Alltägliche Beobachtung

Alltägliches Beobachten dient der Orientierung der Menschen in der Welt. Sie ist eher selektiv und unreflektiert. Das heißt, wir stehen der Welt mit einem gewissen Vormuster gegenüber. Wir beobachten und beurteilen mehr oder weniger unbewusst. Z.B. wenn wir fremde Menschen begegnen: Wie sehen sie aus? Wie verhalten sie sich? Wir beobachten sie und formen uns daraus ein Bild dieses Menschen.

 Wissenschaftliche Beobachtung

Wissenschaftliche Beobachtung versucht natürlich nach objektiven Kriterien vorzugehen. Eine Beobachtung ist dann wissenschaftlich, wenn:

  1. es einem Forschungszweck dient
  2. systematisch geplant
  3. systematisch aufgezeichnet
  4. es wiederholten Kontrollen hinsichtlich der Gültigkeit, Zuverlässigkeit und Genauigkeit unterworfen wird

Exkurs:

Gültigkeit = Validität: Das Messinstrument misst genau das, was es vorgibt zu messen

Zuverlässigkeit = Reliabilität: Das Messinstrument misst unter gleichen Bedingungen, immer wieder das Gleiche

Genauigkeit = Es dürfen sich keine Fehler einschleichen

Doppelcharakter sozialwiss. Beobachtung

Quantitativ orientierte Beobachtung

Quantitative Studien unterscheiden sich von qualitativen in erster Linie durch die wissenschaftstheoretische Grundposition (normativ-ontologische Theorien vs. empirisch-analytische Theorien), den Status von Hypothese sowie dem Methodenverständnis und die Trennung von Entdeckungs- und Begründungszusammenhang und die Theorienprüfung folgen. Soziale Realität wird als objektiv und mittels kontrollierter Methoden erfassbar angesehen. Empirische Forschung soll theoriegeleitete Daten über die soziale Realität sammeln, wobei diese Daten den Kriterien der Reliabilität, der Validität sowie der Repräsentativität und der intersubjektiven Überprüfbarkeit zu genügen haben und in erster Linie der Prüfung der vorangestellten Theorien und Hypothesen dienen. Forscher haben den Status unabhängiger wissenschaftlicher Beobachter, welche die soziale Realität von außen erfassen sollen.

Diese Ansprüche äußern sich in der Entwicklung strukturierter Beobachtungsschemata, und in einer Forschungspraxis, die der Forderung nach intersubjektiver Überprüfbarkeit durch die personelle Trennung von Forscher und Feldarbeiter sowie der Erhebung großer Fallzahlen gerecht zu werden versucht.

Zentraler Kritikpunkt gegen die quantitative Sozialforschung sind der durch die Theorie stark begrenzte Erfahrungsbereich und dass die Beschäftigung mit der Methode den eigentlichen Gegenstand überlagert.

 Die qualitative Beobachtung

Zentral Annnahme in der qualitative Methode, dass soziale Akteure Objekten Bedeutungen zuschreiben, und sich somit nicht starr nach Normen und Regeln verhalten, sondern soziale Situationen interpretieren und so prozeßhaft soziale Wirklichkeit konstituieren.

Forschungsprinzipien sind:

  • Offenheit: Der Untersuchungsgegenstand und nicht vorab entwickelte Theorien und Hypothesen bestimmen die Forschung.
  • Prozesscharakter von Gegenstand und Forschung: Die sozialen Akteure schaffen Wirklichkeit, indem sie diese dauernd interpretieren und neu aushandeln.
  • Reflexivität: Es werden keine vorab aus der Theorie abgeleiteten Hypothesen geprüft, sondern im laufenden Forschungsprozess generiert, modifiziert und verallgemeinert.
  • Problemorientierung: Die Formulierung und Auswahl der Forschungsfrage resultiert aus dem vom Forscher wahrgenommenen gesellschaftlichen Problemen.

Für qualitativ teilnehmende Beobachtungsstudien bedeutet dies den Verzicht auf vorab konstruierte Beobachtungsschemata, standardisierte Verfahrensweisen und –regeln und die Teilnahme der Forscher in dem natürlichen Lebensumfeld der Untersuchten.

 Beobachtungsfeld

Der Bereich, in dem eine Beobachtung stattfinden soll, bezeichnet man als Beobachtungsfeld. Es handelt sich dabei nicht nur um das räumliche Umfeld, sondern auch um den soziale Bereich, den Zeitpunkt und die Rahmenbedingungen der Untersuchung.

 Formen der Beobachtung

Die folgende Aufzählung und Beschreibung der verschiedenen Beobachtungsformen soll einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten, die die wissenschaftliche Beobachtung bietet, geben.

