Theodor Fontane von Carl Breitbach (1833–1904) (zeno.org) [Public domain], via Wikimedia Commons

By Carl Breitbach (1833–1904) (zeno.org) [Public domain], via Wikimedia Commons

Dem Roman „Effi Briest“ von Theodor Fontane liegt eine wahre Begebenheit zu Grunde. Elisabeth (geboren Freiin von Plotho) heiratete – aufgrund einer Intervention der Mutter – Armand Léon Baron von Ardenne. Das junge Ehepaar übersiedelte nach Düsseldorf, der Ehemann war dort als Rittmeister der Husaren angestellt. Sie hatten einen großen Freundeskreis, dazu zählt auch der Amtsrichter Hartwich. Elisabeth und Hartwich gingen eine Liebesaffäre ein, beide wollten sich von ihren Ehepartnern scheiden. Doch ihr Ehemann erfuhr von der Affäre, besorgte sich die Korrespondenz des Liebespaares, reicht die Scheidungsklage ein und forderte seinen alten Freund zum Duell auf. Hartwich starb aufgrund seiner Verletzungen wenige Tage nach dem Duell. Baron von Ardenne wurde sehr mild bestraft und konnte bald seine militärische Karriere fortführen. Elisabeth durfte hingegen ihre Kinder nicht mehr sehen und setzte sich bis zu ihrem Tode für humanitäre Aufgaben ein. Fontane soll angeblich bei einem Tischgespräch von dieser Liebesgeschichte erfahren haben. Obwohl er gerne von der Leichtigkeit, mit der ihm das Werk unter der Hand entstanden sei, spricht, brauchte er gut sechs Jahre für die Vollendung des Romans. Während dieser Schaffensperiode hatte er auch einen Nervenkollaps.

Hintergründe und Idee zum Werk

Das Milieu in diesem Roman – er spielt im niederen Adel – passt eigentlich gar nicht zu Fontanes Geschichten. Das hat auch mit seiner Biografie zu tun: Sein Vater war Apotheker, der aber aus finanzieller Not seine Apotheke verkaufen musste. So wuchs Fontane in eher kärglichen Verhältnissen auf und konnte daher auch nicht seine Schulausbildung vollenden. Bezug zu dieser Gesellschaftsschicht und damit zum Stoff seines Romans, bekam der überzeugte Demokrat jedoch durch befreundete Literaten im Dichterverein „Tunnel über der Spree“. Sie verschafften ihm Jobs bei erzkonservativen Zeitungen, die er aber immer schnell aufgab und kündigte. Dadurch gewann er aber einen Einblick in den Alltag des Adels. Das alleine war aber nicht der Beweggrund für das gewählte Milieu. So sagt er selbst: „[…] der Gesellschaftszustand, das Sittenbildliche, das versteckt und gefährlich Politische, das diese Dinge haben, … das ist es, was mich so sehr daran interessiert.“

Überholte moralische Zwänge

Im Roman werden dieser Gesellschaftszustand und das versteckt Politische vor allem in den „langweiligen Besuche“ der lokalen adeligen Schicht dargestellt, indem sich auch Effi mit dem richtigen Make-up, der korrekten Bekleidung und der passenden Wortwahl profilieren muss, um nicht einen schlechten Ruf zu bekommen und schlimmstenfalls die Karriere Imstettens zu behindern. Das Sittenbildliche erkennt man vor allem an den Zwang Innstettens sich mit seinem alten Freund zu duellieren, obwohl er persönlich dessen Affäre mit Effi Briest verzeihen könnte, aber: „[…]die Gesellschaft verachtet uns, und zuletzt tun wir es selbst und können es nicht aushalten und jagen uns die Kugel durch den Kopf.“ 
Theodore Fontane bringt aber auch sehr differenziert die (finanziellen) Zwänge der Gesellschaft auf den Punkt. So lässt er die Mutter zu Effi sagen: „[…] und wenn du nicht nein sagst, was ich mir von meiner klugen Effi kaum denken kann, so stehst du mit zwanzig Jahren da, wo andere mit vierzig stehen. Du wirst deine Mama weit überholen.“ Und auch Effi – die Innstetten zuvor noch als ältlich bezeichnet hatte – kommt unter Druck zur folgenden Aussage: „Geert ist ein Mann, ein schöner Mann, ein Mann, mit dem ich Staat machen kann und aus dem was wird in der Welt.“

