Alles neu macht der Sommer – ich habe den Hoster nach rund vier Jahren gewechselt und damit auch gleich eine neue Domain reserviert.

Ab nun ist der Blog neben efge.at auch unter www.10vor10.at [UPDATE: neu-neue Domain ist derfabian.at] erreichbar. Die alte Adresse werde ich  noch ein Jahr oder etwas länger betreiben und dann einstellen. Die Idee hinter dem Namen efge war einfach unverständlich, nämlich meine Initialen FG zu symbolisieren. EFGE war dann eine Notlösung, nachdem sich  zwei Buchstaben bei einer at-Domain nicht registrieren lassen und andere Variationen schon vergeben waren.

Nun aber wird alles besser werden. 10vor10 klingt weiß Gott nicht wie aufregend, aber der Name soll auf einen neuen Blog-Rhythmus hinweisen und mich selbst zum kontinuierlichen Bloggen motivieren: Jeden Sonntag um 9:50 Uhr möchte ich in Zukunft einen neuen Artikel veröffentlichen.

Denn mit dem Bloggen ist es so eine Sache, einerseits macht es Spaß, aber andererseits ist es auch Arbeit. Wenn ich mir selbst nicht mit diesem Zeitkorsett den nötigen Druck mache, dann schiebe ich das Bloggen immer wieder auf. Das soll es zukünftig nicht mehr spielen: Wir lesen uns wieder nächsten Sonntag um 10 vor 10! 🙂

Zusammenfassung von:

Neverla, Irene (1998): Die verspätete Profession. Journalismus zwischen Berufskultur und Digitalisierung. In: Duchkowitsch, Wolfgang (Hg.): Journalismus als Kultur. Analysen und Essays ; [Wolfgang R. Langenbucher aus Anlaß seines 60. Geburtstages gewidmet]. Opladen: Westdt. Verl, S. 53–62.

 

Journalismus hat sich im Vergleich zu anderen Professionen historisch erst spät entwickelt und die Pfeiler dieser Profession beginnen schon wieder zu wanken. Neverla stellte schon 1998 (!) fest: „Was einmal guter Beruf war, hat heute kein Fundament mehr für eine ‚Normalbiografie‘ und bietet keine sicheren Lebenschancen.“ (Neverla, 1998: S. 53) [ref]Neverla, Irene (1998): Die verspätete Profession. Journalismus zwischen Berufskultur und Digitalisierung. In: Duchkowitsch, Wolfgang (Hg.): Journalismus als Kultur. Analysen und Essays ; [Wolfgang R. Langenbucher aus Anlaß seines 60. Geburtstages gewidmet]. Opladen: Westdt. Verl, S. 53–62.[/ref]

Entwicklung des Faches Publizistik- und Kommunikationswissenschaft

Die Zeitungswissenschaft der 20er und 30er-Jahre sowie die Publizistikwissenschaft der 50er und 60er-Jahre hat sich auf publizistische Persönlichkeiten und deren Einflüsse auf die Berichterstattung konzentriert. In den 70er-Jahren änderte sich dann der Blick auf redaktionelle Organisationen und das „System“ (= Systemtheorie) wurde Forschungsgegenstand. Journalismus wird als differenziertes soziales System verstanden, das der Beobachtung der Gesellschaft dient und dabei nach eigenen Regeln funktioniert, das sich aber auch auf spezifische Weise auf andere Teilsysteme der Gesellschaft bezieht. (vgl. ebd.: S. 54)

Profession

Das Professionskonzept wurde in den 70er-Jahren in die kommunikationswissenschaftlichen Diskussion eingebracht. Dabei gab es berufspolitische als auch hochschulpolitische Intentionen. So diente für die Schaffung von entsprechenden Studien und Lehrgängen an Hochschulen einerseits demokratietheoretische Überlegungen als auch das Interesse der Journalistenverbänden. Das klassische Professionskonzept als wissenschaftliches Konzept will aber einfach nicht auf den Journalismus passen.

Zwar hat Journalismus eine entsprechende Ausbildung, Berufsbezeichnung und Berufsorganisation zu bieten, aber es mangelt am Ausschluss von Nicht-Lizenzierten, einheitlichen Ehrenkodexes und positive Sanktionierung durch staatliche Institutionen. Denn eEs gibt zwar Kodexes, die haben aber keine Sanktionierungsmacht  (vgl. ebd.: S. 55). Durch die Aufgabe des Journalismus als Vermittler zwischen gesellschaftlichen Teilsystemen kann Journalismus auch gar nicht autonom sein.

Dagegen kann Journalismus sehr wohl als Profession aufgefasst werden, wenn damit die Ablösung von Laienlösungen durch Formen rationalisierter Expertenlösungen gemeint ist. Überhaupt scheint aber die Bestimmung eines Berufes/einer Profession immer schwieriger zu fallen. Durch den Transformationsprozess der Gesellschaft ist ein „Beruf“ nicht mehr ein Bündel an Fähigkeiten, die eine Normalbiografie lang vorhalten und allen Berufsangehörigen eine gemeinsame Identität geben. Es gibt kein lebenslang gültiges Repertoire an Kompetenzen und gesicherten Lebenschancen mehr, auch keinen zuverlässigen Status, ein garantiertes Einkommen oder einen festen Wohnort (vgl. ebd.: S. 57).

Die Menschen setzen aufgrund der Erodierung der äußeren Strukturen auf Planungs- und Entscheidungshandeln. Die eigene Arbeitskraft wird aktiv gemanagt (vgl. ebd.: S. 58). Auch der klassische Betrieb befindet sich im Wandel. Berufliches Handeln lässt sich an Organisationen anknüpfen, nicht jedoch an festen Organisationsstrukturen festmachen. Flexible, lernende Organisationen mit eigentverantwortlich und intrinsisch gesteuerten Individuen prägen die Zukunft (vgl. ebd.: S. 58). Je virtueller aber die Arbeitsorganisation ist, desto dynamischer sind die Regelwerke in Bewegung und umso stärker ist der Ausgestaltungsraum für Individuen.

