Hier präsentieren ich Euch eine knappe und knackige Zusammenfassung von Birgit Starks und Daniela Kraus‘ Aufsatz:

Crossmediale Strategien überregionaler Tageszeitungen. Empirische Studie am Beispiel des Pressemarkts in Österreich.

Mitte der 90er-Jahren waren die Verlage mit 1:1 Übernahmen von Print für Online zufrieden. Heute geht es mehr um Themenmanagement, also wie Themen für verschiedene Verbreitungskanäle aufbereitet werden können. Dabei gibt es mit dem „Newsroom-Konzept“ und dem „Convergence Journalism“ neue Redaktionsorganisationen. Dabei ist eine komplementäre Strategie bei deutschen Verlagen am häufigsten zu beobachten. Damit ist gemeint, dass Print- und Onlineangebote sich innerhalb einer Markenfamilie präsentieren, deren Inhalte sich ergänzen bzw. miteinander verknüpft sind. Hindernisse bei dieser Strategie sind

  • logistische/technische
  • kulturelle/generationsbedingte
  • und fehlende Ressourcen (vgl. Stark; Kraus, 2008: S. 307) [ref]Stark, Birgit; Kraus, Daniela (2008): Crossmediale Strategien überregionaler Tageszeitungen. Empirische Studie am Beispiel des Pressemarkts in Österreich. In: Media Perspektiven (6), S. 307–317.[/ref]

„Synergien werden in erster Linie durch Mehrfachverwertung, durch gegenseitige Verweise und durch die Interaktivität des Webs erhofft.“ (ebd.: S. 307)

In ihrer Studie aus dem Jahre 2008 stellen Stark und Kraus fest, dass Redakteure noch immer eindeutig einer Print- oder Onlineredaktion zuordenbar sind. Die Idee von plattformübergreifenden Teams scheitert bereits an der personellen Ausstattung von Onlineredaktionen. So arbeite im Schnitt 10-20 Mitarbeiter im Onlinebereich. In den Printredaktionen gibt es dagegen zehn Mal mehr Mitarbeiter. Die Ausnahme bildet hier derstandard.at (vgl. ebd.: S. 309).

In ihrer inhaltsanalytischen Studie zeigen die beiden Autorinnen, dass es bei Online und Print zum Teil andere Ressorts gibt, aber sich die Themensetzung sehr ähneln. Exklusive Vorabthemen im Internet sind weiterhin die Ausnahme und der Austausch zwischen Print und Online funktioniert noch unzureichend. Es ist sogar so, dass die Printredakteure ungern die eigene Webseite als Quelle nennen. Bei den Printredakteuren steigt die Bereitschaft für Online, wenn ein eigener Blog für Sie aufgesetzt wird. Vom Content-Fluss her gibt es noch immer eine eindeutige Stromrichtung von Print zu Online. (vgl. ebd.: S. 310f)

Zur Vernetzung

Laut Kraus und Stark gibt es keine medienübergreifende Vernetzung bei den österreichischen Verlagen. Crossmediale Vernetzung gibt es da nur im Servicebereich oder bei Promotion-Projekte. Dabei ist die Abstimmung über Querverweise bereits mehr oder weniger institutionalisiert, doch gilt die Umsetzung bei den Journalisten als aufwendig. „Full-Convergence“ ist daher kein Thema, sondern vielmehr Kommunikations- und Koordinationsmaßnahmen der voneinander unabhängig tätigen Redaktionen. Das umfangreichste Newsroom-Konzept hat die Zeitung Österreich umgesetzt. Auf rund 2.400 Quadratmetern kreisförmigen Newsroom arbeiten 150 Personen auf einer Ebene. Allerdings bildet auch hier die Onlineredaktion eine eigene Abteilung.