Feld- vs. Laborbeobachtung

Beobachtungen in natürlichen sozialen Situationen werden als Feldbeobachtungen und Beobachtungen in künstlich/experimentell erzeugten Situationen als Laborbeobachtung bezeichnet. Bei der Laborbeobachtung stellt sich die Frage, ob die so erhaltenen Ergebnisse Aussagen über das entsprechende Verhalten sich auf die Realität übertragen lassen. Bestimmte Situationen können jedoch kontrolliert nicht hervorgerufen werden.

Vorteile der Laborbeobachtung sind allerdings die leichtere Wiederholbarkeit im Vergleich zur Feldbeobachtung und somit eine leichtere Überprüfbarkeit, und es kann gezielter, genauer und kontrollierter beobachtet werden.

 Teilnehmende vs. nicht-teilnehmende Beobachtung

Bei der teilnehmenden bzw. nicht-teilnehmenden Beobachtung unterscheidet man, ob der Wissenschaftler selbst ein Teil der zu beobachtenden Situation ist oder die Verhaltensabläufe als Unbeteiligter beobachtet. Die nicht-teilnehmende Beobachtung zeichnet sich dadurch aus, dass der Beobachter von außen, ablaufenden sozialen Ereignisse registriert.
Die teilnehmende Beobachtung ist dadurch charakterisiert, dass der Beobachter selbst eine im Beobachtungsfeld definierte Rolle übernimmt und sich den anderen Handelnden dieser Rolle entsprechend verhält, ohne von ihnen als Beobachter mit einem wissenschaftlichen Interesse erkannt zu werden.

Hoher vs. geringer Partizipationsgrad

Nimmt der Forscher bei der Beobachtung eine soziale Rolle ein, kann diese entweder aktiv oder passiv sein. Aktiv ist sie, wenn der Forscher bestimmte Situationen provoziert oder herbeiführt. Hierbei spricht man von einem hohen Partizipationsgrad bzw. von einer aktiv-teilnehmenden Beobachtung.
Im Gegensatz dazu kann der Forscher aber auch eine passive Rolle einnehmen, so z.B. als Mitglied der Gruppe. Beobachtet er nur den Verlauf der Dinge und nimmt selbst keinen Einfluss auf das Geschehen, so ist sein Partizipationsgrad niedrig bzw. es liegt eine passiv-teilnehmende Beobachtung vor.

Strukturierte vs. unstrukturierte Beobachtung

Strukturierte und unstrukturierte Beobachtungen unterscheiden sich in dem Grad ihrer Differenziertheit. Dabei beachtet der Forscher bei der unstrukturierten Beobachtung relativ grobe Kategorien sozialen Verhaltens. Je differenzierter diese Kategorien werden, desto strukturierter wird die Beobachtung.

 Offene vs. verdeckte Beobachtung

Bei der offenen Beobachtung ist dem Beobachteten bewusst, dass ein Wissenschaftler anwesend ist, der ihn in der vorliegenden Situation beobachtet. Für den Forscher bedeutet dies, dass er sich freier und offener im Feld bewegen kann, im Gegensatz zur verdeckten Beobachtung. Verzerrungen und Probleme können auftreten, wenn sich der Beobachtete in dieser ungewohnten Situation anders verhält, als es normalerweise der Fall wäre.

Bei der verdeckten Beobachtung weiß keiner der Beobachteten, das sich in Forscher in Gruppe befindet. Dadurch soll erreicht werden, dass sie sich so natürlich und ungestört wie möglich fühlen.

Die Vorlesung STEP 2 aus Publizistik- und Kommunikationswissenschaft beschäftigt sich mit der Geschichte der Beziehungen zwischen Medien, Politik und Kultur.

 

Sprache als Machtmittel

Sprache diente:

  • der Orientierung und wurde auch für die Arbeitsteilung entwickelt (für Ökonomie und daher für die Existenzsicherung),
  • dem Miteinander und Füreinander,
  • und als differenziertes Instrument der Ausprägung von Herrschaftsstrukturen.

Ab 30 Personen (Gruppe = Horde) sind nonverbale Mittel (Tanz, Gestik, Mimik) nicht mehr differenziert genug. Durch die Sprache konnten gesellschaftsbildende und –bindende Riten, Gesetze und Tabus tradiert werden. Daraus entstand ein Machtmittel für diejenigen, die die Sprache besser beherrschten, oder die, die Sprache nützten um ihre hohe Position zu sichern. (z.B.: Priestergesellschaften: Jene Personen die angaben Kontakt zu den Göttern zu haben.)

