Artikel zu meinem Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien.

Innovative Hochschulen gesucht

„Ja, so findet zum Beispiel an vielen Hochschulen gerade ein Paradigmenwechsel statt. Dort wird allmählich erkannt, dass es nichts bringt, nur die Theorie zu lehren und den Studierenden zu sagen, dass ihre beruflichen Aussichten schlecht sind. Stattdessen wird zunehmend darauf gesetzt, Studierende konkret zu fördern. Natürlich sind wir jetzt nicht alle Unternehmerjournalisten, aber wir werden nicht weiterkommen, wenn nur gejammert wird.“

Carolin Neumann, Geschäftsführerin Vocer Innovation Medialab, hofft im Interview mit „Lousy Pennies“, dass es zukünftig mehr Unterstützung für innovative Jungjournalisten gibt. Ich meine: Gute Hochschulen fördern wissenschaftliche Skills, die auch in der Privatwirtschaft nützlich sind.

Hier eine kurze Übersicht zu Politik und Lyrik nach 1945.

Politik

Die Nachkriegszeit und Konstitution von BRD und DDR (1945-1949)

Am 8. Mai kapitulierte Deutschland bedingungslos vor den Alliierten. Deutschland wurde unter den vier Besatzungsmächten USA, UdSSR, Großbritannien und Frankreich aufgeteilt. Dabei bekam die UdSSR das Gebiet der späteren DDR und die deutschen Ostgebiete, die sie mit Ausnahme von Nordostpreußen an Polen abtrat. Das Vereinigte Königreich beanspruchte das Gebiet des heutigen Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die amerikanische Besatzungsmacht erstreckte sich über Bayern, Hessen, Teile von Württemberg und Baden sowie Bremen und Bremerhaven. Frankreich bekam das spätere Rheinland-Pfalz und Teile von Württemberg und Baden. Das Saarland wurde unter französische Verwaltung gestellt. Die Siegermächte teilten die ehemalige Reichshauptstadt Berlin in vier Sektoren auf. Für ganz Deutschland wurde der Alliierte Kontrollrat als Verwaltungsgremium geschaffen. Für die Bevölkerung war es eine harte Zeit, es gab nicht ausreichend Nahrungsmittel und viele hatte ihre Unterkunft verloren. Außerdem kam es in den Ostgebieten der Tschechoslowakei und anderen Teilen Osteuropas zur systematischen Vertreibung Deutscher. Die Alliierten begannen mit der Entnazifizierung, im Nürnberger Prozess 1945-1946 wurden die Hauptkriegsverbrecher zur Verantwortung gezogen.

Konstitution von DDR und BRD

In der „Sowjetische Besatzungszone“ (SBZ) wurden sehr bald die Weichen für den Sozialismus gestellt. Es erfolgte eine Bodenreform und Enteignungen. Es wurden zwar andere Parteien zugelassen, aber SPD und KPD wurden zur SED (Sozialistische Einheitspartei) vereinigt und Schlüsselstellen mit Kommunisten besetzt. Mit der Deutschen Wirtschaftskommission wurde 1947 ein vorstaatliches Organ geschaffen, das bald Kompetenzen zur Steuerung der Wirtschaft erhielt. Die britische und die US-amerikanische Zone schlossen sich zur Bizone zusammen. Im Jahr 1947 begann mit dem Marshallplan der Wiederaufbau, der Osten musste diese Hilfen jedoch aufgrund sowjetischen Drucks ablehnen. Mit dem Wirtschaftsrat wurde ebenfalls ein vorstaatliches Organ im Westen geschaffen. 1948 fand in den Westzonen mit der Einführung der D-Mark eine Währungsreform statt. Sie bildete die Grundlage für die Marktwirtschaft und das Wirtschaftswunder. In der SBZ wurde im Gegenzug auch eine eigene Währung eingeführt. Als die Westmächte die D-Mark in Westberlin einführten, reagierten die Sowjets mit der Berliner Blockade. Berlin wurde daraufhin von den Westmächten über Monate aus der Luft versorgt. Die Sowjets hoben schließlich die Blockade wieder auf, Westberlin blieb Teil der westlichen Welt. 1948 verließen die Sowjets den Alliierten Kontrollrat, im Juni kam es zur Bildung der Trizone. Im selben Jahr beschlossen die Ministerpräsidenten der drei westlichen Besatzungszonen die Gründung der Bundesrepublik Deutschland und 1949 konstituierte sich schließlich die BRD. In der SBZ nahm der Volkskongress, die von ihm erarbeitete Verfassung für eine „Deutsche Demokratische Republik“ einstimmig an. Ebenfalls im Jahre 1949 wurde die DDR gegründet.

Wirtschaftwunder BRD (1950-1966)

Die Zeit des großen Wirtschaftswachstums in Deutschland – oder genauer der BRD – wird auch mit dem CDU-Politiker Ludwig Erhard in Verbindung gebracht. Der Bundesminister für Wirtschaft von 1950-1963 vertrat das Prinzip der sozialen Marktwirtschaft. Aber auch die technische und finanzielle Hilfe aus den USA sowie die Arbeitsbereitschaft der Bevölkerung und großer Nachfragebedarf verhalfen dazu, dass Deutschland die zweitstärkste Wirtschaftsnation der Welt wurde. Das Wachstum hatte so gigantische Ausmaße, dass man trotz praktischer Vollbeschäftigung weitere Arbeitskräfte benötigte. Zirka 3 Millionen Menschen flüchteten in dieser Zeit aus der DDR in den reichen Westen. Grund genug für die DDR mit dem Bau der Berliner Mauer, die Grenze zu Westberlin zu verriegeln. Erst im Jahre 1966 kam es zu einer Rezession in der BRD, die Arbeitslosigkeit stieg aber lediglich auf 2,1 Prozent.

Die Studentenbewegung der 60er-Jahre

Keimzellen der Studentenbewegung war die 1963 gegründete Gruppe Subversive Aktion oder die Kommune 1. Seit 1967 entstand unter der Führung des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS) die außerparlamentarische Opposition (APO). Anlass war die Unzufriedenheit mit der Großen Koalition der deutschen Regierung und der Restaurierung der Nachkriegs-Fünfzigerjahre. Hauptinspirationen der westdeutschen Studentenbewegung waren vorhergehende oder parallele ähnliche Aktivitäten in Warschau, Prag, Rom und Paris sowie die US-Bürgerrechtsbewegung (Civil Rights Movement), Free Speech Movement, Bewegung der Vietnam-Kriegsgegner, Prager Frühling (Sozialismus mit menschlichem Antlitz), sowie die Flower-Power-Bewegung und die Sexuelle Revolution. Ein entscheidender mobilisierender Faktor für die APO war der Tod des Studenten Benno Ohnesorg. Er kam 1967 bei einer Demonstration gegen den Schah von Persien ums Leben, als sich dieser auf Staatsbesuch in Berlin befand. Die Boulevardpresse, vor allem die Bild-Zeitung, verschärfte die Gegensätze durch eine polarisierende Berichterstattung. 1968 wurde der Studentenführer Rudi Dutschke bei einem Attentat lebensgefährlich verletzt, er starb elf Jahre danach an den Spätfolgen. Bei den anschließenden Osterunruhen wurden zwei Journalisten in München unter ungeklärten Umständen getötet und etwa 400 verletzt. Das Attentat auf Dutschke verstärkte die beginnende Radikalisierung der Bewegung, die sich gleichzeitig zersplitterte. Als eine Folge der 68er-Bewegung gründete sich um Andreas Baader und Ulrike Meinhof die Rote Armee Fraktion (RAF). Große Teile der Bewegung wandten sich dagegen der SPD unter Willy Brandt zu. Auch Die Grünen und weitere Bürgerrechtsbewegungen, wie die Schwulenbewegung, können als späte Folge der 68er-Bewegung gedeutet werden.

Niedergang der DDR

Die verschlechterte wirtschaftliche Lage und die enttäuschten Hoffnungen auf freiheitliche Veränderungen, führten 1989 zu regelmäßigen Protestdemonstrationen in der DDR. Schließlich musste Honecker (Staatsratvorsitzender und Generalsekretär des ZK) unter dem Druck der Straße zurücktreten. Wenige Tage später trat die komplette DDR-Regierung zurück. Am 9. November wurde die Berliner Mauer geöffnet. Die Montagsdemonstrationen der DDR-Bevölkerung und die Maueröffnung führten schließlich zum friedlichen Sturz des SED-Regimes. Am 3. Oktober 1990 geschah gemäß Einigungsvertrag der Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 des Grundgesetzes.

Das wiedervereinte Deutschland

Nach der Wiedervereinigung fanden im Dezember 1990 erstmals gesamtdeutsche Bundestagswahlen statt und Helmut Kohl wurde Bundeskanzler. Trotz großer Wirtschaftshilfe und enormen Infrastrukturverbesserungen, gibt es auch heute noch Unterschiede zwischen Ost und West. Vor allem im Osten ist die Arbeitslosigkeit sehr hoch. 1992 wurde mit dem Vertrag von Maastricht die Europäische Union ins Leben gerufen. Dem vorausgegangen ist eine seit 1951 sukzessiv steigende Annäherung europäischer Staaten.

Philosophie

Die verschiedenen Strömungen dieser Zeit durchdringen einander und sind nicht immer klar trennbar, außerdem gibt es eine Zersplitterung in unterschiedliche philosophische Denkweisen. Das 20. Jahrhundert ist signifikant dafür, dass es keine einheitliche Strömung mehr gibt. Ich möchte daher nur den Existenzialismus, Strukturalismus, den kritischen Rationalismus und schließlich die Postmoderne bearbeiten.

Existenzialismus

Der Existenzialismus entwickelte sich in den 40er-Jahren nach dem 2. Weltkrieg. Das traumatische Erlebnis des Krieges führte zum Verlust des Glaubens an Werte und allgemein verbindliche Normen, eine Neudefinition des Menschen wurde benötigt. Als „Ahnherr“ der Existenzphilosophie wird in der Regel Kierkegaard genannt. Als Vertreter der deutschen Existenzphilosophie werden besonders Heidegger und Jaspers genannt. Diese Existenzphilosophen bzw. Existentialisten stellen die Fragen der menschlichen Existenz in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen. Es handelt sich um eine Subjektphilosophie, denn Ausgangspunkt ist das denkende Subjekt.

Strukturalismus

Strukturalismus ist eine in Frankreich entstandene wissenschaftliche Grundauffassung oder Forschungsmethode, die ihren Höhepunkt in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts hatte. Ihr Hauptanliegen ist das Aufdecken unbewusster universaler menschlicher Denkprinzipien. Der Strukturalismus geht davon aus, dass Phänomene nicht vereinzelt existieren, sondern in Verflechtung mit anderen Phänomenen. Die Verbindungen der vielen Phänomene bilden eine Struktur, die erkennbar sei. Genau betrachtet zeige sich aber, dass die Struktur vom Beobachter in die Wirklichkeit getragen wird und sie daher unabhängig vom Beobachter nicht existiert. Der Strukturalismus schaffte es zu einer allgemeinen Forschungsmethode, besonders aber in den Bereichen der Linguistik, der Ethnologie, der Psychologie und der Mathematik.

Kritischer Rationalismus

Kritischer Rationalismus ist ein von Karl Popper geprägter Begriff. Die rationalistische Einstellung sei selbst nicht rational beweisbar. Sie beruhe auf einem irrationalen Glauben an die Vernunft. Wir sollen von unserer Vernunft einen vorsichtigen, kritischen Gebrauch machen. Die Ergebnisse unseres Forschens seien vorläufig. Die Kritik ist für den kritischen Rationalismus das, was der Rechtfertigungsprozess in der traditionellen Philosophie war.

Die Postmoderne

Während in der Moderne die fortschrittliche Perspektive dominiert, steht in der Postmoderne nicht die Realisierung des Neuen im Mittelpunkt des (künstlerischen) Interesses, sondern eine neue Anwendung vorhandener Ideen. Die Welt wird nicht auf ein Fortschrittsziel hin betrachtet, sondern jenseits allen rationalen Gehalts als pluralistisch, zufällig und chaotisch angesehen. Ebenso gilt die menschliche Identität als instabil und durch viele kulturelle Faktoren geprägt. Medien und Technik spielen eine wichtige Rolle. Die Postmoderne wendet sich gegen Festschreibungen, weshalb ihr auch oft der Vorwurf der Beliebigkeit gemacht wird.

Inhaltsangabe und Literaturfragen zu Bertolt Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“.

Inhaltsangabe

Wang der Wasserverkäufer tritt auf und klagt das Leid der Menschen. Er wartet auf die Götter, die sehen wollen ob es noch gute Menschen auf der Welt gibt. Wang erkennt sie und möchte für sie ein Nachtlager suchen. Doch keiner möchte die Götter aufnehmen, so bleibt für Wang nur die Möglichkeit zur Prostituierten Shen Te zu gehen. Diese erklärt sich bereit, die Götter aufzunehmen. Allerdings glaubt Wang aufgrund eines Missverständnisses, dass Shen Te die Götter doch nicht aufnimmt, um einen Freier treffen zu können und flüchtet. Nachdem die Götter bei Shen Te übernachtet und sich von ihrer Güte überzeugt haben, geben sie ihr am nächsten Morgen 1000 Silberdollar.

Vorspiel
I.
Shen Te hat sich vom Geld der Götter einen kleinen Tabakladen gekauft. Sie hat den ernsthaften Willen Gutes zu tun. Es betreten die Frau, der Neffe und der Mann ihren Laden. Da sie obdachlos sind, bitten sie Shen Te um eine Bleibe, die natürlich einwilligt. In Folge gewährt Shen Te weiteren Menschen in ihrem Laden eine Bleibe oder leiht ihnen Geld. Durch ihre Barmherzigkeit gerät sie aber immer mehr in Geldnöten.

Zwischenspiel
Die Götter finden Wang und geben ihm den Auftrag nach Shen Te zu sehen.

2.
Im zweiten Kapitel tritt Shui Ta auf und erklärt der Vetter von Shen Te zu sein. Im Gegensatz zu Shen Te ist er ein rücksichtslos kapitalistisch denkender Geschäftsmann. Er presst vereinbarte Kaufpreise bei den Gläubigern von Shen Te hinunter und schmeißt durch einen hinterhältigen Trick die Obdachlosen aus dem Laden.

3.
Yang Sun, ein arbeitsloser Flieger möchte sich erhängen. Shen Te trifft ihn zufällig und versucht ihn von seinen Vorhaben abzubringen. Dabei verliebt sie sich in ihn. Wang der Wasserverkäufer kommt des Weges, dem sie Wasser abkauft, obwohl es regnet.

Zwischenspiel
Die drei Götter, sie sind durch den langen Marsch schon sehr müde, erscheinen Wang im Traum. Sie fragen nach Shen Te und Wang berichtet sehr positiv über sie. Nur über ihren Vetter Shui Ta erhebt er Anklage.

4.
Wang möchte in einem Barbierstube Wasser verkaufen und wird dabei von dessen Besitzer, Herrn Shu Fu, die Hand gebrochen. Doch keiner der Zeugen, die auf die Reisspende von Shen Te warten, ist bereit gegen den mächtigen Shu Fu vor Gericht auszusagen. Herr Schu Fu sieht Shen Te beim Reis austeilen und verliebt sich in sie. Shen Te geht in den Teppichladen und kauft sich einen Shawl. Das alte und gutgläubige Pärchen, denen der Laden gehört, leihen Shen Te 200 Silberdollar, ohne dabei etwas Schriftliches zu vereinbaren. Als Shen Te aus dem Laden tritt, sieht sie Wang und dessen gebrochene Hand. Da immer noch keiner der Anwesenden bereit ist vor Gericht auszusagen, entschließt sie sich, für Wang Meineid zu begehen. Darauf kommt Frau Yang, die Mutter von Yang Sun zu Shen Te und erzählt, dass er einen Fliegerposten bekommen würde, wenn er 500 Silberdollar bezahlen könnte. Shen Te möchte ihrem Geliebten helfen und entschließt sich den Laden zu verkaufen und schießt auch noch die 200 Silberdollar des alten Pärchens vor.

