Einziger Sinn und Zweck der Malware Trovigo ist es, Werbegelder zu lukrieren. Wer in Firefox, Chrome oder Internet Explorer einen neuen Tab öffnet, bekommt eine blödsinnige Trovigo-Bildschirmoberfläche angezeigt. Dasselbe Spiel gibt es auch beim Start des Browsers oder bei der im Browser integrierten Suche.

Trovigo entfernen

Ich habe Trovigo mit der Anti-Malware von Malwarebytes wegbekommen. Das Löschen war aber nicht ohne weiters möglich, denn Avira Antivirus Free hat bei mir einfach das Anti-Malware-Programm geblockt. Draufgekommen bin ich dadurch, dass Avira immer folgende Meldung brachte: „Zugriff zur Registry für Ihre Sicherheit geblockt.“ Damit das Löschen funktioniert, muss also zuerst Avira deaktiviert werden. Dazu habe ich erstmal über Windows Start und dann unter dem Register Systemsteuerung Avira Antivirus ausgewählt.

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Da habe ich mal den Echtzeitscanner auf „Aus“ geschaltet, dann auf „System-Scanner“ gewechselt und dort rechts oben auf „Konfiguration“ geklickt. Das schaut so aus:

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Weiter geht es mit einem Klick auf „Allgemeines“ und dort auf „Sicherheit“. Dort am besten einfach alle Häckchen raus. Schaut dann so aus:

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Dann noch auf OK drücken und Malwarebytes Anti-Malware scannen lassen. Damit sollte Trovigo Geschichte sein.

Zusammenfassung: Trovigo dauerhaft entfernen

Zuerst Antivirus-Programm deaktiviert . Bei Avira Antivirus Free geht das über

  • Systemsteuerung
  • und unter Konfiguration,
  • Allgemeines
  • und Sicherheit.

Dann Computer mit Anti-Malware scannen und Schadsoftware löschen lassen.

Hier eine kurze Übersicht zu Politik und Lyrik nach 1945.

Politik

Die Nachkriegszeit und Konstitution von BRD und DDR (1945-1949)

Am 8. Mai kapitulierte Deutschland bedingungslos vor den Alliierten. Deutschland wurde unter den vier Besatzungsmächten USA, UdSSR, Großbritannien und Frankreich aufgeteilt. Dabei bekam die UdSSR das Gebiet der späteren DDR und die deutschen Ostgebiete, die sie mit Ausnahme von Nordostpreußen an Polen abtrat. Das Vereinigte Königreich beanspruchte das Gebiet des heutigen Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die amerikanische Besatzungsmacht erstreckte sich über Bayern, Hessen, Teile von Württemberg und Baden sowie Bremen und Bremerhaven. Frankreich bekam das spätere Rheinland-Pfalz und Teile von Württemberg und Baden. Das Saarland wurde unter französische Verwaltung gestellt. Die Siegermächte teilten die ehemalige Reichshauptstadt Berlin in vier Sektoren auf. Für ganz Deutschland wurde der Alliierte Kontrollrat als Verwaltungsgremium geschaffen. Für die Bevölkerung war es eine harte Zeit, es gab nicht ausreichend Nahrungsmittel und viele hatte ihre Unterkunft verloren. Außerdem kam es in den Ostgebieten der Tschechoslowakei und anderen Teilen Osteuropas zur systematischen Vertreibung Deutscher. Die Alliierten begannen mit der Entnazifizierung, im Nürnberger Prozess 1945-1946 wurden die Hauptkriegsverbrecher zur Verantwortung gezogen.

Konstitution von DDR und BRD

In der „Sowjetische Besatzungszone“ (SBZ) wurden sehr bald die Weichen für den Sozialismus gestellt. Es erfolgte eine Bodenreform und Enteignungen. Es wurden zwar andere Parteien zugelassen, aber SPD und KPD wurden zur SED (Sozialistische Einheitspartei) vereinigt und Schlüsselstellen mit Kommunisten besetzt. Mit der Deutschen Wirtschaftskommission wurde 1947 ein vorstaatliches Organ geschaffen, das bald Kompetenzen zur Steuerung der Wirtschaft erhielt. Die britische und die US-amerikanische Zone schlossen sich zur Bizone zusammen. Im Jahr 1947 begann mit dem Marshallplan der Wiederaufbau, der Osten musste diese Hilfen jedoch aufgrund sowjetischen Drucks ablehnen. Mit dem Wirtschaftsrat wurde ebenfalls ein vorstaatliches Organ im Westen geschaffen. 1948 fand in den Westzonen mit der Einführung der D-Mark eine Währungsreform statt. Sie bildete die Grundlage für die Marktwirtschaft und das Wirtschaftswunder. In der SBZ wurde im Gegenzug auch eine eigene Währung eingeführt. Als die Westmächte die D-Mark in Westberlin einführten, reagierten die Sowjets mit der Berliner Blockade. Berlin wurde daraufhin von den Westmächten über Monate aus der Luft versorgt. Die Sowjets hoben schließlich die Blockade wieder auf, Westberlin blieb Teil der westlichen Welt. 1948 verließen die Sowjets den Alliierten Kontrollrat, im Juni kam es zur Bildung der Trizone. Im selben Jahr beschlossen die Ministerpräsidenten der drei westlichen Besatzungszonen die Gründung der Bundesrepublik Deutschland und 1949 konstituierte sich schließlich die BRD. In der SBZ nahm der Volkskongress, die von ihm erarbeitete Verfassung für eine „Deutsche Demokratische Republik“ einstimmig an. Ebenfalls im Jahre 1949 wurde die DDR gegründet.

Wirtschaftwunder BRD (1950-1966)

Die Zeit des großen Wirtschaftswachstums in Deutschland – oder genauer der BRD – wird auch mit dem CDU-Politiker Ludwig Erhard in Verbindung gebracht. Der Bundesminister für Wirtschaft von 1950-1963 vertrat das Prinzip der sozialen Marktwirtschaft. Aber auch die technische und finanzielle Hilfe aus den USA sowie die Arbeitsbereitschaft der Bevölkerung und großer Nachfragebedarf verhalfen dazu, dass Deutschland die zweitstärkste Wirtschaftsnation der Welt wurde. Das Wachstum hatte so gigantische Ausmaße, dass man trotz praktischer Vollbeschäftigung weitere Arbeitskräfte benötigte. Zirka 3 Millionen Menschen flüchteten in dieser Zeit aus der DDR in den reichen Westen. Grund genug für die DDR mit dem Bau der Berliner Mauer, die Grenze zu Westberlin zu verriegeln. Erst im Jahre 1966 kam es zu einer Rezession in der BRD, die Arbeitslosigkeit stieg aber lediglich auf 2,1 Prozent.

Die Studentenbewegung der 60er-Jahre

Keimzellen der Studentenbewegung war die 1963 gegründete Gruppe Subversive Aktion oder die Kommune 1. Seit 1967 entstand unter der Führung des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS) die außerparlamentarische Opposition (APO). Anlass war die Unzufriedenheit mit der Großen Koalition der deutschen Regierung und der Restaurierung der Nachkriegs-Fünfzigerjahre. Hauptinspirationen der westdeutschen Studentenbewegung waren vorhergehende oder parallele ähnliche Aktivitäten in Warschau, Prag, Rom und Paris sowie die US-Bürgerrechtsbewegung (Civil Rights Movement), Free Speech Movement, Bewegung der Vietnam-Kriegsgegner, Prager Frühling (Sozialismus mit menschlichem Antlitz), sowie die Flower-Power-Bewegung und die Sexuelle Revolution. Ein entscheidender mobilisierender Faktor für die APO war der Tod des Studenten Benno Ohnesorg. Er kam 1967 bei einer Demonstration gegen den Schah von Persien ums Leben, als sich dieser auf Staatsbesuch in Berlin befand. Die Boulevardpresse, vor allem die Bild-Zeitung, verschärfte die Gegensätze durch eine polarisierende Berichterstattung. 1968 wurde der Studentenführer Rudi Dutschke bei einem Attentat lebensgefährlich verletzt, er starb elf Jahre danach an den Spätfolgen. Bei den anschließenden Osterunruhen wurden zwei Journalisten in München unter ungeklärten Umständen getötet und etwa 400 verletzt. Das Attentat auf Dutschke verstärkte die beginnende Radikalisierung der Bewegung, die sich gleichzeitig zersplitterte. Als eine Folge der 68er-Bewegung gründete sich um Andreas Baader und Ulrike Meinhof die Rote Armee Fraktion (RAF). Große Teile der Bewegung wandten sich dagegen der SPD unter Willy Brandt zu. Auch Die Grünen und weitere Bürgerrechtsbewegungen, wie die Schwulenbewegung, können als späte Folge der 68er-Bewegung gedeutet werden.