Geldnot des Autors

Das spiegelt auch sehr schön die Situation Fontanes wieder, der permanent an Geldnot litt. Zitat: „Man kann nun mal als anständiger Mensch nicht durchkommen.“ Er konnte sich lange nicht seiner Berufung – dem Schreiben von Romanen und Balladen widmen – sondern musste, mehr oder weniger zwangsweise, als Journalist für die Propaganda Preußens arbeiten. Durch die aufgedeckte Liebesaffäre Effis wird im Roman die Katastrophe herbeigeleitet. Trotzdem glaube ich, dass Fontane nicht in der verbotenen Liebesbeziehung den gewichtigsten Punkt sieht, sondern in den gesellschaftlichen Regeln, die die Figuren mehr und mehr zu Spielbällen macht. Dennoch will Fontane – der im Alter zunehmend kritischer der bürgerlichen Frau gegenüberstand – Effi nicht als bloßes Opfer sehen. So schrieb er einer Leserin: „Ja, Effi! Alle Leute sympathisieren mit ihr und Einige gehen so weit, im Gegensatze dazu, den Mann als einen alten Ekel zu bezeichnen. Das amüsiert mich natürlich, gibt mir aber auch zu denken, weil es wieder beweist, wie wenig den Menschen an der sogenannten Moral liegt und wie die liebenswürdigen Naturen dem Menschenherzen sympathischer sind. (…) Denn eigentlich ist er doch in jedem Anbetracht ein ganz ausgezeichnetes Menschenexemplar, dem es an dem, was man lieben muß, durchaus nicht fehlt.“

Vom Schicksal gefangen

Das Stück lässt sich aber nicht nur autobiografisch betrachten. Geht man zur psychoanalytischen Methode über, sehe ich den schwerwiegendsten Grund für die Tragödie in der Unreife und Kindlichkeit Effis. Im Roman wird das durch das Spiel auf der Schaukel, dem Wunsch nach einem eigenen Spielplatz und später der Spukgeschichte (die Innstetten geschickt als Erziehungsmittel einsetzt) verdeutlicht. So lässt sich auch erkennen, dass die Affäre nicht wirklich das Ergebnis ihres eigenen Willens sondern vielmehr ihrer Unfähigkeit ist, sich dem Willen des Majors Crampas zu widersetzen. Scheidung und Heirat ziehen Effi und Crampas nie ernsthaft in Erwägung, auch wenn Effi einmal von „Flucht“ spricht. Innstetten sucht auch nicht mit Absicht nach Beweismaterial für eine Scheidung, sondern stolpert zufällig darüber und glaubt, der Pflicht zur Wiederherstellung seiner Ehre durch ein Duell genügen zu müssen. So ergibt sich das Bild einer verhängnisvollen Verstrickung in der Crampas und Effi ihr Leben lassen müssen und auch Innstetten ohne Genugtuung zurückbleibt.