Es kann daher festgestellt werden, dass bimediales Arbeiten weiterhin die Ausnahme ist. Redakteure die für beide Plattformen arbeiten sind selten und das Engagement dazu wird auch nicht gefördert. Allerdings gehen die Online-CvD zur gemeinsamen Konferenz mit Ressortleitern und Chefredakteuren. Trotzdem besteht die Aufgabe der Onlineplattform weiterhin darin die News schnellstmöglich zu verbreiten sowie der Mehrfachverwertung von Print-Inhalten. (vgl. ebd.: S. 314ff)

Stefan_WeberPlagiatsjäger und Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber hat 2006 eine Studie über Österreichs Journalisten für das Kuratorium für Journalistenausbildung herausgebracht. Die wichtigsten Ergebnisse sind:

  • Im Journalismus gibt es mehr weibliche denn männliche Berufseinsteiger
  • Printjournalisten sehen sich mit gestiegenen Zeitdruck, Stress und einer Informationsflut konfrontiert
  • Die Themenfindung, Recherche und das Schreiben macht trotzdem noch mehr als die Hälfte der täglichen Arbeitszeit aus
  • Bei der Weiterbildung werden kernjournalistische den technischen Schwerpunkte vorgezogen
  • Google gewinnt bei der täglichen Arbeit an Relevanz, die Buchrecherche verliert dagegen
  • 38,2 % der Printjournalisten holen sich zumindest manchmal Infos von Blogs. (vgl. Weber, 2006: S. 7f) [ref]Weber, Stefan (2006): So arbeiten Österreichs Journalisten für Zeitungen und Zeitschriften. Salzburg: Ja Kuratorium für Journalistenausbildung (Schriftenreihe Journalistik, 18).[/ref]
Mehrfachverwertung von Inhalten

Bei österreichischen Verlagen beschränkt sich die Mehrfachverwertung von journalistischen Inhalten auf Print und Online. Nicht so in Deutschland, wo zum Beispiel der Spiegel mit Spiegel TV oder der Stern mit Stern TV eigene TV-Sendungen produzieren (vgl. ebd.: S. 21). Interessant sind die Ergebnisse hinsichtlich des Umganges von Printjournalisten mit dem verlagseigenen Onlinemedium:

  • Jeder Siebte arbeitet für die Online-Redaktion
  • Jeder Dritte hat Zugrifft auf die Webseite des eigenen Verlages
  • und 70,7 % der befragten Journalisten liefern Text und/oder Bilder für Online ab (vgl. ebd.: S. 23)

Daher sieht Weber einen „(…) Trend zu einer Bimedialisierung des Printjournalismus.“ (Weber, 2006: S. 23) Bei der „Print-Online-Konvertierung“, wie es Weber nennt, sind folgende Strategien zu unterscheiden:

  • reine Kopie
  • erweiterte Online-Ausgabe
  • reduzierte Online-Ausgabe
  • strukturell und inhaltlich Unterscheidung (w.z.B. bei der Kronen Zeitung) ( vgl. ebd.: S. 23f)

Der Umgang mit neuen Techniken scheint bereits 2006 sehr etabliert gewesen zu sein:

  • Dreiviertel der Journalisten arbeiten zumindest manchmal mit Photoshop & Co.
  • die Hälfte layoutiert manchmal selbst
  • und ein Viertel arbeitet manchmal mit „Webprogrammiersprachen“ [sic!] wie HTML. [ref]Anm.: HTML gilt technisch nicht als „Programmiersprache“ sondern als Auszeichnungssprache.[/ref] (vgl. ebd.: S. 26)

Weber stellt die These auf, dass es aufgrund steigenden wirtschaftlichen Drucks zu einer Entgrenzung der Berufsrollen in den Redaktionen kommt (vgl. ebd.: S. 30). Wohin aber entgrenzt sich der Journalismus? Weber kritisiert den Dualismus von Entgrenzungserklärungen wie sie Neuberger aufgestellt hat mit „Fakten / Fiktion“, „öffentlich / privat“ usw. Er stellt eine neue Systematik  auf

  1. Entgrenzung von journalistischen Berufsrollen
  2. Entgrenzung von redaktionellen Binnedifferenzierungen
  3. Entgrenzung der mediensysteminternen Organisation
  4. Entgrenzung des journalistischen Produktes
  5. Entgrenzung der Technik
  6. Entgrenzung zur systemexternen Umwelt (vgl. ebd. S. 32)