Niedergang der DDR

Die verschlechterte wirtschaftliche Lage und die enttäuschten Hoffnungen auf freiheitliche Veränderungen, führten 1989 zu regelmäßigen Protestdemonstrationen in der DDR. Schließlich musste Honecker (Staatsratvorsitzender und Generalsekretär des ZK) unter dem Druck der Straße zurücktreten. Wenige Tage später trat die komplette DDR-Regierung zurück. Am 9. November wurde die Berliner Mauer geöffnet. Die Montagsdemonstrationen der DDR-Bevölkerung und die Maueröffnung führten schließlich zum friedlichen Sturz des SED-Regimes. Am 3. Oktober 1990 geschah gemäß Einigungsvertrag der Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 des Grundgesetzes.

Das wiedervereinte Deutschland

Nach der Wiedervereinigung fanden im Dezember 1990 erstmals gesamtdeutsche Bundestagswahlen statt und Helmut Kohl wurde Bundeskanzler. Trotz großer Wirtschaftshilfe und enormen Infrastrukturverbesserungen, gibt es auch heute noch Unterschiede zwischen Ost und West. Vor allem im Osten ist die Arbeitslosigkeit sehr hoch. 1992 wurde mit dem Vertrag von Maastricht die Europäische Union ins Leben gerufen. Dem vorausgegangen ist eine seit 1951 sukzessiv steigende Annäherung europäischer Staaten.

Philosophie

Die verschiedenen Strömungen dieser Zeit durchdringen einander und sind nicht immer klar trennbar, außerdem gibt es eine Zersplitterung in unterschiedliche philosophische Denkweisen. Das 20. Jahrhundert ist signifikant dafür, dass es keine einheitliche Strömung mehr gibt. Ich möchte daher nur den Existenzialismus, Strukturalismus, den kritischen Rationalismus und schließlich die Postmoderne bearbeiten.

Existenzialismus

Der Existenzialismus entwickelte sich in den 40er-Jahren nach dem 2. Weltkrieg. Das traumatische Erlebnis des Krieges führte zum Verlust des Glaubens an Werte und allgemein verbindliche Normen, eine Neudefinition des Menschen wurde benötigt. Als „Ahnherr“ der Existenzphilosophie wird in der Regel Kierkegaard genannt. Als Vertreter der deutschen Existenzphilosophie werden besonders Heidegger und Jaspers genannt. Diese Existenzphilosophen bzw. Existentialisten stellen die Fragen der menschlichen Existenz in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen. Es handelt sich um eine Subjektphilosophie, denn Ausgangspunkt ist das denkende Subjekt.

Strukturalismus

Strukturalismus ist eine in Frankreich entstandene wissenschaftliche Grundauffassung oder Forschungsmethode, die ihren Höhepunkt in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts hatte. Ihr Hauptanliegen ist das Aufdecken unbewusster universaler menschlicher Denkprinzipien. Der Strukturalismus geht davon aus, dass Phänomene nicht vereinzelt existieren, sondern in Verflechtung mit anderen Phänomenen. Die Verbindungen der vielen Phänomene bilden eine Struktur, die erkennbar sei. Genau betrachtet zeige sich aber, dass die Struktur vom Beobachter in die Wirklichkeit getragen wird und sie daher unabhängig vom Beobachter nicht existiert. Der Strukturalismus schaffte es zu einer allgemeinen Forschungsmethode, besonders aber in den Bereichen der Linguistik, der Ethnologie, der Psychologie und der Mathematik.

Kritischer Rationalismus

Kritischer Rationalismus ist ein von Karl Popper geprägter Begriff. Die rationalistische Einstellung sei selbst nicht rational beweisbar. Sie beruhe auf einem irrationalen Glauben an die Vernunft. Wir sollen von unserer Vernunft einen vorsichtigen, kritischen Gebrauch machen. Die Ergebnisse unseres Forschens seien vorläufig. Die Kritik ist für den kritischen Rationalismus das, was der Rechtfertigungsprozess in der traditionellen Philosophie war.

Die Postmoderne

Während in der Moderne die fortschrittliche Perspektive dominiert, steht in der Postmoderne nicht die Realisierung des Neuen im Mittelpunkt des (künstlerischen) Interesses, sondern eine neue Anwendung vorhandener Ideen. Die Welt wird nicht auf ein Fortschrittsziel hin betrachtet, sondern jenseits allen rationalen Gehalts als pluralistisch, zufällig und chaotisch angesehen. Ebenso gilt die menschliche Identität als instabil und durch viele kulturelle Faktoren geprägt. Medien und Technik spielen eine wichtige Rolle. Die Postmoderne wendet sich gegen Festschreibungen, weshalb ihr auch oft der Vorwurf der Beliebigkeit gemacht wird.

Inhaltsangabe und Literaturfragen zu Bertolt Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“.

Inhaltsangabe

Wang der Wasserverkäufer tritt auf und klagt das Leid der Menschen. Er wartet auf die Götter, die sehen wollen ob es noch gute Menschen auf der Welt gibt. Wang erkennt sie und möchte für sie ein Nachtlager suchen. Doch keiner möchte die Götter aufnehmen, so bleibt für Wang nur die Möglichkeit zur Prostituierten Shen Te zu gehen. Diese erklärt sich bereit, die Götter aufzunehmen. Allerdings glaubt Wang aufgrund eines Missverständnisses, dass Shen Te die Götter doch nicht aufnimmt, um einen Freier treffen zu können und flüchtet. Nachdem die Götter bei Shen Te übernachtet und sich von ihrer Güte überzeugt haben, geben sie ihr am nächsten Morgen 1000 Silberdollar.

Vorspiel
I.
Shen Te hat sich vom Geld der Götter einen kleinen Tabakladen gekauft. Sie hat den ernsthaften Willen Gutes zu tun. Es betreten die Frau, der Neffe und der Mann ihren Laden. Da sie obdachlos sind, bitten sie Shen Te um eine Bleibe, die natürlich einwilligt. In Folge gewährt Shen Te weiteren Menschen in ihrem Laden eine Bleibe oder leiht ihnen Geld. Durch ihre Barmherzigkeit gerät sie aber immer mehr in Geldnöten.

Zwischenspiel
Die Götter finden Wang und geben ihm den Auftrag nach Shen Te zu sehen.

2.
Im zweiten Kapitel tritt Shui Ta auf und erklärt der Vetter von Shen Te zu sein. Im Gegensatz zu Shen Te ist er ein rücksichtslos kapitalistisch denkender Geschäftsmann. Er presst vereinbarte Kaufpreise bei den Gläubigern von Shen Te hinunter und schmeißt durch einen hinterhältigen Trick die Obdachlosen aus dem Laden.

3.
Yang Sun, ein arbeitsloser Flieger möchte sich erhängen. Shen Te trifft ihn zufällig und versucht ihn von seinen Vorhaben abzubringen. Dabei verliebt sie sich in ihn. Wang der Wasserverkäufer kommt des Weges, dem sie Wasser abkauft, obwohl es regnet.

Zwischenspiel
Die drei Götter, sie sind durch den langen Marsch schon sehr müde, erscheinen Wang im Traum. Sie fragen nach Shen Te und Wang berichtet sehr positiv über sie. Nur über ihren Vetter Shui Ta erhebt er Anklage.

