, der ihn in der vorliegenden Situation beobachtet. Für den Forscher bedeutet dies, dass er sich freier und offener im Feld bewegen kann, im Gegensatz zur verdeckten Beobachtung. Verzerrungen und Probleme können auftreten, wenn sich der Beobachtete in dieser ungewohnten Situation anders verhält, als es normalerweise der Fall wäre.

Bei der verdeckten Beobachtung weiß keiner der Beobachteten, das sich in Forscher in Gruppe befindet. Dadurch soll erreicht werden, dass sie sich so natürlich und ungestört wie möglich fühlen.

Die Vorlesung STEP 2 aus Publizistik- und Kommunikationswissenschaft beschäftigt sich mit der Geschichte der Beziehungen zwischen Medien, Politik und Kultur.

 

Sprache als Machtmittel

Sprache diente:

  • der Orientierung und wurde auch für die Arbeitsteilung entwickelt (für Ökonomie und daher für die Existenzsicherung),
  • dem Miteinander und Füreinander,
  • und als differenziertes Instrument der Ausprägung von Herrschaftsstrukturen.

Ab 30 Personen (Gruppe = Horde) sind nonverbale Mittel (Tanz, Gestik, Mimik) nicht mehr differenziert genug. Durch die Sprache konnten gesellschaftsbildende und –bindende Riten, Gesetze und Tabus tradiert werden. Daraus entstand ein Machtmittel für diejenigen, die die Sprache besser beherrschten, oder die, die Sprache nützten um ihre hohe Position zu sichern. (z.B.: Priestergesellschaften: Jene Personen die angaben Kontakt zu den Göttern zu haben.)

Schrift

Die Schrift entstand aus ökonomischen Gründen. Erste Schriftstücke waren Verträge. Kommunikation wurde damit unabhängig von Raum und Zeit. Durch die Schrift können Informationen konserviert, transportiert und reproduziert werden. Schriftliche Bestimmungen, Vorstellungen oder Gedanken waren in den Hochkulturen nicht frei zugänglich. Für Verwaltung und Verwahrung waren Tempel auserkoren. Erst die Griechen verlagerten die Verwahrung in profane Gebäude, also Bibliotheken. Aber ihre Benützung war Gelehrten, Studierenden und Beamten vorbehalten. In Alexandria befand sich die größte Bibliothek des Altertums. 44 v. Chr. wurde sie von Julius Cäsar zerstört. Die eingeschränkte Benutzung zog sich bis in die Neuzeit hinein. Erst im 18. Jahrhundert vollzog sich eine Öffnung der Fürstenbibliotheken für das Bürgertum.Volksbüchereien entstanden im 19. Jahrhundert.

Zeitungen

Die ersten (periodischen) Zeitungen entstanden Mitte des 17. Jhd. 1609 in Straßburg und Wolfenbüttel mit „Relation“ und „Aviso“. Bei periodischen Zeitungen galt mehr das spezifische Interesse der weltlichen wie geistlichen Obrigkeit. Man konnte so besser Befehle und Verordnungen kommunizieren. Aber als Konsequenz forderten Mitte des 18. Jahrhunderts die Leser Mitwisserschaft an politischen Entscheidungen. Der erste Bericht über Neuartiges in einer Zeitung entstand bei der Entdeckung von Brasilien. Zeitungen berichteten überwiegend nur von Katastrophen, Mord, Missgeburten, Kämpfe gegen Türken, Blut- und Kornregen und ähnliches. Mit Aufkommen der Zeitungen wurde auch eine Zensur entwickelt. Nur mit einem „privilegium impressorum“ durften Verleger drucken. Vorteil für den Herrscher: Er hatte die volle Kontrolle und konnte Zensur üben. Doch auch der Verleger hatte dadurch einen Vorteil: Er konnte sicher sein, dass nur er seine Bücher drucken und verkaufen durfte, denn nur er bekam hierfür die Rechte vom Herrscher zugesprochen. Durch den Buchdruck (1455, Gutenberg) kam es zu einer gewissen Alphabetisierung. Kaffeehäuser boten Zeitungen an, die damals noch sehr teuer waren (ca. zur Zeit der 2. Türkenbelagerung, also 1683). In den Kaffehäusern trafen sich Menschen aus allen Schichten. Berichte darüber sind vom Augustinermönch Abraham a St. Klara erhalten. Maria Theresia (18. Jhd.) beeinflusste erstmals die Medien. Die Ministerien wurden angewiesen, wöchentlich eine Zusammenstellung der relevanten Informationen auszusenden. Frankreich war der Erbfeind der Habsburger. Nach der Revolution (1789) wurde Post aus Frankreich kontrolliert und zensiert. Man versuchte die Zensur durch Beziehungen zur franz. Botschaft zu umgehen, oder man zerschnitt Zeitungen in Frankreich und setzte sie nach dem Versand in Österreich wieder zusammen. Daher wurde in Österreich auch die franz. Botschaftspost abgefangen. Als Gegenmaßnahmen begannen Botschaften die Post zu chiffrieren. Nach Maria Theresia übernahm Joseph II. die Herrschaft. Er galt als „Volkskaiser“, aufgrund von Reformen wie dem Toleranzpatent, welches garantierte, dass alle Religionen frei ausgeübt werden durften. (Erst 1851 wurde aber die wirklich freie Religionsausübung ermöglicht.) Durch das Toleranzpatent wurde der Handel mit Juden erleichtert.

Zeitungen in Österreich:

Durch das Druckprivileg (privilegium impressorum) konnte sich im 18. Jahrhundert das „Wienerische Diarium“ eine Monopolstellung sichern. Nur sie durfte in deutscher Sprache erscheinen. Daneben gab es noch eine franz. Zeitung und eine in lateinisch, da Latein vor allem in Ungarn verwendet wurde. 1783 etablierte sich in deutsch auch das „Wiener Blättchen“. Es hatte nur wenige Seiten Umfang und berichtete über Lokales, Gedichte und das Wetter. Mit Aufkommen immer weitere Zeitungen wurde ein Stempelsteuer eingeführt. Jedes einzelne Exemplar einer Zeitung musste vorgelegt und abgestempelt werden. Für den Großteil der Zeitungen war das ökonomisch nicht verkraftbar – es setzte ein Massensterben von Zeitungen ein.  1795 wurde dann das Kriminalgesetz erlassen. Kritik am System konnte damit mit Kerker zwischen 5-10 Jahren bestraft werden. Damit glaubte die Obrigkeit die Ideale der Französischen Revolution erfolgreich verhindern zu können.

Revolution 13. März 1848

Die Revolution begann wieder in Frankreich. Der König musste abdanken, die Republik wurde ausgerufen und das Recht auf Arbeit festgeschrieben. Die Kunde der Revolution wurde verbreitet und brach nun auch im Rest Europas aus. Es wurde eine Versammlung im Ständehaus in Wien gestürmt und die Politiker rausgeschmissen. Das Militär begann zu schießen, es kam zu weiteren Ausschreitungen. Schließlich wurde das Zeughaus von den Aufständigen gestürmt um Waffen zu besorgen. Kaiser Ferdinand I. musste Wien verlassen. Dadurch gab es große finanzielle Einbußen von Betrieben die den k.u.k.-Hof belieferten. Fast sechs Monate dauerten diese Zustände an. In dieser Zeit war Presse- und Meinungsfreiheit gegeben. Viele Zeitungen wurden gegründet, z.B. „Die Constitution“, die sich gegen Säbel, Talar und Krone richtete und eine Verfassung einforderte. Herausgeber war Leopold Häfner. Er wollte eine Republik installieren und galt daher als ultraradikal links, ebenso der „Studenten-Curier“ und „Der Radikale“. Im Oktober des selben Jahres eroberten kaiserliche Truppen Wien zurück und die Zensur wurde wieder eingeführt. Trotzdem, bis 1867 wurden eingeführt: Die Staatsgrundgesetze (Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Lernfreiheit, Versammlungsrecht) und Amnestie für kritische Journalisten wurde erreicht. Es kam zu Gründungen von Arbeitervereinen und diese produzierten Wochenzeitungen wie etwa „Volkswille“, „Volksstimme“, „Gleichheit“. Ebenfalls 1848 entwickelte sich ein neuer Typ von Zeitung: Die Boulevard-Presse. Der Name stammt von der Art wie sie verkauft wurde und zwar auf der Straße. Damit Leute schnell ihre Aufmerksamkeit auf sie richten und sie kaufen, wurde sie reißerisch aufgemacht. Daneben etablierte sich die Kommerz-Presse.

Zur Geschichte von „Die Presse“, „Kronen Zeitung“, „Arbeiterzeitung“

„Die Presse“ wurde von August Zang gegründet. Sein großes Vorbild war „La Presse“ in Frankreich. Er baute das Inseratengeschäft in seiner Zeitung groß auf und konnte so Abonnements bzw. Einzelverkaufspreise niedriger anbieten. Er verfügte als Erster über die „Schnellpresse“, führte das drucktechnische Verfahren der „Stereotypie“ ein und war ebenfalls der Erste, der die Zeitungsproduktion durch Zusammenlegung von Redaktion, Administration und Druckerei optimierte. Da er durch einen teilweisen Verkauf mit der CA (Bank: Credit-Anstalt) viel Geld einnahm, es aber zu keiner besseren Entlohnung der Redaktion kam, kam es 1864 zur Redaktionsspaltung. Die „Neue Freie Presse“ wurde das wichtigste Blatt der Monarchie für Intellektuelle und Großbürgerliche. Durch Zusammenbruch der Monarchie verlor die NFP aber an Abonnementen. Die Kronen Zeitung wurde im Jahre 1900 gegründet. Sie konnte billig verkauft werden, da es ab 1899 keine Stempelsteuer mehr gab. Wichtig war die einfache Sprache. Es kam zu Rekordergebnisse und sie wurde die Zeitung mit der höchsten Auflage, gefolgt von „Die Neue Freie Presse“ und der „Reichspost“. Wichtig für den Erfolg der Kronen-Zeitung war auch die Berichterstattung über die Ermordung des serbischen Königpaares. Man schickte ein eigenes Redaktionsteam nach Belgrad und hatte so die neuesten Nachrichten über die Ermordung. Ebenfalls von Anfang dabei und sehr beliebt waren Fortsetzungsromane. Gewinnspiele. Adabei. Die Arbeiterzeitung war Nachfolgerin der Gleichheit (gegründet von Viktor Adler) und war Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei. Nachdem sie nicht mehr von der Partei finanziert und in den 1980er privatisiert wurde, wurde die Arbeiterzeitung 1990 endgültig eingestellt. In der AZ brachte Viktor Adler die dreiteilige Reportage über die Wienerberger Ziegelwerke. Er übernahm die Rolle eines Arbeiters und deckte die humanen Missstände in der Firma auf.

Das kommunikationswissenschaftliche Institut in Wien

vormals Institut für Zeitungswissenschaft. Gegründet 1938. Die Studienrichtung war eine Führerwissenschaft und als Initiator gilt Goebbels. 1945 wurde das Institut in Wien geschlossen. Es durfte nur unter der Auflage wiedereröffnet werden, dass es sich nicht mehr mit tagespolitischen Themen befasse.