Dabei lassen sich zwei Extremmuster bei Implementierung neuer Systeme beobachten: das technische und das kommunikative Modell. Beim kommunikativen Modell werden auch Nicht-Technikern in die Entscheidungen eingebunden. Die Entscheidungswege sind dadurch länger aber es gibt dadurch auch weniger soziale Probleme bei der Implementierung nach und die Veränderungen werden eher sozial akzeptiert.

Christoph Neuberger gehört fraglos zu den versierten Kommunikationswissenschaftler auf dem Gebiet des Medienwandels und der Crossmedialität. Für meine Magisterprüfung lerne ich folgenden Aufsatz von ihm:

Neuberger, Christoph; Nuernbergk, Christian; Rischke, Melanie (2009): Journalismus im Internet. Zur Einführung. In: Neuberger, Christoph; Nuernbergk, Christian; Rischke, Melanie (Hg.): Journalismus im Internet. Profession, Partizipation, Technisierung. 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften / GWV Fachverlage, S. 9-18.

Neuberger macht darin klar, dass der Journalismus bisher eine „(…) zentrale und machtvolle Vermittlungsinstanz der aktuellen Öffentlichkeit (…)“ war (Neuberger, 2009: S. 9).  [ref]Neuberger, Christoph; Nuernbergk, Christian; Rischke, Melanie (2009): Journalismus im Internet. Zur Einführung. In: Neuberger, Christoph; Nuernbergk, Christian; Rischke, Melanie (Hg.): Journalismus im Internet. Profession, Partizipation, Technisierung. 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften / GWV Fachverlage, S. 9-18[/ref] war. Diese Rolle ändert sich durch das Internet. Die Grenzen zwischen Kommunikator- und Rezipientenforschung verwischen (vgl. ebd.: S. 11). Professioneller Journalismus erobert das Internet. Dabei stellt sich die Frage, ob es zu einer Verselbstständigung vom Internetjournalismus kommt, oder zu einer crossmedialen Verflechtung. Klar ist jedenfalls, dass es zu einer Erosion von Werbeerlösen kommt und das hat fatale Konsequenzen. Journalismus, oder besser gesagt Verlage, könnten dadurch ihre Aktivitäten auf andere Geschäftsfelder verlagern (vgl. ebd.: S. 12ff).

Alte Medien online

Es zeigt sich allerdings, dass 77 % des journalistischen Onlineangebotes Ableger von etablierten Presse- und Rundfunkmedien sind. 53 % davon alleine von Tageszeitungen (vgl. ebd.: S. 15). Es bildet sich ein eigenständiger Internetjournalismus, mit eigenen Qualifikationsanforderungen, Vorbildern und technischem Potential. Es ist fraglich, ob im Internet die journalistischen Selektionskriterien wichtiger werden, um den Konsumenten die Orientierung in der Informationsflut zu gewährleisten. Journalisten also dementsprechend weniger als Gatekeeper und mehr als „Gatewatcher“ agieren. Ich persönlich bezweifle das, denn genau das sind die Dinge die Freunde, Bekannte auf Facebook oder Experten auf Twitter besser für mich erledigen. Grundsätzlich kann aber festgestellt werden, dass es im Journalismus zu einer „Googlisierung“ kommt. Das Internet jedenfalls bringt eine Flexibilisierung und Erweiterung der Raum- und Zeitbezüge mit sich (vgl. ebd.: S. 16f).

In diesem Blogartikel gehts um

„Researching Media Convergence and Crossmedia News Produktion. Mapping the Field.“,

einem Artikel von Ivar John Erdal aus dem Jahre 2007.

In seinem Aufsatz geht es konzentriert um Medienkonvergenz im Rundfunkjournalismus. Erdal sieht die Ursache der Medienkonvergenz/Crossmedialität in der Digitalisierung. Heute werden gerne Fernsehinhalte im Web aufbereitet und die Audiospur vom Fernsehen im Radio verwendet. Erdal erwähnt Jenkins, der de Sola Pool (1983) als den Ersten identifiziert, der von „Medienkonvergenz“ spricht und damit die „Macht des Wandels“ meint. (vgl. Erdal, 2007: S. 51f) [ref]Erdal, Ivar John (2007): Researching Media Convergence and Crossmedia News Production. Mapping the Field. In: Nordicom Review 28 (2), S. 51–61.[/ref]

Für Erdal ist Crossmedia ein Prozess, bei dem gleichzeitig zwei oder mehrere Medienplattformen aufeinander bezogene Inhalte innerhalb der selben Organisation kommunizieren (vgl. ebd.: S. 52). Erdal macht klar, dass es mehrere Arten von Kooperationen zwischen Medienplattformen gibt:

  • Teilen von Inhalte
  • multimedial arbeitende Journalisten
  • gleiche Inhalte, die dann aber verschieden aufbereitet werden (vgl. ebd.: S. 53)

In diesem Zusammenhang gibt es unter Experten auch die Diskussion, ob von „multiskilled“ oder „deskilled“ Journalisten zu sprechen ist. Auffallend ist jedenfalls, dass auch das Fernsehen versucht dem Internet seinen medienspezifischen Stempel aufzudrücken (vgl. S. 53f). Der Kommunikationswissenschafter Fogerjord wiederum postuliert, dass das Web kein Medium sein, sondern vielmehr eine Plattform für Medien (vgl. ebd.: S. 58).