4.
Wang möchte in einem Barbierstube Wasser verkaufen und wird dabei von dessen Besitzer, Herrn Shu Fu, die Hand gebrochen. Doch keiner der Zeugen, die auf die Reisspende von Shen Te warten, ist bereit gegen den mächtigen Shu Fu vor Gericht auszusagen. Herr Schu Fu sieht Shen Te beim Reis austeilen und verliebt sich in sie. Shen Te geht in den Teppichladen und kauft sich einen Shawl. Das alte und gutgläubige Pärchen, denen der Laden gehört, leihen Shen Te 200 Silberdollar, ohne dabei etwas Schriftliches zu vereinbaren. Als Shen Te aus dem Laden tritt, sieht sie Wang und dessen gebrochene Hand. Da immer noch keiner der Anwesenden bereit ist vor Gericht auszusagen, entschließt sie sich, für Wang Meineid zu begehen. Darauf kommt Frau Yang, die Mutter von Yang Sun zu Shen Te und erzählt, dass er einen Fliegerposten bekommen würde, wenn er 500 Silberdollar bezahlen könnte. Shen Te möchte ihrem Geliebten helfen und entschließt sich den Laden zu verkaufen und schießt auch noch die 200 Silberdollar des alten Pärchens vor.

Zwischenspiel
Shen Te mit der Maske und den Anzug des Shui Ta in den Händen klagt darüber, dass die Guten nicht gut bleiben können und es für das tägliche Mittagessen Härte braucht.

5.
Shui Ta führt mit Sun – der gekommen ist, um 300 Silberdollar zu fordern – einen Dialog. Dabei stellt sich heraus, dass Sun das weitere Schicksal des alten Pärchens egal ist. Er möchte nicht einmal Shen Te nach Peking zu seiner erhofften neuen Stelle mitnehmen. Shen Te ist verzweifelt, da sie sich nicht sicher ist, ob er sie überhaupt liebt. Noch dazu ist sie in einem Gewissenskonflikt, da sie dem alten Pärchen jetzt die 200 Silberdollar nicht mehr zurückzahlen kann. Die Shin, eine Frau die für Shen Te arbeitet, empfiehlt ihr, den reichen Shu Fu zu heiraten. Als Shui Ta mit Shu Fu redet, taucht Wang mit einem Polizisten auf, um Shu Fu wegen Körperverletzung anzuzeigen. Aber Shui Ta erklärt ihm, dass Shen Te nicht mehr bereit ist Meineid zu begehen. Schließlich stößt noch Sun hinzu und kann Shen Te überreden nicht Shu Fu, sondern ihn zu heiraten.

Zwischenspiel
Der Alte vom Teppichladen ist krank vor Sorge um seine 200 Silberdollar geworden. Shen Te plagen Gewissensbisse.

6.
Es ist die Hochzeit von Shen Te und Yang Sun. Shen Te hat ihm offenbart, dass sie die 200 Silberdollar zurückzahlen muss. Damit stirbt aber auch die Chance, dass er seinen Traumberuf ergreifen kann. So hoffen Yang Sun und seine Mutter auf Shui Ta, den Vetter, der Shen Te überzeugen soll das alte Pärchen im Stich zu lassen und ihm das Geld zu geben. Doch der Vetter kommt nicht und die Hochzeit platzt.

Zwischenspiel
Die Götter erscheinen abermals Wang im Traum. Sie sind äußerst erschöpft und ihre ganze Erscheinung hat sehr gelitten. Sie haben auf ihrer Reise nur sehr selten gute Menschen getroffen. Deshalb schauen sie voller Hoffnung auf Shen Te, obwohl er behauptet, dass sie gescheitert sei.

7.
Herr Shu Fu nutzt die Chance der geplatzten Hochzeit und gibt Shen Te einen Blankoscheck. Er mimt den barmherzigen Wohltäter, indem er den Armen Baracken zum Schlafen verspricht. Shen Te stellt fest, dass sie schwanger von Yang Sun ist. Sie freut sich zwar, ist aber gleichzeitig sehr ängstlich wie sie sich und das Kind ernähren soll. In diesem Elend tritt abermals Shui Ta auf. Er lässt in den Baracken des Shu Fu Tabak verarbeiten und erpresst die Obdachlosen für ihn zu arbeiten.

Zwischenspiel
Die Götter erscheinen Wang wieder im Traum. Er versucht eine Verminderung der Regeln und Tugenden für Shen Te zu erwirken, doch findet er keine Alternativen. Die Götter wandern müde weiter.

8.
Shui Ta hat in den Baracken eine kleine Tabakfabrik errichtet. Er zwingt Sun in dieser zu arbeiten. Sun beweist seine Herzlosigkeit und wird dadurch zum erfolgreichen Aufseher.

9.
Shen Te bleibt verschwunden, es gibt nur noch Shui Ta. Doch Sun hört eines Tages einen Seufzer von Shen Te aus den Räumlichkeiten von Shui Ta und glaubt daher er hält sie fest. Das möchte er zu seinem Vorteil nutzen und versucht Shui Ta zu erpressen. Doch der weißt ihn ab. Sun kehrt mit einem Polizisten wieder. Man findet die Sachen von Shen Te und bezichtigt Shui Ta des Mordes. Shui Ta wird auf die Wache geführt.

Zwischenspiel
Wang trifft das letzte Mal im Traum auf die Götter. Er erzählt ihnen, dass Shen Te vielleicht ermordet worden ist. Die Götter klagen über ihre misslungene Reise und streiten darüber, ob nun der Mensch oder die Welt so schlecht ist. Sie beschließen zumindest diesen einen guten Mensch, Shen Te, zu suchen.

10.
Die drei Götter treten im Gerichtslokal als Richter auf. All jene Zeugen die mit Shui Ta profitable Geschäfte gemacht haben, loben ihn als einen ehrgeizigen Mann mit Prinzipien. Die Arbeiter der Fabrik bezeichnen ihn als Ausbeuter und generell schlechten Menschen. Shui Ta möchte schließlich ein Geständnis machen, unter der Voraussetzung, dass alle Anwesenden außer den Richtern den Raum verlassen. Als dies geschehen ist, klagt Shen Te, die die Götter schon erkannt hatte, nicht gut sein zu können und doch zu leben. Die Götter sind verwirrt, möchten sich aber nicht eingestehen, dass ihre Gebote tödlich sind. Sie geben Shen Te den Rat nur nicht zu oft den Vetter zu spielen.

Epilog
Ein Schauspieler tritt auf die Bühne und entschuldigt sich beim Publikum für das offene Ende. Er regt aber an, nachzudenken und selbst einen guten Schluss zu finden.


Literaturfragen

Untersuchung des Aufbaus

Der Aufbau entspricht einem epischen Parabelstück und dient der Versinnlichung lehrhafter Inhalte. Das Publikum soll am Bühnengeschehen teilhaben. Der modellhafte soziale Raum, die Verwendung unterschiedlicher Sprachebenen, die Unterbrechung der Handlung durch Songs und kommentierende Passagen sind Verfremdungseffekte, wie sie Brecht in seinen theoretischen Schriften zum Theater begründet hat.

Bedeutung der sprachlichen Mittel

Die verwendeten sprachlichen Mittel sind Euphemismus, Hyperbel (Übertreibung), Ironie und Metapher.

Elemente des Theaterkonzeptes

Episches Theater: Bezeichnet dramatische Werke, die sich von klassischen Dramen in ihren Zielen und Methoden unterscheiden. Brecht verwendet vor allem Verfremdungseffekte um Alltägliches auf neue und ungewohnte Art in Szene zu setzen.