Entgrenzungen erklärt

1. Journalistische Berufsrollen: Journalisten übernehmen heute zusätzliche Aufgaben (PR-Texter, Anzeigenverkäufer, etc.) und umgekehrt übernehmen andere journalistische Aufgaben. (z.B. der PR-Texter, der etwa eine bezahlte Magazinbeilage journalistisch aufbereitet) (vgl. ebd.: S. 32f) Die „Proams“ nehmen zu. Das sind professionelle Amateure, die nicht alleine von der journalistischen Arbeit leben können und zusätzlich Geld etwa in der PR verdienen.

2. Entgrenzung der redaktionellen Binnendifferenzierungen und 3. Entgrenzung der mediensysteminterne Organisation: Die Ressortgrenzen lösen sich auf. Jeder zweite Printjournalist gibt an, dass es (vor allem bei Großereignissen) zu einer ressortübergreifenden Berichterstattung kommen kann. Und wenn ressortübergreifend berichtet wird, dann arbeiten 62,80 % auch in einem ressortübergreifenden Team. Es entstehen außerdem neue Ressorts wie zum Beispiel Technik und Web und neue journalistische Themen wie Mode oder Erotik (vgl. ebd.: S. 35).

4. Entgrenzung des journalistischen Produktes. Laut Weber steigt der Einfluss auf die PR: 60,8 % der Journalisten geben an, dass die Berichterstattung zumindest manchmal mit PR oder einem Inserat korrespondiert (vgl. ebd.: S. 38).

5.  Entgrenzung der Technik. Journalisten übernehmen Layoutierung, Lektorat und Bildbearbeitung.

6. Entgrenzung zur systemexterne Umwelt. Auch der Einfluss der Werbewirtschaft steigt. Zwei Drittel der befragten Printjournalisten hatten schon mal einen Interessenskonflikt mit der Anzeigenabteilung. (vgl. ebd.: S. 42f)

PublizistikIn einem spannenden Beitrag für die Fachzeitschrift Publizistik beschäftigt sich Wiebke Loosen (2005) mit der „medialen Entgrenzungsfähigkeit journalistischer Arbeitsprozesse: Synergien zwischen Print-, TV- und Online-Redaktionen.“ Um was geht es in ihrem Aufsatz konkret?

Laut der deutschen Kommunikationswissenschaftlerin ist eine medienneutrale Produktionsweise ein lang gehegter Traum der Verleger. Bereits in den 80er-Jahren bestand die Idee, Inhalte zeitgleich für TV, Radio und Zeitung aufzubereiten. Diese „Amalgamierung“ der Inhalte wurde aber skeptisch gesehen. Vor allem, weil sich dadurch allein die Inhalte durchsetzen könnten, die mehrfach verwertbar sind. (vgl. Lossen, 2005: S. 304) [ref]Loosen, Wiebke (2005): Zur »medialen Entgrenzungsfähigkeit« journalistischer Arbeitsprozesse: Synergien zwischen Print-, TV- und Online-Redaktionen. In: Publizistik 50 (3), S. 304–319.[/ref]

Derzeit kommt es zu einer „multimedialen Ausdifferenzierung“ journalistischer Medienmarken (vgl. ebd.: S. 305). Durch den technischen Fortschritt der Digitalisierung kommt es zur

  • technischen,
  • funktionalen,
  • ökonomischen,
  • regulativen
  • und rezeptiver Konvergenz.