Kommunikationsgeschichte während der NS-Zeit

1938 kommt es zur revolutionären Inbesitznahme von Zeitungsredaktionen durch die Nazis. Die inhaltliche Gestaltung wurde über Nacht verändert. (Gleichschaltungsprozess) Chefredakteure heißen nun Hauptschriftleiter und es wurden kommissarische Verlagsleiter eingesetzt. Diese Posten waren nun gut bezahlt und prestigeträchtig. Trotzdem wurden anfangs nur wenige Zeitungen verboten. Goebbels wollte viele Zeitungen: „Die Presse möge monoform im Willen und polyform in der Ausgestaltung werden.“ Medien waren nicht mehr Vermittler oder Kritiker, sondern Gehilfen des Regimes. Die NSDAP setzte sich beim Schriftleitergesetz durch. Mitte Juni 1938 wird dieses Gesetz in Österreich eingeführt. Der Berufstitel Schriftleiter (Journalist) ist nun geschützt, nur Mitglieder der Reichspressekammer (Chef: Propagandaminister Goebbels) dürfen in tragen. Bedingungen für die Aufnahme in der Reichspressekammer: politische Zuverlässigkeit (nationalsozialistische Gesinnung), arische Abstammung (siehe Arierparagraph), entsprechende Ausbildung (Schriftleiterprüfung bzw. Reichspresseschule). Die Strategie der NSDAP war es, den Zugang zum Journalismus zu kontrollieren und Journalisten zu überprüfen. Es folgte die Verstaatlichung von Zeitungen. Siehe Kautio-Treuhandgesellschaft von Max Amann (Präsident der Reichspressekammer) Er erreichte bei Hitler ein Subventionsverbot, dadurch wurde es leichter für die Nazis Zeitungen zu kaufen und zu verstaatlichen. So wurde innerhalb eines Jahres nur mehr 1 von 22 Zeitungen privat geführt und es existierten nur mehr die Hälfte der Tageszeitungen die es vorher gab.  Inhaltliche Presselenkung durch Reichspressekonferenz und Presseanweisungen. Anweisungen der Reichspressekonferenz wurden auch schriftl. an Provinzzeitungen weitergesandt. Man schuf bewusst Mitwisserschaft. Außerdem erließ Max Amann, dass keine Neugründung mehr in der Ostmark erlaubt sei, Zeitungen aus Deutschland ihre Vertriebsambitionen einzustellen haben und Zeitungen durften nicht mehr als Aktiengesellschaften geführt werden. Außerdem wurden konfessionelle Zeitungen verboten und Verleger mussten politisch zuverlässig und arisch sein. Arisierung aller wirtschaftlichen Bereiche, dadurch wurden Juden gezwungen billig zu verkaufen. 1942 besaß die NSDAP durch diese Maßnahmen bereits 82% der Gesamtauflage an Tageszeitungen.

Nebenstrategie der NSDAP:

Medien sollten möglichst glaubwürdig wirken. Keine Vermischung von Kommerz und redaktionellen Bereich. (strenge Trennungsregeln) Kuriose, seltsame, erfundene Geschichten wurden verboten. Ebenso striktes Verbot von Plagiaten. Z.B. Lokalressortleiter Schödel des Völkischen Beobachters. War arbeitsmäßig überlastet, es erscheint eine Weihnachtsgeschichte – nur zum Teil vom Lokalressortleiter, wurde angezeigt, weil jüdischen Journalisten Alfred Holgart plagiiert. Wird bestraft und verliert die NSDAP-Mitgliedschaft. Arbeitete in den 60er-Jahre wieder als Journalist. Endziel der Presse galt der Propaganda.

Asylzeitungen

Im Exil werden eigene Kommunikationsmittel geschaffen, weil die Medien der Asylländer den Vertriebenen nicht ausreichten. Asylanten wollten detaillierte Informationen über ihr Heimatland. Diese Asylzeitungen hatten auch eine politische Orientierungsfunktion. Die Asylzeitungen wurden ehrenamtlich geführt. In den 30er-Jahren wurden über 140 verschiedene Zeitungen von Exilösterreichern gegründet. Einig waren sich diese Exilzeitschriften aber nur über die Ablehnung gegenüber des Nationalsozialismus.

Junge 2. Republik

Nach 1945 haben die Eigentümerverhältnisse der Print-Medien zum Prozess des „Journalismus muss dem Staat dienen“ geführt. Berichterstattung zu der Politik ist in den ersten 20 Jahren hoch affirmativ, also wenig Kritik leistend. Mehr als die Hälfte der Auflagen von Zeitungen sind Parteizeitungen. In den 60er-Jahren werden Parteizeitungen durch die Boulevardpresse verdrängt. 1959 wird die Kronen Zeitung wieder gegründet. Ein Proporzsystem zwischen ÖVP und SPÖ entsteht in den Medien. Das Fernsehen kommt dabei mehrheitlich in die Hände der SPÖ, durch medienpolitisches Versagen der ÖVP. Anfang 60er-Jahre hatten die Medien ein Volksbegehren injiziert wegen dem übermaßenden Proporz im Rundfunk. In diesem Zuge verspricht die ÖVP dieses Volksbegehren umzusetzen und gewinnt damit die Wahl. Zeitungsmacher werden in führenden Positionen im Rundfunk eingesetzt.

Neuordnung des Rundfunks 1967:

Der Rundfunk bekommt mehr Ressourcen und das Fernsehen wird ausgebaut. Radio wird neu strukturiert. Ö3 und Ö1 entstehen, ebenso wie das Bundesländerradio. Diese Neuordnung bringt Entlastung des politischen Druckes. Die Aufmerksamkeit geht in Richtung Fernsehen. Die Entwicklung des Fernsehen bringt Tageszeitungen in Gefahr, vor allem im Bereich des Anzeigenmarktes. Neue großen Druckerei werden gebaut um Farben im Druck einzubringen. Die deutsche Presse hat gefüllte Kassen für Investitionen und kaufen sich bei Kurier und Kronen Zeitungen ein. Es kommt zur Zuspitzung von Konzentrationsprozesse und Verschränkungen von Konkurrenten. Überlegungen zur Elephantenhochzeit: Kronen Zeitung + Kurier. Erst in den 70er-Jahre entsteht „profil“. Mitte der 80er-Jahre entwickeln sich dann weitere eigene österreichische Magazine. Entwicklungen haben ihren Anfang aus einem „staatstragenden“ (Partei-)Trümmerjournalismus. Herausgeber-Präsident der Zeitungen war in den 60er-Jahren zugleich Innenminister.

Viele Blogger tappen bei den gesetzlichen Regelungen im Dunkeln. Welche Bilder darf ich veröffentlichen? Wie weit darf ich mit meiner Meinung gehen? Und was sind mögliche Rechtsfolgen? Genau diese Fragen habe ich in 2010 in einer Bakkalaureatsarbeit für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft beantwortet. Das Dokument steht jetzt adaptiert und gekürzt zum Download bereit. Besonders schwer tun sich Blogger oft mit dem Urheberrecht. Ich möchte aus meiner Arbeit auf zwei wichtige Relegungen eingehen, die den Bloggeralltag doch sehr erleichtern.

Fremde Inhalte ausschnittsweise widergeben

Abgesehen von Creative Commens, sind alle fremden Inhalte ohne Genehmigung tabu. Eine ganz kleine Ausnahme bildet das Zitatrecht, § 46 UrhG (Z1). Demnach dürfen einzelne Stellen eines „veröffentlichten Sprachwerkes“ angeführt werden, wenn es dem Zweck nach gerechtfertigt ist. Diese Ausnahmeregelung wurde von der Rechtssprechung analog auch für Bildzitate als zulässig anerkannt. Es dürfen also Zeitungsausschnitte, wie etwa Kobuk es macht, zur Verfügung gestellt werden. Dieses Recht ist übrigens auch nicht in Stein gemeißelt. Derzeit machen sich österreichische Verlage für ein Leistungsschutzrecht stark, dann könnte auch diese Ausnahmeregelung fallen.

Der Bildnisschutz

Darf ich irgendwelche Personen ohne deren Erlaubnis auf der Straße fotografieren und dann auf meinem Blog hochladen? Schwierige Frage, auf die es leider nur ein Jein als Antwort gibt. § 78 UrhG regelt nämlich, dass das Abfotografieren schon OK ist, solange nicht berechtigte Interessen der abgebildeten Person verletzt werden. Wann das der Fall ist, ist aber immer Auslegungssache. Bildnisse von „allgemein bekannten Personen“ hingegen, also Promis, sind schwächer geschützt. Fotografieren geht da in Ordnung, solange es nicht zu privat wird.

Fazit: Kleine Ausschnitte aus einem fremden Werk sind dann in Ordnung, wenn sie für die eigenen Publikation unabkömmlich und dem Zweck nach gerechtfertigt sind. Das ist vor allem dann wichtig zu beachten, wenn man ein Buch, eine CD oder Webseite vorstellen möchte. Jetzt noch mehr Infos und Fallbeispiele zum Urheberrecht lesen.

Ich habe gerne Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert. Im Studium habe ich viel Philosophisches mitgenommen, mit Studienkollegen lang und breit über unser Mediensystem diskutiert und irgendwie vermisse ich sogar den Nervenkitzel vor einer schweren Prüfung. Intensiv habe ich mit Medienrecht beschäftigt und ich glaube, da habe ich auch einiges mitgenommen. Was aber gerade im Berufsalltag als PR-Berater  auffällt: Dem Studium mangelt es an konkretem Anwenderwissen. Es gibt vor allem drei ganz wichtige praktische Kompetenzen, die Publizistik vergaß uns Studenten zu lehren. Der Titel ist übrigens entleht von Wolf Schneider und das bringt mich gleich zur ersten geforderten Kompetenz:

Nr. 1: Bringt uns Schreiben bei!

In Österreich gibt es ungelogen viele Menschen, die aus beruflichen Gründen schreiben. Damit meine ich nicht nur Journalisten und PR-Leute sondern auch Jungunternehmer die einen Businessplan erstellen, Behörden die einen Bescheid ausstellen, oder eben auch Wissenschaftler, die einen Fachartikel publizieren. Schreiben ist eine Fähigkeit, die gelernt werden muss. Im Idealfall steht in jedem Studium ein Schreibtraining im Curriculum. Rechtswissenschaft würde zum Beispiel enorm davon profitieren, dann müssten wir vielleicht auch weniger grässliches Juristendeutsch lesen. Mehr als alle anderen Studenten, müssen aber Publizisten klar verständliche und gute Texte schreiben können. In Ansätzen gibt es im Studium auch ein Schreibtraining. Ich habe auf der Uni gelernt, was eine umgekehrte Pyramide ist und wie genau ich ein Porträt oder eine Reportage schreibe. Ich erinnere mich auch gerne an eine praktische Übung bei Katrin Burgstaller zurück, heute stellvertretende Ressortleiterin Inland beim Standard. Sie hat immer unsere Berichte durchgelesen und anschließend gezeigt was fehlt oder besser formuliert gehört. Dieses Feedback war ganz wichtig, denn ohne dem lässt sich der eigene Schreibstil nicht weiterentwickeln. Wertvolles Feedback zum Schreibstil habe ich auch bei Helge Fahrnberger erhalten. In seiner Lehrveranstaltung haben wir beim mittlerweile sehr bekannten Medienblog Kobuk.at mitgeschrieben.
Abgesehen von diesen zwei Positivbeispiele, gab es aber in Summe aber einfach zu wenig Schreibtraining an der Uni. Gutes Schreiben ist intellektuell anspruchsvoll und muss laufend geübt werden. Im Idealfall gleich über die gesamte dreijährige Studienzeit im Bakkalaureat! Solche Trainings sollten übrigens auch manche Professoren, Assistenten und Post-Docs besuchen. In vielen, an sich tollen, wissenschaftlichen Aufsätze werden völlig unnötig drei oder vier Gedanken in einen einzigen Satz gepresst und elendslange Substantivketten gebildet. Folge daraus: Die Leser müssen die Sätze erst einmal enträtseln, bevor sie das Geschriebene verstehen können.