Isoliertes Leben

Aber wie kam es überhaupt zu dieser unheilvollen Entwicklung? Effis Ehrgeiz – der aber lediglich ein Anspruch der Mutter ist und durch die Erziehung eines guten Hauses Effi angelernt wurde – lässt sie diese Ehe zustimmen. Das es durch den noch – wie eingangs schon erwähnt – kindlichen, aufgeweckten und lebensintensiven Charakter Effis, im Gegensatz zum tadellosen, ehrenvollen und introvertierten Charakter Innstettens zu Problemen kommen muss, wird dabei geflissentlich übersehen. Auch die Eltern, vor allem aber die Mutter sind sich sehr wohl bewusst, dass Innstetten den Bedürfnissen Effis nicht entsprechen kann: „Und was das Schlimmste ist, er wird sich nicht einmal recht mit der Frage beschäftigen, wie das wohl anzufangen sei.“ Das gemeinsame Eheleben in der Kleinstadt Stettin gestaltet sich dann eigentlich erwartungsgemäß. Innstetten, ganz mit seiner Karriere beschäftigt, verbringt einen Großteil seiner Zeit außer Haus und lässt Effi dabei weitgehend isoliert zurück, zumal sie auch im Ort selbst kaum Kontakte knüpfen kann. Nach und nach baut sich Effi aber eine Art Ersatzfamilie auf. Mit dem Apotheker Gieshübler als Ersatzvater, Roswitha als Kindermädchen und schließlich der eigenen Tochter als „liebes Spielzeug“.

 

Trotzdem wird Effi erwachsen. Auf Dauer kann diese Konstruktion ihre Bedürfnisse als Frau kaum befriedigen und Innstetten ist nicht der Mann, der die entstehende emotionale Lücke füllen könnte. Die Affäre mit Crampas scheint da wie vorprogrammiert: „(…) die Kugel war im Rollen, und was an einem Tage geschah, machte das Tun des anderen zur Notwendigkeit.“
Doch im Grunde wäre Crampas auch leicht austauschbar, denn er füllte nur eine Leerstelle aus. So ist Effi sehr erleichtert als der Umzug nach Berlin bevorsteht und sie die Liebesbeziehung beenden kann. Erst jetzt wird sie sich der Rolle als Ehefrau und Mutter bewusst.

Gesellschaftliche Normen führen ins Unglück

Damit hätte die Geschichte auch mit einem Happy End enden können, aber Innstetten entdeckt zufällig, nach sechs Jahren, die Liebesbriefe. Wieder kommt die Kugel ins Rollen, diesmal allerdings aus einem scheinbar unabänderbar verpflichtenden Ehrekodex. Mit der nun eintretenden Wende scheint sich die Gerechtigkeit zu erfüllen. Crampas fällt, Effi wird durch die Scheidung geächtet und stirbt schließlich. Damit wären die Täter bestraft. Aber Fontanes Roman verbirgt noch mehr. Schon die Tatsache, dass Effis Vater gegen den Willen der Mutter die kranke Tochter nach Hause holt, stellt den Sinn dieser starren Verhaltensgesetze in Frage: „Aber das ist nun schon wieder eine halbe Ewigkeit her; soll ich hier bis an mein Lebensende den Großinquisitor spielen?“
Und vor allem die Entwicklung Innstettens entlarven sich der damals gepflegte Ehrbegriff und die an ihn geknüpften Konsequenzen als unmenschlich. „Rache ist nichts Schönes, aber was Menschliches und hat ein natürlich menschliches Recht. So aber war alles einer Vorstellung, einem Begriff zuliebe, war eine gemachte Geschichte, halbe Komödie“.
Diese allerdings tödlich endende Komödie verschafft ihm keine Genugtuung – im Gegenteil, sein bitteres Fazit lautet: „Mein Leben ist verpfuscht“.

Fragenkatalog zu Heinrich Bölls „Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann“.

  1. In welchem historischen und biografischen Kontext lässt sich die Novelle oder Erzählung einteilen?
  2. Die Figuren um Katharina haben mehr oder weniger sprechende Namen, versuche eine Deutung!
  3. Wie stellt Böll die Katharina dar?
  4. Versuche das Bild von Katharina wiederzugeben, das bei demjenigen entsteht, der nur auf die Berichterstattung der Presse angewiesen ist.
  5. Gegen wen richtet sich Bölls Kritik?
  6. Stelle im Zusammenhang mit dem Untertitel die Situation dar, die zur Veränderung des Verhaltens von Katharina Blum geführt haben!
  7. Allgemeine Massenmedien: Welche Intentionen zeigen Medien, welche Werte greifen sie an und welche verteidigen sie? Was sind die Funktionen der Massenmedien?