Loosen zitiert Weischenberg, laut dem Journalismus dadurch immer weniger als ein fest umrissener, identifizierbarer Sinn- und Handlungszusammenhang beschreibbar ist. Es kommt zur Entgrenzung im Journalismus gegenüber der

  • Technik
  • Werbung
  • PR
  • Unterhaltung

Weitere Entgrenzungen können zwischen

  • Fakten / Fiktion
  • Massenkommunikation / Individualkommunikation
  • privat / öffentlich
  • online / offline

festgestellt werden. Diese Aufzählungen betreffen die funktionale Differenzierung. Damit ist die Differenzierung zwischen Journalismus und anderen Funktionssystemen zu verstehen. Davon zu unterscheiden ist die strukturelle Differenzierung, die sich wiederum innerhalb des Journalismus abspielt. (vgl. ebd.: S. 306f)

Empirische Untersuchung von Spiegel, Stern und Fokus

Loosen untersuchte empirisch das Online-, TV- und Print-Angebot der deutschen Zeitschriften Spiegel, Stern und Fokus. Die wichtigsten Ergebnisse der Inhaltsanalyse sind: Ein Viertel aller Beiträge sind Überschneidungsbeiträge, diese Beiträge kommen also mindestens in zwei Medientypen vor. Insgesamt überschneiden sich 67 % der Beiträge im TV mit dem eines anderen Mediums, 38 % im Print und 20 % Online. Dass Online am wenigsten Überschneidungen aufweist, liegt auch daran, dass hier am meisten Inhalte produziert werden (und das mit der kleinsten Redaktion!). 1:1-Übernahmen von Beiträgen machen allerdings nur 5 % der Gesamtanzahl aller untersuchten Beiträge aus. Es zeigt sich, dass es geregelte Verfahren hinsichtlich Zeitpunkt und Umfang der Übernahmen gibt. (vgl. ebd.: S. 311)

Nahezu 90 % aller Überschneidungen bestehen zwischen Print und Online, 6 % zwischen Online und TV und bei knapp 5 % der Fälle gibt es bei allen drei Medien eine Überschneidung. Überschneidungen zwischen Print und TV ohne Integration von Online kommt hingegen nicht vor (vgl. ebd.: S. 312).

Leitfadeninterviews

Wie aus den ebenfalls durchgeführten Leitfadeninterviews mit (stv.) Chefredakteuren und Chefs vom Dienst hervorgeht, sind personelle Wechsel für die Kooperationsbereitschaft zwischen den Medientypen sehr wichtig. Denn der Informationsaustausch und die Zusammenarbeit funktioniert weiterhin hauptsächlich über persönliche Kontakte, eine institutionelle Kooperationsverankerung ist nicht gegeben. Personelle Wechsel sind selten und wenn sie erfolgen, dann meist von der Print- zur Onlineredaktion (vgl. ebd.: S. 313ff). Alle Befragten sind sich einig, dass TV, Print und Online einfach anders funktionieren. Die Online-Redaktionen sind allerdings eher an einer Kooperation interessiert. Bei der technisch anspruchsvollen Mediengattung TV beschränken sich die Austauschprozesse eher auf vorgelagerte Tätigkeiten wie der Recherche oder dem Austausch von Kontakten und Quellen. Grundsätzlich scheint das Beharrungsvermögen journalistischer Routinen und Arbeitsprozesse das ökonomisch Gewünschte und technisch Machbare einzuschränken. Doch der Verlergertraum von den optimalen ökonomischen Funktionsprinzipien für eine medienneutrale Vermittlung ist deshalb noch lange nicht gestorben (vgl. S. 316f).

Atteslander-Buch

In diesem Artikel werden die Überprüfungsfragen von Kapitel II, Abschnitt 3, „Die Beobachtung“ aus Atteslanders Buch: „Methoden der empirischen Sozialforschung“ beantwortet.

1. Auf welche Aspekte soll bei einer Beschreibung des Beobachtungsfeldes eingegangen werden? Warum lässt sich das Beobachtungsfeld bei qualitativ orientierter Beobachtung nicht genau festlegen?

„Wo, wann und unter welchen Rahmenbedingungen wird beobachtet?“ (Atteslander, 2010: S. 80)[ref]Atteslander, Peter (2010): Methoden der empirischen Sozialforschung. 13. Aufl. Berlin: Schmidt. S. 71-176[/ref] Das Beobachtungsfeld lässt sich bei einer qualitativen Untersuchung nicht genau festschreiben, weil es sich im Lauf der Forschungsarbeit verändern kann.