Nr. 2: Data counts, Baby

Ich habe nie verstanden, warum Statistik in Publizistik- und Kommunikationswissenschaft so ein Schattendasein fristet. Jetzt wird allerorts von Data Journalism, Big Data und der Quantifizierung aller Lebenswelten gesprochen und dann lernen die Publizistikstudenten nur wenig über statistische Anwendungen. Freilich, ein bisschen SPSS haben wir gelernt und mit welcher Skala welche Rechenoperationen möglich sind. Im Detail habe ich mir aber selbst mit Praxisbüchern und Onlineforen helfen müssen. Datenanalyse ist aber ein Kernelement jedes sozialwissenschaftlichen Studiums und immerhin würden sich auch neue Berufschancen für Publizisten ergeben, etwa in der Marktforschung. Bei Statistik haben wir aber bisher gegen Soziologen oder Geografen kein Leiberl.

Nr. 3: Medientechnik

In Publizistik kann man zwei Praxisfelder völlig frei auswählen. Ich hatte Printjournalismus und Onlinejournalismus gewählt. Bei beiden Felder hätte ich mehr technisches Grundwissen gewünscht: Wie verwende ich Adobe InDesign? Welche Dinge sind vor dem Druck zu beachten? Wie bereite ich journalistische Inhalte optimal online auf? Und wie mache ich einen Blog auf und bearbeite diesen? Solche Dinge kamen viel zu kurz. Als einziges Positivbeispiel fällt mir da die Lehrveranstaltung von Michael Eisenriegler und Peter Adametz ein, bei denen wir ein Blogprojekt zur Bundespräsidentenwahl gestartet haben.

Mein Fazit: Schreibstil, Statistik und Medientechnik sind entscheidende Fähigkeiten und das weiß sicher auch die Studienprogrammleitung am Publizstikinstitut. Dass es hier an Angeboten mangelt, liegt wahrscheinlich auch daran, dass viele Lehrende selbst nicht das nötige Know-how haben. Problematisch ist sicher auch die Masse an Studenten. Denn alle drei Kompetenzen lassen sich nur in Kleinstgruppen und mit einer wirklich intensiven Betreuung erlernen. Deshalb hoffe ich auf ernsthafte Zugangsbeschränkungen zum Studium und generell mehr finanzielle Mittel. Das würde auch zu einer Imageverbesserung des Studiums beitragen und den Berufseinstieg für Publizisten erleichtern.

Die große Quantifizierung unserer Lebenswelt startet. Überall sind Daten vorhanden und mit neuen Tools lassen die sich auch sehr schnell und elegant aufbereiten. Datenjournalismus ist ein geflügeltes Wort geworden und für Redaktionen genauso interessant wie für PR-Tätige. Denn Öffentlichkeitsarbeit muss immer möglichst anschaulich Inhalte transportieren, sowohl in der internen als auch in der externen Kommunikation. Klarerweise lassen sich etwa die hervorragenden Umsatzentwicklungen des Kunden besser mit einer Infografik veranschaulichen als rein mit Text. Journalisten freut es meist auch, gleich ein Bild zu haben und übernehmen dann eher die Meldung. Mitarbeiter schauen sich wiederum im Mitarbeiterblog oder Magazin eher eine Grafik an, als dass sie Texte lesen.

infografic

Infografik erstellt mit infogr.am.

Das mit Abstand coolste und ausgefeilteste Tool ist hier infogr.am. Gesehen habe ich das erstmals bei Dominik Leitner. Spielereien sind damit super einfach möglich. Über Ulrike Langer habe ich das Open Source Tool Datawrapper kennengelernt. Damit lassen sich schnell einfache Grafiken erstellen. Interessant ist dieses deutsche Start-up allemal, wobei die Praxisbeispiele von Datawrapper in der „Chart Gallery“ (noch) wenig ansprechend sind. Hoffentlich tut sich da noch was, ansonsten ist wohl infogr.am immer die erste Wahl. Datawrapper wurde übrigens für das deutsche Bildungswerk der Zeitungen gebaut, das wiederum zum Bundesverband deutscher Zeitungsverleger gehört. Die Voraussetzungen wären also da, einen journalistisch wirklich überzeugenden Workflow und Output zu kreieren. Über Luca Hammer und seinem Blognetz-Projekt bin ich auf Gephi gestoßen. Mit diesem Tool lassen sich Netzwerken und komplexe Systeme visualisieren. Ich weiß zwar noch nicht genau, wie man das außeruniversitär einsetzen kann, aber spannend ist es auf jeden Fall.

Fazit: Am besten gefällt mir infogr.am, spezielle Netzwerkvisualierungen sind mit Gephi möglich und Datawrapper hat ein großes Potential für den Datenjournalismus.

Das Kapital von Karl Marx teilt sich das Schicksal mit vielen großen historischen Schriften: Oft zitiert und wenig gelesen. Das Buch von Marx ist aber auch schwer zu verstehen und heutzutage sind viele Annahmen und Prämissen bereits überholt. Doch in Teilen bleibt es eine spannende theoretische Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus. So auch der Begriff des relativen Mehrwerts, den Marx im vierten Abschnitt von Das Kapital behandelt.

Mehrwerttheorie

Ein grundlegendes Problem für Marx ist, dass ein Arbeitnehmer keinen anderen Wert besitzt als seine Arbeitskraft. Die muss er an den Kapitalisten verkaufen. Nun bezeichnet Marx das Äquivalent von Wert der geleisteten Arbeit zum Lohn als „notwendige Arbeit“ oder „bezahlte Arbeit“. Natürlich will der Kapitalist aber nicht bei Null aussteigen und wird sich nicht für den bezahlten Lohn nur mit einem gleich hohen Gegenwert zufriedengeben. Vielmehr wird er nach Gewinn streben, was Marx als Mehrwert bezeichnet. Dabei unterscheidet Marx zwischen dem absoluten und relativen Mehrwert.

Absoluter Mehrwert

Der Kapitalist kann seinen Gewinn dadurch erhöhen, dass er die Arbeitszeit für den Lohnabhängigen erhöht, während die „notwendige Arbeit“ gleich bleibt.

Erhöhung des absoluten Mehrwerts durch einen längeren Arbeitstag.

Erhöhung des absoluten Mehrwerts durch einen längeren Arbeitstag.

Ein Tag hat aber nun mal nur 24 Stunden und die Gewinnmaximierung ist damit beschränkt. Der Kapitalist kann aber auch versuchen, den Anteil der Arbeitszeit für die notwendige Arbeit zu drücken.

Relativer Mehrwert

Wie gelingt das? Indem der Wert der Ware Arbeitskraft verringert wird! Der Wert der notwendigen Arbeit kann aber nur verringert werden, wenn sich die Produktivkraft erhöht. Zum Beipiel wenn ein Arbeiter statt zwei Tische nun vier Tische erzeugen kann.

Ein Arbeiter erstellt an einem Arbeitstag einen Tisch als Mehrwert für den Kapitalisten. Mit industrieller Produktion und geringerer "notwendiger Arbeit" schafft er zwei Tische.

Ein Arbeiter erstellt an einem Arbeitstag einen Tisch als Mehrwert für den Kapitalisten. Mit industrieller Produktion und geringerer „notwendiger Arbeit“ schafft er zwei Tische als reinen Mehrwert für den Kapitalisten.

Das funktioniert durch eine industrielle Produktionsweise. Ein mehr an Produktion bedeutet aber auch einen kleineren Anteil an Arbeitszeit für ein Stück. Der Marktwert bleibt aber gleich. Der individuelle Wert eines Stückes wird also reduziert, aber sein gesellschaftlicher Wert bleibt gleich. Der Kapitalist kann das Stück ja trotzdem zum Marktwert verkaufen und diese Differenz ergibt bei Marx den „Extramehrwert“ für den Kapitalisten. Der Extramehrwert kann aber nicht aufrecht erhalten bleiben, denn schnell übernehmen andere Produzenten die neue Produktionsweise und damit schwindet die Differenz zwischen individuellen und gesellschaftlichen Wert wieder. Schlussfolgerung bei Marx: Der Kapitalist wird immer versuchen für einen möglichst geringen individuellen Wert, einen möglichst hohen gesellschaftlichen Wert tauschen zu können. Deshalb profitiert auch der Arbeiter nicht von Produktionssteigerungen, weil er dann einfach kürzer für das Äquivalent seines Lohnes arbeitet und länger für den Gewinn des Kapitalisten. Natürlich gibt es auch teils scharfe Kritik an der hier grob zusammengefassten Lehre des Mehrwerts von Karl Marx. Mehr dazu verrate ich in meiner Textanalyse. Hier geht es zum Download.

 

Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt! Es ist geschafft – mein Studium ist zu Ende und meine Magisterarbeit gibt es bereits zum Downloaden. Mann, was ich Zeit dafür investiert habe … Genau deshalb gibt es hier und jetzt eine Auflistung der sieben wichtigsten Ergebnisse meiner Arbeit, die den literarisch angehauchten Titel trägt:

Stolz und Vorurteil im Journalismus.
Einstellungen von Tageszeitungsjournalisten zu Crossmedialität und Medienwandel.

Nun aber gleich zu den Findings:

1.
Zwischen Print- und Onlineredaktion ist die Stufe der Coopetition mit leichter Tendenz zum Content Sharing vorherrschend. (zu den beiden Begriffen vgl. Dailey; Demo; Spillmann, 2005: S. 153f) [ref]Dailey, Larry; Demo, Lori; Spillman, Mary (2005): The Convergence Continuum: A Model for Studying Collaboration Between Media Newsrooms. In: Atlantic Journal of Communication 13 (3), S. 150–168.[/ref] Das bedeutet, österreichische Tageszeitungsjournalisten von Print und Online teilen sich Informationen zu Geschichten, an denen sie arbeiten und die sie gerade produzieren. Gelegentlich arbeitet dabei ein Journalist bereits für das jeweils andere Medium. Konkurrenzdenken und Misstrauen zwischen den Mitarbeitern des einen Mediums gegenüber dem anderen Medium beschränken jedoch die Kooperation (z. B. werden keine exklusiven Informationen ausgetauscht).