Frage 1

In welchem historischen und biografischen Kontext lässt sich die Novelle oder Erzählung einteilen?

Kurze Biografie von Heinrich Böll
Heinrich Böll wurde 1917 in Köln, im schlimmsten Hungerjahr des Ersten Weltkrieges geboren. Er machte eine Ausbildung zum Buchhändler und studierte Deutsch an der Universität zu Köln. Im Zweiten Weltkrieg wurde er mehrmals verwundet und geriet bei Kriegsende in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft. Im Jahre 1947 begann er seine Karriere als Schriftsteller. Seine Kurzgeschichten, Romane und Erzählungen spielen meist im Nachkriegsdeutschland und erzählen von Außenseitern, die nur schwer das Erlebte vergessen können, während die Gesellschaft das Dritte Reich so schnell als möglich verdrängt. Seine Figuren sind oft vom Krieg gezeichnet und leben in prekären Umständen. Heinrich Böll war einer der wichtigsten Vertreter der Nachkriegs- und Trümmerliteratur und Mitglied der Gruppe 47. Die Gruppe 47 war eine literarische Vereinigung, die junge Autoren förderte und der durch die Nationalsozialisten angerichteten Sprachzerstörung entgegentraten. Durch die Studentenrevolution 1968 und die dadurch hervorgerufenen Meinungsverschiedenheiten ging die Gruppe 47 aber in die Brüche. Böll hat sich immer auch als politischer Staatsbürger verstanden. 1969 engagierte er sich für die Wahl von Willy Brandt. Anfang der siebziger Jahre schaltete er sich in die Terrorismus-Debatte ein. Ab 1980 engagierte sich Böll in Friedensbewegungen. Im Jahr 1972 wurde Heinrich Böll der Nobelpreis für Literatur verliehen. Er ist außerdem Ehrenbürger der Stadt Köln und war von 1971 bis 1974 Präsident des internationalen P.E.N.-Clubs. 1985 verstarb Heinrich Böll und war zu diesem Zeitpunkt bereits einer der meistgelesenen deutschen Autoren.

Kurze historische Erklärung
In den 60er-Jahren kam es, verursacht durch die Restauration der Nachkriegs-Fünfziger-Jahre und der großen Koalition in Deutschland, zur Gründung der außerparlamentarischen Opposition, unter Führung sozialistischer Akademiker. In Folge kam es zu einer immer stärker werdenden linken Radikalisierung der Studentenbewegung. Es bildete sich die RAF, die Rote Armee Fraktion, um Andreas Baader und Ulrike Meinhof, die auch zu Gewalt bereit waren, um eine kommunistische Revolution herbeizuführen. Die Boulevardpresse, vor allem die Bild-Zeitung, verschärfte diese Radikalisierung noch zusätzlich durch eine polarisierende Berichterstattung. Gegen diese Art der Berichterstattung wandte sich Heinrich Böll, der den Sensationsjournalismus und ihre Lügen nicht akzeptieren wollte. Schon Anfang der 1970er Jahre forderte er eine objektive Berichterstattung über die RAF. Als Reaktion auf diese Kritik, wurde er von der Bild-Zeitung als linker Extremist diffamiert. In seinem Werk „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ verarbeitet er unter anderem seine Erfahrungen auf.

Frage 2

Die Figuren um Katharina haben mehr oder weniger sprechende Namen, versuchen sie eine Deutung!

Mit den Namen der Hauptfiguren kann je nachdem Positives oder Negatives assoziiert werden. Katharina Blum: Steht im Griechischen für „die Reine“, „die Geläuterte“. Mit dem Nachnamen Blum verbindet man eine Blume. Die Blume ist ein zierlicher Gegenstand, der nur durch genügend Behandlung und dem richtigen Nährboden voll erblühen kann; das beschreibt deutlich den Charakter der Katharina Blum. Gegner der Katharina: Tötges – dieser Name erinnert deutlich an den Tod und an das Ende. Beizmenne klingt sehr aggressiv und bedrohlich, der Name entspricht seiner Vorgehensweise. Ludwig Götten: Der Geliebte von Katharina, wird durch die Ähnlichkeit mit dem Nomen Gott eher positiv bewertet.