Schrift

Die Schrift entstand aus ökonomischen Gründen. Erste Schriftstücke waren Verträge. Kommunikation wurde damit unabhängig von Raum und Zeit. Durch die Schrift können Informationen konserviert, transportiert und reproduziert werden. Schriftliche Bestimmungen, Vorstellungen oder Gedanken waren in den Hochkulturen nicht frei zugänglich. Für Verwaltung und Verwahrung waren Tempel auserkoren. Erst die Griechen verlagerten die Verwahrung in profane Gebäude, also Bibliotheken. Aber ihre Benützung war Gelehrten, Studierenden und Beamten vorbehalten. In Alexandria befand sich die größte Bibliothek des Altertums. 44 v. Chr. wurde sie von Julius Cäsar zerstört. Die eingeschränkte Benutzung zog sich bis in die Neuzeit hinein. Erst im 18. Jahrhundert vollzog sich eine Öffnung der Fürstenbibliotheken für das Bürgertum.Volksbüchereien entstanden im 19. Jahrhundert.

Zeitungen

Die ersten (periodischen) Zeitungen entstanden Mitte des 17. Jhd. 1609 in Straßburg und Wolfenbüttel mit „Relation“ und „Aviso“. Bei periodischen Zeitungen galt mehr das spezifische Interesse der weltlichen wie geistlichen Obrigkeit. Man konnte so besser Befehle und Verordnungen kommunizieren. Aber als Konsequenz forderten Mitte des 18. Jahrhunderts die Leser Mitwisserschaft an politischen Entscheidungen. Der erste Bericht über Neuartiges in einer Zeitung entstand bei der Entdeckung von Brasilien. Zeitungen berichteten überwiegend nur von Katastrophen, Mord, Missgeburten, Kämpfe gegen Türken, Blut- und Kornregen und ähnliches. Mit Aufkommen der Zeitungen wurde auch eine Zensur entwickelt. Nur mit einem „privilegium impressorum“ durften Verleger drucken. Vorteil für den Herrscher: Er hatte die volle Kontrolle und konnte Zensur üben. Doch auch der Verleger hatte dadurch einen Vorteil: Er konnte sicher sein, dass nur er seine Bücher drucken und verkaufen durfte, denn nur er bekam hierfür die Rechte vom Herrscher zugesprochen. Durch den Buchdruck (1455, Gutenberg) kam es zu einer gewissen Alphabetisierung. Kaffeehäuser boten Zeitungen an, die damals noch sehr teuer waren (ca. zur Zeit der 2. Türkenbelagerung, also 1683). In den Kaffehäusern trafen sich Menschen aus allen Schichten. Berichte darüber sind vom Augustinermönch Abraham a St. Klara erhalten. Maria Theresia (18. Jhd.) beeinflusste erstmals die Medien. Die Ministerien wurden angewiesen, wöchentlich eine Zusammenstellung der relevanten Informationen auszusenden. Frankreich war der Erbfeind der Habsburger. Nach der Revolution (1789) wurde Post aus Frankreich kontrolliert und zensiert. Man versuchte die Zensur durch Beziehungen zur franz. Botschaft zu umgehen, oder man zerschnitt Zeitungen in Frankreich und setzte sie nach dem Versand in Österreich wieder zusammen. Daher wurde in Österreich auch die franz. Botschaftspost abgefangen. Als Gegenmaßnahmen begannen Botschaften die Post zu chiffrieren. Nach Maria Theresia übernahm Joseph II. die Herrschaft. Er galt als „Volkskaiser“, aufgrund von Reformen wie dem Toleranzpatent, welches garantierte, dass alle Religionen frei ausgeübt werden durften. (Erst 1851 wurde aber die wirklich freie Religionsausübung ermöglicht.) Durch das Toleranzpatent wurde der Handel mit Juden erleichtert.

Zeitungen in Österreich:

Durch das Druckprivileg (privilegium impressorum) konnte sich im 18. Jahrhundert das „Wienerische Diarium“ eine Monopolstellung sichern. Nur sie durfte in deutscher Sprache erscheinen. Daneben gab es noch eine franz. Zeitung und eine in lateinisch, da Latein vor allem in Ungarn verwendet wurde. 1783 etablierte sich in deutsch auch das „Wiener Blättchen“. Es hatte nur wenige Seiten Umfang und berichtete über Lokales, Gedichte und das Wetter. Mit Aufkommen immer weitere Zeitungen wurde ein Stempelsteuer eingeführt. Jedes einzelne Exemplar einer Zeitung musste vorgelegt und abgestempelt werden. Für den Großteil der Zeitungen war das ökonomisch nicht verkraftbar – es setzte ein Massensterben von Zeitungen ein.  1795 wurde dann das Kriminalgesetz erlassen. Kritik am System konnte damit mit Kerker zwischen 5-10 Jahren bestraft werden. Damit glaubte die Obrigkeit die Ideale der Französischen Revolution erfolgreich verhindern zu können.