2.
Bei der Konvergenz von Tageszeitung und TV- bzw. Radiosendern befinden wir uns hingegen erst auf der Stufe der Cross Promotion. Das heißt, die verschiedenen Medien bewerben sich untereinander (z. B. TV-Werbung in der Zeitung), aber Inhalte werden nicht gemeinsam produziert.

3.
Die Mehrheit der Tageszeitungsjournalisten bevorzugt die Arbeit für nur ein Medium. Allerdings stehen jüngere Journalist der Arbeit für verschiedenen Medien signifikant aufgeschlossener gegenüber, als ihre älteren Kollegen. Die Bereitschaft mehrmedial tätig zu sein nimmt auch zu, je mehr die Journalisten bereits heute in ihren Redaktionen crossmedial tätig sind.

4.
Ein solcher Gewöhnungseffekt ist auch bei der Einstellung zum Newsroom feststellbar. Demnach wird ein Newsroom signifikant positiver beurteilt, wenn bereits in einem Newsroom gearbeitet wird. Genauso wie ein Newsroom positiver betrachtet wird, je regelmäßiger die Journalisten derzeit schon crossmedial tätig sind.

5.
Grundsätzlich beurteilen die österreichische Zeitungsjournalisten den Newsroom sehr skeptisch. Negative Auswirkungen durch einen Newsroom werden bei Lärmbelästigung, Rückzugsmöglichkeiten, Arbeitsplatzgröße, Betriebsklima, Arbeitseffizienz, journalistische Qualität und Recherchemöglichkeit befürchtet. Eine Verbesserung wird dagegen nur bei der Zusammenarbeit mit Kollegen gesehen.

6.
Es gibt allerdings ein paar Elemente, die für eine positivere Einstellung zum Newsroom sorgen können. Dazu zählen eine grundsätzliche Zufriedenheit mit dem Management, gute Stimmung in der Redaktion sowie eine gute Informationsweitergabe und Mitwirkungsmöglichkeiten bei den Arbeitsplatzveränderungen.

7.
Im Vergleich von sieben österreichischen Tageszeitungen zeigt sich: „Die Presse“ steht dem Newsroom am positivsten gegenüber, während Journalisten der Oberösterreichischen Nachrichten am ehesten für verschiedene Medien eingesetzt werden möchten und bei der Kleinen Zeitung wird am ehesten crossmedial gearbeitet.

Bei der Umfrage nahmen 211 Tageszeitungsjournalisten teil.

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Die Nominalskala:

Zur Erinnerung: Nominalskalen bringen lediglich einen Verschiedenheit eines Merkmals zum Ausdruck. Klassisches Beispiel für eine Nominalskala ist die Frage nach dem Geschlecht:

Geschlecht ist als das zu messende Merkmal und weiblich oder männlich die Ausprägungen dazu. Diese Ausprägungen müssen natürlich in Zahlen umgemünzt werden, also z.B. weiblich => 1 und männlich => 2

Selbstverständlich kann eine Nominalskala auch mehrere Ausprägungen haben, z.B. Welche Augenfarbe haben Sie?

blau => 1, braun => 2, grün => 3

Aus den Beispielen wird auch ersichtlich, dass es bei einer Nominalskala keine Rangfolge gibt.

Welche Auswertungen können mit Nominalskalen vorgenommen werden?

Die Auswertungsmöglichkeiten sind auf Auszählungen eingeschränkt. Man kann Häufigkeitsverteilungen machen, also z.B. Auszählen lassen, dass 60 Frauen und 40 Männer an einer Befragung teilgenommen haben. Mit Nominalskalen können ebenso Kreuztabellen erstellt werden und der Chi-Quadrat-Test gemacht werden. So kann man herausfinden, wie viele von den 60 Frauen und 40 Männern blaue, braune oder grüne Augen haben. Mit dem Chi-Quadrat-Test kann unter anderem geprüft werden, ob ein Zusammenhang zwischen zwei Merkmalen zufällig oder nicht zufällig ist, über das Ausmaß des Zusammenhanges sagt er allerdings nichts aus.

Ordinalskala

Die Ordinalskala bringt die Merkmalsausprägungen sozusagen in eine Ordnung. Man kann also bestimmen, wo Merkmalsausprägungen stärker oder schwächer sind. Ein Bespiel für eine Ordinalskala sind Schulnoten. An diesem Beispiel sieht man auch das größte Problem: Ein Zweier ist nicht doppelt so gut wie ein Vierer. Der Abstand zwischen zwei Werten ist bei einer Ordinalskala also nicht bestimmt.

Neben Häufigkeitsdarstellungen ist auch die Berechnung des Medians möglich. Der Median halbiert eine Verteilung.

Intervallskala

Im Unterschied zur Ordinalskala, gibt es bei der Intervallskala zwischen den Werten vergleichbare Abstände. Damit können in SPSS Korrelationen nach Pearson berechnet werden. Mit Korrelationen kann berechnet werden, in welchem Ausmaß ein Zusammenhang zwischen zwei Merkmalen besteht. Auch arithmetische Mittel und Varianz kann bei Intervallskalen eingesetzt werden.

Verhältnisskala / Relationsskala

Verhältnisskalen haben einen absoluten Nullpunkt und bieten die Möglichkeit, Abstandswerte quantitativ in Beziehung zu setzen. Was heißt das? Atteslander (S. 230f) erklärt das anhand der Abfrage des Alters. Stellen wir uns vor, die Befragten werden aufgefordert das Alter einzutragen. Befragter A gibt 20 Jahre an, Befragter B gibt 40 Jahre an. Man kann daher sagen, B ist doppelt soviele Jahre alt wie A, weil 20 * 2 = 40.

Wenn wir uns jetzt vorstellen, dass Befragte aufgefordert werden, das Geburtsjahr anzugeben, dann hätten wir z.B. Befragter A wurde 1991 geboren und Befragter B 1971. Es handelt sich hier um einen Intervallskala, da die Abstände messbar sind. Man kann aber nicht sagen: B ist doppelt so alt wie A, weil 1971 * 2 ergibt keine Logik. Man muss erst wieder die Geburtsjahre in das aktuelle Alter umrechnen, erhält so einen Verhältnisskala und kann dann erst wieder wie zuvor berechnen, dass B doppelt so alt ist wie A.

Ein weiteres Beispiel für den Unterschied zwischen Intervall- und Verhältnisskala sind Grad Celsius und Kelvin. Kelvin ist einen Verhältnisskala (da absoluter Nullpunkt vorhanden), die Celsius-Temperaturskala eine Intervallskala. Hatte es gestern 10°C und heute 20°C, kann man zwar sagen „Es ist 10°C wärmer als gestern“, aber nicht „Es ist doppelt so warm wie gestern“. Das wird besonders deutlich wenn wir die Celsius in Kelvin umrechnen.

10°C sind nämlich 283,15K und 20°C sind 293,15K = um doppelt so warm zu sein müsste es aber 566,3K haben, das sind umgerechnet 293,15°C.

Weiterführende Links und Quellen:

Einführung in das Thema Skalen bietet dieser Videobeitrag: http://mariusebertsblog.com/2010/06/03/die-skalen-nominalskala-ordinalskala-intervallskala-und-verhaltnisskala-endlich-verstandlich/

Atteslander, Peter (2010): Methoden der empirischen Sozialforschung. 13., neu bearb. und erw. Berlin: Schmidt.

Leidlmair, Karl: Planung und statistische Auswertung psychologischer Untersuchungen. In (06.05.2011)

Kleibel, Veronika; Mayer, Hanna (2008): Literaturrecherche für Gesundheitsberufe. Wien: Facultas.

ZUSAMMENFASSUNG:

  • Nominalskala: Merkmalsausprägungen stehen in keiner Rangfolge; die Auswertungsmöglichkeiten beschränken sich auf Häufigkeitsverteilungen.
  • Ordinalskala: Es ist bestimmbar, welche Merkmalsausprägungen schwächer bzw. stärker sind; neben Häufigkeitsverteilungen kann der Median berechnet werden.
  • Intervallskala: Zwischen den Merkmalsausprägungen gibt es vergleichbare Abstände; Korrelation, arithmetisches Mittel und Varianz können auch mit dieser Skala berechnet werden.
  • Verhältnisskala: Unterscheidet sich zur Intervallskala durch einen absoluten Nullpunkt.

Foto: David Wilmot from Wimbledon, United Kingdom (Flickr); CC-BY-2.0, via Wikimedia CommonsYuhuuu! Vorgestern sind meine Freundin und ich in Thailand gelandet. Wir werden uns in dem Land ein bisschen herrumtreiben und später geht es weiter nach Laos und Kambodscha. Ganz meinem hochheiligen Versprechen an mich selbst, werden ich aber auch in Abwesenheit jeden Sonntag, um 09:50 Uhr, einen neuen Blogeintrag veröffentlichen. Ich habe da nämlich schon ein paar Artikel vorbereitet, so wie auch diesen Text hier. 😉 Es gibt also weiterhin wöchentlich Lesestoff aus PR, Medien und der Kommunikationswelt.

Ansonsten bin ich schon sehr gespannt, was uns auf der Asien-Reise erwarten wird. Meine Freundin und ich freuen uns schon lange darauf, vor allem war es für mich ein sehr ereignisreiches aber auch stressiges Jahr 2013. Neben meiner PR-Tätigkeit bei Himmelhoch habe ich mein Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft beendet und arbeite jetzt in meiner Freizeit bei www.erfolgsgruender.com mit. Dabei handelt es sich um ein sehr spannendes Projekt, bei dem wir die Lebensgeschichten von Startup-Gründer erzählen. Mehr dazu werde ich dann im neuen Jahr bloggen.

Warum ich jetzt diesen Blogeintrag schreibe? Um vorzuwarnen, falls sich doch mal ein hoffnungsvoller Kommentarschreiber hierher verirrt: bis Mitte Jänner werde ich voraussichtlich keine neuen Kommentare freischalten können. Auch meine Online-Kommunikation ist sehr eingeschränkt, das betrifft den Blog genauso wie meinen Twitter-Account.

Dieser Abriss des Studienfaches Publizistik- und Kommunikationswissenschaft basiert vor allem auf dem Buch Journalistik, Band I, von Siegfried Weischenberg.

