Brauchen Techniker bessere PR? CC by SIEMENS AG, via Wikimedia Commons

Letztens war meine Familie in Wien zu Besuch und wir sind gemeinsam durch den noblen Teil von Währing spaziert. Ob der wunderschönen Villen habe ich gewitzelt, dass hier wohl versammelt alle Ärzte und Anwälte der Stadt wohnen. So alt und Haha-lustig mein Schmäh war, eines ist interessant: Wie kommt es, dass mir genau diese beiden Berufe in den Kopf geschossen sind? Ärzte und Anwälte habe ich intuitiv mit Erfolg und Reichtum verknüpft. Zum Teil ein falsches Klischee, wie Anwaltskonzipienten und Turnus-Ärzte aus Erfahrung wissen. Die langen Arbeitstage für kleinen Lohn scheinen aber auch bei mir noch nicht ganz angekommen zu sein. Doch allein die übervollen Hörsäle in Rechtswissenschaften und die tausenden Kandidaten beim Aufnahmetest für das Medizinstudium sprechen Bände. In Maschinenbau, Bergbau und Co. ist das dagegen ganz anders – aber warum eigentlich? Allein an der Schwierigkeit des Studiums kann es nicht liegen, wenn ich daran denke, wie viel Stoff sich Medizinstudenten reinpauken müssen.

 

Beruf mit Prestige
Arzt und Anwalt sind wohl auch deshalb vielfach angestrebte Traumberufe, weil hier das Prestige stimmt. Das nährt sich aus der langen Tradition und der großen gesellschaftlichen Präsenz dieser Berufe. Ein Anwalt oder Notar ist mit uns bei den wichtigsten Lebensentscheidungen mit dabei. Wir vertrauen ihm Dinge an, die oft nicht mal die engsten Freunde wissen. Um Leben und Tod geht es schließlich sogar beim Arzt. Kein Wunder, dass dieser Beruf prädestiniert für den Halbgott-Status ist.

 

Techniker als Elite positionieren
Sehr gut bezahlte und dringend benötigte Leute sind heute aber Ingenieure. Der Grund ist banal: Zu wenigen Menschen erscheint ein technischer Beruf attraktiv genug. Wenn der Staat ernsthaft mehr Maschinenbauer, Elektrotechniker und Informatiker haben will, dann tut er gut daran, hier umfassende Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Das passiert zwar schon, aber in der PR-Arbeit gehört die Herangehensweise geändert: Denn bisher wurden vor allem die guten Verdienst- und Karrieremöglichkeiten angepriesen. Das ist auch Ordnung, aber es gehört viel eher aufgezeigt, dass Ingenieure an der Spitze des zivilisatorischen Fortschritts stehen und es sich dabei um geniale, ehrgeizige und willensstarke Menschen handelt. Techniker gehören schlicht als Elite des Landes positioniert!

Das ist PR-technisch aber eine Mörderaufgabe, denn überall triefen die alten Berufsbilder durch: Öffentlichkeitsarbeit für mehr Technikbegeisterung kämpft auch gegen Omas, die sich nichts sehnlicher wünschen, als dass der Enkel einmal Jus studiert oder gegen tausende „Ich bin so sexy und so smart“-Ärzte-Serien. Mit viel Einsatzwillen kann aber ein neues öffentliches Bewusstsein geschaffen werden!

Das ist mal sehr gute Blogger Relations Arbeit: Das Otto-Versandhaus und das Frauenmagazin Woman haben die besten österreichischen „Mode & Lifestyle“-Blogs ausgezeichnet. 124 Blogs haben teilgenommen. Zuerst fand ein öffentliches Voting statt, dann kürte eine Experten-Jury aus den zehn Finalisten die Sieger. Gewinnerin des ersten Mode & Lifestyle Blog-Awards ist Carola mit Vienna Wedekind. Benannt hat sie ihren in Englisch geschriebenen Blog nach dem Schriftsteller Frank Wedekind. Ganz ihrer Selbstbeschreibung als Schauspielerin und Fotografin entsprechend, dominieren in ihren Einträgen Fotos mit relativ wenig Text. Typisch für einen Fashion Blog postet sie häufig Selbstporträts in verschiedenen Outfits, seltener sind dagegen Artikel zu Lifestyle, Events und Gewinnspiele.