V-Effekte: Die Verfremdungseffekte sollen eine zu enge Bindung an die Figuren des Stückes verhindern und so eine objektive Reflexion und Beurteilung ermöglichen. Zu V-Effekten zählen: Die persönliche Anrede des Publikums, Prolog, Projektion von Überschriften, kurze Inhaltsangaben am Beginn einzelner Szenen, Selbsteinführung von Personen (z.B. Wang der Wasserverkäufer), häufig ein offener Schluss, Songs (also gesungene Lieder), sichtbare Bühnentechnik, der Verzicht von Interieur und Atmosphäre, der Einsatz von Medien (Film, Rundfunk) und die gestische Darstellung. (Schauspieler sollen sich mit der Rolle nicht identifizieren, sondern sollen diese demonstrieren und sie dadurch fremd und kritisierbar erscheinen lassen)

Parabel: Eine Parabel (von griechisch Parabole = Gleichnis) ist eine kurze, lehrhafte Erzählung, die eine allgemeine sittliche Wahrheit oder Lebensweisheit durch einen Vergleich aus einem anderen Vorstellungsbereich verdeutlicht.

Song: Der Schauspieler tritt meist aus seiner Rolle heraus und wendet sich mit dem Song an das Publikum. Er soll eine mögliche Identifizierung mit der Figur verhindern.

Der „gute Mensch“

In diesem Stück fällt auf, das außer Shen Te, alle armen Menschen schlecht sind. Sie trachten nur danach ihre derzeitige Lebenssituation zu verbessern, ohne Rücksicht auf andere. Kleine Diebstähle und Betrügereien werden mehr oder weniger als Mittel zum Überleben akzeptiert. Neben Shen Te zeigt nur noch der reiche Großbürger Shu Fu Güte. Damit möchte Bertolt Brecht unterstreichen, dass die moralische Schlechtigkeit des Menschen eine Folge seiner Armut ist. Verbessert man also die soziale Lage der Menschen, steigt auch die Moral, denn dann kann der Mensch auch seine naturgemäße Güte leben. Erst durch den Kapitalismus und die damit verbundene Armut werden die Menschen einander zu Feinden und Objekten der Ausbeutung. Der „gute Mensch“ kann in diesem System nicht überleben. Daher sieht Brecht die Lösung dieses Problems in der, nach der Version von Marx und Engels, kommunistisch organisierten Gesellschaft.

Die Rolle der Götter

Die Götter stellen die moralische Instanz in diesem Werk dar. Sie kommen auf die Erde um zu sehen, wie es den Menschen ergangen ist. Sie suchen Menschen die ein sittliches und menschliches Leben führen. Bald erkennen sie aber, dass solche Menschen schon sehr selten geworden sind, ohne dass sie dagegen etwas tun können. Die Götter spielen in diesem Werk insofern eine wichtige Rolle, da sie den entscheidenden Anstoß für den weiteren Verlauf der Geschichte gegeben haben. Am Ende des Stückes treffen die Götter, als Richter verkleidet, wieder auf Shen Te. Aber nicht nur Shen Te ist es schlecht ergangen, auch die Götter haben auf ihrer Reise viel Leid erfahren müssen und eingesehen, dass man nicht absolut gut auf dieser Welt sein kann. So rücken sie von ihren Idealen ab und fordern von Shen Te nur nicht zu oft ein Shui Ta zu werden.

Das Lied vom Elefanten

Das Lied vom Elefanten ist ein gleichnishaftes Lied, indem der achte Elefant mit dem Machthabenden paktiert und die restlichen sieben Elefanten brutal ausbeutet. Die Arbeiter singen dieses Lied für Sun, der zum rücksichtslosen Aufseher aufgestiegen ist. Doch dieser beachtet die Anspielung überhaupt nicht, sondern beschleunigt das Arbeitstempo mit Händeklatschen noch zusätzlich.

Die Bedeutung von wirtschaftlichen Grundbedingungen und Wertvorstellungen

Die wirtschaftlichen Grundbedingungen geben den Armen keine Chance, ihre Lage zu verbessern. Sie müssen ihre Arbeitskraft sehr billig zur Verfügung stellen. Nutzen ziehen daraus nur wenige Privilegierte, die die Arbeiter unterdrücken und einen gewaltigen Profit erwirtschaften können und dafür von der Gesellschaft als tüchtige Unternehmer geehrt werden. In „Der gute Mensch von Sezuan“ drückt sich das durch den Aufstieg des Arbeiters Sun zum Aufseher aus. Er geht dabei mit erbarmungsloser Härte vor. Für dieses, eigentlich verachtenswerte Verhalten, bekommt Sun großes Lob von seiner Mutter und es ermöglicht ihm, einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft zu erlangen. Damit zeigt Brecht, dass in der jetzigen Gesellschaft nicht mehr Güte und Menschlichkeit zählen, sondern Egoismus und unbedingter Ehrgeiz.

Deutung des Werkes

Hauptintention des Marxisten Bertolt Brecht ist eine umfassende Kritik am Kapitalismus. Brecht wollte den Menschen die negative Seite zeigen und sie auffordern, gemeinsam den Kapitalismus zu überwinden. Die Götter kommen auf die Erde, da sie nach guten Menschen suchen und stellen die unbedingte Forderung nach Güte und Humanität. Der Atheist Brecht bringt in seinem Werk zum Ausdruck, dass die Götter entweder den Menschen nicht helfen wollen oder unfähig dazu sind. Sie sind sich uneinig, in ihren Ansichten weltfremd und können selbst nicht in dieser Welt überleben, denn schlussendlich sind ihre Kleider zerrissen, sie sind übermüdet und verzweifelt. Denn die Menschen sind verroht und rücksichtslos geworden. Aber man stellt eindeutig fest, dass nicht der angeborene Charakter Schuld an dieser Schlechtigkeit ist, sondern die katastrophalen wirtschaftlichen Bedingungen. So bleibt auch nur ein wahrhaft guter Mensch übrig: Shen Te. Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe scheinen ihre unverrückbaren Charaktereigenschaften zu sein. Trotzdem muss sie – um die Miete bezahlen zu können – ihre Körper verkaufen. Mit dem Besitz des Ladens häufen sich auch die Schmarotzer um sie, die nur darauf bedacht sind sie auszunehmen. So steht sie vor dem finanziellen Bankrott. In ihrer verzweifelten Lage und mit dem Auftrag „gut zu sein, und doch zu leben“, spaltet sich ihre Person. Immer häufiger tritt der eiskalte Shui Ta auf, ihr berechnend denkendes Ich. Als Mann verkleidet, schafft sie das, was sie als gütige Frau nicht geschafft hat: finanziellen Erfolg, Sicherheit und hohes gesellschaftliches Ansehen. Damit will Brecht der bürgerlichen Gesellschaft den Spiegel vorhalten. Denn nicht die liebevolle Shen Te schaffte es zu Respekt und Ansehen, nein, sie wurde sogar für ihr Verhalten belächelt und als naiv eingestuft. Obwohl notgedrungen Shen Te für immer länger Zeit verschwindet, bis sie gar nicht mehr auftaucht, lässt Brecht das Ende offen. Die Götter lassen Shui Ta, der sich als Shen Te zu erkennen gegeben hat, in der Verzweiflung alleine. Der Vorhang fällt, ein Schauspieler betritt die Bühne und wendet sich eindringlich an das Publikum, doch selbst ein Ende (im realen Leben) zu suchen. Denn: „Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss! Es muss ein guter da sein, muss, muss, muss!“

Biografie: Bertolt Brecht

Bertolt Brecht wird 1898 als Sohn eines leitenden kaufmännischen Angestellten geboren. Sein Wirken lässt sich in drei große Richtungen unterscheiden:
Erste Schaffungsperiode: Anarchistischer Protest
Seine erste Schaffungsperiode ist noch vom Expressionismus beeinflusst, in der sich Bertolt Brecht als großen Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft zeigt. Seine lyrischen Formen werden als „Gebrauchslyrik“ bezeichnet. Dieser Lebensabschnitt ist von seinen Eindrücke des 1. Weltkrieges geprägt. So beschreiben seine dramatischen Texte die Vereinsamung und Hoffnungslosigkeit, denen der Mensch in dem allgemeinen Zusammenbruch aller moralischen Werte und Sicherheiten ausgeliefert ist.