 

2. Wie unterscheiden sich quantitative und qualitative Beobachtung im Hinblick auf mögliche Beobachterrollen?

Quantitative Beobachtung weist einen viel geringeren Partizipationsgrad auf als qualitative Beobachtung. (Forscherrolle vs. Teilnehmerrolle) (vgl. ebd.: S. 83f)

 

3. Bei welcher Form von Beobachtung kann es zu einem going native kommen und warum?

Das kann bei qualitativen Beobachtungen mit einer teilnehmenden Rolle der Fall sein. Dabei wird die Überidentifikation mit einer sozialen Gruppe durch eine starke Bindung zu einer Kontaktperson oder zu einem Schlüsselinformanten begünstigt. (vgl. ebd. S. 84)

 

4. Welche Vorgehensweise sollte bei einer strukturierten Beobachtung eingehalten werden und welche Nachteile bringt diese Vorgehensweise mit sich?

Bei der strukturierten Beobachtung wird vorab ein Schema definiert, nachdem die Beobachtung ablaufen soll. Es wird die Zahl und Art der Beobachtungseinheiten und deren Dimension definiert. Die haben auf Forschungshypothesen und trennscharfen Beobachtungskategorien zu basieren. Diese Kategorisierung muss während der Beobachtung vorgenommen werden und genau darin liegt der Nachteil: Es ist fraglich, ob tatsächlich trennscharf formuliert werden kann und ob in Sekundenschnelle der Beobachter die richtige Kategorie erwischt. Es besteht weiters die Gefahr des Ethnozentrismus. (vgl. ebd.: S. 87f)

 

5. Welche Stufen einer aktiven Teilnahme im Feld gibt es?

„Observer-as-participant“ (kleinere „Handreichungen), „participant-as-observer“ (in erster Linie Teilnehmer und nur in zweiter Beobachter) und „complete participant“ (völlige Identifikation mit dem Forschungsgegenstand). (vgl. ebd. S. 93)

 

6. Welche Bedeutung wird er qualitativ-teilnehmenden Beobachtung gegenwärtig in der empirischen Sozialforschung zugeschrieben? War das schon immer so und welche Entwicklungstendenzen zeichnen sich ab?

Derzeit nimmt die qualitativ-teilnehmenden Beobachtung eine untergeordnete Rolle in den Sozialwissenschaften ein. Das war nicht immer so, man denke nur an die Chicagoer Schule oder größere Forschungen in Großbritannien oder in der Ethnologie. Langsam erfährt die Beobachtung ein Revival in der Sozialforschung.

 

7. Was sind die zentralen Charakteristika der qualitativ-teilnehmenden Beobachtung und für welche typischen Anwendungsgebiete eignet sich diese Methode besonders gut?

Merkmale sind Offenheit, Explikation, Reflexivität und Prozesscharakter. Die Methode eignet sich ganz besonders, wenn keine Befragung möglich ist (z.B. bei Kleinkindern) oder es sich um komplexe und noch nicht erforschte Kulturen und Lebenswelten handelt (z.B. im kriminellen Milieu). (vgl. ebd.: S. 77ff)

8. Worin liegt die Notwendigkeit forschungsethischer Überlegungen begründet und welche ethischen Fragen stellen sich bei der Beobachtung?

Der Forscher ist gleichzeitig Teilnehmer und ist dadurch stark in das Leben seiner Forschungsobjekte involviert. Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung. Bei verdeckter Beobachtung müssen Grenzen definiert werden, etwa kann keine Straftat begangen werden, nur um Zugang zu Kriminellen zu bekommen. Ethische Fragen stellen sich etwa wie mit den aufgebauten Beziehungen nach Forschungende umzugehen ist oder wie stark in das Leben der Beobachteten eingegriffen werden darf.

 

Atteslander-BuchSoziologen, Politikwissenschaftler und Kommunikationswissenschaftler nutzen für ihre Forschung empirische Methoden. Einen der bekanntesten Lehrbücher dazu ist:

Atteslander, Peter (2010): Methoden der empirischen Sozialforschung. 13. Aufl. Berlin: Schmidt.