Frage 3

Wie stellt Böll die Katharina dar?

Heinrich Böll stellt Katharina Blum als eine junge, hübsche 27-jährige Frau dar, die bescheiden, eher introvertiert und bieder ist. Als freiberufliche Wirtschafterin hat sie nur ein kleines Einkommen, schafft es aber trotzdem zu einem gewissen Wohlstand. In ihrer Arbeit ist sie sehr gewissenhaft und beliebt durch ihre Ehrlichkeit und Treue. Auch später vor Gericht wird sie immer die Wahrheit sagen. Katharina hält viel von Anstand und Moral. Doch auch eine gewisse Naivität und große Verletzlichkeit sind erkennbar. Dadurch konnte ihr Lebensbild und ihr Stolz nur allzu leicht von der Boulevardpresse gebrochen werden. Ganz und gar gegen ihre Art, verliebt sie sich auf Anhieb in Ludwig Götten und verbringt die Nacht sofort mit ihm. Durch diese Liaison kommt sie in das Kreuzfeuer der Polizei und der Medien. Immer mehr wird sie in die Enge getrieben, bis sie den „Journalisten“ Tötges tötet. Trotz ihres ansonsten so moralischen Verhaltens, sieht sie keine Schuld an dem Mord oder empfindet Mitgefühl. Böll zeigt damit, wie sich im Verlauf des Stückes der Charakter der Katharina immer mehr verändert.

Frage 4

Versuche das Bild von Katharina wiederzugeben, das bei demjenigen entsteht, der nur auf die Berichterstattung der Presse/Zeitung angewiesen ist.

Das zeigt der Film zum Werk von Böll gut:  Als Katharina zum Verhör geführt wird, fotografiert sie ein Journalist. Ein einzelnes Foto auf der Titelseite lässt sie bösartig, berechnend und eiskalt wirken. Dazu große Schlagzeilen, die sich teils aus Spott und teils aus Verleumdung zusammensetzen. Dem Leser wird eine böse Welt offeriert, die seine eigene bedroht und seine idyllische Sicherheit zersprengen könnte. Neben der suggerierten Angst, bleibt aber für den Leser – durch den herablassenden Spott – genug Raum, Wut zu entwickeln. So trauen sich viele „einfache Bürger“ eine Hasstirade gegen Katharina zu führen. Dieses Aufwiegeln der Emotionen steigert beim Leser die Lust nach mehr Sensationen. Die Zeitung muss daher für neue Sensationen sorgen, auch wenn momentan keine existieren. Daher werden Tatsachen verdreht oder erfunden. Sehr detailliert zeigt Böll dies im Reporter Tötges, der aus Katharinas Wohnung einen Bandentreff macht und einen kleinen Umtrunk der Mutter zu einer Orgie hochstilisiert.

Frage 5

Gegen wen richtet sich Bölls Kritik?

Bölls Kritik richtet sich vor allem gegen die Boulevardpresse und deren Reporter. Die skrupellosen Methoden und Techniken solcher Sensationsblätter werden im Werk offensichtlich. Auch stellt sich hier die Frage nach Sinn und Zweck solcher Illustrierten. Auf jeden Fall dienen sie nicht der Berichterstattung, sondern viel mehr der Befriedigung von Sensationsgier. Aber auch das Vorgehen der Polizei ist allein durch das schnellstmögliche Finden eines Täters geprägt. Kommissar Erwin Beizmenne möchte sich in der Öffentlichkeit feiern lassen und dafür ist ihm jedes Mittel recht. Er geht genauso skrupellos und spöttisch wie die Boulevardpresse mit Katharina um. Gegen Bezahlung arbeitet er mit der „Die Zeitung“ zusammen und gibt vertrauliches Material weiter. Kritik übt Böll aber auch an alle Bürger, die blind den Aussagen der Presse vertrauen und Katharina immer wieder attackierten.