Zweite Schaffensperiode: Der Marxist Brecht
Ab 1926 beschäftigt sich Brecht eingehend mit der marxistischen Ideologie. Mittelpunkt seiner Werke ist nicht mehr die Kritik am Weltbild der bürgerlichen Gesellschaft, sondern der Kampf gegen die gesellschaftlich-politischen Zustände auf Grundlage der Ideen von Karl Marx. In diesem Lebensabschnitt entstehen die Opern „Die Dreigroschenoper“ und „Mutter Courage und ihre Kinder“. In seinen Lehrstücken probiert Brecht erstmals auch jene neuen dramatischen Mittel, die er später unter dem Schlagwort „Episches Theater“ zusammenfasst.

Dritte Schaffensperiode: Brecht als Regisseur
Nach fünfzehn Jahre im Exil kehrt Brecht 1948 nach Deutschland zurück. In Ostberlin leitet er eine eigene Theatergruppe, das Berliner Ensemble. Er kommt aber auch in Konflikt mit dem kommunistischen Regime in der DDR. In seinen weiteren Werken warnt er vor Faschismus, Bürokratie und die Gefahren des Krieges. Eine resignierende, melancholische und nachdenkliche Grundhaltung herrschen vor. 1956 stirbt Brecht an einem Herzinfarkt.

Zusammenfassung: Bertolt Brecht war ein Mensch, der nie wirklich sesshaft wurde und immer sehr stürmisch blieb. Er studierte auf unsystematische Art und Weise Naturwissenschaften, Medizin und Literatur und war mehrmals verheiratet. Während der Kriegsjahre waren die Schweiz, skandinavische Länder und die USA seine Aufenthaltsorte, bis er schließlich wieder nach Deutschland zurückkehrte. Konsequent blieb der Schriftsteller, der sehr von Marx beeinflusst worden ist, nur bei seiner politischen Auffassung. Aber gerade wegen seiner sozialkritischen Stücke, die alle die kleinbürgerliche und kapitalistische Problematik behandeln, zählt Brecht zu den bedeutendsten deutschen Künstlern.

Warum China als Ort des Geschehens?

Die tatsächlich existierende chinesische Provinz Sezuan soll dem Stück Realität geben und gleichzeitig der Verfremdung dienen.

Warum muss sich Shen Te verwandeln?

Shen Te bekommt 1000 Silberdollar von den Göttern, unter der Bedingung immer gut zu sein. Sie will das auch einhalten, doch wird ihr gütiger, hilfsbereiter und liebevoller Charakter aufs Ärgste ausgenützt. In dieser kapitalistischen Welt hat sie keine Chance und steht sehr schnell vor dem finanziellen Ruin. Nur durch den Einsatz von Shui Ta, für den nur zählt was sich rechnet, kann Shen Te überleben. Als sie von Sun schwanger wird, wird ihr bewusst, dass ihr Kind ohne Geld keine Zukunft haben kann. So verschwindet Shen Te endgültig und der rücksichtslose Charakter Shui Ta übernimmt die Oberhand.

Definition der Begriffe: Neue Sachlichkeit, Marxismus, Kommunismus, Sozialismus und Kapitalismus

Neue Sachlichkeit (1920-1945)

Nach dem 1. Weltkrieg wird eine neue Bestimmung der menschlichen Werte erforderlich und eine objektive Bestandsaufnahme des menschlichen Daseins. Gefordert sind nicht mehr Pathos und Sentimentales sondern die Beschreibung realer Zustände. Die Literatur entwickelt sich weg von der Sollsein- zur Sosein-Dichtung.

Kennzeichen der Dichtung
Streben nach der Wahrheit, Großstadt und Großstadtmensch, krankhafte Menschen, Spannungen der Zeit – die zwar dargestellt aber nicht bewältigt werden.

Der Zeitroman der Neuen Sachlichkeit
Ist eine literarische Bewegung, die die objektive Wirklichkeit sachlich, fast dokumentarisch darstellen will, indem sie die gesellschaftlich-soziale Realität, den Alltag, beschreibt.

Marxismus

Unter Marxismus versteht man eine Bewegung, die sich auf die Lehre von Karl Marx und Friedrich Engels bezieht. Marxistische Ansätze sind insbesondere:
• Die Idee einer globalen Analyse (gegenseitige Abhängigkeit von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik)
• der Klassenkampf als Motor der Entwicklung der Klassengesellschaft
• die Theorie des dialektischen Materialismus
• die von Marx entwickelten Konzepte und Theorien hinsichtlich Mehrwert, Arbeitskraft, Produktionsmittel …

Kommunismus

Die Idee des Kommunismus hatte seine Hochblüte im 19. Jahrhundert, als Reaktion auf die Veränderung der Gesellschaft durch die industrielle Revolution. Durch die neuen Produktionsverfahren in Fabriken wurden Arbeiter benötigt, die, ohne Rechte und Sicherheit, zu einem Hungerlohn ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen mussten. Kommunisten kritisieren, dass der Kapitalist die Macht hat Arbeiter auszubeuten, dadurch hohe Gewinne erzielt, diese Gewinne investiert und seine Macht weiter ausbauen kann. Der Arbeiter verarmt durch diesen Teufelskreis immer mehr. Daher wollten die Kommunisten eine Revolution und eine Herrschaft des Proletariats errichten. In dieser neuen Gesellschaft sollte es keine direkten Autoritäten geben und alle Produktionsgüter würden gemeinschaftlich verwendet werden.

Sozialismus

Im klassischen Sozialismus wird die Auffassung vertreten, dass sich die Produktion nicht nach dem Bedarf der Gesellschaft, sondern nach den Profitinteressen der Kapitaleigner richte. Daher tendiere privates Kapital dazu, sich in wenigen Händen zu konzentrieren. Diese Entwicklung führe zu einer finanziellen Oligarchie, deren Macht auch von einer demokratischen Gesellschaft immer weniger kontrolliert werden könne. Daraus wird im klassischen Sozialismus der Schluss gezogen, dass es notwendig sei, die Produktionsmittel mittels Vergesellschaftung und Verstaatlichung der Verfügungsgewalt der Kapitalisten zu entziehen. Sozialismus möchte Gleichheit im Ergebnis, dafür werden auch Beschränkungen der Rechte und Freiheiten des Einzelnen zum Wohl der Gesellschaft akzeptiert.

Kapitalismus

Verfechter der freien Marktwirtschaft vertreten die Auffassung, dass sich die Produktion im Kapitalismus vor allem am Bedarf der Gesellschaft ausrichte und der Preis für die Produkte sich an den Gesetzmäßigkeiten von Angebot und Nachfrage orientiere. Um die Nachfrage zu steigern, wird der Bedarf in der Moderne durch Werbung auch oft künstlich erzeugt. Die Unternehmen stellen diejenigen Güter her, die sich auf dem Markt verkaufen lassen. Kritik am Kapitalismus äußerst sich darin, dass er nur marktorientiert denkt und nur der Gewinn zählt. Um Kosten zu senken, könnten Unternehmer Luxusgüter zu überhöhten Preisen anbieten und die Produktion im Bereich der Basisgüter einschränken, was zu einer Unterversorgung der Bevölkerung führen würde. Weil es große Unterschiede zwischen arm und reich gäbe, hätten die Menschen nicht mehr die gleichen Chancen.

Dieser Artikel bietet eine kurze Biografie zu Gotthold Ephraim Lessing, Inhaltsangabe und Interpretation seines Werkes Nathan der Weise und eine Zusammenfassung über die Zeit der Aufklärung.