Am Ende jedes Kapitels stellt Atteslander „Anregung zur Selbstkontrolle für die aktiven Leser“. Die Fragen für Kapitel 1 und Kapitel 2 möchte ich in diesem Blogbeitrag beantworten.

Kapitel 1: Entstehung sozialer Daten. (5 Fragen)

1. Wie lauten die drei Grundfragen der empirischen Sozialforschung?

Was? Warum? Wie? Was umfasst die „Spezifizierung des Untersuchungsgegenstandes“, Warum umfasst den „Entstehungs- und Verwertungszusammenhang“ und Wie umfasst die Erhebung und Auswertung von sozialen Daten. (vgl. Atteslander, 2010: S. 4)[ref]Atteslander, Peter (2010): Methoden der empirischen Sozialforschung. 13. Aufl. Berlin: Schmidt. S. 1-67[/ref]

2. Was unterscheidet Empirie von Empirismus?

Empirische Forschung muss valide, reliabel und intersubjektiv nochvollziehbar sein. Validität (Gültigkeit) meint, dass exakt das gemessen wird, was auch gemessen werden soll. Reliabilität meint, dass die Forschung unter gleichen Bedingungen wiederholbare Ergebnisse produziert und intersubjektiv meint, dass die Ergebnisse unabhängig von der Person des Forschers (re)produziert werden können. Empirismus erfüllt eine oder mehrere dieser drei Anforderungen nicht. Empirismus ist das Ignorieren von theoriegeleitetem Forschen. (vgl. ebd.: S. 6)

3. Welches bis heute ungelöste Problem ist schon bei den Pionieren der empirischen Sozialforschung zu beobachten?

Die „Verselbstständigung“ der Methoden ist ein ungelöstes Problem. „Nicht die Verwendbarkeit von Methoden darf über das Ausmaß ihrer Anwendung entscheiden, sondern lediglich Forschungsziel und Forschungslogik.“ (Atteslander, 2010: S. 12) Damit ist gemeint, dass Forschungsmethoden immer durch Erfassen sozialer Wirklichkeit eine Theorie überprüfen müssen. Wenn dieses Prinzip nicht eingehalten wird, dann ergeben sich Fehler wie bei Quetelet und Le Play. Quetelet erfasste um 1835 quantitativ alle möglichen Daten über Menschen und wollte damit zu einer Gesellschaftstheorie kommen. Umgekehrt sammelte Le Play um 1855 so viele Details wie möglich in Familienbiografien, wobei Le Play nur das gesellschaftlich wahrnahm, was er bereits zuvor theoretisch postuliert hatte. (vgl. ebd.: S. 9ff)

4. Welchen Bedingungen unterliegen Darstellungen sozialer Daten, die der empirischen Sozialforschung entstammen?

Bei Darstellung von Daten aus der empirischen Sozialforschung muss geklärt sein,

  • in welcher Situation und mit welchem Ziel die Forschung entstanden ist,
  • welche theoretischen Grundannahmen empirisch geprüft wurden,
  • welche Hinweise zum Operationalisierungsvorgang vorliegen
  • und in welchem Zusammenhang die Daten stehen. (vgl. ebd.: S. 18)
5. Wodurch lässt sich das wachsende Bedürfnis nach empirischen sozialwissenschaftlichen Analysen erklären?

Gerade in Markt- und Meinungsforschung (Demoskopie) wird viel Geld investiert. Das liegt an einer komplexen Welt, in der die soziale Umwelt rein subjektiv immer schwerer fassbar wird und sich zwangsläufig erklärungsbedürftige Fragen/Probleme auftun.

KAPITEL 2: Forschungsablauf (7 Fragen)

1. Welche Kriterien erweisen sich bei der Problembenennung als sinnvoll?
  • Auf welchen Ausschnitt der sozialen Wirklichkeit beziehen wir uns?
  • Welche Zeit bzw. welche örtlichen Bereichen werden erfasst?
  • Stehen Einzelfragen oder umfassend Ursachen und Folgen im Vordergrund?
  • In welchen weiteren Zusammenhängen soll geforscht werden? (welche Wissenschaften beschäftigen sich noch mit dem Problem?)
  • Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse liegen bereits vor?
2. Welche Funktionen haben Theorien?