Revolution 13. März 1848

Die Revolution begann wieder in Frankreich. Der König musste abdanken, die Republik wurde ausgerufen und das Recht auf Arbeit festgeschrieben. Die Kunde der Revolution wurde verbreitet und brach nun auch im Rest Europas aus. Es wurde eine Versammlung im Ständehaus in Wien gestürmt und die Politiker rausgeschmissen. Das Militär begann zu schießen, es kam zu weiteren Ausschreitungen. Schließlich wurde das Zeughaus von den Aufständigen gestürmt um Waffen zu besorgen. Kaiser Ferdinand I. musste Wien verlassen. Dadurch gab es große finanzielle Einbußen von Betrieben die den k.u.k.-Hof belieferten. Fast sechs Monate dauerten diese Zustände an. In dieser Zeit war Presse- und Meinungsfreiheit gegeben. Viele Zeitungen wurden gegründet, z.B. „Die Constitution“, die sich gegen Säbel, Talar und Krone richtete und eine Verfassung einforderte. Herausgeber war Leopold Häfner. Er wollte eine Republik installieren und galt daher als ultraradikal links, ebenso der „Studenten-Curier“ und „Der Radikale“. Im Oktober des selben Jahres eroberten kaiserliche Truppen Wien zurück und die Zensur wurde wieder eingeführt. Trotzdem, bis 1867 wurden eingeführt: Die Staatsgrundgesetze (Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Lernfreiheit, Versammlungsrecht) und Amnestie für kritische Journalisten wurde erreicht. Es kam zu Gründungen von Arbeitervereinen und diese produzierten Wochenzeitungen wie etwa „Volkswille“, „Volksstimme“, „Gleichheit“. Ebenfalls 1848 entwickelte sich ein neuer Typ von Zeitung: Die Boulevard-Presse. Der Name stammt von der Art wie sie verkauft wurde und zwar auf der Straße. Damit Leute schnell ihre Aufmerksamkeit auf sie richten und sie kaufen, wurde sie reißerisch aufgemacht. Daneben etablierte sich die Kommerz-Presse.

Zur Geschichte von „Die Presse“, „Kronen Zeitung“, „Arbeiterzeitung“

„Die Presse“ wurde von August Zang gegründet. Sein großes Vorbild war „La Presse“ in Frankreich. Er baute das Inseratengeschäft in seiner Zeitung groß auf und konnte so Abonnements bzw. Einzelverkaufspreise niedriger anbieten. Er verfügte als Erster über die „Schnellpresse“, führte das drucktechnische Verfahren der „Stereotypie“ ein und war ebenfalls der Erste, der die Zeitungsproduktion durch Zusammenlegung von Redaktion, Administration und Druckerei optimierte. Da er durch einen teilweisen Verkauf mit der CA (Bank: Credit-Anstalt) viel Geld einnahm, es aber zu keiner besseren Entlohnung der Redaktion kam, kam es 1864 zur Redaktionsspaltung. Die „Neue Freie Presse“ wurde das wichtigste Blatt der Monarchie für Intellektuelle und Großbürgerliche. Durch Zusammenbruch der Monarchie verlor die NFP aber an Abonnementen. Die Kronen Zeitung wurde im Jahre 1900 gegründet. Sie konnte billig verkauft werden, da es ab 1899 keine Stempelsteuer mehr gab. Wichtig war die einfache Sprache. Es kam zu Rekordergebnisse und sie wurde die Zeitung mit der höchsten Auflage, gefolgt von „Die Neue Freie Presse“ und der „Reichspost“. Wichtig für den Erfolg der Kronen-Zeitung war auch die Berichterstattung über die Ermordung des serbischen Königpaares. Man schickte ein eigenes Redaktionsteam nach Belgrad und hatte so die neuesten Nachrichten über die Ermordung. Ebenfalls von Anfang dabei und sehr beliebt waren Fortsetzungsromane. Gewinnspiele. Adabei. Die Arbeiterzeitung war Nachfolgerin der Gleichheit (gegründet von Viktor Adler) und war Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei. Nachdem sie nicht mehr von der Partei finanziert und in den 1980er privatisiert wurde, wurde die Arbeiterzeitung 1990 endgültig eingestellt. In der AZ brachte Viktor Adler die dreiteilige Reportage über die Wienerberger Ziegelwerke. Er übernahm die Rolle eines Arbeiters und deckte die humanen Missstände in der Firma auf.

Das kommunikationswissenschaftliche Institut in Wien

vormals Institut für Zeitungswissenschaft. Gegründet 1938. Die Studienrichtung war eine Führerwissenschaft und als Initiator gilt Goebbels. 1945 wurde das Institut in Wien geschlossen. Es durfte nur unter der Auflage wiedereröffnet werden, dass es sich nicht mehr mit tagespolitischen Themen befasse.