 

Journalistik als Begriff

  • Anfang des 19. Jh. veröffentlichte Heinrich von Kleist „Lehrbuch der französischen Journalistik“
  • Unterscheidet zwischen normativen Ansprüchen und Medienrealität
  • Anfang des 20. Jhdt. wissenschaftlich-systematische Beschäftigung
  • 1899 gründet Alexander Wrede in Berlin die erste private Journalistenhochschule
  • Erstmals Journalistik als wissenschaftlicher Begriff verwendet
  • Bis in den zweiten Weltkrieg hinein wurde „Journalismus“ und „Journalistik“ synonym verwendet
  • 1916: Karl Bücher gründet das „Institut für Zeitungskunde“ in Leipzig, die Zusammenführung mehrerer Wissenschaften wird jedoch skeptisch beurteilt
  • In den 50ern hat sich in Deutschland die Wissenschaft „Publizistik“ durchgesetzt
  • „Journalistik“ wurde bis 1976 als Begriff nur in Zusammenhang mit drittem Reich und DDR verwendet
  • Später gab es aber auch in Westdeutschland „Journalistik“-Studiengänge
  • Ruß-Mohl: Scharnier zwischen Kommunikationswissenschaft und Journalismus

 

Journalistik als Institution

  • Vorbild: Studiengang in Zürich
  • Seit Anfang des Jh. unter Journalisten Diskussion um wiss. Ausbildung
  • 1916 Leipzig: Studienschwerpunkte sind politischer und Handelsjournalismus, Feuilleton
  • nach 2 WK etablierte sich Journalistik in der DDR
  • in BRD war wegen Berufslisten der Nazis Studeingang Journalistik bis in 70er tabuisiert
  • Druck der Journalistenverbände: in 70ern gab es sechs entsprechende Studiengänge in Westdeutschland, aber keine einheitlichen Modalitäten
  • Primär Praxisorientierung und inhaltliche Spezialisierung
  • Mehrmediale Ausbildung
  • Sozialwissenschaftliche Ausrichtung
  • These: Institutionalisierte Ausbildung soll Kontrolle der Politik über Medien gewähren

 

Journalistik als Lehr- und Forschungsbereich

  • Kommunikationswissenschaftliche Theorie
  • Redaktionelle Produktion (Volontariat)
  • Karl Bücher definierte Recherche und Vermittlungskompetenz als zentrale Lernziele
  • Journalismus sei reproduktive Tätigkeit mit Regelhaftigkeit
  • Journalistik ist die systematische Untersuchung der Regelhaftigkeiten und ihre Ursachen
  • Vermittlung dieser Regeln ist Journalismusausbildung
  • Paradigma Journalistik bisher nur in Umrissen erkennbar
  • Durch institutionalisierte Formen und diffuse Forschungs- und Lehraktivitäten
  • Transfer zwischen Journalismus und Journalistik bleibt Wunschvorstellung (Rühl)
  • Journalistik hat immer zwei Ebenen:
    Theoretisch – Empirisch: Wissen über Journalismus generieren und reflektieren
    Praktisch – Normativ: Regeln für nützliche und glaubwürdige Kommunikationsleistungen erzeugen

 

Sozialistische Journalistik

  • KMU Leipzig Journalistik mit Doppelrolle
  • Muster für überbetriebliche Journalistenausbildung
  • Zentralisierte Indoktrination zukünftiger Journalisten
  • etabliert 1954
  • auch bei Nazis war Leipzig Zentrum der Journalistenausbildung (Publizistik)
  • Vorbild für Leipzig waren sowjetische Journalistenfakultäten
  • Begriff „Journalistik“ war nicht wie „Zeitungswissenschaft“ und „Publizistik“ durch Nazis verunglimpft

 

Säulen der Ausbildung

  • Pressegeschichte
  • Theorie der Presse
  • Methodik der Pressearbeit
  • Praxis und Theorie miteinander verbinden
  • verstand sich als Zweig der marxistisch-leninistischen Gesellschaftswissenschaft
  • zwei Drittel der DDR-Journalisten haben in Leipzig studiert
  • insgesamt 5000 Diplome
  • Forschung sollte instrumentalisiert werden, deshalb wurden Lehrredaktionen eingerichtet
  • Schwerpunkt: „Ausarbeitung der Genretheorie der proletarischen Presse“
  • Journalisten sollte damit Gesetzmäßigkeit bewusst gemacht werden, denen sein Schaffen unterliegt
  • 1990: neuer Studienführer – gewendete Identität sollte vermittelt werden
  • Bemühen um Kontakte zu westdeutschen KMWissenschaftlern

 

Der Gegenstand: Journalismus

Begriffliche und methodische Probleme

  • vor 150 Jahren: Journalismus als Zeitgespräch einer Gesellschaft mit ihren aktuellen Stimmungen und Widersprüchen – ein sozialer Prozess, wobei die Moderatoren, also Journalisten, für Robert E. Prutz gar nicht besonders relevant sind.
  • Späteres Verständnis: Journalismus als Tätigkeit von Journalisten
  • Erst mit empirischer Kommunikatorforschung aus USA kam es zur Aufgabe des naiven „Berufsrealismus“
  • Systemtheorie: Journalismus als Handlungszusammenhang, der in soziale Prozesse eingebunden ist (vgl. Weischenberg, Journalistik, S. 42)
  • Themen aus sozialen Systemen sammeln, auswählen, bearbeiten und den soz. Systemen präsentieren
  • Aktualitätsprinzip: informativ und relevant (Klaus Merten)
  • Problem: Themen ohne Neuigkeitswert, Berichterstattungsanlässe werden künstlich geschaffen
  • Kann zur Falle werden: wenn unter Zeitdruck Analysen und Prognosen erstellt werden (müssen)
  • macht heute Angebote, die weit über Prod. von Nachrichten hinausreicht
  • Gefahr: Identitätsverlust
  • Haller: E- und U- Journalismus – „ernsthafter Journalismus“ (20%) vs. „unterhaltender Journalismus“ (80%)
  • normaler Journalismus entzieht sich empirischen Zugriff (psychol. Prozesse von Journ., journ. Milieu)

 

Journalismus und Wissenschaft

  • Helmut F. Spinner: Gemeinsamkeit Wissenschaft und Journalismus ist selbstständige freie Informationstätigkeit
  • Unterschied: Art des Wissens, der Beschaffung und der Überprüfung
  • Gegenwartskonzentration zeichnet Journalismus aus

– Gemeinsam:      – Wissensvermittlung als Dienstleistung

                               – professionelle Methoden

                               – Objektivitätsbemühung

                               – organisiertes Handeln

– Unterschiede:    – W. sucht Regelmäßigkeite, J. Unregelmäßiges

                               – W. langfristig, J. kurzfristige Problemlösung

                               – J. hat weniger Ressourcen (Zeit, Geld)

 

Der Wahrheitsbegriff

  • beide wollen Welt vereinfachen
  • Ereignis im Journ.: Merkmale der Wirklichkeit werden vermittelt, Wahrheit wird stark reduziert
  • Präzisionsjourn.: soll mit empirischen Methoden Wahrheit regelhaft vermitteln
  • Objektivität:
    Verzicht auf eigene Meinung (Neutralität, Ausgewogenheit, Fairness) (Weischenberg, Journalistik, S. 54)
    Trennung von Subjekt und Objekt. Frage bleibt, ob das überhaupt möglich ist

 

Journalistik und Journalismusforschung

  • Interesse an Erforschung von Medienmechanismen durch 68er
  • 1963: „Psychologie der Massenkommunikation“ (Gerhard Maletzke)
  • Nachfrage durch politische Institutionen und dadurch mehr Geld

 

Journalismus als Wirklichkeitskonstruktion

  • Journalisten liefern Wirklichkeitsentwürfe auf Grundlage von gelernten, allgemein akzeptierten Regeln
  • Konstruktivismus: Mensch konstruiert sich autonom eigene Wirklichkeit, Medien können das nur beschränkt beeinflussen
  • Realität ist nur ein unzulängliches Modell von Wirklichkeit, das aufgrund der Funktionsweise unseres Gehirns entsteht (vgl. S. 61)
  • Mit konstruierter Wirklichkeit besteht man in dieser Realität – „Viabilität“
  • Medien entwerfen also Wirklichkeitskonstruktionen, mit denen man in der Realität „durchkommt“
  • Verschiedene Wirkl.entwürfe sind miteinander abgestimmt und damit sozial verbindlich
  • wenn kognitive Systeme autonom, dann sind auch Journalisten bei ihrer Wirklichkeitskonstruktion autonom (allerdings Beeinflussung durch Strukturen, Regeln und Schmata im Prozess beruflicher Sozialisation)

 

Themen und Grenzen der Journalistik

Journalistik beschäftigt sich im gesamten Feld der Medienkommunikation mit:

  • Normen (des Mediensystems)
  • Strukturen (Zwänge des Systems)
  • Funktionen (welcher Leistungs- und Wirkungskontext der Medienaussagen)
  • Rollen (Verhaltensmuster der Medienakteure)
  • Kontexte bestimmen, was Journalistik ist
  • Zwiebelmodell: siehe Weischenberg, Journalistik, Seite 71
  • zur Untersuchung Interdiszipinarität gefordert
  • Kompetenzgrenzen des Forschers bedingen Informationsverlust

 

 

Gesellschaftliche Rahmenbedingungen der Medienkommunikation

Durch den Wandel eines Gesellschaftsystems wandel sich auch die Medien und damit auch der Journalismus in der Gesellschaft (vgl. ebd.S. 77). Dabei lassen sich 4 Denkrichtungen unterscheiden:

Allgemeine Theorien der Medien und der Gesellschaft

  1. Kritik der Massengesellschaft und Massenkultur
  • taucht durch Industrialisierung Anfang des 19. Jh. erstmals auf
  • Zerstörung traditioneller Werte und Beziehungen (Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit nicht durchsetzbar?)
  • Kritik an Massenpresse
  • Entfremdete und passive Konsumenten in Abgrenzung zur früheren Hochkultur
  • Glauben an übermächtige, uniforme Macht der Medien
  1. Kritische Theorie (baut auf voriger Theorie auf)
  • Frankfurter Schule (Marcuse, Adorno) sehen in Massenmedien totalitäre Macht
  • wie und was Menschen denken = monokausaler Wirkungszusammenhang
  • Verschmelzung von Kultur und Unterhaltung als Kritik (S. 81)
  • Herrschaftsstabilisierend und antiaufklärerisch (unter dem Mantel der „Objektivität“)
  • Weischenberg: beruht auf Vorurteilen und Arroganz der Eliten gegenüber dem Massenpublikum, bietet keine Handlungsalternativen, bleibt theoretisch
  1. Der Historische Materialismus
  • marxistische Grundlage (Klasse, Ideologie)
  • Bewusstsein direkt verbunden mit der gesellschaftlichen Arbeit (S. 81). Das gesellschaftliche Sein prägt Bewusstsein (S. 81)
  • Medien sollten nicht Medienkonglomeraten gehören, sondern in gesellschaftliche Kontrolle kommen
  • Das Publikum wird als Verfügungsmasse der Medien aufgefasst
  • beide Ansätze verweigern die Anerkennung der Partizipationskraft in pluralistisch-kapitalistischen Gesellschaften. Gerade die „gesellschaftliche Kontrolle“ der Medien führte in der DDR und Osteuropa in den Totalitarismus.
  1. Liberal-pluralistischer Ansatz
  • räumt Konstruktionscharakter jeder Theorie ein
  • Produktivkraft Kommunikation
  • gibt Wahrheitsanspruch auf und will sich der Wahrheit annähern, sie nicht beschreiben
  • Laut Kelsen ist der Relativismus die Weltanschauung, die dem demokratischen Gedanken vorausgeht. (vgl. S. 85)

 

Der normative Divergenz – Ansatz

  • vier Theorien zur Klassifikation von weltweiten Mediensystemen
  • Natur des Menschen, Staatsverständnis, Beziehungen Staat – Mensch, Wissen und Wahrheit (Medienrealität)
  • geht von westlich-pluralistischen Standards aus
  • Grundannahme: Medien übernehmen Strukturen der Gesellschaft, in denen sie arbeiten
  1. Autoritarismus: Herrschaftsunterordnung, Zensur, Vergehen gegen Autorität = Straftat (Nazis)
  2. Liberalismus: Pressefreiheit im heutigen westlichen Sinne
  3. Sozialverantwortungsmodell: Kritik der Medien- und somit Meinungskonzentration

Forderung: Medien haben Verpflichtung gegenüber Gesellschaft, Pluralität der Gesellsch. muss gezeigt werden; Forderung nach Verantwortung rechtfertigt Eingriffe der Gesellschaft bei Medien.