Zwischenspiel
Shen Te mit der Maske und den Anzug des Shui Ta in den Händen klagt darüber, dass die Guten nicht gut bleiben können und es für das tägliche Mittagessen Härte braucht.

5.
Shui Ta führt mit Sun – der gekommen ist, um 300 Silberdollar zu fordern – einen Dialog. Dabei stellt sich heraus, dass Sun das weitere Schicksal des alten Pärchens egal ist. Er möchte nicht einmal Shen Te nach Peking zu seiner erhofften neuen Stelle mitnehmen. Shen Te ist verzweifelt, da sie sich nicht sicher ist, ob er sie überhaupt liebt. Noch dazu ist sie in einem Gewissenskonflikt, da sie dem alten Pärchen jetzt die 200 Silberdollar nicht mehr zurückzahlen kann. Die Shin, eine Frau die für Shen Te arbeitet, empfiehlt ihr, den reichen Shu Fu zu heiraten. Als Shui Ta mit Shu Fu redet, taucht Wang mit einem Polizisten auf, um Shu Fu wegen Körperverletzung anzuzeigen. Aber Shui Ta erklärt ihm, dass Shen Te nicht mehr bereit ist Meineid zu begehen. Schließlich stößt noch Sun hinzu und kann Shen Te überreden nicht Shu Fu, sondern ihn zu heiraten.

Zwischenspiel
Der Alte vom Teppichladen ist krank vor Sorge um seine 200 Silberdollar geworden. Shen Te plagen Gewissensbisse.

6.
Es ist die Hochzeit von Shen Te und Yang Sun. Shen Te hat ihm offenbart, dass sie die 200 Silberdollar zurückzahlen muss. Damit stirbt aber auch die Chance, dass er seinen Traumberuf ergreifen kann. So hoffen Yang Sun und seine Mutter auf Shui Ta, den Vetter, der Shen Te überzeugen soll das alte Pärchen im Stich zu lassen und ihm das Geld zu geben. Doch der Vetter kommt nicht und die Hochzeit platzt.

Zwischenspiel
Die Götter erscheinen abermals Wang im Traum. Sie sind äußerst erschöpft und ihre ganze Erscheinung hat sehr gelitten. Sie haben auf ihrer Reise nur sehr selten gute Menschen getroffen. Deshalb schauen sie voller Hoffnung auf Shen Te, obwohl er behauptet, dass sie gescheitert sei.

7.
Herr Shu Fu nutzt die Chance der geplatzten Hochzeit und gibt Shen Te einen Blankoscheck. Er mimt den barmherzigen Wohltäter, indem er den Armen Baracken zum Schlafen verspricht. Shen Te stellt fest, dass sie schwanger von Yang Sun ist. Sie freut sich zwar, ist aber gleichzeitig sehr ängstlich wie sie sich und das Kind ernähren soll. In diesem Elend tritt abermals Shui Ta auf. Er lässt in den Baracken des Shu Fu Tabak verarbeiten und erpresst die Obdachlosen für ihn zu arbeiten.

Zwischenspiel
Die Götter erscheinen Wang wieder im Traum. Er versucht eine Verminderung der Regeln und Tugenden für Shen Te zu erwirken, doch findet er keine Alternativen. Die Götter wandern müde weiter.

8.
Shui Ta hat in den Baracken eine kleine Tabakfabrik errichtet. Er zwingt Sun in dieser zu arbeiten. Sun beweist seine Herzlosigkeit und wird dadurch zum erfolgreichen Aufseher.

9.
Shen Te bleibt verschwunden, es gibt nur noch Shui Ta. Doch Sun hört eines Tages einen Seufzer von Shen Te aus den Räumlichkeiten von Shui Ta und glaubt daher er hält sie fest. Das möchte er zu seinem Vorteil nutzen und versucht Shui Ta zu erpressen. Doch der weißt ihn ab. Sun kehrt mit einem Polizisten wieder. Man findet die Sachen von Shen Te und bezichtigt Shui Ta des Mordes. Shui Ta wird auf die Wache geführt.

Zwischenspiel
Wang trifft das letzte Mal im Traum auf die Götter. Er erzählt ihnen, dass Shen Te vielleicht ermordet worden ist. Die Götter klagen über ihre misslungene Reise und streiten darüber, ob nun der Mensch oder die Welt so schlecht ist. Sie beschließen zumindest diesen einen guten Mensch, Shen Te, zu suchen.

10.
Die drei Götter treten im Gerichtslokal als Richter auf. All jene Zeugen die mit Shui Ta profitable Geschäfte gemacht haben, loben ihn als einen ehrgeizigen Mann mit Prinzipien. Die Arbeiter der Fabrik bezeichnen ihn als Ausbeuter und generell schlechten Menschen. Shui Ta möchte schließlich ein Geständnis machen, unter der Voraussetzung, dass alle Anwesenden außer den Richtern den Raum verlassen. Als dies geschehen ist, klagt Shen Te, die die Götter schon erkannt hatte, nicht gut sein zu können und doch zu leben. Die Götter sind verwirrt, möchten sich aber nicht eingestehen, dass ihre Gebote tödlich sind. Sie geben Shen Te den Rat nur nicht zu oft den Vetter zu spielen.

Epilog
Ein Schauspieler tritt auf die Bühne und entschuldigt sich beim Publikum für das offene Ende. Er regt aber an, nachzudenken und selbst einen guten Schluss zu finden.


Literaturfragen

Untersuchung des Aufbaus

Der Aufbau entspricht einem epischen Parabelstück und dient der Versinnlichung lehrhafter Inhalte. Das Publikum soll am Bühnengeschehen teilhaben. Der modellhafte soziale Raum, die Verwendung unterschiedlicher Sprachebenen, die Unterbrechung der Handlung durch Songs und kommentierende Passagen sind Verfremdungseffekte, wie sie Brecht in seinen theoretischen Schriften zum Theater begründet hat.

Bedeutung der sprachlichen Mittel

Die verwendeten sprachlichen Mittel sind Euphemismus, Hyperbel (Übertreibung), Ironie und Metapher.

Elemente des Theaterkonzeptes

Episches Theater: Bezeichnet dramatische Werke, die sich von klassischen Dramen in ihren Zielen und Methoden unterscheiden. Brecht verwendet vor allem Verfremdungseffekte um Alltägliches auf neue und ungewohnte Art in Szene zu setzen.

V-Effekte: Die Verfremdungseffekte sollen eine zu enge Bindung an die Figuren des Stückes verhindern und so eine objektive Reflexion und Beurteilung ermöglichen. Zu V-Effekten zählen: Die persönliche Anrede des Publikums, Prolog, Projektion von Überschriften, kurze Inhaltsangaben am Beginn einzelner Szenen, Selbsteinführung von Personen (z.B. Wang der Wasserverkäufer), häufig ein offener Schluss, Songs (also gesungene Lieder), sichtbare Bühnentechnik, der Verzicht von Interieur und Atmosphäre, der Einsatz von Medien (Film, Rundfunk) und die gestische Darstellung. (Schauspieler sollen sich mit der Rolle nicht identifizieren, sondern sollen diese demonstrieren und sie dadurch fremd und kritisierbar erscheinen lassen)

Parabel: Eine Parabel (von griechisch Parabole = Gleichnis) ist eine kurze, lehrhafte Erzählung, die eine allgemeine sittliche Wahrheit oder Lebensweisheit durch einen Vergleich aus einem anderen Vorstellungsbereich verdeutlicht.

Song: Der Schauspieler tritt meist aus seiner Rolle heraus und wendet sich mit dem Song an das Publikum. Er soll eine mögliche Identifizierung mit der Figur verhindern.

Der „gute Mensch“

In diesem Stück fällt auf, das außer Shen Te, alle armen Menschen schlecht sind. Sie trachten nur danach ihre derzeitige Lebenssituation zu verbessern, ohne Rücksicht auf andere. Kleine Diebstähle und Betrügereien werden mehr oder weniger als Mittel zum Überleben akzeptiert. Neben Shen Te zeigt nur noch der reiche Großbürger Shu Fu Güte. Damit möchte Bertolt Brecht unterstreichen, dass die moralische Schlechtigkeit des Menschen eine Folge seiner Armut ist. Verbessert man also die soziale Lage der Menschen, steigt auch die Moral, denn dann kann der Mensch auch seine naturgemäße Güte leben. Erst durch den Kapitalismus und die damit verbundene Armut werden die Menschen einander zu Feinden und Objekten der Ausbeutung. Der „gute Mensch“ kann in diesem System nicht überleben. Daher sieht Brecht die Lösung dieses Problems in der, nach der Version von Marx und Engels, kommunistisch organisierten Gesellschaft.

Die Rolle der Götter

Die Götter stellen die moralische Instanz in diesem Werk dar. Sie kommen auf die Erde um zu sehen, wie es den Menschen ergangen ist. Sie suchen Menschen die ein sittliches und menschliches Leben führen. Bald erkennen sie aber, dass solche Menschen schon sehr selten geworden sind, ohne dass sie dagegen etwas tun können. Die Götter spielen in diesem Werk insofern eine wichtige Rolle, da sie den entscheidenden Anstoß für den weiteren Verlauf der Geschichte gegeben haben. Am Ende des Stückes treffen die Götter, als Richter verkleidet, wieder auf Shen Te. Aber nicht nur Shen Te ist es schlecht ergangen, auch die Götter haben auf ihrer Reise viel Leid erfahren müssen und eingesehen, dass man nicht absolut gut auf dieser Welt sein kann. So rücken sie von ihren Idealen ab und fordern von Shen Te nur nicht zu oft ein Shui Ta zu werden.

Das Lied vom Elefanten

Das Lied vom Elefanten ist ein gleichnishaftes Lied, indem der achte Elefant mit dem Machthabenden paktiert und die restlichen sieben Elefanten brutal ausbeutet. Die Arbeiter singen dieses Lied für Sun, der zum rücksichtslosen Aufseher aufgestiegen ist. Doch dieser beachtet die Anspielung überhaupt nicht, sondern beschleunigt das Arbeitstempo mit Händeklatschen noch zusätzlich.

Die Bedeutung von wirtschaftlichen Grundbedingungen und Wertvorstellungen

Die wirtschaftlichen Grundbedingungen geben den Armen keine Chance, ihre Lage zu verbessern. Sie müssen ihre Arbeitskraft sehr billig zur Verfügung stellen. Nutzen ziehen daraus nur wenige Privilegierte, die die Arbeiter unterdrücken und einen gewaltigen Profit erwirtschaften können und dafür von der Gesellschaft als tüchtige Unternehmer geehrt werden. In „Der gute Mensch von Sezuan“ drückt sich das durch den Aufstieg des Arbeiters Sun zum Aufseher aus. Er geht dabei mit erbarmungsloser Härte vor. Für dieses, eigentlich verachtenswerte Verhalten, bekommt Sun großes Lob von seiner Mutter und es ermöglicht ihm, einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft zu erlangen. Damit zeigt Brecht, dass in der jetzigen Gesellschaft nicht mehr Güte und Menschlichkeit zählen, sondern Egoismus und unbedingter Ehrgeiz.

Deutung des Werkes

Hauptintention des Marxisten Bertolt Brecht ist eine umfassende Kritik am Kapitalismus. Brecht wollte den Menschen die negative Seite zeigen und sie auffordern, gemeinsam den Kapitalismus zu überwinden. Die Götter kommen auf die Erde, da sie nach guten Menschen suchen und stellen die unbedingte Forderung nach Güte und Humanität. Der Atheist Brecht bringt in seinem Werk zum Ausdruck, dass die Götter entweder den Menschen nicht helfen wollen oder unfähig dazu sind. Sie sind sich uneinig, in ihren Ansichten weltfremd und können selbst nicht in dieser Welt überleben, denn schlussendlich sind ihre Kleider zerrissen, sie sind übermüdet und verzweifelt. Denn die Menschen sind verroht und rücksichtslos geworden. Aber man stellt eindeutig fest, dass nicht der angeborene Charakter Schuld an dieser Schlechtigkeit ist, sondern die katastrophalen wirtschaftlichen Bedingungen. So bleibt auch nur ein wahrhaft guter Mensch übrig: Shen Te. Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe scheinen ihre unverrückbaren Charaktereigenschaften zu sein. Trotzdem muss sie – um die Miete bezahlen zu können – ihre Körper verkaufen. Mit dem Besitz des Ladens häufen sich auch die Schmarotzer um sie, die nur darauf bedacht sind sie auszunehmen. So steht sie vor dem finanziellen Bankrott. In ihrer verzweifelten Lage und mit dem Auftrag „gut zu sein, und doch zu leben“, spaltet sich ihre Person. Immer häufiger tritt der eiskalte Shui Ta auf, ihr berechnend denkendes Ich. Als Mann verkleidet, schafft sie das, was sie als gütige Frau nicht geschafft hat: finanziellen Erfolg, Sicherheit und hohes gesellschaftliches Ansehen. Damit will Brecht der bürgerlichen Gesellschaft den Spiegel vorhalten. Denn nicht die liebevolle Shen Te schaffte es zu Respekt und Ansehen, nein, sie wurde sogar für ihr Verhalten belächelt und als naiv eingestuft. Obwohl notgedrungen Shen Te für immer länger Zeit verschwindet, bis sie gar nicht mehr auftaucht, lässt Brecht das Ende offen. Die Götter lassen Shui Ta, der sich als Shen Te zu erkennen gegeben hat, in der Verzweiflung alleine. Der Vorhang fällt, ein Schauspieler betritt die Bühne und wendet sich eindringlich an das Publikum, doch selbst ein Ende (im realen Leben) zu suchen. Denn: „Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss! Es muss ein guter da sein, muss, muss, muss!“

Biografie: Bertolt Brecht

Bertolt Brecht wird 1898 als Sohn eines leitenden kaufmännischen Angestellten geboren. Sein Wirken lässt sich in drei große Richtungen unterscheiden:
Erste Schaffungsperiode: Anarchistischer Protest
Seine erste Schaffungsperiode ist noch vom Expressionismus beeinflusst, in der sich Bertolt Brecht als großen Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft zeigt. Seine lyrischen Formen werden als „Gebrauchslyrik“ bezeichnet. Dieser Lebensabschnitt ist von seinen Eindrücke des 1. Weltkrieges geprägt. So beschreiben seine dramatischen Texte die Vereinsamung und Hoffnungslosigkeit, denen der Mensch in dem allgemeinen Zusammenbruch aller moralischen Werte und Sicherheiten ausgeliefert ist.

Zweite Schaffensperiode: Der Marxist Brecht
Ab 1926 beschäftigt sich Brecht eingehend mit der marxistischen Ideologie. Mittelpunkt seiner Werke ist nicht mehr die Kritik am Weltbild der bürgerlichen Gesellschaft, sondern der Kampf gegen die gesellschaftlich-politischen Zustände auf Grundlage der Ideen von Karl Marx. In diesem Lebensabschnitt entstehen die Opern „Die Dreigroschenoper“ und „Mutter Courage und ihre Kinder“. In seinen Lehrstücken probiert Brecht erstmals auch jene neuen dramatischen Mittel, die er später unter dem Schlagwort „Episches Theater“ zusammenfasst.

Dritte Schaffensperiode: Brecht als Regisseur
Nach fünfzehn Jahre im Exil kehrt Brecht 1948 nach Deutschland zurück. In Ostberlin leitet er eine eigene Theatergruppe, das Berliner Ensemble. Er kommt aber auch in Konflikt mit dem kommunistischen Regime in der DDR. In seinen weiteren Werken warnt er vor Faschismus, Bürokratie und die Gefahren des Krieges. Eine resignierende, melancholische und nachdenkliche Grundhaltung herrschen vor. 1956 stirbt Brecht an einem Herzinfarkt.

Zusammenfassung: Bertolt Brecht war ein Mensch, der nie wirklich sesshaft wurde und immer sehr stürmisch blieb. Er studierte auf unsystematische Art und Weise Naturwissenschaften, Medizin und Literatur und war mehrmals verheiratet. Während der Kriegsjahre waren die Schweiz, skandinavische Länder und die USA seine Aufenthaltsorte, bis er schließlich wieder nach Deutschland zurückkehrte. Konsequent blieb der Schriftsteller, der sehr von Marx beeinflusst worden ist, nur bei seiner politischen Auffassung. Aber gerade wegen seiner sozialkritischen Stücke, die alle die kleinbürgerliche und kapitalistische Problematik behandeln, zählt Brecht zu den bedeutendsten deutschen Künstlern.