v.l.: Andrea Ginzel, Nana Siebert, Mirela Hrnic, Carola, David Reischer, Sabinna Rachimova, Georg Glinz. © WOMAN / Tibor Rauch

v.l.: Andrea Ginzel und Nana Siebert (Woman), Mirela Hrnic (Coral and Mauve), Carola (Vienna Wedekind), David Reischer und Sabinna Rachimova Broken Cookies, Georg Glinz (Otto Group). © WOMAN / Tibor Rauch

Platz 2 geht an  Broken Cookies [Update 29.03.2020: Der Blog ist nicht mehr erreichbar] von Sabinna und David. Ihr Blog ist thematisch etwas breiter aufgestellt und behandeln neben Fashion auch Lifestyle und vereinzelt Einträge über London und das Reisen. Die beiden Blogger verfassen ihre Texte ebenfalls in Englisch und ähnlich wie bei Vienna Wedekind gibt es Gewinnspiele und natürlich Nachberichte von Events wie der Vienna Fashion Week. Was mir besonders gefällt, sind die „From a Painting“-Post, bei denen Bloggerin Sabinna die Haltung, Gestik und Mimik von Frauenporträts bekannter Maler nachempfindet. Ein kleiner Bug im Layout fiel mir aber auf: Manche Fotos laden offenbar in der Übersicht nicht, wodurch zwischen den einzelnen Blogpost große weiße Abstände enstehen.

Bronze ging an Madeleine von Dariadaria. Sie ist von Beruf Fotografin und dementsprechend zeichnet sich ihr Blog durch sehr professionelle und schöne Bilder aus. Vlog-Beiträge und Tutorials gibt es auch bei ihr. In der Extra-Kategorie Beauty gewann Mirela von Coral and Mauve. Die Bloggerin zeigt schön auf, warum und wie sie zu dem einen oder anderen Produkt kommt und gibt den Lesern außerdem einen persönlichen Einblick in ihr Leben.

wien_bloggerBlogger beim Socializing! Am vergangenen Freitag trafen sich WienBlogger im Restaurant Viereck. So eine lockere Kennenlernrunde hat schon was und ich habe wieder viele neue Leute und Blogs kennengelernt. Etwa die Australierin Carly mit ihrem Blog Austrian Adaptation. Ganz besonders lesenswert ist ihr Artikel 28 ways to be Austrian, der ein bisschen die Eigenheiten von uns Österreichern auf die Schippe nimmt. Bigiis Blog geht wiederum thematisch Richtung Food. Egal für welche Dinge man sich interessiert, WienBlogger ist eine tolle Sache und ich hoffe, dass noch weitere Treffen folgen werden.

Mir würde übrigens auch ein Barcamp übers Bloggen sehr gefallen. Ich denke, viele österreichische Blogger freuen sich da auch über einen neuen Wissens- und Erfahrungsaustausch. Schau ma mal, was sich 2014 so ergibt… 😉

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Luca Hammer bloggt auf AmbassadorBase. Foto: © Tony Gigov

Die österreichische Blogosphäre professionalisiert sich weiter. Ein Anzeichen dafür ist, dass sich mit dem Bloggen jetzt auch Geld verdienen lässt: Luca Hammer schreibt seit November für Ambassador Base. Standesgemäß hat er das bereits auf seiner Seite www.2-blog.net bekanntgegeben. Zugegeben handelt es sich bei seiner Tätigkeit für den Technologieblog von Microsoft Österreich erstens um einen 10 bis 20 Stunden Job und zweitens ist Luca schon ein recht prominenter Blogger. Bekannt wurde Luca vor allem auch durch seine technische Hilfe und Online-Kommunikationsarbeit während der Studentenproteste an der Universität Wien im Jahr 2009.

Es ist schon eine tolle Sache, dass mit Luca ein Blogger fürs Bloggen auch tatsächlich und kontinuierlich bezahlt wird. Sehr viele Menschen gibt es in Österreich ja noch nicht, die vom Bloggen leben können. Luca studiert derzeit Medienwissenschaft an der Universität Paderborn, wo er auch mit seiner Frau und Kind lebt. Er ist Mitgründer des Start-ups work|i|o (UPDATE: Das Startup gibt es nicht mehr) und beschäftigt sich daneben mit der Analyse und Darstellung von sozialen Beziehungen im Web. Dazu zählt auch eine recht coole interaktive Grafik zu den Verbindungen innerhalb der österreichischen Blogosphäre.