Der analytische Kontingenz-Ansatz

  • keine normative Betrachtungsweise, sondern empirische
  • Kategorisierung in:
  1. Offenheit des Rezeptions- und des Produktionssystems (geschlossen – offen)
  2. Medienbesitz (öffentlich/privat) / Medienkontrolle ([de]zentralisiert)
  3. Kommunikationsrechte – und Bedingungen: 4 Modelle des normativen Ansatzes

 

Der empirische Konvergenz-Ansatz

  • sucht statt Unterschieden nach Gemeinsamkeiten – „Weltsymphonie“ der Mediensysteme
  • Wahrheit unter dem Banner der Sozialverantwortung, Erziehungsproblem wird untersch. gehandhabt

 

Merkmale und Probleme geschlossener Mediensysteme am Beispiel der Sowjetunion

  • Marx´ Verständnis vom Journalisten: sollte nicht objektiv sein, sondern die Gesellschaft ändern, also gegen die herrschende Klasse ankämpfen
  • Lenin machte daraus die Forderung an die Presse, die Revolution zu unterstützen und wollte Presse kontrollieren
  • Pressefreiheit war zwar in Verfassung gewährt (für die „Werktätigen“), wurde aber durch Pressebehörde eingeschränkt
  • Presse als Agitator und Organisator, Partei hatte Meinungsmonopol

Professionelle Grundlagen

  • ideologischer Kampf gegen Kapitalismus, gute Nachrichten aus der SU, schlechte aus dem Westen
  • DDR: Bestinformiertes Publikum im Block durch Angebot zweier Nachrichtensysteme
  • Rege Teilnahme des Publikums (Leserbriefe) und hohes Ansehen von Journalisten in SU

Glasnost (Publizität)

  • Gorbatschow wollte zwar kritische Presse, aber weiterhin Unterstützung des Kommunismus
  • Öffnung des Systems verlief unkontrolliert, Folgen sind bekannt
  • Heute Russland auf dem Weg zu einem „neuen Journalismus“
  • Öffnung war Einsicht in Dysfunktionalität geschlossener Systeme: sorgen für starre Gesellschaft

 

Normative Grundlagen und aktuelle Erscheinungsformen

Die Tradition der Pressefreiheit in Deutschland

  • wirtschaftlicher Aufschwung seit 1800 führte zu Massenpublikum (Urbanisierung), Alphabetisierung
  • Vormärz: Verständnis des Journalisten als „öffentliches Amt“
  • Reichspressegesetz: Vorzensur abgeschafft
  • Presse wurde vom Gesinnungswesen zum Kommerz (Generalanzeiger)
  • Verlage hatten politische Ausrichtung, dadurch keine innere Pressefreiheit (in den Redaktionen)
  • Bis 1933 gab es unzählige kleine Zeitungen, die publizistisch und finanziell nicht konkurrenzfähig waren
  • Presse lag trotz vereinzelter Großverlage am Boden
  • Publizistische Konzentration bedeutet auch ökonomische Konzentration
  • In Westdeutschland später wieder weitere Konzentration
  • Pressefreiheit war in Deutschland immer entweder repressiven Gesellschaften oder hartem Markt ausgesetzt

 

Das Mediensystem der Bundesrepublik

 

Pressefreiheit und Medienrecht

  • Mediensystem der BRD in hohem Grad verrechtlicht
  • Versuch, öffentliche Funktion der Presse mit Prinzip der Marktwirtschaft übereinzubringen

Pressefreiheit und Medienvielfalt

Einflüsse auf die Pressefreiheit:

  • Vielfalt auf dem Meinungsmarkt
  • Einfluss des politischen Systems auf die Medien (Partei in Aufsichtsräten)
  • Ausmaß der journalistischen Autonomie
  • Intensität der Mediennutzung
  • deshalb sollte in Westdeutschland durch Konkurrenz von privater Presse (Außenpluralismus) und ÖR Rundfunk (mit Binnenpluralität) Medienvielfalt sichergestellt werden
  • doch auch zunehmende Konzentrationen auf dem Pressemarkt

 

Der Start in eine neue Medienlandschaft

  • am 1.1.85 Gründung von Sat1
  • Anforderungen an Ordnungspolitik für den Rundfunk
  1. gewisse Pluralität im Programm (BVG)
  2. Verlegerlobbyismus (verlangten bessere Startbedingungen gegenüber ÖR)
  3. Ansprüche SPD-geführter Länder, ÖR durch Gebühren Bestand zu garantieren
  • Staatsvertrag suchte Kompromiss (Grundversorgung durch ÖR)
  • Grundversorgung kein stabiler Begriff
  • Großverlage (Bertelsmann, Springer) haben nötige fin. Kraft, sich in PrR zu engagieren
  • Deutliche Kommerzialisierung der Medien
  • Grenzen zwischen Werbung und Programm immer verschwommener

Programmanforderungen mit Bezug zum Qualitätskonzept:

  1. Vielfaltsgebot
  2. Relevanzgebot
  3. Professionalitätsgebot
  4. Rechtmäßigkeitsgebot
  • marktwirtschaftlicher Flexibilität des Mediensystems stehen immer soziale Kosten gegenüber
  • darauf muss sich Medienpolitik einstellen und flexibel handeln

 

Die deutsch-deutsche Medienentwicklung

  • DDR-Journalisten unterstützen die Wende in DDR nicht, erst als Fakten unübersehbar waren
  • Westdeutsches Mediensystem bemühte sich früh um ostdeutschen Markt
  • Ostdeutschland diente als Brückenkopf nach Osteuropa

 

Die Perspektive: „Amerikanisierung“ des Mediensystems

 

Der rechtliche Rahmen des Mediensystems der USA

  • First Amendment (erster Zusatzartikel der Verfassung – Bill of Rights) – Rede- und Pressefreiheit
  • Pressefreiheit als Unterfall der Redefreiheit mit vielen Interpretationsmöglichkeiten: (wie in D)
  • Liberalismus vs. Sozialverantwortung
  • Markt vs. Teilhabe der Menschen
  • Interesse der Medieneigentümer vs. Interesse des Publikums
  • Freiheit der Presse vom Staat als zentrales Gut
  • Seit 70ern Renaissance des Liberalismuskonzepts und seit Reagan des Eigentümerschutzes
  • Aufsichtsbehörde FCC (ÖR): soll Binnenpluralität gewähren und verteilt Lizenzen (Prinzip: Regulation)
  • Idee der Deregulation ging von USA aus und wurde mit als erstes in D aufgegriffen:
    Freiheit = Wettbewerb = Vielfalt
    Nur wo keine Vielfalt herrscht, sind Eingriffe gerechtfertigt
    FCC kämpft hier gegen aufkommenden Sozialdarwinismus

 

Strukturmerkmale des Mediensystems der USA

  • lokale Pressemonopole und Zeitungsketten
  • im Rundfunk vier private Networks mit starker Dominanz: NBC, ABC, CBS, FOX (Murdoch)
  • übrige Networks auf Spenden und staatliche Zuwendungen angewiesen
  • Konglomerate: Medienunternehmen mit Beteiligungen an diversen Medienbereichen
  • Ethnozentriert: kaum internationale Berichterstattung (NY Times wird kaum außerhalb von New York gelesen)
  • Infotainment und „market-driven journalism“ setzen sich auch in Europa durch
  • Weischenberg: „Die amerikanische Krankheit ist ansteckend.“

 

Ethische und professionelle Standards

 

Selbstverpflichtung durch Sozialverantwortung

  • Widerspruch von ökonomischen Interesse und publizistischen Idealen des Medienbetriebs
  • Idee des Sozialverantw.modells: Medien sollen freiwillig der Gesellschaft dienen, dass die nicht eingreifen muss
  • Forderungen:
    Wahrhaftigkeit in der Darstellung von Ereignissen
    Forum zum Austausch von Kritik in der Gesellschaft bieten
    Berücksichtigung aller gesellschaftlichen Kräfte
    Bevölkerung vollen Zugang zum aktuellen Wissen verschaffen
  • Kritik: Das setze Regulierung voraus, sei mit Meinungsfreiheit aber nicht vereinbar
  • Renaissance erhält Sozialverantwortungsmodell immer dann, wenn etwas schief läuft
  • Journalisten sollen sich nicht aus Verantwortung stehlen können, sich nicht auf Marktmechanismus berufen

 

Grundlagen einer Medienethik

 

Aktuelle Begründungen

  • Medienethik wird oft aufgrund aktueller Anlass zur Diskussion gestellt

Medienkritik an:

  • Undurchschaubares Gemisch von Daten führt zu Infotainment
  • Konzentrationsprozesse: Anonymisierung von Verantwortung
  • Journalistische Kompetenz: wird immer nötiger gegen Einflüsse der PR
  • Publikum: wendet sich wegen Unsicherheit über Glaubwürdigkeit von Medien ab
  • Korruption durch Anzeigenkunden, Infotainment, Anchorman als Berühmtheit
  • Katastrophenjournalismus
  • Presse verweist oft auf TV als Sündenbock
  • Macht der Journalisten macht Verantwortungsbewusstsein notwendig
  • Dazu bedarf es gut ausgebildeter Journalisten, die dann automatisch richtig handeln
  • Ethikbedarf besteht bei allen Ebenen des Zwiebelmodells (Normen, Strukturen…)

 

Philosophische Prinzipien

  • Gesinnungsethik (Kant): deleontlogische Ethik, Pflichtethik
  • Verantwortungsethik (Bentham): teleologische Ethik – wird im Journalismus favorisiert
  • Doch zunehmend wird auch Gesinnungsethik wieder entdeckt: Handeln, das in sich gut ist als Grundethik
  • Darauf beruhen auch die Pressekodizes

 

Zur Substanz von Pressekodizes

  • seit dem zweiten Weltkrieg gibt es in vielen Ländern derartige Gebotslisten
  • diene zur Legitimation des beruflichen Handelns und drücken berufliche Ideologien aus
  • USA 1925: Verhaltenskatalog von Prof. Bleyer als Vorbild
  • Ehre, Wahrheit, Saubereit, Fairness, Anstand als absolute Werte
  • 1973: Presserat überreicht Heinemann Pressekodex mit vier grundlegenden Handlungsempfehlungen:
    Wahrhaftige und unabhängige Berichterstattung
    Keine unlauteren Methoden bei der Informationsbeschaffung
    Wahrung der Persönlichkeitsrechte
    Besondere Zurückhaltung bei schweren Verbrechen