Warum China als Ort des Geschehens?

Die tatsächlich existierende chinesische Provinz Sezuan soll dem Stück Realität geben und gleichzeitig der Verfremdung dienen.

Warum muss sich Shen Te verwandeln?

Shen Te bekommt 1000 Silberdollar von den Göttern, unter der Bedingung immer gut zu sein. Sie will das auch einhalten, doch wird ihr gütiger, hilfsbereiter und liebevoller Charakter aufs Ärgste ausgenützt. In dieser kapitalistischen Welt hat sie keine Chance und steht sehr schnell vor dem finanziellen Ruin. Nur durch den Einsatz von Shui Ta, für den nur zählt was sich rechnet, kann Shen Te überleben. Als sie von Sun schwanger wird, wird ihr bewusst, dass ihr Kind ohne Geld keine Zukunft haben kann. So verschwindet Shen Te endgültig und der rücksichtslose Charakter Shui Ta übernimmt die Oberhand.

Definition der Begriffe: Neue Sachlichkeit, Marxismus, Kommunismus, Sozialismus und Kapitalismus

Neue Sachlichkeit (1920-1945)

Nach dem 1. Weltkrieg wird eine neue Bestimmung der menschlichen Werte erforderlich und eine objektive Bestandsaufnahme des menschlichen Daseins. Gefordert sind nicht mehr Pathos und Sentimentales sondern die Beschreibung realer Zustände. Die Literatur entwickelt sich weg von der Sollsein- zur Sosein-Dichtung.

Kennzeichen der Dichtung
Streben nach der Wahrheit, Großstadt und Großstadtmensch, krankhafte Menschen, Spannungen der Zeit – die zwar dargestellt aber nicht bewältigt werden.

Der Zeitroman der Neuen Sachlichkeit
Ist eine literarische Bewegung, die die objektive Wirklichkeit sachlich, fast dokumentarisch darstellen will, indem sie die gesellschaftlich-soziale Realität, den Alltag, beschreibt.

Marxismus

Unter Marxismus versteht man eine Bewegung, die sich auf die Lehre von Karl Marx und Friedrich Engels bezieht. Marxistische Ansätze sind insbesondere:
• Die Idee einer globalen Analyse (gegenseitige Abhängigkeit von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik)
• der Klassenkampf als Motor der Entwicklung der Klassengesellschaft
• die Theorie des dialektischen Materialismus
• die von Marx entwickelten Konzepte und Theorien hinsichtlich Mehrwert, Arbeitskraft, Produktionsmittel …

Kommunismus

Die Idee des Kommunismus hatte seine Hochblüte im 19. Jahrhundert, als Reaktion auf die Veränderung der Gesellschaft durch die industrielle Revolution. Durch die neuen Produktionsverfahren in Fabriken wurden Arbeiter benötigt, die, ohne Rechte und Sicherheit, zu einem Hungerlohn ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen mussten. Kommunisten kritisieren, dass der Kapitalist die Macht hat Arbeiter auszubeuten, dadurch hohe Gewinne erzielt, diese Gewinne investiert und seine Macht weiter ausbauen kann. Der Arbeiter verarmt durch diesen Teufelskreis immer mehr. Daher wollten die Kommunisten eine Revolution und eine Herrschaft des Proletariats errichten. In dieser neuen Gesellschaft sollte es keine direkten Autoritäten geben und alle Produktionsgüter würden gemeinschaftlich verwendet werden.

Sozialismus

Im klassischen Sozialismus wird die Auffassung vertreten, dass sich die Produktion nicht nach dem Bedarf der Gesellschaft, sondern nach den Profitinteressen der Kapitaleigner richte. Daher tendiere privates Kapital dazu, sich in wenigen Händen zu konzentrieren. Diese Entwicklung führe zu einer finanziellen Oligarchie, deren Macht auch von einer demokratischen Gesellschaft immer weniger kontrolliert werden könne. Daraus wird im klassischen Sozialismus der Schluss gezogen, dass es notwendig sei, die Produktionsmittel mittels Vergesellschaftung und Verstaatlichung der Verfügungsgewalt der Kapitalisten zu entziehen. Sozialismus möchte Gleichheit im Ergebnis, dafür werden auch Beschränkungen der Rechte und Freiheiten des Einzelnen zum Wohl der Gesellschaft akzeptiert.

Kapitalismus

Verfechter der freien Marktwirtschaft vertreten die Auffassung, dass sich die Produktion im Kapitalismus vor allem am Bedarf der Gesellschaft ausrichte und der Preis für die Produkte sich an den Gesetzmäßigkeiten von Angebot und Nachfrage orientiere. Um die Nachfrage zu steigern, wird der Bedarf in der Moderne durch Werbung auch oft künstlich erzeugt. Die Unternehmen stellen diejenigen Güter her, die sich auf dem Markt verkaufen lassen. Kritik am Kapitalismus äußerst sich darin, dass er nur marktorientiert denkt und nur der Gewinn zählt. Um Kosten zu senken, könnten Unternehmer Luxusgüter zu überhöhten Preisen anbieten und die Produktion im Bereich der Basisgüter einschränken, was zu einer Unterversorgung der Bevölkerung führen würde. Weil es große Unterschiede zwischen arm und reich gäbe, hätten die Menschen nicht mehr die gleichen Chancen.

Dieser Artikel bietet eine kurze Biografie zu Gotthold Ephraim Lessing, Inhaltsangabe und Interpretation seines Werkes Nathan der Weise und eine Zusammenfassung über die Zeit der Aufklärung.

  1. Biografie
  2. Inhaltsangabe
  3. Interpretation
  4. Die Aufklärung
  5. Literaturstreit zwischen Gottsched und Lessing

Biografie

Gotthold E. Lessing

Gotthold Ephraim Lessing wurde am 22. Januar 1729 in Kamenz geboren. Sein Vater war evangelischer Archidiakon. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr besuchte er die Latein-Schule in Kamenz, anschließend die Fürstenschule St. Afra in Meißen. Danach nahm er das Theologiestudium an der Universität Leipzig auf. Schon bald beschäftigte er sich aber mit eher weltlichen Dingen und begeisterte sich für das Theater. In der Zeitschrift „Der Naturforscher“ und den von seinem Vetter Christlob Mylius herausgegebenen „Ermunterungen zum Vergnügen des Gemüths“, erschienen erste Gedichte, Fabeln und Verserzählungen. Wegen eigener und fremder Schulden, für die er gebürgt hatte, flüchte Lessing aus Leipzig. Nach kurzem Zwischenaufenthalt in Wittenberg, wo er Medizin studieren wollte, erreichte er Berlin.
Lessing entschloss sich dort den Beruf des freien Schriftstellers zu ergreifen. Er war da noch keine zwanzig Jahre alt. Zusammen mit Mylius gab er die Zeitschrift „Beiträge zur Historie und Aufnahme des Theaters“ heraus, daneben schrieb er Rezensionen, Gedichte, Theaterstücke („Die Juden“, „Der Freigeist“) und verfasste Übersetzungen. Ab 1751 arbeitete er für die „Berlinischen privilegierten Staats- und Gelehrten Zeitung“. Auf Drängen des Vaters reiste er aber nach Wittenberg, um dort seine Studien abzuschließen. Im April 1752 promovierte er zum Magister der Philosophie. Danach war Lessing wieder in Berlin. Er beschäftigte sich mit Übersetzungen von Schriften Voltaires und Friedrichs II und begann das ehrgeizige Projekt der (niemals vollendeten) „Theatralischen Bibliothek“, die in unregelmäßiger Reihenfolge eine kritische Geschichte des Theaters zu allen Zeiten und bei allen Völkern liefern sollte. Weiters erschien die sechsteilige Sammlung seiner Schriften und 1755 entstand „Miß Sara Sampson“.

Finanzielle Sorgen

Trotz des literarischen Ruhmes war Lessing nach wie vor auf der Suche nach einer gesicherten Anstellung. 1756 wollte er mit dem reichen Kaufmann Winkler eine Europareise machen, doch im August wurden sie in Amsterdam vom Ausbruch des Siebenjährigen Krieges überrascht und mussten umkehren. Nach der Rückkehr in das mittlerweile von den Preußen besetzte Leipzig, entwickelte sich bald eine enge Freundschaft zum preußischen Major und Dichter Ewald von Kleist. In Berlin schrieb er die ersten Briefe „Die neueste Literatur betreffend“, 1759 erschien dann der Einakter „Philotas“. Einen überraschenden Einschnitt in sein Leben stellte die Stelle als Sekretär beim preußischen General Tauentzien dar. Aller Geldsorgen enthoben, begann Lessing ein lasterhaftes Leben und gab sich seiner Spielleidenschaft hin. Bald hatte er aber dieses Leben satt und fand sich wieder in seine literarische Arbeit ein. 1766 schrieb er „Minna von Barnhelm“. Danach konzentrierte er sich ganz auf die Mitarbeit an dem in Hamburg geplanten Nationaltheater. Aus dem Theater sollte eine Institution der nationalen Kultur gemacht werden. Bald war das Projekt aber finanziell und organisatorisch gescheitert.

Lessing wird Bibliothekar in Wolfenbüttel

Im September 1769 erhielt Lessing vom Braunschweiger Hof das Angebot, Bibliothekar an der berühmten herzoglichen Bibliothek in Wolfenbüttel zu werden. In dieser Zeit erschien „Emilia Galotti“, daneben veröffentlichte er aus dem Nachlass von Hermann Samuel Reimarus „Fragmente eines Ungenannten“, die ihn später mit dem Hamburger Hauptpastor Johann Melchior Goeze in heftige theologische Auseinandersetzungen verwickelte. Überhaupt befasste er sich intensiv mit theologischen Fragen: Es erschien „Die Erziehung des Menschengeschlechts“ und die gegen den orthodoxen Hamburger Hauptpastor gerichteten „Anti-Goeze-Schriften“, die auf das Recht der Vernunft pochten, die Religion einer prüfenden Kritik zu unterziehen. Als Fortsetzung dieser Ausei-andersetzung entstand 1778 das dramatische Gedicht „Nathan der


Inhaltsangabe

Nathan der Weise

Die Handlung spielt zur Zeit des Waffenstillstandes während des Dritten Kreuzzuges in Jerusalem. Als der Jude Nathan von einer Geschäftsreise zurückkommt, erfährt er, dass seine (Pflege-)Tochter Recha von einem christlichen Tempelherrn aus dem Feuer gerettet wurde. Dieser Tempelherr verdankt wiederum sein Leben der Begnadigung durch den muslimischen Herrscher Sultan Saladin. Er hatte ihn als Einzigen von zwanzig Gefangenen begnadigt, weil er des Sultans verstorbenen Bruder Assad ähnlich sah. Nathan überzeugt den Tempelherrn zu einem Besuch, um den Dank seiner Tochter entgegen zu nehmen.

Keine Religion hat absolute Wahrheit

Sultan Saladin hat Geldsorgen, deshalb plant er Nathan eine Fangfrage zu stellen und dessen Antwort zu nutzen, um Geld von ihm zu erpressen. Er fragt Nathan nach der „wahren Religion“. Dieser antwortet mit der Ringparabel. In diesem Gleichnis besitzt ein Mann ein wertvolles Familienerbstück: Einen Ring, der über die magische Eigenschaft verfügt, seinen Träger „vor Gott und den Menschen angenehm“ zu machen. Der Ring wurde über viele Generationen hinweg vom Vater auf den Sohn vererbt, und zwar stets an jenen, den der Vater am meisten liebte. Nun hat aber der Mann, von dem die Erzählung handelt, drei Söhne, die ihm alle gleichermaßen lieb sind, sodass er nicht weiß, wem von den dreien er den Ring hinterlassen soll. Schließlich behilft er sich, indem er von einem Goldschmied zwei weitere Ringe herstellen lässt, die beide dem ursprünglichen Ring identisch sind. Er hinterlässt jedem Sohn einen Ring, wobei er jedem versichert, sein Ring sei der echte. Nach dem Tode des Vaters ziehen die Söhne vor Gericht, um klären zu lassen welcher von den drei Ringen der echte sei. Der Richter aber ist außerstande dies zu ermitteln und verweist darauf in „tausend tausend Jahren“ wieder zu kommen, wenn ein Klügerer an seiner Stelle sitzt. Aber er erinnert die drei Männer daran, dass der echte Ring die Eigenschaft habe, den Träger bei allen anderen Menschen beliebt zu machen. Wenn aber dieser Effekt bei keinem der drei eingetreten sei, dann könne das wohl nur heißen, dass der echte Ring verloren gegangen sein muss. Jedenfalls solle ein jeder von ihnen trachten, die Liebe aller Mitmenschen zu verdienen. Wenn dies einem von ihnen gelinge, so sei er der Träger des echten Ringes. Tief von dieser Geschichte beeindruckt, bittet der Sultan Nathans Freund sein zu dürfen.

Verknüpfte Schicksale

Der Tempelherr hat sich unterdessen in Recha verliebt und möchte sie heiraten, obwohl sie die Tochter eines Juden ist. Als er herausfindet, dass Recha adoptiert ist und ihre leiblichen Eltern Christen waren, wendet er sich an den Patriarchen von Jerusalem. Dieser versucht daraufhin, Nathan eine Falle zu stellen. Am Ende stellt sich aber heraus, dass Recha und der Tempelherr Geschwister und die Kinder von Assad sind. Nathan, der kein leiblicher Verwandter ist, wird als Vater im Sinne der Seelenverwandtschaft anerkannt.


Interpretation

Gegen theologische Engstirnigkeit

Dem Werk „Nathan der Weisen“ ging der so genannte Fragmentenstreit voraus. Wie in der Biografie erwähnt, veröffentlichte er Teile der Schrift von Reimarus, die die Religion und Kirche angriffen. Auch er sah zwischen der Religion Christi und der christlichen Religion einen großen Unterschied, da die Kirche die Bibel vielseitig und nach ihren Gunsten interpretiere. Auf die Kritik reagierte vor allem der Hauptpastor Goeze äußerst scharf, woraufhin es zu den „Anti-Goeze-Schriften“ kam. Lessing wurde es bald verboten, weitere Schriften gegen Goeze zu publizieren. Um trotzdem den Diskurs über den alleinigen Wahrheitsanspruch der Kirche weiterführen zu können und den Menschen den Idealzustand der Welt zu zeigen, wandte Lessing sich wieder dem Theater zu, die er als seine „alte Kanzel“ bezeichnete. Nathan der Weise besteht aus fünf Akten, wurde 1779 veröffentlicht und am 14. April 1783 in Berlin uraufgeführt. Es ist in fünfhebigen jambischen Versen verfasst. Lessing sieht in dem utopischen Entwurf seines Stückes die „Lösung der Diskrepanzen zwischen den tatsächlichen, in Dissonanzen (Unstimmigkeiten) gefangenen Welt und dem von der Vorsehung geordneten Idealzustand“, nachdem im Grunde alle philosophischen Denkrichtungen der Menschen suchen.

Jerusalem: Schmelztiegel der Weltreligionen

Schon mit Bedacht wählt er den Ort des Schauspiels: Jerusalem, der Schmelztiegel der drei großen Weltreligionen. (Judentum, Christentum, Islam) Lessing wusste über die Zeit der Kreuzzüge sehr gut Bescheid, doch bildet die Historie nur den authentischen Rahmen. Chronologie und genaue geschichtliche Tatsachen opfert er zu Gunsten des literarischen Inhaltes. Die Namen der Figuren lassen sich leicht den drei großen Religionen zuordnen: Nathan (Judentum), Sultan (Islam) und Tempelherrn (Christentum). Die agierenden Personen im Stück und auch die Zuschauer sind stets gezwungen, über das dialektische Spiel zwischen Wunder und Natürlichkeit, Fügung und Zufall, Schicksal und Freiheit, Glaube und Vernunft nachzudenken.