  1. Biografie
  2. Inhaltsangabe
  3. Interpretation
  4. Die Aufklärung
  5. Literaturstreit zwischen Gottsched und Lessing

Biografie

Gotthold E. Lessing

Gotthold Ephraim Lessing wurde am 22. Januar 1729 in Kamenz geboren. Sein Vater war evangelischer Archidiakon. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr besuchte er die Latein-Schule in Kamenz, anschließend die Fürstenschule St. Afra in Meißen. Danach nahm er das Theologiestudium an der Universität Leipzig auf. Schon bald beschäftigte er sich aber mit eher weltlichen Dingen und begeisterte sich für das Theater. In der Zeitschrift „Der Naturforscher“ und den von seinem Vetter Christlob Mylius herausgegebenen „Ermunterungen zum Vergnügen des Gemüths“, erschienen erste Gedichte, Fabeln und Verserzählungen. Wegen eigener und fremder Schulden, für die er gebürgt hatte, flüchte Lessing aus Leipzig. Nach kurzem Zwischenaufenthalt in Wittenberg, wo er Medizin studieren wollte, erreichte er Berlin.
Lessing entschloss sich dort den Beruf des freien Schriftstellers zu ergreifen. Er war da noch keine zwanzig Jahre alt. Zusammen mit Mylius gab er die Zeitschrift „Beiträge zur Historie und Aufnahme des Theaters“ heraus, daneben schrieb er Rezensionen, Gedichte, Theaterstücke („Die Juden“, „Der Freigeist“) und verfasste Übersetzungen. Ab 1751 arbeitete er für die „Berlinischen privilegierten Staats- und Gelehrten Zeitung“. Auf Drängen des Vaters reiste er aber nach Wittenberg, um dort seine Studien abzuschließen. Im April 1752 promovierte er zum Magister der Philosophie. Danach war Lessing wieder in Berlin. Er beschäftigte sich mit Übersetzungen von Schriften Voltaires und Friedrichs II und begann das ehrgeizige Projekt der (niemals vollendeten) „Theatralischen Bibliothek“, die in unregelmäßiger Reihenfolge eine kritische Geschichte des Theaters zu allen Zeiten und bei allen Völkern liefern sollte. Weiters erschien die sechsteilige Sammlung seiner Schriften und 1755 entstand „Miß Sara Sampson“.

Finanzielle Sorgen

Trotz des literarischen Ruhmes war Lessing nach wie vor auf der Suche nach einer gesicherten Anstellung. 1756 wollte er mit dem reichen Kaufmann Winkler eine Europareise machen, doch im August wurden sie in Amsterdam vom Ausbruch des Siebenjährigen Krieges überrascht und mussten umkehren. Nach der Rückkehr in das mittlerweile von den Preußen besetzte Leipzig, entwickelte sich bald eine enge Freundschaft zum preußischen Major und Dichter Ewald von Kleist. In Berlin schrieb er die ersten Briefe „Die neueste Literatur betreffend“, 1759 erschien dann der Einakter „Philotas“. Einen überraschenden Einschnitt in sein Leben stellte die Stelle als Sekretär beim preußischen General Tauentzien dar. Aller Geldsorgen enthoben, begann Lessing ein lasterhaftes Leben und gab sich seiner Spielleidenschaft hin. Bald hatte er aber dieses Leben satt und fand sich wieder in seine literarische Arbeit ein. 1766 schrieb er „Minna von Barnhelm“. Danach konzentrierte er sich ganz auf die Mitarbeit an dem in Hamburg geplanten Nationaltheater. Aus dem Theater sollte eine Institution der nationalen Kultur gemacht werden. Bald war das Projekt aber finanziell und organisatorisch gescheitert.

Lessing wird Bibliothekar in Wolfenbüttel

Im September 1769 erhielt Lessing vom Braunschweiger Hof das Angebot, Bibliothekar an der berühmten herzoglichen Bibliothek in Wolfenbüttel zu werden. In dieser Zeit erschien „Emilia Galotti“, daneben veröffentlichte er aus dem Nachlass von Hermann Samuel Reimarus „Fragmente eines Ungenannten“, die ihn später mit dem Hamburger Hauptpastor Johann Melchior Goeze in heftige theologische Auseinandersetzungen verwickelte. Überhaupt befasste er sich intensiv mit theologischen Fragen: Es erschien „Die Erziehung des Menschengeschlechts“ und die gegen den orthodoxen Hamburger Hauptpastor gerichteten „Anti-Goeze-Schriften“, die auf das Recht der Vernunft pochten, die Religion einer prüfenden Kritik zu unterziehen. Als Fortsetzung dieser Ausei-andersetzung entstand 1778 das dramatische Gedicht „Nathan der


Inhaltsangabe

Nathan der Weise

Die Handlung spielt zur Zeit des Waffenstillstandes während des Dritten Kreuzzuges in Jerusalem. Als der Jude Nathan von einer Geschäftsreise zurückkommt, erfährt er, dass seine (Pflege-)Tochter Recha von einem christlichen Tempelherrn aus dem Feuer gerettet wurde. Dieser Tempelherr verdankt wiederum sein Leben der Begnadigung durch den muslimischen Herrscher Sultan Saladin. Er hatte ihn als Einzigen von zwanzig Gefangenen begnadigt, weil er des Sultans verstorbenen Bruder Assad ähnlich sah. Nathan überzeugt den Tempelherrn zu einem Besuch, um den Dank seiner Tochter entgegen zu nehmen.

Keine Religion hat absolute Wahrheit

Sultan Saladin hat Geldsorgen, deshalb plant er Nathan eine Fangfrage zu stellen und dessen Antwort zu nutzen, um Geld von ihm zu erpressen. Er fragt Nathan nach der „wahren Religion“. Dieser antwortet mit der Ringparabel. In diesem Gleichnis besitzt ein Mann ein wertvolles Familienerbstück: Einen Ring, der über die magische Eigenschaft verfügt, seinen Träger „vor Gott und den Menschen angenehm“ zu machen. Der Ring wurde über viele Generationen hinweg vom Vater auf den Sohn vererbt, und zwar stets an jenen, den der Vater am meisten liebte. Nun hat aber der Mann, von dem die Erzählung handelt, drei Söhne, die ihm alle gleichermaßen lieb sind, sodass er nicht weiß, wem von den dreien er den Ring hinterlassen soll. Schließlich behilft er sich, indem er von einem Goldschmied zwei weitere Ringe herstellen lässt, die beide dem ursprünglichen Ring identisch sind. Er hinterlässt jedem Sohn einen Ring, wobei er jedem versichert, sein Ring sei der echte. Nach dem Tode des Vaters ziehen die Söhne vor Gericht, um klären zu lassen welcher von den drei Ringen der echte sei. Der Richter aber ist außerstande dies zu ermitteln und verweist darauf in „tausend tausend Jahren“ wieder zu kommen, wenn ein Klügerer an seiner Stelle sitzt. Aber er erinnert die drei Männer daran, dass der echte Ring die Eigenschaft habe, den Träger bei allen anderen Menschen beliebt zu machen. Wenn aber dieser Effekt bei keinem der drei eingetreten sei, dann könne das wohl nur heißen, dass der echte Ring verloren gegangen sein muss. Jedenfalls solle ein jeder von ihnen trachten, die Liebe aller Mitmenschen zu verdienen. Wenn dies einem von ihnen gelinge, so sei er der Träger des echten Ringes. Tief von dieser Geschichte beeindruckt, bittet der Sultan Nathans Freund sein zu dürfen.

Verknüpfte Schicksale

Der Tempelherr hat sich unterdessen in Recha verliebt und möchte sie heiraten, obwohl sie die Tochter eines Juden ist. Als er herausfindet, dass Recha adoptiert ist und ihre leiblichen Eltern Christen waren, wendet er sich an den Patriarchen von Jerusalem. Dieser versucht daraufhin, Nathan eine Falle zu stellen. Am Ende stellt sich aber heraus, dass Recha und der Tempelherr Geschwister und die Kinder von Assad sind. Nathan, der kein leiblicher Verwandter ist, wird als Vater im Sinne der Seelenverwandtschaft anerkannt.