Kritik:

  • Kodex hat allgemeingültige Regeln aufgezeichnet, an denen sich eh keiner stört
  • Ist eher Dekoration als ernstzunehmender Ratgeber

 

Kommunikationswissenschaftliche Annäherungen

Der normativ-ontologische Ansatz

  • Hermann Boventer
  • Grundannahme: Journalismus hat eine normative Prägung
  • Diese muss vom Journalisten reflektiert werden und wird so zu einer Handlungsethik
  • Verantwortung ist durch allgemeine (christliche) Werte gewährleistet
  • In jeder Situation muss Ethik abgewogen werden (Prudentia des Journalisten gewährleistet aber Ethik)
  • Trotzdem gibt es grundlegende Moral: Kants Vernunftbegriff
  • Journalist muss Leser als sittliches Objekt anerkennen (Forderung nach Sachlichkeit)
  • In 60ern Abwendung von diesem Ansatz

 

Der empirisch-analytische Ansatz

  • von der publizistischen Ziellehre zur empirischen Wissenschaft
  • Grundannahme: Es existiert Wertepluralismus, der keine gesellschaftsfernen Moralkonzepte zulasse
  • Orientierung an jeweiligen sozialen Bindungen und Verhältnissen (beruht auf Systemtheorie)
  • Kritik: zeitigt nur die gegenwärtigen Systemzustände und rechtfertigt sie (Boventer)
  • Eingeständnis, journ. Verhalten könne nicht verbessert werden
  • Entmythologisierung des journ. Handelns

 

Zum Praxisbezug einer Medienethik

  • Schaffung einer Medienethik ist oft Versuch, einer Verrechtlichung vorzukommen
  • Schwerpunkte: Verfälschung von Aussagen und Bildern; reißerische Schlagzeilen, künstliche Themenbeschaffung, schmutzige Soziologie (zu schnell verallgemeinern)
  • Meist wird am Einzelfall dikutiert, auch in Journalistenausbildung

 

Steuerungsinstanzen einer Medienethik

Individualethik

  • Moralische Verhaltensregeln für den einzelnen Journalisten
  • idealisierte Menschenkonzeption mit feststehenden ethischen Werten
  • ist empirisch nicht vorfindbar
  •  bedeutet Idealisierung der Berufswirklichkeit (auch in Pressekodizes)
  • kann nur Auseinandersetzung mit Soll-Sein bedeuten, wenn Ist-Sein verbessert werden soll
  •  vernachlässigt, dass sich alle Menschen in unterschiedlichen soz. Systemen bewegen
  •  für journalistische Ethik ungeeignet

 

Professionsethik

–          Ethik = Verhaltensregeln für Berufsalltag

Kritik: Sprachlich aufbereitete Betriebsroutine — keine Ethik

  • alles über die Verhaltensregeln hinausgehende ist schon von Problem der ethischen Divergenz bedroht (d.h. unterschiedliche Ansichten beim jeweiligen Journalisten)
  • Professionsethik heißt also, keine absoluten Charakterwerte zu formulieren

 

Institutionenethik

  • Verleger sehen zuerst ökonomische Interessen, selbst wenn sie hohe ethische Standards haben
  • Verleger wären aber die ersten, die Medienmoral durchsetzen könnten

 

Zur Ökonomie der Presse

Kosten- und Erlösstruktur

  • Klassisches Verständnis: Redaktion als Kostenfaktor, der die Anzeigen an den Mann bringt
  • Salz (Nachrichten) macht Durst auf Bier, für das man bezahlen muss
  • in Deutschland: zwei Drittel der Erlöse aus Anzeigen, ein Drittel aus Verkauf
  • Papierkosten höher als Vertriebserlöse (deshalb hier besonders Bemühungen um Rationalisierung)
  • Konjunkturabhängigkeit des redaktionellen Umfangs (weniger Werbung, weniger Text)
  • Redaktion zweitgrößter Kostenfaktor (20%) – hier wird bei nachlassenden Erlösen zuerst gespart
  • Vertrieb (20%) — Anzeigen (13%) —- Verwaltung (8%)
  • Großkonzerne mit mehreren Produktionseinheiten unter einem Dach sind privelegiert (Rationalisierung)

Anzeigen – Auflagen – Spirale 

  • Kosten nehmen mit höherer Auflager nur unterproportional zu, da größter Teil Fixkosten
  • Aber mehr Einnahmen, dadurch Investition in bessere redaktionelle Arbeit
  • Außerdem sinken Kosten für Anzeigenkunden pro Kontakt, dadurch mehr Werbekunden
  • Das befördert Pressekonzentration

 

Wettbewerb, Marktzutritt, und Subventionsmodelle

  • seit über dreißig Jahren nur sechs Neuzutritte auf dem Markt
  • faktisch keine Neuzutritte möglich
  • Doppelter Markt: Publizistischer und Werbemarkt
  • Hier haben Erstanbieter uneinholbaren Vorsprung
  • Schweden:
    Subventionen für nachrangige Zeitungen, um publ. Vielfalt zu gewährleisten
    Auffassung: Qualität und Profit gehen nicht überein
    Sozialverantwortungsmodell, Reaktion auf Zeitungssterben
  • Frankreich:
    Subventionen für Zeitungen mit weniger als 30% Anzeigenerlös o. weniger als 200T Auflage
    Anzeigenmonopol: Staat vergibt großen Teil der Anzeigen über Agentur
    Strukturpolitik: Staat besitzt Großbanken und nimmt Einfluss auf Bildung von Zeitungsgruppen
    wäre in Nordamerika mit Liberalismusmodell nicht denkbar

 

Die Ökonomie des Rundfunks

  • durch duales Rundfunksystem Konkurrenz von Medienrecht (Binnenpluralität) und Wettbewerbsrecht
  • Grundversorgungsanspruch (BVG) bedeutet, dass:
    Sich die ÖR nicht dem wirtsch. Wettbewerb mit den Privaten aussetzen müssen, nur dem publizistischen
    Die Privaten untereinander aber im publ. und wirtsch. Wettbewerb stehen
    Die Privaten auf dem Werbemarkt besser dastehen (weniger Vorgaben)
    Die ÖR weiter und immer mehr auf Gebühren angewiesen sind durch sinkende Werbeeinnahmen
  • Konkurrenz zw. Marktmodell und ÖR – Modell (Ziel ist Vielfalt)
  • Frage: Wieviel Werbung, wieviel Gebühren, wieviel Grundversorgung?
  • Programmauftrag der ÖR: unterrichten, unterhalten und bilden
  • Deutsches ÖR – Mediensystem ist international führend (Größe, Professionalität, Ausstattung)
  • Werberelation Fernsehen 1997: ÖR – 870 Millionen; PrR – 10 Milliarden = 1:100!
  • Kosten ÖR 1996: 12 Milliarden (ein Drittel für Mitarbeiter)
  • Werbung im ÖR. Täglich 20 Minuten vor 20 Uhr, danach nur noch Sponsoring
  • Bestandsgarantie (BVG) heißt: Ausweitung der Gebühren und der Werbezeiten legitimiert
  • Herausforderung: „Neue Rundfunkökonomie“

 

Die Perspektive: Kommerzialisierung und Internationalisierung

Kommerzialsierung

  • „Informationsgesellschaft“
  • Privatisierung des Rundfunks, Werbung, internationale Medienmultis

Kriterien zur Abschätzung und Beurteilung: (Dennis McQuail)

  1. Vielfalt (Zutrittschancen, Angebotsbreite, Verfügbarkeit für alle, Meinungsvielfalt)
  2. Qualität (Kulturelle Standards, Originalität, Kulturelle Authentizität, Objektivität)
  3. Soziale Beziehung zwischen Sender und Empfänger ( Abwesenheit von Manipulation, Gleichgewichtigkeit)
  4. Freiheit und Unabhängigkeit (vom Staat, Innere Freiheit)

Internationalisierung

  • übt kommerziellen Druck aus
  • im Geiste des Liberalismus-Modells
  • (Satelliten), pol. (Deregulation) und ökon. (EU-Markt)
  • Entwicklungen marginalisieren nationale Grenzen
  • Forderung nach internationales Presserecht (Europa)

 

Gruppenstrukturen und Redaktionsverfassungen

  • in größeren Medienunternehmen herrscht hierarchisches Prinzip vor, größere Rollendifferenzierung
  • Chefredakteursverfassung: klar geregelte Zuständigkeiten mit raschen Entscheidungen
  • Befürworter sagen, das sei notwendig aufgrund des Zeitdrucks
  • Kollegialverfassung: taz (ohne Ressortaufteilung aber mit Chefredakteur) und partiell die FAZ (mit Herausgebern und ohne Chefredakteur)
  • Vorteil sei: bestmöglicher Ausgleich der innerredaktionellen Gegensätze
  • Nachteil: zeitraubend im Wettbewerb, mit Notwendigkeit von schnellen Entscheidungen nicht konkurrenzfähig
  • in meisten Redaktionen gibt es heute Mischform: Chefredakteur, auf unterer Ebene aber kollegiale Entscheidungen (dezentral – kollegiales Entscheidungshandeln)
  • alle Entscheidungsträger verfügen über relevante Informationen und haben auch Entscheidungsfreiraum
  • von Vorgesetztenrechten wird nur sparsam Gebrauch gemacht

 

Rollen-, Entscheidungs- und Produktionsmuster

Rolle des Chefredakteurs

  • Anleitung und Überwachung der redaktionellen Arbeit
  • Prägung des „journalistischen Gesichts“ der Zeitung
  • Vertretung der Redaktion gegenüber anderen Teilen des Unternehmens
  • Vertretung der Redaktion und des Unternehmens gegenüber der Öffentlichkeit
  • Ressortleiter: Führung, Koordinierung und Kontrolle des Ressorts

ÖR: Leitung durch Intendanten; Abteilungsleiter bzw. Chefredakteure

  • je höher die Position, desto weniger journalistisch die Aufgabe und die Orientierung an politischer Richtung der Führung

Institutionelle Zwänge für Rollenmuster:

  • Zwang, journ. Produkt zu liefern, beeinflusst Sorgfalt bei der Nachrichtenselektion
  • Zeitdruck und Platzmangel sind stärker als journ. Ziele
  • Viele Redaktionsmitglieder sind nur Durchlaufstationen, eigene Wertvorstellungen irrelevant
  • Organisationsmuster und Rollenerwartungen beeinflussen Einstellungen des Journalismus und so die Medien
  • In Europa ist die redaktionelle Arbeitsteilung noch unterentwickelt, kommt aber (CvD, Chefreporter)

 

Die Redaktion als organisiertes soziales System

Ansätze der Redaktionsforschung

  • Der normativ-praktizistische Ansatz: Die Redaktion als abgeschlossenes geistiges Zentrum, das wie ein Organismus als Ganzes funktioniert. Ohne Interaktion mit der Umwelt, nur innerhalb der Redaktion.
  • Der materialistische Ansatz: Journ. publiziert nicht, er produziert Text, um ihn zu verkaufen. Er wird deshalb bestimmt von den Spielräumen in seiner Redaktion.