Leitbild eines Humanisten

Der Jude Nathan wird zum souveränen Vertreter der humanen Haltung, die jenseits der religiösen Unterschiede die Gemeinsamkeit der Menschen erkennt und zu Toleranz findet. Er verkörpert das Idealbild des Menschen und handelt ganz nach den Vorstellungen der Aufklärung. Das wird vor allem deutlich, als er erörtert, dass seine Familie einem Judenpogrom zum Opfer gefallen ist. Er kommt in einen tiefen inneren Konflikt – jener Konflikt zwischen Vertrauen und Verachtung gegenüber dem sinnvollen Verlauf der Geschichte. Nathan löst diesen Konflikt mit Vernunft und Vertrauen: „Und doch ist Gott!“ Glaube überzeugt nur auf dem Grunde der Erfahrung des irdischen Leides und in der verzweifelten Gewissheit eines unbegreiflichen Gottes. So entschließt er sich, das Christenkind Recha als Ziehtochter aufzunehmen.

Der Mensch jenseits seiner Rolle

Im Laufe des Stückes gelingt es ihm dem Tempelherrn, der seine Tochter Recha rettete, von seinen Vorurteilen, seiner Überheblichkeit und seiner Intoleranz zu befreien. Im Gespräch zwischen Nathan und dem Tempelherrn stellt sich eine primäre Frage: Wenn alle Rollen-Attribute wegfallen – wie Sprache, Kleidung, Nationalität – kommt dann der Mensch zum Vorschein? Was ist der Mensch jenseits seiner Rolle? Und was ist Menschlichkeit? Das sind Fragen, die im Laufe der Handlung immer dringlicher werden, zumal drohende Konflikte eine Entscheidung herbei zwingen, die die Rollen-Verpflichtung aufheben und den Menschen frei machen zum Handeln als Mensch. Lessing stellt den „bloßen Menschen“ über den Christen, Juden oder Moslem. Durch Nathan und Recha überwindet der Tempelherr seine Engstirnigkeit. Schließlich möchte er Nathans Freund werden, verliebt sich in Recha und verweigert den Befehl des Patriarchen, den Sultan rücklings zu ermorden. Aber nicht nur der Tempelherr, sondern auch Sultan Saladin öffnet sich durch Nathan anderen Ansichten.

Die Ringparabel

Als der moslemische Sultan – um Geld von Nathan erpressen zu können – ihn fragt welche Religion die richtige sei, antwortet im Nathan mit einer Ringparabel. Dieses Gleichnis ist das zentrale Ereignis im Stück. Basierend auf der Geschichte von Boccaccio, hat Lessing diese stark ausgearbeitet und mit großer Symbolik aufgeladen: So steht der Ring mit dem Edelstein für das Licht und für die Wahrheit. Er hat die Kraft vor Gott und Menschen angenehm zu machen, wenn er in dieser Zuversicht getragen wird. Mit dem Wort Zuversicht wird angedeutet, dass nicht der Ring alleine zählt, sondern vielmehr der Glaube. Die Söhne streiten vor Gericht um den Ring, aber der echte Ring kann nicht mehr bewiesen werden. Ja, möglicherweise ist das Ganze sogar ein ausgemachter Betrug und keiner hat mehr den echten Ring. Der Richter beschließt, dass derjenige den echten Ring haben muss, der durch seine guten, mitmenschlichen Taten die Kraft des Ringes beweist. Damit erklärt Lessing, dass die Wahrheit niemals Besitz ist, sondern sich nur durch die Methode des Handelns beweist. Lessing stellt sich damit gegen alle positiven Religionen ist. Die drei Söhne sollen sich in „tausend tausend Jahren“ wieder zusammenfinden, dann wird ein Klügerer auf dem Richterstuhl sitzen. Damit wird die Offenbarung des idealen Reiches angekündigt, bis aber dies erreicht ist, soll der Mensch durch Erziehung auf dieses Ende ausgerichtet werden. In der Figur des Patriarchen – der dem Pastor Goeze ähnelt und der im Stück als schlechter und verwerflicher Charakter erscheint – wendet sich Lessing direkt gegen den erstarrten Dogmatismus der Kirche. Dieser glaubt Wahrheit als Dogma zu besitzen. Wenn aber Wahrheit nur in der kommunikativen Beziehung der Menschen zueinander, im Ringen der Menschen um Einsicht an den Tag tritt, so fällt auf, dass der Patriarch, als einzige Figur, mit niemandem ins Gespräch kommt und völlig isoliert ist.,Das Stück neigt sich dem Ende und in der glücklichen Schlussszene zeigt sich die Menschheit als große Familie. Das es zum guten Ende kommt, ist aber Werk der Vernunft.


Die Aufklärung

Eine Gesellschaft im Umbruch (1700-1770)

Begriffserklärung

Unter Aufklärung im allgemeinen Sinne versteht man eine Epoche im 16. bis 18. Jahrhundert, in der ein gesellschaftlicher Emanzipationsprozess stattfand. Dessen Ziel war es, traditionelle, auf Frömmigkeit beruhende, autoritäre Geisteshaltungen kritisch zu hinterfragen, um einer ernüchterten Kultur des Verstandes Vorschub zu leisten. Sie war geprägt durch eine Bewegung der Säkularisierung und eine Abkehr von der absolutistischen hin zu einer demokratischen Staatsauffassung und dem Konzept der Menschen- und Bürgerrechte. Kants Leitspruch: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ zielt auf den äußeren Widerstand gegen die Aufklärung, aber auch auf die innere Befreiung von der Bevormundung. Man forderte uneingeschränkte Gedanken- und Glaubensfreiheit und kämpfte gegen Dogmen der Kirche, Aberglauben und Vorurteile. Die Aufklärer wollten aber nicht nur Intellektuelle, sondern vielmehr auch die „niederen“ Volksschichten ansprechen. Der aufgeklärte Mensch sollte nicht mehr den Vorgaben der Obrigkeiten vertrauen, sondern aus „seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ (Immanuel Kant) ausbrechen und sein Leben selbstbestimmt in die Hand nehmen.

Geschichte

Die moderne europäische Aufklärung beginnt mit der Wiedergeburt des antiken Geistes, der Renaissance. Diese und die Reformation bilden das Vorspiel für die geistige Haltung der Aufklärung. Wichtige Voraussetzungen waren außerdem die neuen Entdeckungen in Übersee und das daraus entstandene neue Weltbild, die Papierherstellung und der Buchdruck. Damit wurde der Bucherwerb auch für das bürgerliche Publikum erschwinglich, ein Verlagswesen mit Zeitungsproduktion und Buchmarkt entstand. Mit der Zeit dieser Aufklärung ging ein naturwissenschaftlicher und technischer Erkenntnisfortschritt einher. Er beeinflusste auch stark die Bildung humanistischer Vorstellungen, denn auch die Ethik sollte rationalen Kriterien unterworfen werden. Aufgrund der strengen Zensur in Österreich wurden viele Werke in Deutschland gedruckt und nach Österreich geschmuggelt. Die Aufklärung war für die französischen Revolution nicht die einzige Ursache, doch sie hat die Revolution in vielen Aspekten geprägt: ihre Führer – radikale Anhänger der Aufklärung – schafften den Einfluss der Kirche ab und ordneten Kalender, Uhr, Maße, Geldsystem und Gesetze anhand von rein rationalen Kriterien neu. Die französische Revolution ist allerdings auch das Ende der Aufklärung. Die extreme Betonung von Ratio und Objektivität führte zur Gegenbewegung: Die Romantik betonte Individualität und subjektive Erfahrung. Für die Romantiker ist der Mensch ein Gefangener, wenn sich seine Werte und Regeln einzig nach Kriterien der Vernunft bestimmen.

Typische Merkmale der Aufklärung zusammengefasst

• Denkbewegungen auf allen Gebieten
• Kritisches Fragen, Denken und Zweifeln wird zur Tugend
• Bürger erlangen Selbstbewusstsein
• Empirismus
• Rationalismus
• Weisheit und Intellekt werden zur Tugend
• Tugend und ihre Förderung werden zum Hauptziel der Epoche
• Das „Gute“ und das „Vernünftige“ werden gleichgesetzt
• Natur statt offenbarter Religion
• Menschlicher Verstand als Instrument der Wahrnehmung
• Freiheit statt Absolutismus
• Gleichheit statt Ständeordnung
• Erfahrung und wissenschaftliche Erkenntnis statt Vorurteil und Aberglauben
• Toleranz statt Dogmatismus
• „Der Mensch ist von Natur aus gut, man muss es ihm nur zeigen.“

Berühmte Vertreter der Aufklärung

Viele Vertreter der Aufklärung waren Freimaurer oder standen der Freimaurerei nahe, ebenso wie Lessing. Wichtige Vertreter der Aufklärung waren:
• Johann Wolfgang von Goethe
• Johann Gottfried Herder
• David Hume
• Immanuel Kant
• Gotthold Ephraim Lessing
• John Locke
• Moses Mendelssohn
• Montesquieu
• Jean-Jacques Rousseau
• Voltaire


Literaturstreit

Gottsched vs. Lessing

Johann Christoph Gottsched setzte sich mit Strenge für eine Reform der Sprache, der Dichtkunst und besonders des Theaters ein. Gottsched verbannte alles Übernatürliche, alles Wunderbare und zugleich damit jedes leidenschaftliche Gefühl, weil Leidenschaft den zweckmäßigen Gebrauch der Vernunft ausschließt. Für ihn waren die so genannten drei Einheiten, die Einheit des Ortes, die Einheit der Zeit, die Einheit der Handlung, vorrangig. Gottsched hielt bei seiner Reform der Tragödie an der feudalen Ständeklausel fest: Nur Personen höchsten Standes durften in der Tragödie auftreten. Lessing stellte dem sein bürgerliches Theater gegenüber: Er lässt die Tragik aus der allgemeinen menschlichen Konfliktsituation entstehen. Er spielt die Wahrheit in der Charakterbezeichnung und die Erschütterung des Zuschauers gegen das höfische Repräsentationstheater aus. Seine Helden sollten sein wie die Zuschauer. Seine Leitbilder sind nicht die französischen Klassiker, sonder die antiken Tragiker und vor allem Shakespeare. Dieser beachtet weder Einheit des Ortes, der Zeit noch der Handlung.

 

Foto: Gotthold Ephraim Lessing (1767/1768). [Public domain], via Wikimedia Commons

Gerhart Hauptmann (1914), [Public Domain]

Gerhart Hauptmann (1914), [Public Domain]

Vor Sonnenuntergang von Gerhart Hauptmann ist ein Familiendrama und gekennzeichnet durch die Milieutheorie. Typisch für den Naturalismus wird hier die „Kehrseite“ des Menschen schonungslos gezeigt: Brutalität, Stumpfsinn, Lieblosigkeit und Gier. Doch im Unterschied zu den meisten anderen Werken des Naturalismus wird nicht die Arbeiterklasse, sondern das Großbürgertum dargestellt, wobei man erst bei näherer Betrachtung die tiefen Abgründe und die Tragödie entdeckt. Hauptmann beschäftigt sich dabei mit der Abnormität der Liebe zwischen einem alten, reichen Mann und einem jungen, naiven Mädchen. Die Liebe der Beiden verärgert die neidischen und selbstverliebten Erben, die zu den unredlichsten Mitteln greifen, um diese Liebe zu zerstören.

Erfolgreich als Geschäftsmann, unglücklich im Leben

Das Stück beginnt mit der 70. Geburtstagsfeier von Matthias Clausens. Nach dieser großen Feier, bei der er als Kommerzienrat geehrt worden war, kommt für Matthias die Ernüchterung. Seinem alten Freund Prof. Geiger erzählt er seine Sorgen. Vor allem in Erich Klamroth, Ottilies Mann und Direktor in den Clausenschen Betrieben, sieht Matthias einen von Macht und Geld besessenen Menschen. Seine Tochter Ottilie erkennt in ihrer Naivität aber nicht seinen wahren Charakter und ist ihm hörig. In weiterer Folge lernt Matthias die junge Inken Peters kennen. Sie verlieben sich ineinander. Damit beginnt die eigentliche Dramaturgie des Stückes.

Liebesbeziehung erregt Erben

Diese Liebe ist für die Erben von Matthias Clausen ein großer Schock, da sie um ihre Stellung und ihren Wohlstand fürchten. Inken versucht man zu bestechen und als das nichts hilft, folgen Drohbriefe. Laut den „rechtmäßigen Erben“ ist Inken Peters eine Erbschleicherin, die nur die Gutmütigkeit und Liebe von Matthias ausnützen will. So geben sie sich selbst, auf höchst heuchlerische Weise, besorgt um ihren Vater. Es kommt zudem zu Streitereien zwischen den Geschwistern und deren Ehepartnern. Jeder ist darum bedacht, den größten Gewinn aus den Betrieben des Vaters zu holen.

In den Tod getrieben

Die Situation spitzt sich zu, als der Verwandtschaft bewusst wird, dass sie es nicht geschafft haben Inken und Matthias zu entzweien und Matthias nun Inken als Erbin eingesetzt hat. Sie fürchten sich um ihre Position, wollen den Vater aber noch nicht verraten. Auch Professor Geiger, der alte Schulfreund von Matthias schlägt sich immer mehr auf die Seite der Verwandtschaft, der Druck auf das Liebespaar verstärkt sich, das jetzt schon vom ruhigen Leben in der Schweiz träumt. Schließlich schaffen die Kinder von Matthias es doch noch, Inken Peters zu vertreibe und Matthias verfällt in tiefe Depression. Dr. Steynitz, Hausarzt und bisher an sich Freund von Matthias überreicht ihm schließlich, im Auftrag der Kinder, einen Brief, der vor Gericht seine Unzurechnungsfähigkeit feststellen soll. Somit wollen sie seine Betriebe übernehmen und ihn loswerden. Matthias sieht daraufhin keinen Ausweg und bringt sich mit Zyankali um.

Eine gute Übersicht über die wichtigsten Vertreter und Formen der Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg

Frankreich

das existentialistische Drama

Jean-Paul Sartre (1905-1980)

• Tote ohne Begräbnis
• Die schmutzigen Hände
• Der Teufel und der Liebe Gott
• Das Sein und das Nichts. Versuch einer phänomenologischen Ontologie (sein philosophisches Hauptwerk)

Albert Camus (1913-1960)

• Die Gerechten
• Der Fall
• Das Exil und das Reich

 

das absurde Theater

Samuel Beckett (1906-1989)

• Warten auf Godot
• Endspiel

Eugène Ionesco (1912-1994)

• Der neue Mieter
• Die Stühle

Der Surrealismus

André Breton (1896-1966)

• Die Manifeste des Surrealismus
• Die magnetischen Felder

Louis Aragon(1897-1982)

• Abhandlung über den Stil
• Pariser Landleben

Narzissmus

Marcel Proust (1817-1922)

• Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (siebenteiliges Romanepos)

 

Italien

Epik

Alberto Moravia (1907-1990)

• Cesira
• Die Verachtung
• Die Römerin

Italo Calvino (1923-1985)

• Der geteilte Visconte
• Wo Spinnen ihre Nester bauen

Lyrik und Dramatik

Luigi Pirandello (1867-1936)

• Sechs Personen suchen einen Autor
• Das Vergnügen, anständig zu sein

 

Spanien

Lyrik

Federico García Lorca (1898-1936)

• Mariana Pineda
• Die Sprache der Blumen

 

England

Epik

Zur Epik zählt der psychologische Roman mit seiner „Bewusstseinstechnik“ oder „Stream of consciousness“. Dabei handelt es sich um einen literaturwissenschaftlichen Fachbegriff zur Bezeichnung einer besonders im modernen Roman verwendeten Erzähltechnik, die anstelle eines in sich geschlossenen äußeren Geschehens Gedanken und Bewusstseinsvorgänge der Hauptfiguren wiedergibt, die spontan-assoziativ und in ungeordneter Form ablaufen und nicht in einem direkten Bezug zur äußeren Handlung stehen müssen.