Mit Wien Blogger hat Andra eine Plattform zum persönlichen Austausch unter Blogger geschaffen. Eine super Idee, denn je mehr ich mich selbst mit dem Thema Bloggen beschäftige, umso mehr steigt das Verlangen auch mit anderen über Motivation, Know-how und Vernetzung zu sprechen. Ein Overall-Thema wird es auch geben, Andra hat „Selbstständigkeit“ vorgeschlagen. Mich persönlich würde auch interessieren, wie sich die oder der Einzelne zum Bloggen motiviert, wie lange man ungefähr für einen Blogeintrag braucht und wie regelmäßig gebloggt wird. Aber auch dafür ist sicher Zeit. 😉

Wer Interesse hat, einfach hinkommen und zwar:

  • am 28. November, 2013
  • um 18:00 Uhr
  • im Restaurant Viereck (Johannesgasse 16, 1010 Wien)

 

Ich selbst war bisher bei zwei Treffen der Wien Blogger mit dabei und habe natürlich viele coole Leute mit tollen Blogs kennengelernt: Ein recht bekannter Tech-Blogger ist Fabian Pimminger. Viel um Technik geht es auch bei Patrick Löwenstein, er schreibt neben seinem privaten Blog ebenso auf Ambassadorbase. [Update 20.8.2019: Ambassadorbase gibt es nicht mehr] Mischkulantes gibt es bei Daniel Imrich. Voll im Marketing, genauer im Content Marketing, zu Hause ist Sam Bredl, er bloggt auch auf der Unternehmensseite von Take Off PR.

Ich hoffe, am 28. November einige Blogger wieder zu treffen und neue kennenzulernen! Überhaupt scheinen gerade spannende Zeiten für Blogger anzubrechen. Wie auch auf der Facebook-Seite „Österreichs Blogger“ diskutiert wurde, kommt es gerade zu einem Professionalisierungschub innerhalb der österreichischen Blogosphäre, wobei hier einige wenige Blogs stark herausstechen. Bin gespannt, ob das andere Blogger auch bestätigen können.

medien

Die digitale Revolution wird von vielen Medienmachern verschlafen. Anders ist es nicht zu erklären, dass im Corporate Publishing und bei vielen Medien PDFs für mobile Endgeräte zu den ganz heißen Innovationen zählen. Sind sie natürlich nicht. Warum das so ist, beschreibe ich im ersten Teil dieser zweiteiligen Serie. Im zweiten Teil geht es schließlich darum, welches Handwerkzeug die Publizisten von morgen nützen werden.

Der Redaktionsschluss ist tot

Egal ob im Journalismus oder in der PR: Magazine und Zeitungen gibt es immer öfter als PDFs zu lesen. Das wird dann als DIE digitale Innovation des Unternehmens verkauft … In Wahrheit ist genau das Gegenteil der Fall! Denn ein in sich abgeschlossenes Produkt entstammt ganz klar dem Denken aus der PRINT-Welt. Dort lautete das Credo: Wir machen ein Produkt das am Tag X erscheint. Die Leser blättern dann das Ganze durch und bleiben beim ein oder anderen Artikel hängen.

So verhalten sich aber immer weniger Menschen. Heute konsumiert der Einzelne eine Vielzahl an journalistischen Quellen. Das merke ich schon bei meinem eigenen Nutzungsverhalten: Ich sehe Artikelempfehlungen auf Twitter und Facebook, lese Linktipps auf Blogs und erhalte dutzende RSS-Feeds, die ich geübt nach guten Informationen scanne. Ich will gar keine Magazine mehr in die Hand nehmen und selbst die Onlineauftritte der Medien steuere ich immer seltener direkt an. Für Medienvertreter bin ich sicher ein Horrorbeispiel. Und ich höre schon ihre Argumente im Ohr klingen: Nur wir bieten den umfassenden Überblick. Nur bei uns wird über Themen geblättert, die einem selbst nicht so interessieren, aber einfach wichtig sind. Nur wir bringen das wahrhaft relevante. Nur Gedrucktes hat diese unvergleichliche Haptik …

Ohne Trägermedium zu mehr wertvollen Informationen

Genau das sehe ich anders. Ein Beispiel: Ich bin kein großer Sportfan. Auf Facebook bekomme ich aber etwas über Fußball & Co. mit, weil meine FB-Freunde darüber schreiben. Auf Twitter sind wiederum Experten zu jedem erdenklichen Fachgebiet vertreten. Deren Artikelempfehlungen sind tatsächlich von Hand verlesen. Und zum Argument der Haptik: Ich halte grundsätzlich lieber ein Smartphone in der Hand, als etwa eine Zeitung im Berliner Format. Wer öfter in einer voll gestopften U-Bahn fährt, wird wissen was ich meine.