Interpretation

Gegen theologische Engstirnigkeit

Dem Werk „Nathan der Weisen“ ging der so genannte Fragmentenstreit voraus. Wie in der Biografie erwähnt, veröffentlichte er Teile der Schrift von Reimarus, die die Religion und Kirche angriffen. Auch er sah zwischen der Religion Christi und der christlichen Religion einen großen Unterschied, da die Kirche die Bibel vielseitig und nach ihren Gunsten interpretiere. Auf die Kritik reagierte vor allem der Hauptpastor Goeze äußerst scharf, woraufhin es zu den „Anti-Goeze-Schriften“ kam. Lessing wurde es bald verboten, weitere Schriften gegen Goeze zu publizieren. Um trotzdem den Diskurs über den alleinigen Wahrheitsanspruch der Kirche weiterführen zu können und den Menschen den Idealzustand der Welt zu zeigen, wandte Lessing sich wieder dem Theater zu, die er als seine „alte Kanzel“ bezeichnete. Nathan der Weise besteht aus fünf Akten, wurde 1779 veröffentlicht und am 14. April 1783 in Berlin uraufgeführt. Es ist in fünfhebigen jambischen Versen verfasst. Lessing sieht in dem utopischen Entwurf seines Stückes die „Lösung der Diskrepanzen zwischen den tatsächlichen, in Dissonanzen (Unstimmigkeiten) gefangenen Welt und dem von der Vorsehung geordneten Idealzustand“, nachdem im Grunde alle philosophischen Denkrichtungen der Menschen suchen.

Jerusalem: Schmelztiegel der Weltreligionen

Schon mit Bedacht wählt er den Ort des Schauspiels: Jerusalem, der Schmelztiegel der drei großen Weltreligionen. (Judentum, Christentum, Islam) Lessing wusste über die Zeit der Kreuzzüge sehr gut Bescheid, doch bildet die Historie nur den authentischen Rahmen. Chronologie und genaue geschichtliche Tatsachen opfert er zu Gunsten des literarischen Inhaltes. Die Namen der Figuren lassen sich leicht den drei großen Religionen zuordnen: Nathan (Judentum), Sultan (Islam) und Tempelherrn (Christentum). Die agierenden Personen im Stück und auch die Zuschauer sind stets gezwungen, über das dialektische Spiel zwischen Wunder und Natürlichkeit, Fügung und Zufall, Schicksal und Freiheit, Glaube und Vernunft nachzudenken.

Leitbild eines Humanisten

Der Jude Nathan wird zum souveränen Vertreter der humanen Haltung, die jenseits der religiösen Unterschiede die Gemeinsamkeit der Menschen erkennt und zu Toleranz findet. Er verkörpert das Idealbild des Menschen und handelt ganz nach den Vorstellungen der Aufklärung. Das wird vor allem deutlich, als er erörtert, dass seine Familie einem Judenpogrom zum Opfer gefallen ist. Er kommt in einen tiefen inneren Konflikt – jener Konflikt zwischen Vertrauen und Verachtung gegenüber dem sinnvollen Verlauf der Geschichte. Nathan löst diesen Konflikt mit Vernunft und Vertrauen: „Und doch ist Gott!“ Glaube überzeugt nur auf dem Grunde der Erfahrung des irdischen Leides und in der verzweifelten Gewissheit eines unbegreiflichen Gottes. So entschließt er sich, das Christenkind Recha als Ziehtochter aufzunehmen.

Der Mensch jenseits seiner Rolle

Im Laufe des Stückes gelingt es ihm dem Tempelherrn, der seine Tochter Recha rettete, von seinen Vorurteilen, seiner Überheblichkeit und seiner Intoleranz zu befreien. Im Gespräch zwischen Nathan und dem Tempelherrn stellt sich eine primäre Frage: Wenn alle Rollen-Attribute wegfallen – wie Sprache, Kleidung, Nationalität – kommt dann der Mensch zum Vorschein? Was ist der Mensch jenseits seiner Rolle? Und was ist Menschlichkeit? Das sind Fragen, die im Laufe der Handlung immer dringlicher werden, zumal drohende Konflikte eine Entscheidung herbei zwingen, die die Rollen-Verpflichtung aufheben und den Menschen frei machen zum Handeln als Mensch. Lessing stellt den „bloßen Menschen“ über den Christen, Juden oder Moslem. Durch Nathan und Recha überwindet der Tempelherr seine Engstirnigkeit. Schließlich möchte er Nathans Freund werden, verliebt sich in Recha und verweigert den Befehl des Patriarchen, den Sultan rücklings zu ermorden. Aber nicht nur der Tempelherr, sondern auch Sultan Saladin öffnet sich durch Nathan anderen Ansichten.

Die Ringparabel

Als der moslemische Sultan – um Geld von Nathan erpressen zu können – ihn fragt welche Religion die richtige sei, antwortet im Nathan mit einer Ringparabel. Dieses Gleichnis ist das zentrale Ereignis im Stück. Basierend auf der Geschichte von Boccaccio, hat Lessing diese stark ausgearbeitet und mit großer Symbolik aufgeladen: So steht der Ring mit dem Edelstein für das Licht und für die Wahrheit. Er hat die Kraft vor Gott und Menschen angenehm zu machen, wenn er in dieser Zuversicht getragen wird. Mit dem Wort Zuversicht wird angedeutet, dass nicht der Ring alleine zählt, sondern vielmehr der Glaube. Die Söhne streiten vor Gericht um den Ring, aber der echte Ring kann nicht mehr bewiesen werden. Ja, möglicherweise ist das Ganze sogar ein ausgemachter Betrug und keiner hat mehr den echten Ring. Der Richter beschließt, dass derjenige den echten Ring haben muss, der durch seine guten, mitmenschlichen Taten die Kraft des Ringes beweist. Damit erklärt Lessing, dass die Wahrheit niemals Besitz ist, sondern sich nur durch die Methode des Handelns beweist. Lessing stellt sich damit gegen alle positiven Religionen ist. Die drei Söhne sollen sich in „tausend tausend Jahren“ wieder zusammenfinden, dann wird ein Klügerer auf dem Richterstuhl sitzen. Damit wird die Offenbarung des idealen Reiches angekündigt, bis aber dies erreicht ist, soll der Mensch durch Erziehung auf dieses Ende ausgerichtet werden. In der Figur des Patriarchen – der dem Pastor Goeze ähnelt und der im Stück als schlechter und verwerflicher Charakter erscheint – wendet sich Lessing direkt gegen den erstarrten Dogmatismus der Kirche. Dieser glaubt Wahrheit als Dogma zu besitzen. Wenn aber Wahrheit nur in der kommunikativen Beziehung der Menschen zueinander, im Ringen der Menschen um Einsicht an den Tag tritt, so fällt auf, dass der Patriarch, als einzige Figur, mit niemandem ins Gespräch kommt und völlig isoliert ist.,Das Stück neigt sich dem Ende und in der glücklichen Schlussszene zeigt sich die Menschheit als große Familie. Das es zum guten Ende kommt, ist aber Werk der Vernunft.


Die Aufklärung

Eine Gesellschaft im Umbruch (1700-1770)

Begriffserklärung

Unter Aufklärung im allgemeinen Sinne versteht man eine Epoche im 16. bis 18. Jahrhundert, in der ein gesellschaftlicher Emanzipationsprozess stattfand. Dessen Ziel war es, traditionelle, auf Frömmigkeit beruhende, autoritäre Geisteshaltungen kritisch zu hinterfragen, um einer ernüchterten Kultur des Verstandes Vorschub zu leisten. Sie war geprägt durch eine Bewegung der Säkularisierung und eine Abkehr von der absolutistischen hin zu einer demokratischen Staatsauffassung und dem Konzept der Menschen- und Bürgerrechte. Kants Leitspruch: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ zielt auf den äußeren Widerstand gegen die Aufklärung, aber auch auf die innere Befreiung von der Bevormundung. Man forderte uneingeschränkte Gedanken- und Glaubensfreiheit und kämpfte gegen Dogmen der Kirche, Aberglauben und Vorurteile. Die Aufklärer wollten aber nicht nur Intellektuelle, sondern vielmehr auch die „niederen“ Volksschichten ansprechen. Der aufgeklärte Mensch sollte nicht mehr den Vorgaben der Obrigkeiten vertrauen, sondern aus „seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ (Immanuel Kant) ausbrechen und sein Leben selbstbestimmt in die Hand nehmen.