Jede (sozialwissenschaftliche) Theorie ist ein System logisch widerspruchsfreier Aussagen über soziale Phänomene. Eine sozialwissenschaftliche Theorie soll also eine Ausschnitt der sozialen Wirklichkeit erklären oder Prognosen für die Zukunft erstellen.

3. In welchem Verhältnis stehen Grundlagenforschung und Bedarfsforschung zueinander?

Beide ergänzen sich. Bedarfsforschung will mittels empirischer Sozialforschung praktische Handlungsanweisungen geben. Ohne Grundlagenforschung ist das undenkbar, genauso wie sich Grundlagenforschung nicht der konkreten Anwendung entziehen soll. (vgl. ebd.: S. 58)

4. Wodurch unterscheiden sich quantitative und qualitative Methoden?

Quantitative Methoden erklären, sind deduktiv, messen, basieren auf Stichproben und sind Hypothesen prüfend. Qualitative Methoden versuchen zu verstehen, sind induktiv, beschreibend, basieren auf Einzelfälle und sind Hypothesen generierend.

5. Welches sind die hauptsächlichen Merkmale repräsentativer, welches die explorativer Untersuchungen?

Bei explorativen Untersuchungen bestehen lediglich vage Vorstellungen über theoretische Zusammenhänge. „Einzelne Hypothesen können als vorläufige Aussagen explorativen Tests unterzogen werden.“ (ebd.: S. 37) Es geht darum, die Bedingungen für die Überprüfung von Hypothesen auszuloten. Repräsentative Untersuchungen prüfen Hypothesen empirisch und lassen Aussagen über eine bestimmte Grundgesamtheit zu.

6. Was bedeutet die Aussage, Operationalisierung sei ein Übersetzungsvorgang?

„Die Überprüfung von Hypothesen an der sozialen Wirklichkeit setzt einen Übersetzungsvorgang in Forschungsoperationen voraus, die Operationalisierung.“ (ebd.: S. 46)

7. Wovon hängen Vor- und Nachteile unterschiedlicher Forschungsstrategien ab, und welche Forderungen ergeben sich ganz allgemein aus solchen Abhängigkeiten?

Explorative Forschung (Fallstudien, Aktionsforschung) erfassen qualitative Aspekte und es können soziale Prozesse detailliert erforscht werden. Nachteile sind fehlende Repräsentativität und schwierige Übertragbarkeit der Befunde, mögliche Beeinflussung des Forschers sowie ein stark begrenzter Objektbereich.

Experimentelles Vorgehen (Labor, Feldexperiment) zeichnen sich durch hohe Kontrollierbarkeit und detaillierte Daten aus. Es können Zusammenhänge kausal erklärt werden und die Test sind wiederholbar. Dagegen gibt es keine statistische Repräsentativität und komplexe gesellschaftliche Gegebenheiten können nicht erklärt werden, außerdem ist die Forschung sehr personalintensiv.

Repräsentatives Vorgehen: Bei Querschnitt-Analyse können eine Vielzahl von Variablen abgefragt werden und die Methode ist kostengünstig und repräsentativ. Allerdings ist die Geltung der Ergebnisse zeitlich begrenzt und nur es sind nur begrenzt Details abfragbar. Mit Längsschnitt-Analysen kann ein Wandel erfasst werden und die Verwendung von Kontrollgruppen ist möglich. Nachteil einer solchen Forschung ist die schwierige Rekrutierung für Panelausfälle. Bei Trend-Analysen ist die Darstellung von zahlreichen unabhängigen Variablen möglich, allerdings ist die Kontrolle der Befunde problematisch. (vgl. ebd.: S. 61)

Daraus ergibt sich die Forderung, dass das Forschungsdesign sich immer nach Ziel und vorhandenen Mittel richten muss. Auch eine Kombination von Forschungsmethoden ist denkbar.