Kommunikationsgeschichte während der NS-Zeit

1938 kommt es zur revolutionären Inbesitznahme von Zeitungsredaktionen durch die Nazis. Die inhaltliche Gestaltung wurde über Nacht verändert. (Gleichschaltungsprozess) Chefredakteure heißen nun Hauptschriftleiter und es wurden kommissarische Verlagsleiter eingesetzt. Diese Posten waren nun gut bezahlt und prestigeträchtig. Trotzdem wurden anfangs nur wenige Zeitungen verboten. Goebbels wollte viele Zeitungen: „Die Presse möge monoform im Willen und polyform in der Ausgestaltung werden.“ Medien waren nicht mehr Vermittler oder Kritiker, sondern Gehilfen des Regimes. Die NSDAP setzte sich beim Schriftleitergesetz durch. Mitte Juni 1938 wird dieses Gesetz in Österreich eingeführt. Der Berufstitel Schriftleiter (Journalist) ist nun geschützt, nur Mitglieder der Reichspressekammer (Chef: Propagandaminister Goebbels) dürfen in tragen. Bedingungen für die Aufnahme in der Reichspressekammer: politische Zuverlässigkeit (nationalsozialistische Gesinnung), arische Abstammung (siehe Arierparagraph), entsprechende Ausbildung (Schriftleiterprüfung bzw. Reichspresseschule). Die Strategie der NSDAP war es, den Zugang zum Journalismus zu kontrollieren und Journalisten zu überprüfen. Es folgte die Verstaatlichung von Zeitungen. Siehe Kautio-Treuhandgesellschaft von Max Amann (Präsident der Reichspressekammer) Er erreichte bei Hitler ein Subventionsverbot, dadurch wurde es leichter für die Nazis Zeitungen zu kaufen und zu verstaatlichen. So wurde innerhalb eines Jahres nur mehr 1 von 22 Zeitungen privat geführt und es existierten nur mehr die Hälfte der Tageszeitungen die es vorher gab.  Inhaltliche Presselenkung durch Reichspressekonferenz und Presseanweisungen. Anweisungen der Reichspressekonferenz wurden auch schriftl. an Provinzzeitungen weitergesandt. Man schuf bewusst Mitwisserschaft. Außerdem erließ Max Amann, dass keine Neugründung mehr in der Ostmark erlaubt sei, Zeitungen aus Deutschland ihre Vertriebsambitionen einzustellen haben und Zeitungen durften nicht mehr als Aktiengesellschaften geführt werden. Außerdem wurden konfessionelle Zeitungen verboten und Verleger mussten politisch zuverlässig und arisch sein. Arisierung aller wirtschaftlichen Bereiche, dadurch wurden Juden gezwungen billig zu verkaufen. 1942 besaß die NSDAP durch diese Maßnahmen bereits 82% der Gesamtauflage an Tageszeitungen.

Nebenstrategie der NSDAP:

Medien sollten möglichst glaubwürdig wirken. Keine Vermischung von Kommerz und redaktionellen Bereich. (strenge Trennungsregeln) Kuriose, seltsame, erfundene Geschichten wurden verboten. Ebenso striktes Verbot von Plagiaten. Z.B. Lokalressortleiter Schödel des Völkischen Beobachters. War arbeitsmäßig überlastet, es erscheint eine Weihnachtsgeschichte – nur zum Teil vom Lokalressortleiter, wurde angezeigt, weil jüdischen Journalisten Alfred Holgart plagiiert. Wird bestraft und verliert die NSDAP-Mitgliedschaft. Arbeitete in den 60er-Jahre wieder als Journalist. Endziel der Presse galt der Propaganda.

Asylzeitungen

Im Exil werden eigene Kommunikationsmittel geschaffen, weil die Medien der Asylländer den Vertriebenen nicht ausreichten. Asylanten wollten detaillierte Informationen über ihr Heimatland. Diese Asylzeitungen hatten auch eine politische Orientierungsfunktion. Die Asylzeitungen wurden ehrenamtlich geführt. In den 30er-Jahren wurden über 140 verschiedene Zeitungen von Exilösterreichern gegründet. Einig waren sich diese Exilzeitschriften aber nur über die Ablehnung gegenüber des Nationalsozialismus.