Der systemtheoretische Ansatz

  • Untersucht das menschliche Verhalten in der Gruppe
  • Gesellschaft besteht aus sozialen Gruppen, die ihren Fortbestand sichern wollen
  • Status als Journalist bedeutet bestimmtes Rollenverständnis – so verhält sich der Journalist dann auch
  • Redaktionen vermitteln also nicht Informationen, sondern konstruiert Wirklichkeit
  • Redaktionen sind aber selber Subsysteme, es entsteht Selbstreferenz

 

Redaktionelles Entscheidungshandeln

  • Rolleneinhaltung ist elementar zum Eintritt und Verbleiben in einer Redaktion (Mitgliederselektion)
  • Zustimmung zu Redaktionszwecken und Anerkennung der Entscheidungsrechte der Chefredaktion
  • Rolle ist Grundlage für Entscheidungen (Sammlung, Auswahl, und Verarbeitung von Material)

Zwei Routinen:

  • Konditionalprogramm (wenn – dann)
  • Routineverhalten bei bestimmten Situation (bei Platzmangel weglassen der Rezension)
  • Zweckprogramm (mögliche Folgen von redaktionellen Handeln)
  • Intellektuelles Blatt macht Leitartikel, das andere exklusive, teure Nachrichten

 

Redaktionelles Handeln als Gatekeeping

  • auf allen Hierarchien findet Gatekeeping (Schleusenwärtern) statt, auf Grundlage subjektiver Entscheidungen
  • Theorie entstand in 40ern
  • Mechanische Zwänge sind für Redakteure wichtiger als Bedeutung der Nachricht selbst
  • Die Werte des Chefs werden verinnerlicht
  • Die Reporter nehmen Nachrichtenpolitik als Teil der bürokratischen Struktur hin
  • Der Nachrichtenredakteur hat nur vage Vorstellungen vom Publikum
  • Gatekeeper-Forschung untersuchte im Lauf der Zeit Institutionen statt Personen
  • Strukturelle Abhängigkeit der Redakteure und deren Handeln
  • Dazu gehören neben Verlag auch Agenturen, Presseämter etc.
  • Kybernetisches Modell: Redakteure in Organisationssystem eingebunden, das sich über ständigen Kommunikationsfluss selbst reguliert und dafür sorgt, dass sich das Nachrichtenselektionssystem stabilisiert

 

Mechanische Zwänge und strategische Kommunikationsmuster

  • es gibt die strategischen Kommunikationsmuster „Gegenlesen“ und „Redaktionskonferenzen“
  • stellen redaktionelle Kontinuität her und sichern vor Abweichen des Redakteurs von Redaktionslinie

Gegenlesen

Redakteur fühlt sich zwar von Verantwortung entlastet, übersieht dabei aber dysfunktionale Eigenschaften:

  • Lautlos auf Linie trimmen
  • Ständige (Selbst-)Kontrolle
  • Diskussion wird vermieden
  • Kollegen werden zum journalistischen Bezugspunkt, nicht das Publikum
  • findet häufiger bei Politikressort statt

Redaktionskonferenzen

  • nur Anschein demokratischer Entscheidungen, meist entscheidet Chef allein
  • dient oft zur Disziplinierung

 

Merkmale redaktioneller Organisation und Produktion

  • Phase 1: Recherchieren (Themen, Nachrichten, Termine und Bildinfos gesammelt – Veröffentlichungswert)
  • Hier greifen Einzelentscheidungen
  • Phase 2: organisatorische, technische und ökonomische Aspekte im Vordergrund (Prinzip der Präsentation)
  • Redaktionelle Produktion und technische Reproduktion verschmolzen
  • Redaktion im Zentrum eines kybernetischen Modells

medienDie digitale Revolution wird von vielen Medienmachern verschlafen. Anders ist es nicht zu erklären, dass im Corporate Publishing und bei vielen Medien PDFs für mobile Endgeräte zu den ganz heißen Innovationen zählen. Sind sie nämlich nicht. Warum das so ist, beschrieb ich ich im ersten Teil dieser zweiteiligen Serie. Der zweite Teil dreht sich um die Werkzeuge, die Publizisten morgen benützen werden.

Relevanzverlust von InDesign

Egal ob Print oder Digital Publishing: InDesign ist die weltweit meist benutzte professionelle Layout-Software. Das Programm aus dem Hause Adobe hat da ein Alleinstellungsmerkmal und den langjährigen harten Konkurrenten Quark XPress praktisch in die Bedeutungslosigkeit geschickt. Jetzt steht InDesign aber selbst ein kleiner Relevanzverlust bevor. Das liegt daran, dass gerade das Konzept von Magazinen und Zeitungen zu erodieren beginnt. Ich denke, in 50 oder 100 Jahren wird man es eher kurios finden, dass völlig verschiedene Texte gebündelt und dann zeitgleich auf einem Trägermedium publiziert wurden. Diese Veränderung trifft natürlich auch InDesign, wobei das Programm für die Produktion von Büchern, Geschäftsberichten, Studien udgl. immer noch gebraucht werden wird.

Brauchen Medienmacher Programmierkenntnisse?

Solange aber Menschen existieren, wird auch publiziert werden – nur die Art und Weise ändert sich eben. Die mediale Vermittlung im Internet basiert immer mehr auf Programmier- und Auszeichnungssprachen. Brauchen also PR-Profis und Marketer entsprechendes Knowledge? Ich persönlich erlebe die derzeitige Entwicklung recht paradox: Auf der einen Seite gibt es eine fortlaufende berufliche Spezialisierung und mit WYSIWYG-Editoren, wie in WordPress, lässt sich auch hervorragend ohne Programmierkenntnisse publizieren. Auf der anderen Seite glaube ich, dass kleinere Grafik- und Layoutaufgaben immer häufiger an Journalisten, PR-Berater und Marketer ausgelagert werden. Newslettergestaltung in HTML sind da ein gutes Beispiel.

Photoshop rulez

Immer wichtiger wird wohl auch die Bildbearbeitung mit Adobe Photoshop werden. Kenntnisse im Umgang mit dem Bildbearbeitungsprogramm werden irgendwie von jüngeren Berufstätigen vorausgesetzt: Zähne digital bleichen oder Glanz und Falten retuschieren ist ja auch einfach möglich.

Audio + Video

Genauso wird auch Software für Audio- sowie Videoschnitt an Relevanz gewinnen. Im Internet verschmelzen Text, Sound und Video miteinander. Deshalb heißt es auch immer wieder, dass Unternehmen wie Journalisten bald über mehrere Kanäle kommunizieren werden (müssen).

Zusammenfassend bedeutet das: Medienmacher brauchen neues Anwenderwissen. Denn ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass noch sehr lange jemand die Texte schreibt und als Word verschickt, damit sie ein Dritter ins Layout oder auf die Webseite einfügt. Genauso wie ein Grafiker nicht mehr für alle kleinen Arbeiten beauftragt und bezahlt werden kann.

medien

Die digitale Revolution wird von vielen Medienmachern verschlafen. Anders ist es nicht zu erklären, dass im Corporate Publishing und bei vielen Medien PDFs für mobile Endgeräte zu den ganz heißen Innovationen zählen. Sind sie natürlich nicht. Warum das so ist, beschreibe ich im ersten Teil dieser zweiteiligen Serie. Im zweiten Teil geht es schließlich darum, welches Handwerkzeug die Publizisten von morgen nützen werden.

Der Redaktionsschluss ist tot

Egal ob im Journalismus oder in der PR: Magazine und Zeitungen gibt es immer öfter als PDFs zu lesen. Das wird dann als DIE digitale Innovation des Unternehmens verkauft … In Wahrheit ist genau das Gegenteil der Fall! Denn ein in sich abgeschlossenes Produkt entstammt ganz klar dem Denken aus der PRINT-Welt. Dort lautete das Credo: Wir machen ein Produkt das am Tag X erscheint. Die Leser blättern dann das Ganze durch und bleiben beim ein oder anderen Artikel hängen.

So verhalten sich aber immer weniger Menschen. Heute konsumiert der Einzelne eine Vielzahl an journalistischen Quellen. Das merke ich schon bei meinem eigenen Nutzungsverhalten: Ich sehe Artikelempfehlungen auf Twitter und Facebook, lese Linktipps auf Blogs und erhalte dutzende RSS-Feeds, die ich geübt nach guten Informationen scanne. Ich will gar keine Magazine mehr in die Hand nehmen und selbst die Onlineauftritte der Medien steuere ich immer seltener direkt an. Für Medienvertreter bin ich sicher ein Horrorbeispiel. Und ich höre schon ihre Argumente im Ohr klingen: Nur wir bieten den umfassenden Überblick. Nur bei uns wird über Themen geblättert, die einem selbst nicht so interessieren, aber einfach wichtig sind. Nur wir bringen das wahrhaft relevante. Nur Gedrucktes hat diese unvergleichliche Haptik …

Ohne Trägermedium zu mehr wertvollen Informationen

Genau das sehe ich anders. Ein Beispiel: Ich bin kein großer Sportfan. Auf Facebook bekomme ich aber etwas über Fußball & Co. mit, weil meine FB-Freunde darüber schreiben. Auf Twitter sind wiederum Experten zu jedem erdenklichen Fachgebiet vertreten. Deren Artikelempfehlungen sind tatsächlich von Hand verlesen. Und zum Argument der Haptik: Ich halte grundsätzlich lieber ein Smartphone in der Hand, als etwa eine Zeitung im Berliner Format. Wer öfter in einer voll gestopften U-Bahn fährt, wird wissen was ich meine.

Die zentrale Frage lautet deshalb: Warum sollen Nutzer sich auf ein Medium beschränken, wenn sie von allem nur das Beste konsumieren können? Warum nicht die vielfach ausgezeichnete Reportage auf „Die Zeit“ lesen, den guten politischen Kommentar im Standard und die witzige Satire auf einem Blog? Die Digitalisierung macht das möglich. Für den Journalismus ist das durchaus eine Chance, denn durchsetzen wird sich das journalistisch Einzigartige, das Gehaltvolle, das wirklich Spannende.

Das Internet ist ein mediales Schlaraffenland

Der Leser wird sich zukünftig jedenfalls nicht mehr die guten journalistischen Körner aus einem Angebot rauspicken, sondern sie werden ihm vielmehr in den Mund fliegen. Natürlich können Medien sich gegen diese Entwicklung sperren, nur wird das nichts helfen. Manche werden eine Mauer hochziehen, aber andere werden die Segeln setzen. Sie werden publizistische Inhalte offen, direkt ansteuerbar und einfach teilbar anbieten und damit Erfolg haben. Dieser Medienwandel bei der Nutzung hat aber auch maßgebliche Konsequenzen für die benötigten Skills und die eingesetzten Medientools der Medienmacher. Dazu mehr im zweiten Teil.