Die zentrale Frage lautet deshalb: Warum sollen Nutzer sich auf ein Medium beschränken, wenn sie von allem nur das Beste konsumieren können? Warum nicht die vielfach ausgezeichnete Reportage auf „Die Zeit“ lesen, den guten politischen Kommentar im Standard und die witzige Satire auf einem Blog? Die Digitalisierung macht das möglich. Für den Journalismus ist das durchaus eine Chance, denn durchsetzen wird sich das journalistisch Einzigartige, das Gehaltvolle, das wirklich Spannende.

Das Internet ist ein mediales Schlaraffenland

Der Leser wird sich zukünftig jedenfalls nicht mehr die guten journalistischen Körner aus einem Angebot rauspicken, sondern sie werden ihm vielmehr in den Mund fliegen. Natürlich können Medien sich gegen diese Entwicklung sperren, nur wird das nichts helfen. Manche werden eine Mauer hochziehen, aber andere werden die Segeln setzen. Sie werden publizistische Inhalte offen, direkt ansteuerbar und einfach teilbar anbieten und damit Erfolg haben. Dieser Medienwandel bei der Nutzung hat aber auch maßgebliche Konsequenzen für die benötigten Skills und die eingesetzten Medientools der Medienmacher. Dazu mehr im zweiten Teil.

„Was ist bitte ein PR Consultant?“ – die Frage habe ich schon oft gehört. Public Relations selbst ist – zynisch genug – in der Öffentlichkeit weniger bekannt und wenn, dann wird die Branche mit Hochegger & Co. assoziiert. Dessen „Arbeit“ hat allerdings nichts mit PR zu tun.

Verkaufen

Wer an PR denkt, denkt an Kommunikation. Kommunikation ist allerdings schon eine  ziemlich abgeschmackte Worthülse. Denn was kann man sich darunter konkret vorstellen? So birgt der Begriff „Kommunikation“ alleine schon das Risiko für Fehlinterpretationen, denn viele junge Einsteiger denken sich, „hey, ich kann gut kommunizieren und arbeite gerne mit Menschen, das ist sicher der richtige Job für mich.“ Sicher ist eine offene Persönlichkeit kein Fehler, gerade bei Einsteigern stellt sich dann aber schnell Ernüchterung ein, denn in der PR dreht sich die Kommunikation stark ums Verkaufen. Agenturmitarbeiter betreiben viel Akquise, nur verkaufen sie ihre Waren nicht gegen Geld sondern gegen Aufmerksamkeit. Dem Journalisten muss die Geschichte, das Thema oder der Deal gefallen, dann wird darüber berichtet. Dafür zahlt dann der Kunde. Darum lautete die lebenslange Frage jedes PR-Beraters: „In welche Medien passen welche Kunden mit welcher Geschichte rein? Und was könnte dem Journalisten daran gefallen?“ Neben der kreativen Themenfindung und Recherche gehört deshalb auch das Nachfassen per Mail und Telefon zum täglichen Job.

Kontaktpflege

Um die Journalisten überhaupt zu erreichen, braucht man seine Daten. Trotz Medienkrise: es gibt unglaublich viele Medien in Österreich. Sehr viele sind der breiten Masse unbekannt, weil sie sich als Fach- und Branchenmedien an eine sehr eng umrissene Zielgruppen wenden. PR Agenturen haben in der Regel gut gewartete Verteiler und Adressdatenbanken. Solche Datenbanken können auch nur sie pflegen und anlegen, weil sich der Zeitaufwand für ein Unternehmen alleine nicht rechnet.

Eigene Verteiler müssen jedenfalls gewartet und aktualisiert werden. Das bedeutet, wenn etwa eine Fehlermeldung auf eine E-Mail zurückkommt, dann wird das Medium angerufen und nachgefragt was los ist. Zur Kontaktpflege zählt wohl auch, dass ein erfahrener PR-Berater die wichtigsten Journalisten für seinen Kunden gut oder gar persönlich kennt. Unter Kontaktpflege fallen dann auch Redaktionstouren, bei denen die Redaktionen besucht und der Kunde vorgestellt wird.