Frage 6

Stelle im Zusammenhang mit dem Untertitel die Situation dar, die zur Veränderung des Verhaltens von Katharina Blum geführt haben!

Der Titel „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ kombiniert mit dem Untertitel „Oder wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann“ gibt einen genauen Überblick über den Inhalt und Verlauf des Werkes. Wie unter Frage 3 schon ausgeführt, führt die gesellschaftlich Ächtung und ebenso die dadurch entstehende finanzielle Notlage zum völligen Ruin des bisherigen Lebens von Katharina. Ein Teufelskreis aus dem sie nicht mehr ausbrechen kann. Zuerst agiert Katharina ganz nach ihrer ruhigen und unauffälligen Art. Sie lässt sich die Demütigungen gefallen und reagiert erst, als sie ihren Stolz und Anstand massiv gefährdet sieht. Durch den Tod ihrer Mutter und die dauernden Sensationsberichte bricht dann das erste Mal die Wut hervor und sie zertrümmert ihre Wohnung. Immer mehr Wut sammelt sich an und gipfelt schließlich im Mord an Tötges.

Frage 7

Welche Intentionen zeigen Medien, welche Werte greifen sie an und welche verteidigen sie? Was sind die Funktionen der Massenmedien?

Grundsätzliche Funktionen der Medien sind:

  • Thematisierung
  • Meinungsbildung ermöglichen
  • Kritik oder Kontrolle ausüben
  • Unterhaltung
  • Information

Medien vertreten allgemein Grundwerte wie Demokratie und Pressefreiheit schon aus Selbstzweck, da eine Aufhebung dieser Werte auch das Ende der Medien bedeuten würde. Die Medien sind zu den Tabubrechern unseres Jahrhunderts geworden. Das liegt wohl auch am Druck ständig Neues zu berichten und einem dementsprechenden Fortschrittsdrang. Da – außer den öffentlich-rechtlichen – alle Medien sich über Werbung, also bezahlte Einschaltungen privater Firmen finanzieren, gibt es eine relativ zustimmende Meinung zum kapitalistisch-hierarchischen System. Ethnische, religiöse und politische Minderheiten argumentieren, dass die Standpunkte der ohnehin schon Mächtigen herausgestellt würden und die Meinungen von Minderheiten unberücksichtigt blieben. Medien haben heute die Macht selbst Werte zu schaffen und zu definieren. Denn erst medienrelevante Themen gelangen an die Öffentlichkeit.

Politik und Fernsehen sind heute zwei untrennbare Bestandteile einer modernen Demokratie. Das Fernsehen spielt eine zentrale Rolle in der heutigen Gesellschaft. Das geht auch an der Politik nicht spurlos vorbei. Denn ohne Darstellungsfähigkeit ist heute keine Politik mehr zu machen. Ich habe mich in einer Forschungsarbeit aus Kommunikationswissenschaft mit der Frage beschäftigt, ob und wie das Fernsehen das Meinungsbild der Bevölkerung prägt. Die Arbeit besteht aus einem umfangreichen theoretischen Teil und einem empirischen Teil. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen:

  • Es gibt bemerkbare Unterschiede zwischen Viel- und Wenigseher in der Zufriedenheit mit der Politik. Die Umfrageergebnisse sind allerdings ein Trend und nicht signifikant.
  • Printmedien werden am häufigsten für die politische Information genutzt werden.
  • Politische Sendungen im ORF werden politischen Sendungen im Privatfernsehen bevorzugt.