Junge 2. Republik

Nach 1945 haben die Eigentümerverhältnisse der Print-Medien zum Prozess des „Journalismus muss dem Staat dienen“ geführt. Berichterstattung zu der Politik ist in den ersten 20 Jahren hoch affirmativ, also wenig Kritik leistend. Mehr als die Hälfte der Auflagen von Zeitungen sind Parteizeitungen. In den 60er-Jahren werden Parteizeitungen durch die Boulevardpresse verdrängt. 1959 wird die Kronen Zeitung wieder gegründet. Ein Proporzsystem zwischen ÖVP und SPÖ entsteht in den Medien. Das Fernsehen kommt dabei mehrheitlich in die Hände der SPÖ, durch medienpolitisches Versagen der ÖVP. Anfang 60er-Jahre hatten die Medien ein Volksbegehren injiziert wegen dem übermaßenden Proporz im Rundfunk. In diesem Zuge verspricht die ÖVP dieses Volksbegehren umzusetzen und gewinnt damit die Wahl. Zeitungsmacher werden in führenden Positionen im Rundfunk eingesetzt.

Neuordnung des Rundfunks 1967:

Der Rundfunk bekommt mehr Ressourcen und das Fernsehen wird ausgebaut. Radio wird neu strukturiert. Ö3 und Ö1 entstehen, ebenso wie das Bundesländerradio. Diese Neuordnung bringt Entlastung des politischen Druckes. Die Aufmerksamkeit geht in Richtung Fernsehen. Die Entwicklung des Fernsehen bringt Tageszeitungen in Gefahr, vor allem im Bereich des Anzeigenmarktes. Neue großen Druckerei werden gebaut um Farben im Druck einzubringen. Die deutsche Presse hat gefüllte Kassen für Investitionen und kaufen sich bei Kurier und Kronen Zeitungen ein. Es kommt zur Zuspitzung von Konzentrationsprozesse und Verschränkungen von Konkurrenten. Überlegungen zur Elephantenhochzeit: Kronen Zeitung + Kurier. Erst in den 70er-Jahre entsteht „profil“. Mitte der 80er-Jahre entwickeln sich dann weitere eigene österreichische Magazine. Entwicklungen haben ihren Anfang aus einem „staatstragenden“ (Partei-)Trümmerjournalismus. Herausgeber-Präsident der Zeitungen war in den 60er-Jahren zugleich Innenminister.

Viele Blogger tappen bei den gesetzlichen Regelungen im Dunkeln. Welche Bilder darf ich veröffentlichen? Wie weit darf ich mit meiner Meinung gehen? Und was sind mögliche Rechtsfolgen? Genau diese Fragen habe ich in 2010 in einer Bakkalaureatsarbeit für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft beantwortet. Das Dokument steht jetzt adaptiert und gekürzt zum Download bereit. Besonders schwer tun sich Blogger oft mit dem Urheberrecht. Ich möchte aus meiner Arbeit auf zwei wichtige Relegungen eingehen, die den Bloggeralltag doch sehr erleichtern.

Fremde Inhalte ausschnittsweise widergeben

Abgesehen von Creative Commens, sind alle fremden Inhalte ohne Genehmigung tabu. Eine ganz kleine Ausnahme bildet das Zitatrecht, § 46 UrhG (Z1). Demnach dürfen einzelne Stellen eines „veröffentlichten Sprachwerkes“ angeführt werden, wenn es dem Zweck nach gerechtfertigt ist. Diese Ausnahmeregelung wurde von der Rechtssprechung analog auch für Bildzitate als zulässig anerkannt. Es dürfen also Zeitungsausschnitte, wie etwa Kobuk es macht, zur Verfügung gestellt werden. Dieses Recht ist übrigens auch nicht in Stein gemeißelt. Derzeit machen sich österreichische Verlage für ein Leistungsschutzrecht stark, dann könnte auch diese Ausnahmeregelung fallen.

Der Bildnisschutz

Darf ich irgendwelche Personen ohne deren Erlaubnis auf der Straße fotografieren und dann auf meinem Blog hochladen? Schwierige Frage, auf die es leider nur ein Jein als Antwort gibt. § 78 UrhG regelt nämlich, dass das Abfotografieren schon OK ist, solange nicht berechtigte Interessen der abgebildeten Person verletzt werden. Wann das der Fall ist, ist aber immer Auslegungssache. Bildnisse von „allgemein bekannten Personen“ hingegen, also Promis, sind schwächer geschützt. Fotografieren geht da in Ordnung, solange es nicht zu privat wird.

Fazit: Kleine Ausschnitte aus einem fremden Werk sind dann in Ordnung, wenn sie für die eigenen Publikation unabkömmlich und dem Zweck nach gerechtfertigt sind. Das ist vor allem dann wichtig zu beachten, wenn man ein Buch, eine CD oder Webseite vorstellen möchte. Jetzt noch mehr Infos und Fallbeispiele zum Urheberrecht lesen.