Texten

In der klassischen PR ist neben dem Verkaufen wohl das Texten der größte Brocken. Hohe Textkompetenz ist daher das Um und Auf für jeden PR-Berater. Damit meine ich nicht nur Grammatik und Rechtschreibung, sondern überhaupt eine gute (journalistische) Schreibe. Die Texte sind in der PR typischerweise sehr positiv verfasst und bestechen durch einfache und klare Sätze. Ich sehe die PR textlich als ein Zwitterwesen zwischen dem hochlobenden Diktus der Werbung und dem nüchternen und kritischen Diktus des Journalismus. Geschrieben werden in der PR beispielsweise Presseaussendungen, Newsletter und Advertorials. Letzteres sind bezahlte Werbeeinschaltungen, die aber vor allem zur Information dienen und den journalistischen Beiträgen ähneln. Natürlich gibt es auch noch viele andere Spielarten von Medienkooperationen. Neuerdings werden auch Texte für Blogs und Social Media von PR Agenturen getextet.

Das eine Ziel

Die PR hört heute schon lange nicht mehr bei den klassischen Bereichen auf. Da gibt es PR-Agenturen die sich auf Compliance oder Litigation PR spezialisiert haben, oder mit Video PR, Storytelling oder Content Marketing ganz neue Felder beackern. Zusammenfassend hat das ganze Spektrum der Public Relations trotzdem ein konkretes Ziel: Möglichst positive Geschichten über den Kunden zu verbreiten.

Ein guter Texteinstieg ist entscheidend. Fadisiert sich der Leser schon am Anfang, wird er auch nicht weiterlesen. Profis verwenden daher stilistische Mittel, um die Aufmerksamkeit zu stimulieren. Diese Tricks haben mir schon oft beim Schreiben eines Textes geholfen. Das sind die wichtigsten Texteinstiege:

Sager

„Einfach drauflos schreiben, das ist der beste Weg zum guten Artikel“ – Beim Sager steht ein O-Ton oder ein Zitat am Anfang des Textes. Die Aussage muss natürlich spannend, überraschend oder einfach witzig sein.

Schnelleinstieg

„Mit der Tür ins Haus fallen.“ Der Schnelleinstieg zieht die Leser mittels Telegrammstil in die Story.

Eisbrecher

„Wer behauptet Schreiben braucht nur Talent, der lügt.“ Die stärkste Aussage einer Geschichte wird am Anfang präsentiert.

Chronologie

Der Autor gibt einen Vorausblick auf die kommenden dramatischen Ereignisse. z.B.: „Als er am Samstagnachmittag den Blogeintrag schrieb, wusste er nicht, dass es sein letzter sein würde.“

Lapidare Mitteilung

Eine vage Phrase, mit der sich jeder identifizieren kann. „Schon wieder hatte er die Zeit vertrödelt.“

Szene beschreiben

Der Autor beschreibt, was er gerade sieht. „Schnell tippte er die Worte in den Computer, dann aber löschte er sie umgehend wieder und begann von neuem.“

Personenbeschreibung

Als Einstieg wird eine Person beschrieben. Äußeres genauso wie das Innenleben. „Der große Mann sitzt gebeugt über seinem Computer. Sein Blick verrät, dass ihm die Arbeit keinen Spaß macht.“

Anekdote

Es wird eine kleine und typische Geschichte über den Protagonisten erzählt. „Während seine Freunde draußen in der Sonne spielen, verkricht er sich in sein kleines Arbeitszimmer. Er mag die Dunkelheit und die Ruhe. Nur manchmal fühlt er sich etwas einsam.“

Gag

Etwas Amüsantes erfinden.

Die falsche Fährte

Eine doppeldeutige Formulierung, die den Leser zuerst auf eine falsche Fährte lockt. „Es ist kein schöner Anblick: Qualvoll hysterische Schreie hallen durch die Gassen. Ab und zu bricht ein Mädchen mit Weinkrämpfen zusammen. Trotzig werden die Transparenten in die Höhe gehalten, während sich die rund hundert Menschen weiter in Richtung Stadtmitte bewegen. Jeder soll es wissen und jeder soll es sehen: Justin Bieber ist in der Stadt und sein örtlicher Fanclub begrüßt in frenetisch.“

Programmabsatz

Die fünf Ws am Anfang präsentieren, also wer, was, wann, wo und wie.