Im theoretischen Teil wurden unter anderem die Videomalaise-These und der Negativismus im Fernsehen angesprochen. In beiden Ansätzen wird davon ausgegangen, dass Fernsehen ein negatives Bild von Politik vermittelt und dieses vom Zuschauer übernommen wird. Daraus zieht man den Schluss, dass Vielseher ein negativeres Bild von Politik haben als Wenigseher. Sowohl Thomas Meyer als auch Peter Filzmaier schreiben, dass es zu den problematischen Konsequenzen der politischen Inszenierung zählt, dass die Darstellungskompetenz und das strategische Themenmanagement zu den wichtigsten Erfolgskriterien geworden sind. Das führt dazu, dass inhaltliche Informationen auf der Strecke bleiben. Hans Karl Rupp und Andrea Gourd prägten 1997 den Begriff der „Telekratie“. Sie glauben, dass die „Medienherrschaft“ unter ökonomischer Art den Einzelnen konditioniert. Das Fernsehen hat die Fähigkeit, Distanzen und Ausdehnungen zu überwinden. Dadurch entsteht eine Desorientierung des Einzelnen und durch die Wirkungslosigkeit der Reaktionen des Rezipienten, gleiten diese in die Fremdbestimmung. Diese Theorie ist aber sehr umstritten. So zeigt sich auch in meiner Forschungsarbeit, dass die Glaubwürdigkeit des Fernsehens gering ist. Sind die Zuschauer kritisch eingestellt, kann das Fernsehen gar nicht so eine allumfassenden Einfluss entwickeln.

Die Konsonanz-Theorie
Die Allmacht des Fernsehens und der Medien überhaupt wird stark angezweifelt und wurde lange Zeit überschätzt. So zeigt die Konsonanz-Theorie auf, dass Menschen Medien selektiv, interpretativ (also subjektiv) und behaltend nützen. Weitere Forschungen zeigen, dass sehr wohl persönliche Kontakte und Meinungen von „Opinion Leaders“ für Menschen eine wichtige Rolle spielen und dass Medien auch nicht unabhängig von der Gesellschaft agieren können. Auch Heidemarie Schumacher konstatiert, dass mit dem Uses and Gratification Approach, die These vom manipulierten Zuschauer relativiert werden muss. Der Rezipient wird hier als aktiv beschrieben, der sich die Medieninhalte für seine individuelle Befriedigung aussucht. Daher können massenmediale Inhalte eine Person nicht beeinflussen, wenn die vermittelten Inhalte keinen Sinn oder Nutzen haben. Nur wenn der Person etwas relevant erscheint, hat die Nachricht auch die Chance zur Beeinflussung. Was von der Allmacht der Medien bleibt, wird in der Agenda-Setting-Hypothese beschrieben. Sie behauptet, dass Medien zwar nicht so sehr beeinflussen was wir denken, aber sehr wohl, worüber wir nachdenken. Die Dinge, die uns wichtig sind, werden von den Medien vorgegeben. Und tatsächlich haben Untersuchungen gezeigt, dass Themen die hohe Priorität in den Medien genießen, auch eine hohe Priorität bei den Rezipienten haben. Die Themen werden sozusagen von den Medien strukturiert. Allerdings gilt die Agenda-Setting-Hypothese nur mit Einschränkungen. Klaus von Beyme hat festgestellt, dass häufig die Thematisierung noch immer von Parteien, Regierungen und sozialen Bewegungen ausgeht. Dagegen sind die Medien gestalterisch, wenn es um „symbolische Politik“ und „Entlarvung von Skandalen“ geht.

Die Macht des Fernsehens
Trotzdem, Fernsehen hat zwar keine beherrschende Stellung, aber eine große politische Macht – auch wenn durch das divergente und vielfältige Angebot der Fernsehsender ein Integrationsverlust konstatierbar ist. Wenn aber das Fernsehen einen so großen Einfluss hat, unterstützt oder schädigt es das politische demokratische System? So kann man davon ausgehen, dass das Fernsehen durch seinen Negativismus zur Politikverdrossenheit beiträgt. 1976 wurde die These von der „Videomalaise“ des Politikwissenschaftlers Michael J. Robinson populär. Er vertrat die Ansicht, dass das Fernsehen negative Politikberichterstattung bevorzugt und dadurch die Menschen von der Politik entfernt. Aus dieser Überlegung heraus kann man darauf schließen, dass Vielseher ein negativeres Bild von Politik haben, als Wenigseher. Gegen diese These spricht, dass immer wieder auch der gegenteilige Zusammenhang festgestellt wurde. Auch wird darauf verwiesen, dass Vielkanalseher (Personen die mehrere unterschiedliche Kanäle nutzen, also sechs oder mehr Sender) mehr Informationssendungen sehen als Wenigkanalseher. Vielkanalseher verbringen außerdem fast doppelt so viel Zeit vor dem Fernseher, wie Wenigkanalseher. Allerdings zeigt sich, dass gerade eine große Nutzung von Information im Fernsehen zu einem besonders negativen Bild von Politik führen kann.