Geschichte

Die moderne europäische Aufklärung beginnt mit der Wiedergeburt des antiken Geistes, der Renaissance. Diese und die Reformation bilden das Vorspiel für die geistige Haltung der Aufklärung. Wichtige Voraussetzungen waren außerdem die neuen Entdeckungen in Übersee und das daraus entstandene neue Weltbild, die Papierherstellung und der Buchdruck. Damit wurde der Bucherwerb auch für das bürgerliche Publikum erschwinglich, ein Verlagswesen mit Zeitungsproduktion und Buchmarkt entstand. Mit der Zeit dieser Aufklärung ging ein naturwissenschaftlicher und technischer Erkenntnisfortschritt einher. Er beeinflusste auch stark die Bildung humanistischer Vorstellungen, denn auch die Ethik sollte rationalen Kriterien unterworfen werden. Aufgrund der strengen Zensur in Österreich wurden viele Werke in Deutschland gedruckt und nach Österreich geschmuggelt. Die Aufklärung war für die französischen Revolution nicht die einzige Ursache, doch sie hat die Revolution in vielen Aspekten geprägt: ihre Führer – radikale Anhänger der Aufklärung – schafften den Einfluss der Kirche ab und ordneten Kalender, Uhr, Maße, Geldsystem und Gesetze anhand von rein rationalen Kriterien neu. Die französische Revolution ist allerdings auch das Ende der Aufklärung. Die extreme Betonung von Ratio und Objektivität führte zur Gegenbewegung: Die Romantik betonte Individualität und subjektive Erfahrung. Für die Romantiker ist der Mensch ein Gefangener, wenn sich seine Werte und Regeln einzig nach Kriterien der Vernunft bestimmen.

Typische Merkmale der Aufklärung zusammengefasst

• Denkbewegungen auf allen Gebieten
• Kritisches Fragen, Denken und Zweifeln wird zur Tugend
• Bürger erlangen Selbstbewusstsein
• Empirismus
• Rationalismus
• Weisheit und Intellekt werden zur Tugend
• Tugend und ihre Förderung werden zum Hauptziel der Epoche
• Das „Gute“ und das „Vernünftige“ werden gleichgesetzt
• Natur statt offenbarter Religion
• Menschlicher Verstand als Instrument der Wahrnehmung
• Freiheit statt Absolutismus
• Gleichheit statt Ständeordnung
• Erfahrung und wissenschaftliche Erkenntnis statt Vorurteil und Aberglauben
• Toleranz statt Dogmatismus
• „Der Mensch ist von Natur aus gut, man muss es ihm nur zeigen.“

Berühmte Vertreter der Aufklärung

Viele Vertreter der Aufklärung waren Freimaurer oder standen der Freimaurerei nahe, ebenso wie Lessing. Wichtige Vertreter der Aufklärung waren:
• Johann Wolfgang von Goethe
• Johann Gottfried Herder
• David Hume
• Immanuel Kant
• Gotthold Ephraim Lessing
• John Locke
• Moses Mendelssohn
• Montesquieu
• Jean-Jacques Rousseau
• Voltaire


Literaturstreit

Gottsched vs. Lessing

Johann Christoph Gottsched setzte sich mit Strenge für eine Reform der Sprache, der Dichtkunst und besonders des Theaters ein. Gottsched verbannte alles Übernatürliche, alles Wunderbare und zugleich damit jedes leidenschaftliche Gefühl, weil Leidenschaft den zweckmäßigen Gebrauch der Vernunft ausschließt. Für ihn waren die so genannten drei Einheiten, die Einheit des Ortes, die Einheit der Zeit, die Einheit der Handlung, vorrangig. Gottsched hielt bei seiner Reform der Tragödie an der feudalen Ständeklausel fest: Nur Personen höchsten Standes durften in der Tragödie auftreten. Lessing stellte dem sein bürgerliches Theater gegenüber: Er lässt die Tragik aus der allgemeinen menschlichen Konfliktsituation entstehen. Er spielt die Wahrheit in der Charakterbezeichnung und die Erschütterung des Zuschauers gegen das höfische Repräsentationstheater aus. Seine Helden sollten sein wie die Zuschauer. Seine Leitbilder sind nicht die französischen Klassiker, sonder die antiken Tragiker und vor allem Shakespeare. Dieser beachtet weder Einheit des Ortes, der Zeit noch der Handlung.

 

Foto: Gotthold Ephraim Lessing (1767/1768). [Public domain], via Wikimedia Commons

Gerhart Hauptmann (1914), [Public Domain]

Gerhart Hauptmann (1914), [Public Domain]

Vor Sonnenuntergang von Gerhart Hauptmann ist ein Familiendrama und gekennzeichnet durch die Milieutheorie. Typisch für den Naturalismus wird hier die „Kehrseite“ des Menschen schonungslos gezeigt: Brutalität, Stumpfsinn, Lieblosigkeit und Gier. Doch im Unterschied zu den meisten anderen Werken des Naturalismus wird nicht die Arbeiterklasse, sondern das Großbürgertum dargestellt, wobei man erst bei näherer Betrachtung die tiefen Abgründe und die Tragödie entdeckt. Hauptmann beschäftigt sich dabei mit der Abnormität der Liebe zwischen einem alten, reichen Mann und einem jungen, naiven Mädchen. Die Liebe der Beiden verärgert die neidischen und selbstverliebten Erben, die zu den unredlichsten Mitteln greifen, um diese Liebe zu zerstören.

Erfolgreich als Geschäftsmann, unglücklich im Leben

Das Stück beginnt mit der 70. Geburtstagsfeier von Matthias Clausens. Nach dieser großen Feier, bei der er als Kommerzienrat geehrt worden war, kommt für Matthias die Ernüchterung. Seinem alten Freund Prof. Geiger erzählt er seine Sorgen. Vor allem in Erich Klamroth, Ottilies Mann und Direktor in den Clausenschen Betrieben, sieht Matthias einen von Macht und Geld besessenen Menschen. Seine Tochter Ottilie erkennt in ihrer Naivität aber nicht seinen wahren Charakter und ist ihm hörig. In weiterer Folge lernt Matthias die junge Inken Peters kennen. Sie verlieben sich ineinander. Damit beginnt die eigentliche Dramaturgie des Stückes.

Liebesbeziehung erregt Erben

Diese Liebe ist für die Erben von Matthias Clausen ein großer Schock, da sie um ihre Stellung und ihren Wohlstand fürchten. Inken versucht man zu bestechen und als das nichts hilft, folgen Drohbriefe. Laut den „rechtmäßigen Erben“ ist Inken Peters eine Erbschleicherin, die nur die Gutmütigkeit und Liebe von Matthias ausnützen will. So geben sie sich selbst, auf höchst heuchlerische Weise, besorgt um ihren Vater. Es kommt zudem zu Streitereien zwischen den Geschwistern und deren Ehepartnern. Jeder ist darum bedacht, den größten Gewinn aus den Betrieben des Vaters zu holen.

In den Tod getrieben

Die Situation spitzt sich zu, als der Verwandtschaft bewusst wird, dass sie es nicht geschafft haben Inken und Matthias zu entzweien und Matthias nun Inken als Erbin eingesetzt hat. Sie fürchten sich um ihre Position, wollen den Vater aber noch nicht verraten. Auch Professor Geiger, der alte Schulfreund von Matthias schlägt sich immer mehr auf die Seite der Verwandtschaft, der Druck auf das Liebespaar verstärkt sich, das jetzt schon vom ruhigen Leben in der Schweiz träumt. Schließlich schaffen die Kinder von Matthias es doch noch, Inken Peters zu vertreibe und Matthias verfällt in tiefe Depression. Dr. Steynitz, Hausarzt und bisher an sich Freund von Matthias überreicht ihm schließlich, im Auftrag der Kinder, einen Brief, der vor Gericht seine Unzurechnungsfähigkeit feststellen soll. Somit wollen sie seine Betriebe übernehmen und ihn loswerden. Matthias sieht daraufhin keinen Ausweg und bringt sich mit Zyankali um.