„Es ist ein ungewöhnlicher Ort zum Bloggen. Gegen 15:00 Uhr spazierte der junge Student Greiler auf der Höhe des Hauptgebäudes der Universität Wien mitten auf die Ringstraße und setzte sich nieder. Dann packte er Laptop und Maus aus und begann zu schreiben. Selbst die laut hupenden Autos störten ihn nicht. Schlussendlich musste in die Polizei abführen. Rätselhaft bleibt der Beweggrund des 27-Jährigen: „Ich hatte einfach Lust dazu“, soll er laut Polizeiprotokoll angegeben haben.

Yippie! Mitmachen lohnt sich doch ab und zu: Über das Branchenmedium Horizont habe ich ein Stipendium für blog n‘ BUZZ der Buzz Marketing-Agentur ambuzzador gewonnen. Und hey, nachdem ich aus mehreren Workshops auswählen konnte, habe ich mich gleich für die Session zum Thema Content Creation Audio angemeldet. Klang für mich einfach spannend und nachdem ich mich damit noch nie so wirklich beschäftigt habe, wollte ich mich mal überraschen lassen. Am 4. Mai fuhr ich dementsprechend neugierig zum „The Hub„. Im Nachhinein kann ich sagen: Den Samstag habe ich gerne für den Workshop geopfert. Gerrit Maschek und Felix Wech, die beiden jungen Vortragenden, brachten eine Ladung voll Begeisterung und Freude für das Thema Podcasts mit. Eh klar, die Beiden sind ja auch selber sehr ambitionierte Podcaster.

Gemeinsames Lernen bei blog n‘ BUZZ zur Audio Creation.

Gemeinsames Lernen bei blog n‘ BUZZ zur Audio Creation. Ganz rechts die Vortragenden Felix und Gerrit.

Podcasts: Eine eigene Welt
Ich habe mir nach dem Workshop gleich ein paar Podcasts angehört. Eine persönliche Premiere, denn bisher habe ich mich damit gar nicht beschäftigt. Mein erster Eindruck: Die Welt der Podcasts ist wirklich eine ganz eigene und nicht mit der schreibenden Blogosphäre vergleichbar. Etwas Gesprochenes kommt einfach lockerer und humorvoller rüber als etwas Geschriebenes. Dafür besteht beim Reden viel eher die Gefahr ins Langweilige abzudriften, denn ein Text wird vom Autor (hoffentlich ;-)) mehrmals vorab gelesen, korrigiert und gekürzt. Beim Workshop sprach ich mit Gerrit auch kurz über die Podcasterszene.  In Österreich ist die ja sehr überschaubar und die Community lange nicht so stark vernetzt wie die der Blogger. Dass es im Internet viel mehr schreibende als redende Menschen gibt, liegt wohl auch an der höheren finanziellen Eintrittsschwelle. Denn wer eine oder gar mehrere Tonspuren in hoher Qualität aufnehmen möchte, der braucht schon gute Mikrophone, ein Mischpult, Kopfhörerverstärker, und, und, und. Ich denke, viele schreiben auch deshalb lieber, weil die technisch notwendigen Fähigkeiten für einen Podcast abschrecken. Dabei braucht es schon lange nicht mehr weiß Gott was für ein Know-how: Im Workshop haben wir innerhalb kurzer Zeit eigene Podcastbeiträge produziert und veröffentlicht. Die waren natürlich nicht perfekt und für richtig professionelle Audioproduktion braucht es wohl länger, aber es hat verdammt viel Spaß gemacht!

Fazit
Mit neuen Menschen ins Gespräch ist immer toll und ganz besonders dann, wenn sich damit auch gleich eine ganz neue Welt auftut. Rein von den Inhalten, hätte ich mich beim Workshop aber gerne noch intensiver mit technischen Feinheiten beschäftigt. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass ich mit Audioproduktion schon während meines dreimonatiges Praktikum bei Radio Arabella zu tun hatte und ich dementsprechend schon kein Einsteiger mehr war. Ich habe im Workshop aber auch viel Neues erfahren, zum Beispiel kannte ich den Podcastdienst Podlove nicht.