James Joyce (1882-1941)

• Ulysses (Experimentalroman)
• Finnegans Wake
• Dubliner

Der utopische Roman (Zeitkritik)

George Orwell (1903-1950)

• 1984
• Die Farm der Tiere
• Mein Katalonien (Erfahrungsbericht)

Aldous Huxley (1894-1963)

• Schöne neue Welt
• Kontrapunkt des Lebens

Herbert George Wells  (1866-1946)

• Die Zeitmaschine
• Krieg der Welten

Kriminalroman – Gesellschaftsroman

Henry Graham Greene (1904-1991)

• Zwiespalt der Seele
• Die verlorene Kindheit
• Zentrum des Schreckens
• Das Attentat

Dramatik

Eliot, T.S (1888-1965)

• Das wüste Land
• Aschermittwoch
• Ein verdienter Staatsmann

USA

Epik

Ernest Hemingway (1899-1961)

• Der alte Mann und das Meer
• In unserer Zeit
• Wem die Stunde schlägt

John Ernst Steinbeck (1902-1968)

• Früchte des Zorns
• Von Mäusen und Menschen

Dramatik

Arthur Miller (*1915)

• Tod eines Handlungsreisenden
• Hexenjagd
• Alle meine Söhne

Tennessee Williams (1911-1983)

• Die Glasmenagerie
• Endstation Sehnsucht
• Die Katze auf dem heißen Blechdach
Russland

Sozialistischer Realismus – Epik

Boris Leonidowitsch Pasternak (1890-1960)

• Doktor Schiwago
• Meine Schwester, das Leben
• Die zweite Geburt

Aleksandr Solschenizyn (*1918)

• Der erste Kreis der Hölle
• Krebsstation
• Das rote Rad

Die deutschsprachige Gegenwartsdichtung

Das neue Volksstück

Franz Xaver Kroetz

• Männersache
• Oberösterreich

Österreichische Dramen

Elias Canetti (1905-1994)

• Die Hochzeit
• Komödie der Eitelkeit

Peter Handke (*1942)

• Die Hornissen
• Die Publikumsbeschimpfung (Theaterstück)
• Die Angst des Tormanns beim Elfmeter

Bekannt wurde er vor allem durch seine provokanten Volksstücke, die versuchend die Grausamkeit und Korruption der modernen Gesellschaft aufzudecken.

Peter Turrini (*1944)

Turrini wurde am 26. September 1944 in Sankt Margarethen (Kärnten) geboren, besuchte die Handelsschule und übersiedelte 1963 nach Klagenfurt. Zwischen 1963 und 1971 arbeitete er u. a. als Holzfäller, Handelsvertreter und Werbetexter. Inzwischen lebt er als freier Schriftsteller in Wien und Retz im Weinviertel. Er erhielt bereits zahlreiche Preise.

In seinen oft provozierenden Theaterstücken äußert Turrini eine am Volkstheater orientierte Gesellschaftskritik. Eine schockierende Parabel erzählt auch sein Stück „Sauschlachten“, in dem ein Bauernjunge, weil er nicht sprechen will, wie ein Schwein geschlachtet wird. Turrini übt damit Kritik an den repressiven Moralvorstellungen einer bäuerlichen bzw. kleinbürgerlichen Welt.
weitere Werke
• Tod und Teufel
• Kindsmord
• Die Minderleister

 

Die Gruppe 47

Die Gruppe 47 war ein von Hans Werner Richter organisierter, lockerer Zusammenschluss linksgerichteter Schriftsteller bzw. Kritiker, der im Herbst 1947 in München erstmals zusammenkam. Die Gruppe 47 entstand aus einem Kreis, der sich ursprünglich um die Zeitschrift Der Ruf gebildet hatte. Als „Der Ruf“, ein kritisches Organ zur politischen Bewusstseinsbildung, von der US-Militärregierung verboten wurde, trafen sich die Mitarbeiter, um ihre unge-druckten Manuskripte vorzustellen. Dies war der Beginn der Gruppe 47, die ohne festes politisches oder ästhetisches Konzept antrat.
Zusammengehalten wurden die Mitglieder der Gruppe 47 durch ihre antiautoritäre Grundeinstellung, welcher die Erfahrungen des nationalsozialistischen Regimes und des Zweiten Weltkrieges zugrunde lagen. Die Gruppe 47 traf sich in immer wieder neuen Konstellationen zunächst von 1947 bis 1955 zu halbjährlichen Treffen, dann – zwischen 1955 und 1967 – in jährlichem Turnus, um über Texte eingeladener Nichtmitglieder zu diskutieren.
Dadurch, dass es der Gruppe 47 gelang, die Autoren aus ihrer gesellschaftlichen Isolation ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken, avancierte sie schnell zum Forum deutscher Literaten der Nachkriegszeit. Die Gruppe 47 hielt regelmässig Lesungen ab, an ihnen nahmen unter anderem teil: Ilse Aichinger, Heinrich Böll, Ingeborg Bachmann, Günter Eich und Martin Walser. Günter Grass, der Auszüge seines Romans „Die Blechtrommel“ vorstellte, erhielt 1958 einen Preis der Gruppe 47.
Im Laufe der Jahre wurden die Herbsttagungen der Gruppe 47 immer weniger von Schriftstellern, dafür umso stärker von Kritikern bestimmt. Fritz J. Raddatz, Hans Mayer, Walter Höllerer und Marcel Reich-Ranicki traten in den Vordergrund. In den fünfziger Jahren bildete sich in Wien um H. C. Artmann, Konrad Bayer und Gerhard Rühm eine eher experimentell orientierte „Wiener Gruppe“ sowie in den sechziger Jahren in Dortmund um Max von der Grün und Günter Wallraff ein sozial engagierter Kreis: „Gruppe 61“. 1967 kam es zur letzten offiziellen Tagung der Gruppe 47.

Forum Stadtpark

Auch Grazer Gruppe oder Grazer Forum genannt. Ist eine 1958 gegründete avantgardistische Vereinigung von Schriftstellern und Künstlern in Graz, die in dem eigens dafür gemieteten Grazer Stadtpark-Café anfing ein modernes Kulturzentrum aufzubauen. Hauptinteresse war eine enge Verbindung von experimenteller Kunst und gesellschaftspolitischem Engagement mit dem Ziel, ästhetische Innovationen einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen.
Anfangs musste sich das Forum Stadtpark gegen kulturpolitische Widerstände behaupten, doch schon bald avancierte es zu einem der bedeutendsten österreichischen Literaturzentren der sechziger Jahre. Seit 1960 bietet es ein breit gefächertes Veranstaltungsprogramm an, das neben Literaturlesungen und Kunstausstellungen auch Theater-, Film- und Musikaufführungen umfasst. Darüber hinaus wurden Kontakte zu Schriftstellern anderer Länder – u. a. der Bundesrepublik Deutschland, der DDR, Polens und der Tschechoslowakei – geknüpft. Zu den bekanntesten Vertretern des Forums Stadtpark gehören die Schriftsteller Wolfgang Bauer, Thomas Bernhard, Barbara Frischmuth, Peter Handke, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker und Peter Rosei.

Wolf Biermann (geboren 1936)

Biermann wurde am 15. November 1936 als Sohn eines Arbeiters in Hamburg geboren. Sein Vater war kommunistischen Widerstandskämpfers gegen das nationalsozialistische Regime. Als Kind wurde er mit der Ermordung seines Vaters im Konzentrationslager Auschwitz konfrontiert. Aus politischer Überzeugung übersiedelte er bereits 1953 in die DDR, wo er in Ost-Berlin Philosophie, politische Ökonomie und Mathematik studierte. Anfang der sechziger Jahre begann Biermann mit dem Verfassen von Gedichten und Liedern, die sich an Heinrich Heine und Bertolt Brecht orientierten, die marxistische Utopie besangen, gleichzeitig aber auch den Mangel an demokratischen Rechten im real existierenden Sozialismus beklagten. 1965 erhielt Biermann aufgrund seines Gedichtbands „Die Drahtharfe“ in der DDR Auftrittsverbot und musste fortan seine Werke in der Bundesrepublik veröffentlichen. 1968 entstand das Album „Mit Marx- und Engelszungen“.
Auf einer 1976 genehmigten Tournee durch Westdeutschland gab die Regierung der DDR Biermanns Ausbürgerung bekannt. Diese Maßnahme löste in der DDR Proteste aus, die zu einer weiteren Ausbürgerungswelle führten. Danach lebte Biermann vorwiegend in Hamburg und Paris. In den achtziger Jahren unterstützte er aktiv die Grünen. Auch veranstaltete er zahlreiche Tourneen durch Deutschland, die EG-Staaten und Skandinavien. 1983 hielt er sich als Dozent der Ohio State University für drei Monate in den USA auf. Anfang 1989 wurde ihm ein Konzert in der DDR erlaubt.
Nach der Wiedervereinigung äußerte sich Biermann verstärkt zur Stasi-Tätigkeit vieler seiner Kollegen in der DDR und über die Auseinandersetzung der Öffentlichkeit mit der deutsch-deutschen Vergangenheit. Damit einher ging die Suche nach einem neuen dichterischen Selbstverständnis: 1991 erhielt Wolf Biermann den Georg-Büchner-Preis. Im Mai 1998 wurde Biermann mit dem hoch dotierten deutschen Nationalpreis der Deutschen Nationalstiftung ausgezeichnet.

Hans Carl Artmann (1921-2000)

Artmann wurde am 12. Juni 1921 in Wien geboren. 1940 musste er zur deutschen Wehrmacht und kam 1945 in amerikanische Gefangenschaft. In dieser Zeit entstanden erste Gedichte, die 1947 im Radio Wien gesendet wurden. Danach war Artmann im Kreis um die Zeitschrift „Neue Wege“ und im „Art Club“ aktiv. Hier bildete er zwischen 1953 und 1958 gemeinsam mit Gerhard Rühm den Mittelpunkt der avantgardistischen Wiener Gruppe, die mit ihrer Sprachartistik wichtige Anregungen vom literarischen Dadaismus bzw. Surrealismus empfing. Auch gründete er die kleine Schaubühne. 1954 reiste Artmann nach Holland, Belgien, Frankreich und Italien, ein Jahr später durch Spanien. 1958 kam als erstes Buch „med ana schwoazzn dintn“ heraus. Nach seiner Übersiedlung nach Berlin 1968 lebte er lange Zeit ohne festen Wohnsitz, bevor er sich 1972 in Salzburg bzw. Wien niederließ. Artmann war Mitglied der Berliner Akademie der Künste und Ehrendoktor der Salzburger Universität. 1974 erhielt er den Großen Österreichischen Staatspreis, 1986 den Stadtschreiber-Literaturpreis des ZDF und der Stadt Mainz, 1987 den manuskripte-Preis des Forums Stadtpark, 1991 das Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst und 1992 den Literaturpreis der Stadt Salzburg zugesprochen. 1997 wurde Artmann mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt sowie mit dem Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln.
In den Arbeiten Artmanns mischt sich ein oftmals barock ausufernder Sprachwitz mit Elementen des schwarzen Humors. Zu den Werken des Autors gehören die Lyrikbände „Allerleirausch“ (1967) und „Aus meiner Botanisiertrommel“(1975) und die zum Teil zeitkritischen Prosawerke wie z.B. „Von denen Husaren und anderen Seil-Tänzern …“ (1959). Darüber hinaus trat Artmann als bedeutender Übersetzer, vor allem aus dem Schwedischen, Französischen, Englischen und Spanischen hervor. Die Werke François Villons etwa übertrug er in den Wiener Dialekt. Artmann starb am 5. Dezember 2000 in Wien.

In diesem Artikel behandle ich die literarische Strömung der „Wiener Moderne“ und ihre zwei wichtigsten Protagonisten.

  1. Die Wiener Moderne
  2. Hugo von Hofmannsthal
  3. Arthur Schnitzler

Die Wiener Moderne

Der Naturalismus findet in der österreichischen Literatur kaum Widerhall. Den Dichtern widerstrebt die Darstellung des Hässlichen, des sozialen Elends und des Banal-Alltäglichen. Sie wenden sich der gehobenen Wiener Gesellschaft zu und gründen so eine neue Strömung. Schon um die Jahrhundertwende wurde die „Wiener Moderne“ häufig als Bezeichnung gebraucht. Es gibt aber auch andere Benennungen wie zum Beispiel: „Das junge Wien“, „Jugendstil“, „Dekadenzliteratur“, „Ästhetizismus“ und „Kaffeehausliteratur“, weil sich die Dichter in Kaffeehäusern zum Gedankenaustausch trafen.
Die Geschichten drehen sich hauptsächlich um und in Wien. Wien war bis zum Ende des Ersten Weltkrieges die Hauptstadt der K.u.K.-Monarchie und damit einer der wichtigsten Metropolen Europas. Doch die industrielle Revolution hat auch in der österreichisch-ungarischen Monarchie ein völlig neues Wirtschafts- und Sozialgefüge geschaffen. Diese Entwicklung wurde dazu noch von besonderen Problemen überlagert, die sich aus dem Zusammenleben vieler Völker ergaben. Nationale, wirtschaftliche und gesellschaftliche Spannungen führten zu Krisen. Der Zusammenhalt wurde vielfach nur durch die Symbolfigur Kaiser Franz Josephs I. und durch einen traditionsreichen Verwaltungsapparat gewahrt.

Gesellschaftlicher Wandel

In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts vollzieht sich ein entscheidender Wandel in der Gesellschaft. Es werden Parteien gegründet, die in ihrem Programm die Interessen der Industriearbeiter verankern. 1888 wird die „Sozialdemokratischen Arbeiterpartei“ gegründet, federführend dabei Victor Adler. Interessensvereinigungen wie Gewerkschaften organisieren ihre ersten großen Zusammenkünfte. Die erste Welle der Sozialgesetzgebung bringt innerhalb weniger Jahrzehnte eine Arbeitszeitregelung, eine Unfall- und Krankenversicherung, ein Arbeitszeitgesetz für Jugendliche und grundlegende Gesetze zur Altersversorgung.

Die Monarchie liegt im Sterben

Wien ist aber auch das kulturelle Zentrum der Monarchie. Für die gehobene Wiener Gesellschaft sind vor allem der extravagante Lebensstil der Kaiserin Elisabeth und der Selbstmord des Kronprinzen Rudolf die wichtigsten Ereignisse. Und gerade diese Gesellschaftsschichte wird in der Literatur der Wiener Moderne dargestellt. Träger dieser Spätkultur sind das Großbürgertum und die Intellektuellen. Die Dichter sind sich aber dessen bewusst, in der Endphase der Monarchie zu leben. Gesellschaftliche Erneuerungen sind unmöglich geworden und sie sehen ihre Welt voll Wehmut und Melancholie. Daher sind grundlegende Motive der Dichtung dieser Zeit das komplizierte Innenleben, die Kommunikationslosigkeit, der Verfall und das Sterben. Großen Einfluss auf die Dichter hatte auch der Begründer der Psychoanalyse, der Wiener Arzt Sigmund Freud.

Hugo von Hofmannsthal

Hugo von Hofmannsthal

Hugo von Hofmannsthal

Eine der größten Dichter dieser Zeit war Hugo von Hofmannsthal. Er stammte aus gehobenem Haus und verbrachte fast sein ganzes Leben in Wien. Er wird als Sprachästhet gesehen, der aber auch Bildkraft und Musikalität gekonnt einsetzte. Motive seiner Dichtung sind vor allem das ambivalente Lebensgefühl, das Todesmotiv und das Welttheater. Ambivalent ist das Lebensgefühl des Menschen, weil sie die Schönheit der Welt genießen möchten, doch lähmt das Bewusstsein von der Bedrohung durch den Tod den Lebensgenuss. Das Todesmotiv beschäftigte Hofmannsthal, weil der Mensch die Hoffnung hat, im Moment des Todes den wahren Sinn des Lebens zu erkennen. Das Welttheater symbolisiert den Menschen in seinem „Rollendasein“, welches ihm bis zu seinem Ende schicksalhaft gefangen hält. Um die Jahrhundertwende geschieht ein Wandel in der Dichtung Hugo von Hofmannsthals. Die Erkenntnis, dass er nicht den Sinn des Lebens deuten und nicht mitteilen kann, führt in zu einer dichterischen Krise. Er wendete sich nun ganz denjenigen literarischen Formen zu, mit denen er glaubte, das Publikum stärker beeindrucken zu können: dem Drama und der Erzählung.