„Es ist eine kleine Medienrevolution“, schreibt Thomas Knüwer und ich gebe ihm da vollkommen recht. Getty Images, weltweit größter Fotodienstleister aus Seattle, öffnet sein Archiv für Blogger. Abertausende Fotos professioneller Fotografen stehen jetzt für die private Nutzung kostenlos zur Verfügung. Die Einbindung in den eigenen Blog ist einfach: 1. Bild suchen, 2. Einbetten-Symbol anklicken, 3. den HTML-Code für den Getty Images Viewer kopieren und im eigenen Beitrag einfügen. Weil Getty Images das Headquarter in Seattle hat, habe ich da mal ein schönes Stadtpanorama dieser US-City eingebunden:

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Fotos gegen Views

Gratis Profifotos zu bekommen, klingt verführerisch. Getty Images ist aber natürlich nicht die Heilsarmee: Wer Bilder einbindet, akzeptiert auch die Nutzungsbedingungen und die erlauben Getty Images Daten von Blogbesuchern zu sammen und Werbung über ihren Viewer einzuspielen. Es ist also eine Tauschgeschichte: Der Blogger bietet gratis Werbefläche und Getty Images bietet gratis Bildmaterial. Wer sich mit den Details zu den Nutzungsbedingungen auseinandersetzen will, Rechtsanwalt Thomas Schwenke hat einen hervorragenden FAQ-Leitfaden geschrieben.

Auf der Facebook-Seite der österreichischen Blogger ist deswegen auch eine kleine Diskussion aufgekommen, ob das wirklich ein guter Deal für Blogger ist. Dazu kommt noch, dass die Bilder nicht als Vorschaubilder verfügbar sind und dass Getty Images die Fotoauslieferung jederzeit abdrehen kann. Dann hat man plötzlich einen Linkfriedhof auf dem eigenen Blog. Auf der anderen Seite profitieren viele Blogs immens von besseren Fotos. Ein Blog über Stars und Sternchen hat zum Beispiel immer Schwierigkeiten legal an passende Fotos zu kommen. Man kann ja nicht mal schnell zur Oscar-Verleihung fliegen und da seine eigenen Fotos schießen. Hunderte von Euros für Paparazzi-Fotos auszugeben, spielt sich aber auch nicht. Getty Images ist da eine super Alternative. Am Ende des Tages wird aber jeder Blogger die Vor- und Nachteile abwägen müssen. Schlussendlich ist das auch immer eine rationale Entscheidung, was einem geboten wird und was man selbst bieten kann. Wenn ich wöchentlich fünfstellige Views am Blog habe, dann würde ich auch nicht gratis Werbefläche hergeben wollen.

Neue Geschäftsfelder für Getty Images

Eines steht aber fest: Die nichtkommerzielle Nutzung freizugeben, war ein verdammt mutiger und smarter Zug von Getty Images. Mal ganz abgesehen von der Eigenwerbung, erschließt sich Getty Images damit neue Geschäftsfelder. Targeting, also auf den User abgestimmte Werbung, ist eines davon. Denn die dazu notwendigen Cookies könnte Getty Images einfach über den Viewer setzen. Dann hätte der Fotodienstleister ziemlich schnell ein ziemlich großes Mediennetzwerk in der Hand. Und: Alle Werbegelder bleiben bei Getty Images, denn keiner der eingebundenen Medien muss dafür bezahlt werden. Luca ist wiederum eingefallen, dass so auch die Geschichte hinter einem Bild verkauft werden könnte. Zum Beispiel bucht eine Onlinzeitung Werbung zum Foto eines russischen Panzers. Ein Blogger baut das Foto ein und von der Onlinezeitung wird dann als Werbung eingespielt: „Lesen Sie bei uns alle Hintergründe zur Krise in der Ukraine.“ Mir fällt noch ein dritter Vorteil ein: Getty Images könnte damit sogar einen Weg finden, AdBlocker zu umgehen. Denn wenn das US-Unternehmen vorab Werbung am Server ins Bild einfügt und dann erst das Bild ausliefert, ist Werbung und Content fast nicht mehr zu trennen.

Ich habe gerne Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert. Im Studium habe ich viel Philosophisches mitgenommen, mit Studienkollegen lang und breit über unser Mediensystem diskutiert und irgendwie vermisse ich sogar den Nervenkitzel vor einer schweren Prüfung. Intensiv habe ich mit Medienrecht beschäftigt und ich glaube, da habe ich auch einiges mitgenommen. Was aber gerade im Berufsalltag als PR-Berater  auffällt: Dem Studium mangelt es an konkretem Anwenderwissen. Es gibt vor allem drei ganz wichtige praktische Kompetenzen, die Publizistik vergaß uns Studenten zu lehren. Der Titel ist übrigens entleht von Wolf Schneider und das bringt mich gleich zur ersten geforderten Kompetenz:

Nr. 1: Bringt uns Schreiben bei!