Journalisten erwähnen es öfters: Das Nachtelefonieren von PR-Agenturen nerve und E-Mails seien grundsätzlich besser. Klingt logisch und nach einer einfach zu befolgenden Anweisung für PR-Leute. Nur leider ist die Realität etwas komplizierter. Denn Journalisten bekommen tagtäglich eine wahre Flut an Mails und manche überlesen dann doch die eine oder andere. Gründe dafür gibt es viele: Zeitdruck oder gerade mit einer anderen Geschichte beschäftigt oder aber die Gewissheit, dass wenn es wichtig ist, sich sicher nochmal wer melden wird. Und so kommt es, dass wir PR-Menschen tatsächlich ein spannendes Thema haben können, die Mail dazu aber einfach untergeht. Ein Anruf ist in solchen Fällen eine echte Serviceleistung.

Deswegen besteht die Herausforderung für einen PR-Berater wohl eher darin, nur die richtigen Journalisten anzurufen. Ebenso herausfordernd ist es, das Thema möglichst präzise und kurzatmig zu präsentieren. Das genaue Gegenteil davon habe ich schon als Praktikant bei der Presse und bei Medianet miterlebt. Dort bekamen die Journalisten Anfragen von PR-Agenturen, die nie und nimmer in das eigene Ressort passten. Das sind dann auch die Anrufe, die wirklich nerven!

Für Hubert Weitzer, Geschäftsführer der Feinkost GmbH gibt es keine Wirtschaftskrise, denn: „Wie sagt schon ein altes chinesisches Sprichwort? Wenn der der Wind stärker weht, dann bauen die einen Mauern, die anderen Segelschiffe“ und nickt dabei seine Worte unterstreichend mit dem Kopf.

Für den Jungunternehmer aus Kärnten ist klar, „es gibt immer Leute die Geld haben werden“ und gibt sich dabei selbstbewusst. Und selbstbewusst muss er auch sein. Hat er doch vor rund zweieinhalb Jahren seinen sicheren Job als Pressesprecher bei der International Organisation of Migration (IOM), einer Unterorganisation der UNO gekündigt, um bei seiner nunmehrigen Frau Birgit Parade einzusteigen. Sie war bereits mehrer Jahre selbstständig in der PR-Branche tätig. Mit ihr gemeinsam hat er die Feinkost MEDIA GmbH gegründet, einen PR-Agentur die sich auf Video-PR spezialisiert hat. Der Grund für seine Schritt in die Selbständigkeit war, dass ihm der Job bei IOM zu langweilig war: „Zu wenig zum Selbstgestalten und man darf nicht sagen, was man sich denkt“, meint er dazu.

Hubert Weitzer uns seine Frau Birgit Parade.

Langweilig ist ihm und seiner Frau jetzt nicht mehr. Am Vormittag einen Präsentation für einen Kunden, danach geht es zum Mittagessen. Diesmal ins Ra’mien in der Gumpendorferstraße. Zum Kochen bleibt unter der Woche nicht mehr viel Zeit. Insgesamt eine Stunde ist für die Mittagspause eingeplant. Dann geht es mit dem Auto weiter in das Büro. Die Strecke kennt Hubert schon sehr gut. Schnell schlängelt er sich beim übrigen Verkehr vorbei. Das Büro des jungen Ehepaars befindet sich im 10. Wiener Gemeindebezirk am Paltramsplatz. Ganz in der Nähe des derzeit im Bau begriffenen neuen Wiener Hauptbahnhofs. Begeistert erzählt Hubert, wie groß und schön alles sein wird, wenn erst der neue Hauptbahnhof 2012-2013 fertig gebaut sein wird. „Dies wird für die Gegend eine große Aufwertung sein, sie wird sozusagen eine Schlüsselstelle Wiens“, sagt er fast ein wenig entschuldigend.

Hubert denkt grundsätzlich optimistisch, auch darum sieht er die jetzige Wirtschaftskrise sehr unproblematisch. Seine Frau Birgit ist da schon „rationalistischer“, wie sie sagt „kommt das vom Planen und Buchhalten, da muss man einfach kühl kalkulieren“. Dementsprechend sieht sie im neuen Hauptbahnhof nur mehr Verkehr und die Wirtschaftskrise hat sie zumindest in einem Fall getroffen. Sie erzählt, wie sich ihre Firma in einem Wettbewerb gegen andere PR-Firmen durchsetzen konnte und sie den Auftrag für die österreichische Niederlassung eines großen internationalen Konzerns gewinnen konnten. Allerdings verspielte der Konzernchef mehrere Milliarden Euro an der Börse und beging Selbstmord. Der Konzern erlitt große finanzielle Einbußen und ihr Auftrag wurde storniert. Dies sei aber der einzige Fall versichert Hubert sofort, da sie als Kleinstunternehmen normalerweise keine so riesige Aufträge bekommen und bei den kleineren sparen die Unternehmen noch nicht ein. Schlechter gehe es da freilich schon den wirklich großen Werbe- und PR-Firmen in Österreich.