Arthur Schnitzler

Arthur Schnitzler

Arthur Schnitzler, 1912 [Public Domain]

Als Sohn eines bekannten Wiener Arztes übte Schnitzler selbst einige Jahre diesen Beruf aus. Später zieht er sich jedoch ins Privatleben zurück, um sich ganz der Dichtung zu widmen. Schnitzler ist als Dramatiker und als Erzähler bedeutend. Seine Stücke spielen fast ohne Ausnahme im Wien der Jahre 1890-1914. Die Figuren entstammen der höheren Gesellschaft. Wie bei Hofmannsthal ist bei Schnitzler die Welt eine Bühne, auf der die Figuren eine Rolle spielen. Neu an der Dichtung Schnitzlers ist allerdings die psychologische Durchdringung der Figuren. Sexualität und Todesfurcht, sowie deren Verdrängung bilden die Grundformen der Werke Arthur Schnitzlers. Dazu werden die Figuren meist in eine außergewöhnliche Situation versetzt. Erotik, Ehrgeiz, Zwiespältigkeit, Altern und Tod erscheinen in verschiedenen Variationen. Um die Figuren bestmöglich zu charakterisieren bedient sich Schnitzler der Technik des inneren Monologs. Damit kann er die Gedanken, Gefühle, Wünsche der Figuren in einer nicht voll ausgeformten Sprache wiedergeben und dabei durch Erinnerungen und flüchtige Assoziationen die Triebfedern ihres Handelns und Denkens aufdecken.

Theodor Fontane von Carl Breitbach (1833–1904) (zeno.org) [Public domain], via Wikimedia Commons

By Carl Breitbach (1833–1904) (zeno.org) [Public domain], via Wikimedia Commons

Dem Roman „Effi Briest“ von Theodor Fontane liegt eine wahre Begebenheit zu Grunde. Elisabeth (geboren Freiin von Plotho) heiratete – aufgrund einer Intervention der Mutter – Armand Léon Baron von Ardenne. Das junge Ehepaar übersiedelte nach Düsseldorf, der Ehemann war dort als Rittmeister der Husaren angestellt. Sie hatten einen großen Freundeskreis, dazu zählt auch der Amtsrichter Hartwich. Elisabeth und Hartwich gingen eine Liebesaffäre ein, beide wollten sich von ihren Ehepartnern scheiden. Doch ihr Ehemann erfuhr von der Affäre, besorgte sich die Korrespondenz des Liebespaares, reicht die Scheidungsklage ein und forderte seinen alten Freund zum Duell auf. Hartwich starb aufgrund seiner Verletzungen wenige Tage nach dem Duell. Baron von Ardenne wurde sehr mild bestraft und konnte bald seine militärische Karriere fortführen. Elisabeth durfte hingegen ihre Kinder nicht mehr sehen und setzte sich bis zu ihrem Tode für humanitäre Aufgaben ein. Fontane soll angeblich bei einem Tischgespräch von dieser Liebesgeschichte erfahren haben. Obwohl er gerne von der Leichtigkeit, mit der ihm das Werk unter der Hand entstanden sei, spricht, brauchte er gut sechs Jahre für die Vollendung des Romans. Während dieser Schaffensperiode hatte er auch einen Nervenkollaps.

Hintergründe und Idee zum Werk

Das Milieu in diesem Roman – er spielt im niederen Adel – passt eigentlich gar nicht zu Fontanes Geschichten. Das hat auch mit seiner Biografie zu tun: Sein Vater war Apotheker, der aber aus finanzieller Not seine Apotheke verkaufen musste. So wuchs Fontane in eher kärglichen Verhältnissen auf und konnte daher auch nicht seine Schulausbildung vollenden. Bezug zu dieser Gesellschaftsschicht und damit zum Stoff seines Romans, bekam der überzeugte Demokrat jedoch durch befreundete Literaten im Dichterverein „Tunnel über der Spree“. Sie verschafften ihm Jobs bei erzkonservativen Zeitungen, die er aber immer schnell aufgab und kündigte. Dadurch gewann er aber einen Einblick in den Alltag des Adels. Das alleine war aber nicht der Beweggrund für das gewählte Milieu. So sagt er selbst: „[…] der Gesellschaftszustand, das Sittenbildliche, das versteckt und gefährlich Politische, das diese Dinge haben, … das ist es, was mich so sehr daran interessiert.“

Überholte moralische Zwänge

Im Roman werden dieser Gesellschaftszustand und das versteckt Politische vor allem in den „langweiligen Besuche“ der lokalen adeligen Schicht dargestellt, indem sich auch Effi mit dem richtigen Make-up, der korrekten Bekleidung und der passenden Wortwahl profilieren muss, um nicht einen schlechten Ruf zu bekommen und schlimmstenfalls die Karriere Imstettens zu behindern. Das Sittenbildliche erkennt man vor allem an den Zwang Innstettens sich mit seinem alten Freund zu duellieren, obwohl er persönlich dessen Affäre mit Effi Briest verzeihen könnte, aber: „[…]die Gesellschaft verachtet uns, und zuletzt tun wir es selbst und können es nicht aushalten und jagen uns die Kugel durch den Kopf.“ 
Theodore Fontane bringt aber auch sehr differenziert die (finanziellen) Zwänge der Gesellschaft auf den Punkt. So lässt er die Mutter zu Effi sagen: „[…] und wenn du nicht nein sagst, was ich mir von meiner klugen Effi kaum denken kann, so stehst du mit zwanzig Jahren da, wo andere mit vierzig stehen. Du wirst deine Mama weit überholen.“ Und auch Effi – die Innstetten zuvor noch als ältlich bezeichnet hatte – kommt unter Druck zur folgenden Aussage: „Geert ist ein Mann, ein schöner Mann, ein Mann, mit dem ich Staat machen kann und aus dem was wird in der Welt.“

Geldnot des Autors

Das spiegelt auch sehr schön die Situation Fontanes wieder, der permanent an Geldnot litt. Zitat: „Man kann nun mal als anständiger Mensch nicht durchkommen.“ Er konnte sich lange nicht seiner Berufung – dem Schreiben von Romanen und Balladen widmen – sondern musste, mehr oder weniger zwangsweise, als Journalist für die Propaganda Preußens arbeiten. Durch die aufgedeckte Liebesaffäre Effis wird im Roman die Katastrophe herbeigeleitet. Trotzdem glaube ich, dass Fontane nicht in der verbotenen Liebesbeziehung den gewichtigsten Punkt sieht, sondern in den gesellschaftlichen Regeln, die die Figuren mehr und mehr zu Spielbällen macht. Dennoch will Fontane – der im Alter zunehmend kritischer der bürgerlichen Frau gegenüberstand – Effi nicht als bloßes Opfer sehen. So schrieb er einer Leserin: „Ja, Effi! Alle Leute sympathisieren mit ihr und Einige gehen so weit, im Gegensatze dazu, den Mann als einen alten Ekel zu bezeichnen. Das amüsiert mich natürlich, gibt mir aber auch zu denken, weil es wieder beweist, wie wenig den Menschen an der sogenannten Moral liegt und wie die liebenswürdigen Naturen dem Menschenherzen sympathischer sind. (…) Denn eigentlich ist er doch in jedem Anbetracht ein ganz ausgezeichnetes Menschenexemplar, dem es an dem, was man lieben muß, durchaus nicht fehlt.“

Vom Schicksal gefangen

Das Stück lässt sich aber nicht nur autobiografisch betrachten. Geht man zur psychoanalytischen Methode über, sehe ich den schwerwiegendsten Grund für die Tragödie in der Unreife und Kindlichkeit Effis. Im Roman wird das durch das Spiel auf der Schaukel, dem Wunsch nach einem eigenen Spielplatz und später der Spukgeschichte (die Innstetten geschickt als Erziehungsmittel einsetzt) verdeutlicht. So lässt sich auch erkennen, dass die Affäre nicht wirklich das Ergebnis ihres eigenen Willens sondern vielmehr ihrer Unfähigkeit ist, sich dem Willen des Majors Crampas zu widersetzen. Scheidung und Heirat ziehen Effi und Crampas nie ernsthaft in Erwägung, auch wenn Effi einmal von „Flucht“ spricht. Innstetten sucht auch nicht mit Absicht nach Beweismaterial für eine Scheidung, sondern stolpert zufällig darüber und glaubt, der Pflicht zur Wiederherstellung seiner Ehre durch ein Duell genügen zu müssen. So ergibt sich das Bild einer verhängnisvollen Verstrickung in der Crampas und Effi ihr Leben lassen müssen und auch Innstetten ohne Genugtuung zurückbleibt.

Isoliertes Leben

Aber wie kam es überhaupt zu dieser unheilvollen Entwicklung? Effis Ehrgeiz – der aber lediglich ein Anspruch der Mutter ist und durch die Erziehung eines guten Hauses Effi angelernt wurde – lässt sie diese Ehe zustimmen. Das es durch den noch – wie eingangs schon erwähnt – kindlichen, aufgeweckten und lebensintensiven Charakter Effis, im Gegensatz zum tadellosen, ehrenvollen und introvertierten Charakter Innstettens zu Problemen kommen muss, wird dabei geflissentlich übersehen. Auch die Eltern, vor allem aber die Mutter sind sich sehr wohl bewusst, dass Innstetten den Bedürfnissen Effis nicht entsprechen kann: „Und was das Schlimmste ist, er wird sich nicht einmal recht mit der Frage beschäftigen, wie das wohl anzufangen sei.“ Das gemeinsame Eheleben in der Kleinstadt Stettin gestaltet sich dann eigentlich erwartungsgemäß. Innstetten, ganz mit seiner Karriere beschäftigt, verbringt einen Großteil seiner Zeit außer Haus und lässt Effi dabei weitgehend isoliert zurück, zumal sie auch im Ort selbst kaum Kontakte knüpfen kann. Nach und nach baut sich Effi aber eine Art Ersatzfamilie auf. Mit dem Apotheker Gieshübler als Ersatzvater, Roswitha als Kindermädchen und schließlich der eigenen Tochter als „liebes Spielzeug“.

 

Trotzdem wird Effi erwachsen. Auf Dauer kann diese Konstruktion ihre Bedürfnisse als Frau kaum befriedigen und Innstetten ist nicht der Mann, der die entstehende emotionale Lücke füllen könnte. Die Affäre mit Crampas scheint da wie vorprogrammiert: „(…) die Kugel war im Rollen, und was an einem Tage geschah, machte das Tun des anderen zur Notwendigkeit.“
Doch im Grunde wäre Crampas auch leicht austauschbar, denn er füllte nur eine Leerstelle aus. So ist Effi sehr erleichtert als der Umzug nach Berlin bevorsteht und sie die Liebesbeziehung beenden kann. Erst jetzt wird sie sich der Rolle als Ehefrau und Mutter bewusst.

Gesellschaftliche Normen führen ins Unglück

Damit hätte die Geschichte auch mit einem Happy End enden können, aber Innstetten entdeckt zufällig, nach sechs Jahren, die Liebesbriefe. Wieder kommt die Kugel ins Rollen, diesmal allerdings aus einem scheinbar unabänderbar verpflichtenden Ehrekodex. Mit der nun eintretenden Wende scheint sich die Gerechtigkeit zu erfüllen. Crampas fällt, Effi wird durch die Scheidung geächtet und stirbt schließlich. Damit wären die Täter bestraft. Aber Fontanes Roman verbirgt noch mehr. Schon die Tatsache, dass Effis Vater gegen den Willen der Mutter die kranke Tochter nach Hause holt, stellt den Sinn dieser starren Verhaltensgesetze in Frage: „Aber das ist nun schon wieder eine halbe Ewigkeit her; soll ich hier bis an mein Lebensende den Großinquisitor spielen?“
Und vor allem die Entwicklung Innstettens entlarven sich der damals gepflegte Ehrbegriff und die an ihn geknüpften Konsequenzen als unmenschlich. „Rache ist nichts Schönes, aber was Menschliches und hat ein natürlich menschliches Recht. So aber war alles einer Vorstellung, einem Begriff zuliebe, war eine gemachte Geschichte, halbe Komödie“.
Diese allerdings tödlich endende Komödie verschafft ihm keine Genugtuung – im Gegenteil, sein bitteres Fazit lautet: „Mein Leben ist verpfuscht“.

Politik und Fernsehen sind heute zwei untrennbare Bestandteile einer modernen Demokratie. Das Fernsehen spielt eine zentrale Rolle in der heutigen Gesellschaft. Das geht auch an der Politik nicht spurlos vorbei. Denn ohne Darstellungsfähigkeit ist heute keine Politik mehr zu machen. Ich habe mich in einer Forschungsarbeit aus Kommunikationswissenschaft mit der Frage beschäftigt, ob und wie das Fernsehen das Meinungsbild der Bevölkerung prägt. Die Arbeit besteht aus einem umfangreichen theoretischen Teil und einem empirischen Teil. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen:

  • Es gibt bemerkbare Unterschiede zwischen Viel- und Wenigseher in der Zufriedenheit mit der Politik. Die Umfrageergebnisse sind allerdings ein Trend und nicht signifikant.
  • Printmedien werden am häufigsten für die politische Information genutzt werden.
  • Politische Sendungen im ORF werden politischen Sendungen im Privatfernsehen bevorzugt.

Im theoretischen Teil wurden unter anderem die Videomalaise-These und der Negativismus im Fernsehen angesprochen. In beiden Ansätzen wird davon ausgegangen, dass Fernsehen ein negatives Bild von Politik vermittelt und dieses vom Zuschauer übernommen wird. Daraus zieht man den Schluss, dass Vielseher ein negativeres Bild von Politik haben als Wenigseher. Sowohl Thomas Meyer als auch Peter Filzmaier schreiben, dass es zu den problematischen Konsequenzen der politischen Inszenierung zählt, dass die Darstellungskompetenz und das strategische Themenmanagement zu den wichtigsten Erfolgskriterien geworden sind. Das führt dazu, dass inhaltliche Informationen auf der Strecke bleiben. Hans Karl Rupp und Andrea Gourd prägten 1997 den Begriff der „Telekratie“. Sie glauben, dass die „Medienherrschaft“ unter ökonomischer Art den Einzelnen konditioniert. Das Fernsehen hat die Fähigkeit, Distanzen und Ausdehnungen zu überwinden. Dadurch entsteht eine Desorientierung des Einzelnen und durch die Wirkungslosigkeit der Reaktionen des Rezipienten, gleiten diese in die Fremdbestimmung. Diese Theorie ist aber sehr umstritten. So zeigt sich auch in meiner Forschungsarbeit, dass die Glaubwürdigkeit des Fernsehens gering ist. Sind die Zuschauer kritisch eingestellt, kann das Fernsehen gar nicht so eine allumfassenden Einfluss entwickeln.

Die Konsonanz-Theorie
Die Allmacht des Fernsehens und der Medien überhaupt wird stark angezweifelt und wurde lange Zeit überschätzt. So zeigt die Konsonanz-Theorie auf, dass Menschen Medien selektiv, interpretativ (also subjektiv) und behaltend nützen. Weitere Forschungen zeigen, dass sehr wohl persönliche Kontakte und Meinungen von „Opinion Leaders“ für Menschen eine wichtige Rolle spielen und dass Medien auch nicht unabhängig von der Gesellschaft agieren können. Auch Heidemarie Schumacher konstatiert, dass mit dem Uses and Gratification Approach, die These vom manipulierten Zuschauer relativiert werden muss. Der Rezipient wird hier als aktiv beschrieben, der sich die Medieninhalte für seine individuelle Befriedigung aussucht. Daher können massenmediale Inhalte eine Person nicht beeinflussen, wenn die vermittelten Inhalte keinen Sinn oder Nutzen haben. Nur wenn der Person etwas relevant erscheint, hat die Nachricht auch die Chance zur Beeinflussung. Was von der Allmacht der Medien bleibt, wird in der Agenda-Setting-Hypothese beschrieben. Sie behauptet, dass Medien zwar nicht so sehr beeinflussen was wir denken, aber sehr wohl, worüber wir nachdenken. Die Dinge, die uns wichtig sind, werden von den Medien vorgegeben. Und tatsächlich haben Untersuchungen gezeigt, dass Themen die hohe Priorität in den Medien genießen, auch eine hohe Priorität bei den Rezipienten haben. Die Themen werden sozusagen von den Medien strukturiert. Allerdings gilt die Agenda-Setting-Hypothese nur mit Einschränkungen. Klaus von Beyme hat festgestellt, dass häufig die Thematisierung noch immer von Parteien, Regierungen und sozialen Bewegungen ausgeht. Dagegen sind die Medien gestalterisch, wenn es um „symbolische Politik“ und „Entlarvung von Skandalen“ geht.