Problem des Negativismus
Patzelt sieht im „Negativismus“ der massenmedialen Berichterstattung ein „Sonderproblem“. Da Massenmedien zwar meist relativ neutral berichten, aber ganz klar negative über positive Berichterstattung überwiegt. Das führt dazu, dass der Einzelne seine eigene Lage wesentlich positiver einschätzt, als die allgemeine Lage. Schuld an der schlechten allgemeinen Lage wird dann der Politik gegeben. Daher kann behauptet werden, dass Vielseher, die häufiger mit der negativ orientierten Berichterstattung konfrontiert sind, auch unzufriedener mit der Politik sind. Es verwundert nicht, dass Politiker alles tun, um im Fernsehen in einem möglichst positiv Licht zu erscheinen bzw. der politische Gegner in einem negativen. Wie sehr verändert das Fernsehen und seine Darstellungsform die Politik? Man kann durchaus den Eindruck gewinnen, dass sich Politik nur mehr auf die Inszenierung konzentriert und sich den Spielregeln der Medien unterwerfen muss.

Inszenierung der Politik im Fernsehen
Peter Filzmaier schreibt, dass es zu den problematischen Konsequenzen der politischen Inszenierung zählt, dass die Darstellungskompetenz und das strategische Themenmanagement zu den wichtigsten Erfolgskriterien geworden sind. Das führt dazu, dass inhaltliche Informationen auf der Strecke bleiben. Thomas Meyer stellt wiederum fest, dass der Bezug zur Wirklichkeit verloren geht. Es gibt eine „Scheinpolitik“ oder „Scheinereignissen“. Was zählt sind Bildbotschaften, wie zum Beispiel Gesten, Symbole und ähnliches. Andererseits hat die Politik keine andere Wahl, als sich unterhaltsam und medienwirksam in Szene zu stellen. Prisching meint wiederum, dass es die Gegenwartspolitik mit einer Gesellschaft zu tun hat, die vorrangig Vergnügen, Witz, Ironie und Spiel sehen möchte. Dagegen wird aber festgehalten, dass auch unterhaltende Sendungen in hohem Maße informieren können. Durch die spannenden Darstellungen können auch politisch uninteressiertere Personen für Politik gewonnen werden. Dadurch können solche Sendungen einen integrativen Nutzen für das demokratische System haben. Voraussetzung dafür ist aber eine große fachliche Kompetenz der verantwortlichen Journalisten. Die Dependenzthese geht wiederum davon aus, dass die Medien so mächtig sind, dass Politik in ihre Abhängigkeit geraten ist. Fakt ist, dass Politiker Medienpräsenz zeigen müssen und auf der Vermittelungsleistung der Medien angewiesen sind. Die Instrumentalisierungsthese ist das Gegenstück zur Dependenzthese. Sie besagt, dass Politiker die Medien instrumentalisieren können, um ihre Botschaften zu verbreiten. Dies gelingt ihnen, indem sie sich professionell auf die Erwartungen der Medien einstellen und ihnen fertige „Erzeugnisse“ liefern. In der Praxis kann man davon ausgehen, nie einen dieser beiden Extremsituationen in reiner Form anzutreffen. Vielmehr wird es immer ein Wechselspiel zwischen Medien und Politik geben, zwischen beeinflussen und beeinflusst werden.

Gesamte Forschungsarbeit hier.