In Österreich gibt es ungelogen viele Menschen, die aus beruflichen Gründen schreiben. Damit meine ich nicht nur Journalisten und PR-Leute sondern auch Jungunternehmer die einen Businessplan erstellen, Behörden die einen Bescheid ausstellen, oder eben auch Wissenschaftler, die einen Fachartikel publizieren. Schreiben ist eine Fähigkeit, die gelernt werden muss. Im Idealfall steht in jedem Studium ein Schreibtraining im Curriculum. Rechtswissenschaft würde zum Beispiel enorm davon profitieren, dann müssten wir vielleicht auch weniger grässliches Juristendeutsch lesen. Mehr als alle anderen Studenten, müssen aber Publizisten klar verständliche und gute Texte schreiben können. In Ansätzen gibt es im Studium auch ein Schreibtraining. Ich habe auf der Uni gelernt, was eine umgekehrte Pyramide ist und wie genau ich ein Porträt oder eine Reportage schreibe. Ich erinnere mich auch gerne an eine praktische Übung bei Katrin Burgstaller zurück, heute stellvertretende Ressortleiterin Inland beim Standard. Sie hat immer unsere Berichte durchgelesen und anschließend gezeigt was fehlt oder besser formuliert gehört. Dieses Feedback war ganz wichtig, denn ohne dem lässt sich der eigene Schreibstil nicht weiterentwickeln. Wertvolles Feedback zum Schreibstil habe ich auch bei Helge Fahrnberger erhalten. In seiner Lehrveranstaltung haben wir beim mittlerweile sehr bekannten Medienblog Kobuk.at mitgeschrieben.
Abgesehen von diesen zwei Positivbeispiele, gab es aber in Summe aber einfach zu wenig Schreibtraining an der Uni. Gutes Schreiben ist intellektuell anspruchsvoll und muss laufend geübt werden. Im Idealfall gleich über die gesamte dreijährige Studienzeit im Bakkalaureat! Solche Trainings sollten übrigens auch manche Professoren, Assistenten und Post-Docs besuchen. In vielen, an sich tollen, wissenschaftlichen Aufsätze werden völlig unnötig drei oder vier Gedanken in einen einzigen Satz gepresst und elendslange Substantivketten gebildet. Folge daraus: Die Leser müssen die Sätze erst einmal enträtseln, bevor sie das Geschriebene verstehen können.

Nr. 2: Data counts, Baby

Ich habe nie verstanden, warum Statistik in Publizistik- und Kommunikationswissenschaft so ein Schattendasein fristet. Jetzt wird allerorts von Data Journalism, Big Data und der Quantifizierung aller Lebenswelten gesprochen und dann lernen die Publizistikstudenten nur wenig über statistische Anwendungen. Freilich, ein bisschen SPSS haben wir gelernt und mit welcher Skala welche Rechenoperationen möglich sind. Im Detail habe ich mir aber selbst mit Praxisbüchern und Onlineforen helfen müssen. Datenanalyse ist aber ein Kernelement jedes sozialwissenschaftlichen Studiums und immerhin würden sich auch neue Berufschancen für Publizisten ergeben, etwa in der Marktforschung. Bei Statistik haben wir aber bisher gegen Soziologen oder Geografen kein Leiberl.

Nr. 3: Medientechnik

In Publizistik kann man zwei Praxisfelder völlig frei auswählen. Ich hatte Printjournalismus und Onlinejournalismus gewählt. Bei beiden Felder hätte ich mehr technisches Grundwissen gewünscht: Wie verwende ich Adobe InDesign? Welche Dinge sind vor dem Druck zu beachten? Wie bereite ich journalistische Inhalte optimal online auf? Und wie mache ich einen Blog auf und bearbeite diesen? Solche Dinge kamen viel zu kurz. Als einziges Positivbeispiel fällt mir da die Lehrveranstaltung von Michael Eisenriegler und Peter Adametz ein, bei denen wir ein Blogprojekt zur Bundespräsidentenwahl gestartet haben.

Mein Fazit: Schreibstil, Statistik und Medientechnik sind entscheidende Fähigkeiten und das weiß sicher auch die Studienprogrammleitung am Publizstikinstitut. Dass es hier an Angeboten mangelt, liegt wahrscheinlich auch daran, dass viele Lehrende selbst nicht das nötige Know-how haben. Problematisch ist sicher auch die Masse an Studenten. Denn alle drei Kompetenzen lassen sich nur in Kleinstgruppen und mit einer wirklich intensiven Betreuung erlernen. Deshalb hoffe ich auf ernsthafte Zugangsbeschränkungen zum Studium und generell mehr finanzielle Mittel. Das würde auch zu einer Imageverbesserung des Studiums beitragen und den Berufseinstieg für Publizisten erleichtern.