Die Macht des Fernsehens
Trotzdem, Fernsehen hat zwar keine beherrschende Stellung, aber eine große politische Macht – auch wenn durch das divergente und vielfältige Angebot der Fernsehsender ein Integrationsverlust konstatierbar ist. Wenn aber das Fernsehen einen so großen Einfluss hat, unterstützt oder schädigt es das politische demokratische System? So kann man davon ausgehen, dass das Fernsehen durch seinen Negativismus zur Politikverdrossenheit beiträgt. 1976 wurde die These von der „Videomalaise“ des Politikwissenschaftlers Michael J. Robinson populär. Er vertrat die Ansicht, dass das Fernsehen negative Politikberichterstattung bevorzugt und dadurch die Menschen von der Politik entfernt. Aus dieser Überlegung heraus kann man darauf schließen, dass Vielseher ein negativeres Bild von Politik haben, als Wenigseher. Gegen diese These spricht, dass immer wieder auch der gegenteilige Zusammenhang festgestellt wurde. Auch wird darauf verwiesen, dass Vielkanalseher (Personen die mehrere unterschiedliche Kanäle nutzen, also sechs oder mehr Sender) mehr Informationssendungen sehen als Wenigkanalseher. Vielkanalseher verbringen außerdem fast doppelt so viel Zeit vor dem Fernseher, wie Wenigkanalseher. Allerdings zeigt sich, dass gerade eine große Nutzung von Information im Fernsehen zu einem besonders negativen Bild von Politik führen kann.

Problem des Negativismus
Patzelt sieht im „Negativismus“ der massenmedialen Berichterstattung ein „Sonderproblem“. Da Massenmedien zwar meist relativ neutral berichten, aber ganz klar negative über positive Berichterstattung überwiegt. Das führt dazu, dass der Einzelne seine eigene Lage wesentlich positiver einschätzt, als die allgemeine Lage. Schuld an der schlechten allgemeinen Lage wird dann der Politik gegeben. Daher kann behauptet werden, dass Vielseher, die häufiger mit der negativ orientierten Berichterstattung konfrontiert sind, auch unzufriedener mit der Politik sind. Es verwundert nicht, dass Politiker alles tun, um im Fernsehen in einem möglichst positiv Licht zu erscheinen bzw. der politische Gegner in einem negativen. Wie sehr verändert das Fernsehen und seine Darstellungsform die Politik? Man kann durchaus den Eindruck gewinnen, dass sich Politik nur mehr auf die Inszenierung konzentriert und sich den Spielregeln der Medien unterwerfen muss.

Inszenierung der Politik im Fernsehen
Peter Filzmaier schreibt, dass es zu den problematischen Konsequenzen der politischen Inszenierung zählt, dass die Darstellungskompetenz und das strategische Themenmanagement zu den wichtigsten Erfolgskriterien geworden sind. Das führt dazu, dass inhaltliche Informationen auf der Strecke bleiben. Thomas Meyer stellt wiederum fest, dass der Bezug zur Wirklichkeit verloren geht. Es gibt eine „Scheinpolitik“ oder „Scheinereignissen“. Was zählt sind Bildbotschaften, wie zum Beispiel Gesten, Symbole und ähnliches. Andererseits hat die Politik keine andere Wahl, als sich unterhaltsam und medienwirksam in Szene zu stellen. Prisching meint wiederum, dass es die Gegenwartspolitik mit einer Gesellschaft zu tun hat, die vorrangig Vergnügen, Witz, Ironie und Spiel sehen möchte. Dagegen wird aber festgehalten, dass auch unterhaltende Sendungen in hohem Maße informieren können. Durch die spannenden Darstellungen können auch politisch uninteressiertere Personen für Politik gewonnen werden. Dadurch können solche Sendungen einen integrativen Nutzen für das demokratische System haben. Voraussetzung dafür ist aber eine große fachliche Kompetenz der verantwortlichen Journalisten. Die Dependenzthese geht wiederum davon aus, dass die Medien so mächtig sind, dass Politik in ihre Abhängigkeit geraten ist. Fakt ist, dass Politiker Medienpräsenz zeigen müssen und auf der Vermittelungsleistung der Medien angewiesen sind. Die Instrumentalisierungsthese ist das Gegenstück zur Dependenzthese. Sie besagt, dass Politiker die Medien instrumentalisieren können, um ihre Botschaften zu verbreiten. Dies gelingt ihnen, indem sie sich professionell auf die Erwartungen der Medien einstellen und ihnen fertige „Erzeugnisse“ liefern. In der Praxis kann man davon ausgehen, nie einen dieser beiden Extremsituationen in reiner Form anzutreffen. Vielmehr wird es immer ein Wechselspiel zwischen Medien und Politik geben, zwischen beeinflussen und beeinflusst werden.

Gesamte Forschungsarbeit hier.

Alltägliche Beobachtung

Alltägliches Beobachten dient der Orientierung der Menschen in der Welt. Sie ist eher selektiv und unreflektiert. Das heißt, wir stehen der Welt mit einem gewissen Vormuster gegenüber. Wir beobachten und beurteilen mehr oder weniger unbewusst. Z.B. wenn wir fremde Menschen begegnen: Wie sehen sie aus? Wie verhalten sie sich? Wir beobachten sie und formen uns daraus ein Bild dieses Menschen.

 Wissenschaftliche Beobachtung

Wissenschaftliche Beobachtung versucht natürlich nach objektiven Kriterien vorzugehen. Eine Beobachtung ist dann wissenschaftlich, wenn:

  1. es einem Forschungszweck dient
  2. systematisch geplant
  3. systematisch aufgezeichnet
  4. es wiederholten Kontrollen hinsichtlich der Gültigkeit, Zuverlässigkeit und Genauigkeit unterworfen wird

Exkurs:

Gültigkeit = Validität: Das Messinstrument misst genau das, was es vorgibt zu messen

Zuverlässigkeit = Reliabilität: Das Messinstrument misst unter gleichen Bedingungen, immer wieder das Gleiche

Genauigkeit = Es dürfen sich keine Fehler einschleichen

Doppelcharakter sozialwiss. Beobachtung

Quantitativ orientierte Beobachtung

Quantitative Studien unterscheiden sich von qualitativen in erster Linie durch die wissenschaftstheoretische Grundposition (normativ-ontologische Theorien vs. empirisch-analytische Theorien), den Status von Hypothese sowie dem Methodenverständnis und die Trennung von Entdeckungs- und Begründungszusammenhang und die Theorienprüfung folgen. Soziale Realität wird als objektiv und mittels kontrollierter Methoden erfassbar angesehen. Empirische Forschung soll theoriegeleitete Daten über die soziale Realität sammeln, wobei diese Daten den Kriterien der Reliabilität, der Validität sowie der Repräsentativität und der intersubjektiven Überprüfbarkeit zu genügen haben und in erster Linie der Prüfung der vorangestellten Theorien und Hypothesen dienen. Forscher haben den Status unabhängiger wissenschaftlicher Beobachter, welche die soziale Realität von außen erfassen sollen.

Diese Ansprüche äußern sich in der Entwicklung strukturierter Beobachtungsschemata, und in einer Forschungspraxis, die der Forderung nach intersubjektiver Überprüfbarkeit durch die personelle Trennung von Forscher und Feldarbeiter sowie der Erhebung großer Fallzahlen gerecht zu werden versucht.

Zentraler Kritikpunkt gegen die quantitative Sozialforschung sind der durch die Theorie stark begrenzte Erfahrungsbereich und dass die Beschäftigung mit der Methode den eigentlichen Gegenstand überlagert.

 Die qualitative Beobachtung

Zentral Annnahme in der qualitative Methode, dass soziale Akteure Objekten Bedeutungen zuschreiben, und sich somit nicht starr nach Normen und Regeln verhalten, sondern soziale Situationen interpretieren und so prozeßhaft soziale Wirklichkeit konstituieren.

Forschungsprinzipien sind:

  • Offenheit: Der Untersuchungsgegenstand und nicht vorab entwickelte Theorien und Hypothesen bestimmen die Forschung.
  • Prozesscharakter von Gegenstand und Forschung: Die sozialen Akteure schaffen Wirklichkeit, indem sie diese dauernd interpretieren und neu aushandeln.
  • Reflexivität: Es werden keine vorab aus der Theorie abgeleiteten Hypothesen geprüft, sondern im laufenden Forschungsprozess generiert, modifiziert und verallgemeinert.
  • Problemorientierung: Die Formulierung und Auswahl der Forschungsfrage resultiert aus dem vom Forscher wahrgenommenen gesellschaftlichen Problemen.

Für qualitativ teilnehmende Beobachtungsstudien bedeutet dies den Verzicht auf vorab konstruierte Beobachtungsschemata, standardisierte Verfahrensweisen und –regeln und die Teilnahme der Forscher in dem natürlichen Lebensumfeld der Untersuchten.

 Beobachtungsfeld

Der Bereich, in dem eine Beobachtung stattfinden soll, bezeichnet man als Beobachtungsfeld. Es handelt sich dabei nicht nur um das räumliche Umfeld, sondern auch um den soziale Bereich, den Zeitpunkt und die Rahmenbedingungen der Untersuchung.

 Formen der Beobachtung

Die folgende Aufzählung und Beschreibung der verschiedenen Beobachtungsformen soll einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten, die die wissenschaftliche Beobachtung bietet, geben.

Feld- vs. Laborbeobachtung

Beobachtungen in natürlichen sozialen Situationen werden als Feldbeobachtungen und Beobachtungen in künstlich/experimentell erzeugten Situationen als Laborbeobachtung bezeichnet. Bei der Laborbeobachtung stellt sich die Frage, ob die so erhaltenen Ergebnisse Aussagen über das entsprechende Verhalten sich auf die Realität übertragen lassen. Bestimmte Situationen können jedoch kontrolliert nicht hervorgerufen werden.

Vorteile der Laborbeobachtung sind allerdings die leichtere Wiederholbarkeit im Vergleich zur Feldbeobachtung und somit eine leichtere Überprüfbarkeit, und es kann gezielter, genauer und kontrollierter beobachtet werden.

 Teilnehmende vs. nicht-teilnehmende Beobachtung

Bei der teilnehmenden bzw. nicht-teilnehmenden Beobachtung unterscheidet man, ob der Wissenschaftler selbst ein Teil der zu beobachtenden Situation ist oder die Verhaltensabläufe als Unbeteiligter beobachtet. Die nicht-teilnehmende Beobachtung zeichnet sich dadurch aus, dass der Beobachter von außen, ablaufenden sozialen Ereignisse registriert.
Die teilnehmende Beobachtung ist dadurch charakterisiert, dass der Beobachter selbst eine im Beobachtungsfeld definierte Rolle übernimmt und sich den anderen Handelnden dieser Rolle entsprechend verhält, ohne von ihnen als Beobachter mit einem wissenschaftlichen Interesse erkannt zu werden.

Hoher vs. geringer Partizipationsgrad

Nimmt der Forscher bei der Beobachtung eine soziale Rolle ein, kann diese entweder aktiv oder passiv sein. Aktiv ist sie, wenn der Forscher bestimmte Situationen provoziert oder herbeiführt. Hierbei spricht man von einem hohen Partizipationsgrad bzw. von einer aktiv-teilnehmenden Beobachtung.
Im Gegensatz dazu kann der Forscher aber auch eine passive Rolle einnehmen, so z.B. als Mitglied der Gruppe. Beobachtet er nur den Verlauf der Dinge und nimmt selbst keinen Einfluss auf das Geschehen, so ist sein Partizipationsgrad niedrig bzw. es liegt eine passiv-teilnehmende Beobachtung vor.

Strukturierte vs. unstrukturierte Beobachtung

Strukturierte und unstrukturierte Beobachtungen unterscheiden sich in dem Grad ihrer Differenziertheit. Dabei beachtet der Forscher bei der unstrukturierten Beobachtung relativ grobe Kategorien sozialen Verhaltens. Je differenzierter diese Kategorien werden, desto strukturierter wird die Beobachtung.

 Offene vs. verdeckte Beobachtung

Bei der offenen Beobachtung ist dem Beobachteten bewusst, dass ein Wissenschaftler anwesend ist, der ihn in der vorliegenden Situation beobachtet. Für den Forscher bedeutet dies, dass er sich freier und offener im Feld bewegen kann, im Gegensatz zur verdeckten Beobachtung. Verzerrungen und Probleme können auftreten, wenn sich der Beobachtete in dieser ungewohnten Situation anders verhält, als es normalerweise der Fall wäre.

Bei der verdeckten Beobachtung weiß keiner der Beobachteten, das sich in Forscher in Gruppe befindet. Dadurch soll erreicht werden, dass sie sich so natürlich und ungestört wie möglich fühlen.

Die Vorlesung STEP 2 aus Publizistik- und Kommunikationswissenschaft beschäftigt sich mit der Geschichte der Beziehungen zwischen Medien, Politik und Kultur.

 

Sprache als Machtmittel

Sprache diente:

  • der Orientierung und wurde auch für die Arbeitsteilung entwickelt (für Ökonomie und daher für die Existenzsicherung),
  • dem Miteinander und Füreinander,
  • und als differenziertes Instrument der Ausprägung von Herrschaftsstrukturen.

Ab 30 Personen (Gruppe = Horde) sind nonverbale Mittel (Tanz, Gestik, Mimik) nicht mehr differenziert genug. Durch die Sprache konnten gesellschaftsbildende und –bindende Riten, Gesetze und Tabus tradiert werden. Daraus entstand ein Machtmittel für diejenigen, die die Sprache besser beherrschten, oder die, die Sprache nützten um ihre hohe Position zu sichern. (z.B.: Priestergesellschaften: Jene Personen die angaben Kontakt zu den Göttern zu haben.)

Schrift

Die Schrift entstand aus ökonomischen Gründen. Erste Schriftstücke waren Verträge. Kommunikation wurde damit unabhängig von Raum und Zeit. Durch die Schrift können Informationen konserviert, transportiert und reproduziert werden. Schriftliche Bestimmungen, Vorstellungen oder Gedanken waren in den Hochkulturen nicht frei zugänglich. Für Verwaltung und Verwahrung waren Tempel auserkoren. Erst die Griechen verlagerten die Verwahrung in profane Gebäude, also Bibliotheken. Aber ihre Benützung war Gelehrten, Studierenden und Beamten vorbehalten. In Alexandria befand sich die größte Bibliothek des Altertums. 44 v. Chr. wurde sie von Julius Cäsar zerstört. Die eingeschränkte Benutzung zog sich bis in die Neuzeit hinein. Erst im 18. Jahrhundert vollzog sich eine Öffnung der Fürstenbibliotheken für das Bürgertum.Volksbüchereien entstanden im 19. Jahrhundert.