Als wir am Büro ankommen, verweist Hubert mit der gleichen Akribie wie zuvor auf die Vorzüge des Standortes. So haben sie Bäume vorm Büroeingang stehen, ein wenig Grün das „wir auf der Mariahilfer Straße nicht hätten“. Außerdem ist auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Kinderspielplatz, „gut wenn wir mal Kinder haben…“, meint Hubert.

Im Büro selbst herrscht ein wenig das Drunter und Drüber. Am Boden stehen wahllos Kisten, für Kunden gestaltete Werbeverpackungen und sogar Computerbildschirme. „Wir bauen aus“, erklärt Hubert die Unordnung. Die Wirtschaftskrise scheint also zumindest Ausbau nicht zu gefährden. Obwohl, die Expansionwünsche in andere Länder wurde ad acta gelegt. Hubert beteuert, dass das nichts mit der Krise zu tun hat, sondern damit, dass „in Wien noch nicht alles rund läuft“. Denn auch wenn man deutlich den Stolz auf seine Firma heraushören kann, als er mir die Firmenpräsentation zeigt, bleibt auch Platz für Selbstkritik. So seien ihre Arbeitsweisen manchmal Ineffizienz. Um das zu vermeiden haben er und Birgit eine „to do-list“ eingeführt, indem abgehakt wird was am Tag zu erledigen ist. So bleibt tatsächlich mehr Zeit übrig.

Während Birgit sich zum Telefonieren zurückzieht, zeigt Hubert die geplanten Zubauten der Feinkost GmbH. Viel kann man noch nicht erkennen, es fehlen die Böden und nicht mal alle Leitungen sind verlegt. Aber sie lassen sich auch Zeit. Immer Stück um Stück wird weiter ausgebaut, denn einen Kredit wollen sie dann doch nicht aufnehmen. Darum wird das Büro wohl noch ein Weilchen ein wenig chaotisch bleiben. Es wird zwar nicht in andere Länder, trotzdem wird expandiert wird und zwar nicht nur an der Größe des Büros. Denn mit dem Ausbau bekommen sie auch ein neuen Raum für die Vertonung der Filme. Der jetzige Tonraum, ausgekleidet mit Eierkartons, hat dann ausgedient. Hubert möchte zu seiner audiovisuellen Ausbildung, die er als erster Österreicher beim ZDF/ARD in Deutschland abgeschlossen hat, auch eine Ausbildung zum Sprecher absolvieren. Schließlich soll ein neues Geschäftsfeld mit Radio-PR entstehen.

Mit Hubert geht es dann auch zum letzten Außentermin für heute, seine Frau bleibt im Büro zurück. Seine Firma hat in der und für die Wirtschaftskammer einen Vortrag organisiert, indem Jungunternehmen über Förderungen informiert werden. Mitarbeiterin Petra ist schon da, aber viel ist nicht mehr zu tun. Die Unternehmer sind noch in Besprechung, die Pause verzögert sich. Einzige Sorge: Es sind mehr Leute gekommen, als gedacht – das Buffet wird knapp werden. Doch das ist auch kein Beinbruch., die Wirtschaftskammer ist immerhin schon ein langer Partner. „Und auf die Petra kann man sich verlassen“, meint Hubert. „Eine mit Herz und Hirn, und das ist schwer zu finden!“ Schließlich haben er und Birgit schon lange nach guten Leuten gesucht. So haben sie schon 10 Leute entlassen müssen, der Grund warum er auch der Überzeugung ist: „Unser Bildungssystem verkommt!“

Da bleibt die Arbeit dann doch bei ihm und seiner Frau liegen, aber man merkt, sie sind auch mit Leidenschaft dabei. So kommt es nicht von ungefähr, dass für Hubert die größte Auswirkung der Wirtschaftskrise darin besteht, dass die Leute auf Luxus verzichten werden und: „mein größter Luxus ist Zeit“.

Dieser Text entstand im Rahmen einer Übung in Multimedia-Journalismus an der Universität Wien im Sommersemester 2009.
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