Zeitungen

Die ersten (periodischen) Zeitungen entstanden Mitte des 17. Jhd. 1609 in Straßburg und Wolfenbüttel mit „Relation“ und „Aviso“. Bei periodischen Zeitungen galt mehr das spezifische Interesse der weltlichen wie geistlichen Obrigkeit. Man konnte so besser Befehle und Verordnungen kommunizieren. Aber als Konsequenz forderten Mitte des 18. Jahrhunderts die Leser Mitwisserschaft an politischen Entscheidungen. Der erste Bericht über Neuartiges in einer Zeitung entstand bei der Entdeckung von Brasilien. Zeitungen berichteten überwiegend nur von Katastrophen, Mord, Missgeburten, Kämpfe gegen Türken, Blut- und Kornregen und ähnliches. Mit Aufkommen der Zeitungen wurde auch eine Zensur entwickelt. Nur mit einem „privilegium impressorum“ durften Verleger drucken. Vorteil für den Herrscher: Er hatte die volle Kontrolle und konnte Zensur üben. Doch auch der Verleger hatte dadurch einen Vorteil: Er konnte sicher sein, dass nur er seine Bücher drucken und verkaufen durfte, denn nur er bekam hierfür die Rechte vom Herrscher zugesprochen. Durch den Buchdruck (1455, Gutenberg) kam es zu einer gewissen Alphabetisierung. Kaffeehäuser boten Zeitungen an, die damals noch sehr teuer waren (ca. zur Zeit der 2. Türkenbelagerung, also 1683). In den Kaffehäusern trafen sich Menschen aus allen Schichten. Berichte darüber sind vom Augustinermönch Abraham a St. Klara erhalten. Maria Theresia (18. Jhd.) beeinflusste erstmals die Medien. Die Ministerien wurden angewiesen, wöchentlich eine Zusammenstellung der relevanten Informationen auszusenden. Frankreich war der Erbfeind der Habsburger. Nach der Revolution (1789) wurde Post aus Frankreich kontrolliert und zensiert. Man versuchte die Zensur durch Beziehungen zur franz. Botschaft zu umgehen, oder man zerschnitt Zeitungen in Frankreich und setzte sie nach dem Versand in Österreich wieder zusammen. Daher wurde in Österreich auch die franz. Botschaftspost abgefangen. Als Gegenmaßnahmen begannen Botschaften die Post zu chiffrieren. Nach Maria Theresia übernahm Joseph II. die Herrschaft. Er galt als „Volkskaiser“, aufgrund von Reformen wie dem Toleranzpatent, welches garantierte, dass alle Religionen frei ausgeübt werden durften. (Erst 1851 wurde aber die wirklich freie Religionsausübung ermöglicht.) Durch das Toleranzpatent wurde der Handel mit Juden erleichtert.

Zeitungen in Österreich:

Durch das Druckprivileg (privilegium impressorum) konnte sich im 18. Jahrhundert das „Wienerische Diarium“ eine Monopolstellung sichern. Nur sie durfte in deutscher Sprache erscheinen. Daneben gab es noch eine franz. Zeitung und eine in lateinisch, da Latein vor allem in Ungarn verwendet wurde. 1783 etablierte sich in deutsch auch das „Wiener Blättchen“. Es hatte nur wenige Seiten Umfang und berichtete über Lokales, Gedichte und das Wetter. Mit Aufkommen immer weitere Zeitungen wurde ein Stempelsteuer eingeführt. Jedes einzelne Exemplar einer Zeitung musste vorgelegt und abgestempelt werden. Für den Großteil der Zeitungen war das ökonomisch nicht verkraftbar – es setzte ein Massensterben von Zeitungen ein.  1795 wurde dann das Kriminalgesetz erlassen. Kritik am System konnte damit mit Kerker zwischen 5-10 Jahren bestraft werden. Damit glaubte die Obrigkeit die Ideale der Französischen Revolution erfolgreich verhindern zu können.

Revolution 13. März 1848

Die Revolution begann wieder in Frankreich. Der König musste abdanken, die Republik wurde ausgerufen und das Recht auf Arbeit festgeschrieben. Die Kunde der Revolution wurde verbreitet und brach nun auch im Rest Europas aus. Es wurde eine Versammlung im Ständehaus in Wien gestürmt und die Politiker rausgeschmissen. Das Militär begann zu schießen, es kam zu weiteren Ausschreitungen. Schließlich wurde das Zeughaus von den Aufständigen gestürmt um Waffen zu besorgen. Kaiser Ferdinand I. musste Wien verlassen. Dadurch gab es große finanzielle Einbußen von Betrieben die den k.u.k.-Hof belieferten. Fast sechs Monate dauerten diese Zustände an. In dieser Zeit war Presse- und Meinungsfreiheit gegeben. Viele Zeitungen wurden gegründet, z.B. „Die Constitution“, die sich gegen Säbel, Talar und Krone richtete und eine Verfassung einforderte. Herausgeber war Leopold Häfner. Er wollte eine Republik installieren und galt daher als ultraradikal links, ebenso der „Studenten-Curier“ und „Der Radikale“. Im Oktober des selben Jahres eroberten kaiserliche Truppen Wien zurück und die Zensur wurde wieder eingeführt. Trotzdem, bis 1867 wurden eingeführt: Die Staatsgrundgesetze (Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Lernfreiheit, Versammlungsrecht) und Amnestie für kritische Journalisten wurde erreicht. Es kam zu Gründungen von Arbeitervereinen und diese produzierten Wochenzeitungen wie etwa „Volkswille“, „Volksstimme“, „Gleichheit“. Ebenfalls 1848 entwickelte sich ein neuer Typ von Zeitung: Die Boulevard-Presse. Der Name stammt von der Art wie sie verkauft wurde und zwar auf der Straße. Damit Leute schnell ihre Aufmerksamkeit auf sie richten und sie kaufen, wurde sie reißerisch aufgemacht. Daneben etablierte sich die Kommerz-Presse.

Zur Geschichte von „Die Presse“, „Kronen Zeitung“, „Arbeiterzeitung“

„Die Presse“ wurde von August Zang gegründet. Sein großes Vorbild war „La Presse“ in Frankreich. Er baute das Inseratengeschäft in seiner Zeitung groß auf und konnte so Abonnements bzw. Einzelverkaufspreise niedriger anbieten. Er verfügte als Erster über die „Schnellpresse“, führte das drucktechnische Verfahren der „Stereotypie“ ein und war ebenfalls der Erste, der die Zeitungsproduktion durch Zusammenlegung von Redaktion, Administration und Druckerei optimierte. Da er durch einen teilweisen Verkauf mit der CA (Bank: Credit-Anstalt) viel Geld einnahm, es aber zu keiner besseren Entlohnung der Redaktion kam, kam es 1864 zur Redaktionsspaltung. Die „Neue Freie Presse“ wurde das wichtigste Blatt der Monarchie für Intellektuelle und Großbürgerliche. Durch Zusammenbruch der Monarchie verlor die NFP aber an Abonnementen. Die Kronen Zeitung wurde im Jahre 1900 gegründet. Sie konnte billig verkauft werden, da es ab 1899 keine Stempelsteuer mehr gab. Wichtig war die einfache Sprache. Es kam zu Rekordergebnisse und sie wurde die Zeitung mit der höchsten Auflage, gefolgt von „Die Neue Freie Presse“ und der „Reichspost“. Wichtig für den Erfolg der Kronen-Zeitung war auch die Berichterstattung über die Ermordung des serbischen Königpaares. Man schickte ein eigenes Redaktionsteam nach Belgrad und hatte so die neuesten Nachrichten über die Ermordung. Ebenfalls von Anfang dabei und sehr beliebt waren Fortsetzungsromane. Gewinnspiele. Adabei. Die Arbeiterzeitung war Nachfolgerin der Gleichheit (gegründet von Viktor Adler) und war Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei. Nachdem sie nicht mehr von der Partei finanziert und in den 1980er privatisiert wurde, wurde die Arbeiterzeitung 1990 endgültig eingestellt. In der AZ brachte Viktor Adler die dreiteilige Reportage über die Wienerberger Ziegelwerke. Er übernahm die Rolle eines Arbeiters und deckte die humanen Missstände in der Firma auf.

Das kommunikationswissenschaftliche Institut in Wien

vormals Institut für Zeitungswissenschaft. Gegründet 1938. Die Studienrichtung war eine Führerwissenschaft und als Initiator gilt Goebbels. 1945 wurde das Institut in Wien geschlossen. Es durfte nur unter der Auflage wiedereröffnet werden, dass es sich nicht mehr mit tagespolitischen Themen befasse.

Kommunikationsgeschichte während der NS-Zeit

1938 kommt es zur revolutionären Inbesitznahme von Zeitungsredaktionen durch die Nazis. Die inhaltliche Gestaltung wurde über Nacht verändert. (Gleichschaltungsprozess) Chefredakteure heißen nun Hauptschriftleiter und es wurden kommissarische Verlagsleiter eingesetzt. Diese Posten waren nun gut bezahlt und prestigeträchtig. Trotzdem wurden anfangs nur wenige Zeitungen verboten. Goebbels wollte viele Zeitungen: „Die Presse möge monoform im Willen und polyform in der Ausgestaltung werden.“ Medien waren nicht mehr Vermittler oder Kritiker, sondern Gehilfen des Regimes. Die NSDAP setzte sich beim Schriftleitergesetz durch. Mitte Juni 1938 wird dieses Gesetz in Österreich eingeführt. Der Berufstitel Schriftleiter (Journalist) ist nun geschützt, nur Mitglieder der Reichspressekammer (Chef: Propagandaminister Goebbels) dürfen in tragen. Bedingungen für die Aufnahme in der Reichspressekammer: politische Zuverlässigkeit (nationalsozialistische Gesinnung), arische Abstammung (siehe Arierparagraph), entsprechende Ausbildung (Schriftleiterprüfung bzw. Reichspresseschule). Die Strategie der NSDAP war es, den Zugang zum Journalismus zu kontrollieren und Journalisten zu überprüfen. Es folgte die Verstaatlichung von Zeitungen. Siehe Kautio-Treuhandgesellschaft von Max Amann (Präsident der Reichspressekammer) Er erreichte bei Hitler ein Subventionsverbot, dadurch wurde es leichter für die Nazis Zeitungen zu kaufen und zu verstaatlichen. So wurde innerhalb eines Jahres nur mehr 1 von 22 Zeitungen privat geführt und es existierten nur mehr die Hälfte der Tageszeitungen die es vorher gab.  Inhaltliche Presselenkung durch Reichspressekonferenz und Presseanweisungen. Anweisungen der Reichspressekonferenz wurden auch schriftl. an Provinzzeitungen weitergesandt. Man schuf bewusst Mitwisserschaft. Außerdem erließ Max Amann, dass keine Neugründung mehr in der Ostmark erlaubt sei, Zeitungen aus Deutschland ihre Vertriebsambitionen einzustellen haben und Zeitungen durften nicht mehr als Aktiengesellschaften geführt werden. Außerdem wurden konfessionelle Zeitungen verboten und Verleger mussten politisch zuverlässig und arisch sein. Arisierung aller wirtschaftlichen Bereiche, dadurch wurden Juden gezwungen billig zu verkaufen. 1942 besaß die NSDAP durch diese Maßnahmen bereits 82% der Gesamtauflage an Tageszeitungen.

Nebenstrategie der NSDAP:

Medien sollten möglichst glaubwürdig wirken. Keine Vermischung von Kommerz und redaktionellen Bereich. (strenge Trennungsregeln) Kuriose, seltsame, erfundene Geschichten wurden verboten. Ebenso striktes Verbot von Plagiaten. Z.B. Lokalressortleiter Schödel des Völkischen Beobachters. War arbeitsmäßig überlastet, es erscheint eine Weihnachtsgeschichte – nur zum Teil vom Lokalressortleiter, wurde angezeigt, weil jüdischen Journalisten Alfred Holgart plagiiert. Wird bestraft und verliert die NSDAP-Mitgliedschaft. Arbeitete in den 60er-Jahre wieder als Journalist. Endziel der Presse galt der Propaganda.

Asylzeitungen

Im Exil werden eigene Kommunikationsmittel geschaffen, weil die Medien der Asylländer den Vertriebenen nicht ausreichten. Asylanten wollten detaillierte Informationen über ihr Heimatland. Diese Asylzeitungen hatten auch eine politische Orientierungsfunktion. Die Asylzeitungen wurden ehrenamtlich geführt. In den 30er-Jahren wurden über 140 verschiedene Zeitungen von Exilösterreichern gegründet. Einig waren sich diese Exilzeitschriften aber nur über die Ablehnung gegenüber des Nationalsozialismus.

Junge 2. Republik

Nach 1945 haben die Eigentümerverhältnisse der Print-Medien zum Prozess des „Journalismus muss dem Staat dienen“ geführt. Berichterstattung zu der Politik ist in den ersten 20 Jahren hoch affirmativ, also wenig Kritik leistend. Mehr als die Hälfte der Auflagen von Zeitungen sind Parteizeitungen. In den 60er-Jahren werden Parteizeitungen durch die Boulevardpresse verdrängt. 1959 wird die Kronen Zeitung wieder gegründet. Ein Proporzsystem zwischen ÖVP und SPÖ entsteht in den Medien. Das Fernsehen kommt dabei mehrheitlich in die Hände der SPÖ, durch medienpolitisches Versagen der ÖVP. Anfang 60er-Jahre hatten die Medien ein Volksbegehren injiziert wegen dem übermaßenden Proporz im Rundfunk. In diesem Zuge verspricht die ÖVP dieses Volksbegehren umzusetzen und gewinnt damit die Wahl. Zeitungsmacher werden in führenden Positionen im Rundfunk eingesetzt.

Neuordnung des Rundfunks 1967:

Der Rundfunk bekommt mehr Ressourcen und das Fernsehen wird ausgebaut. Radio wird neu strukturiert. Ö3 und Ö1 entstehen, ebenso wie das Bundesländerradio. Diese Neuordnung bringt Entlastung des politischen Druckes. Die Aufmerksamkeit geht in Richtung Fernsehen. Die Entwicklung des Fernsehen bringt Tageszeitungen in Gefahr, vor allem im Bereich des Anzeigenmarktes. Neue großen Druckerei werden gebaut um Farben im Druck einzubringen. Die deutsche Presse hat gefüllte Kassen für Investitionen und kaufen sich bei Kurier und Kronen Zeitungen ein. Es kommt zur Zuspitzung von Konzentrationsprozesse und Verschränkungen von Konkurrenten. Überlegungen zur Elephantenhochzeit: Kronen Zeitung + Kurier. Erst in den 70er-Jahre entsteht „profil“. Mitte der 80er-Jahre entwickeln sich dann weitere eigene österreichische Magazine. Entwicklungen haben ihren Anfang aus einem „staatstragenden“ (Partei-)Trümmerjournalismus. Herausgeber-Präsident der Zeitungen war in den 60er-Jahren zugleich Innenminister.

Viele Blogger tappen bei den gesetzlichen Regelungen im Dunkeln. Welche Bilder darf ich veröffentlichen? Wie weit darf ich mit meiner Meinung gehen? Und was sind mögliche Rechtsfolgen? Genau diese Fragen habe ich in 2010 in einer Bakkalaureatsarbeit für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft beantwortet. Das Dokument steht jetzt adaptiert und gekürzt zum Download bereit. Besonders schwer tun sich Blogger oft mit dem Urheberrecht. Ich möchte aus meiner Arbeit auf zwei wichtige Relegungen eingehen, die den Bloggeralltag doch sehr erleichtern.

Fremde Inhalte ausschnittsweise widergeben

Abgesehen von Creative Commens, sind alle fremden Inhalte ohne Genehmigung tabu. Eine ganz kleine Ausnahme bildet das Zitatrecht, § 46 UrhG (Z1). Demnach dürfen einzelne Stellen eines „veröffentlichten Sprachwerkes“ angeführt werden, wenn es dem Zweck nach gerechtfertigt ist. Diese Ausnahmeregelung wurde von der Rechtssprechung analog auch für Bildzitate als zulässig anerkannt. Es dürfen also Zeitungsausschnitte, wie etwa Kobuk es macht, zur Verfügung gestellt werden. Dieses Recht ist übrigens auch nicht in Stein gemeißelt. Derzeit machen sich österreichische Verlage für ein Leistungsschutzrecht stark, dann könnte auch diese Ausnahmeregelung fallen.

Der Bildnisschutz

Darf ich irgendwelche Personen ohne deren Erlaubnis auf der Straße fotografieren und dann auf meinem Blog hochladen? Schwierige Frage, auf die es leider nur ein Jein als Antwort gibt. § 78 UrhG regelt nämlich, dass das Abfotografieren schon OK ist, solange nicht berechtigte Interessen der abgebildeten Person verletzt werden. Wann das der Fall ist, ist aber immer Auslegungssache. Bildnisse von „allgemein bekannten Personen“ hingegen, also Promis, sind schwächer geschützt. Fotografieren geht da in Ordnung, solange es nicht zu privat wird.

Fazit: Kleine Ausschnitte aus einem fremden Werk sind dann in Ordnung, wenn sie für die eigenen Publikation unabkömmlich und dem Zweck nach gerechtfertigt sind. Das ist vor allem dann wichtig zu beachten, wenn man ein Buch, eine CD oder Webseite vorstellen möchte. Jetzt noch mehr Infos und Fallbeispiele zum Urheberrecht lesen.