Rezension: tb_B1-Kepplinger_18470-8-13Kepplinger, Hans Mathias (2011): Journalismus als Beruf. 1. Aufl. Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwiss. ISBN: 978-3-531-18470-8

Der bekannte Kommunikationswissenschafter Hans Mathias Kepplinger leitet sein Buch Journalismus als Beruf mit einer geschichtlichen Darstellung ein. Demnach hat sich der Journalismus im 19. Jahrhundert von einer Nebentätigkeit zu einem Ganztagesberuf entwickelt. Genau dieses Profil verliert im 21. Jahrhundert aufgrund von Internet und Bloggern wieder an Schärfe. Ohne es ausdrücklich zu nennen, spricht Kepplinger damit die Medienkonvergenz an, indem er die verschwimmenden Berufsprofile von Presse-, Hörfunk- und Fernsehjournalisten anspricht. (vgl. Kepplinger, 2011: S. 7)[ref]Kepplinger, Hans Mathias (2011): Journalismus als Beruf. 1. Aufl. Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwiss.[/ref]

Kepplinger beschäftigt sich in seinen Forschungen stark mit Medienwirkungen auf Individuen. Es ist deshalb überraschend, dass er im Buch Journalismus als Beruf mit einem systemtheoretischen Ansatz startet. Demnach ist Journalismus ein Subsystem der Gesellschaft und wie jedes andere System versucht auch der Journalismus vollständige Autonomie zu erhalten und sich selbst aufzuwerten. Genau das passiert aber immer auf Kosten eines anderen Systems.
Ein System kann immer als Akteurs- oder als Regelsystem begriffen werden. Letzteres meint die Fokussierung auf die Normen innerhalb eines Systems und ersteres auf die in diesem System tätigen Menschen (vgl. ebd.: S. 9). Kepplinger gibt zu bedenken, dass sich heute alle anderen gesellschaftlichen Subysteme den Erfolgsbedingungen der Medien anpassen müssen. Diese Logik wird auch gerne als Medialisierung [der Gesellschaft, Anm. d. Verf.] bezeichnet. Ein Spezifikum des Journalismus ist laut Kepplinger, dass keine Ziele des beruflichen Handelns und allgemeine anerkannte Normen existieren (vgl. ebd. S. 13).

Kepplinger widmet sich dann den methodischen Möglichkeiten der Kommunikationsforschung. Am häufigsten werden in der Kommunikationswissenschaft Befragungen angewendet. Feldexperimente wären zwar sehr erkenntnisbringend, sind aber nicht umsetzbar, weil man die experimentellen Faktoren nicht manipulieren kann. Eine gangbare Alternative sind Quasi-Feldexperimente (vgl. ebd.: S. 16). Anschließend nennt Kepplinger wichtige Theorien, die Ursachen, Wirkungen und Funktionsweise des Journalismus erklären können:

  • die vergleichende Staats- und Rechtstheorie
  • die Entwicklungs- und Dependenztheorie (Abhängigkeiten von Entwicklungsländern von den westlichen Staaten)
  • die Systemtheorie
  • die Theorie der öffentlichen Meinung
  • die Wettbewerbstheorie
  • die Organisationstheorie
  • die Bezugsgruppentheorie
  • die Rollentheorie
  • der Attributionstheorie
  • die Konsistenztheorie und die
  • Nachrichtenwerttheorie (Kepplinger, 2011: S. 17)
Rollenkonflikte im Journalismus

In einem späteren Kapitel geht Kepplinger auf mögliche Rollenkonflikte ein. An Journalisten werden formelle und informelle Verhaltenserwartungen gestellt. Ersteres sind berufsspezifische Standards wie Presserecht, Pressekodex und ähnliches und zweiteres betreffen Kleidungsstil oder auch das Auftreten (vgl. ebd.: S. 41). Die Außenwelt hat viele Erwartungen an die Journalisten. Manche davon sind konsistente Rollenerwartungen, passen also zueinander, andere Rollenerwartungen sind dagegen inkonsistent. Dadurch ergeben sich Intra-Rollenkonflikte. So sollen Journalisten

  • schnell aber auch sorgfältig arbeiten
  • umfassend informieren, aber auch die Privatsphäre respektieren
  • sachlich informieren, aber auch vor Fehlentwicklungen warnen
  • die Relevanz des Geschehenes würdigen, aber auch an die Interessen der Rezipienten denken
  • bei der Berichterstattung nur journalistische Auswahlkriterien gelten lassen, aber auch die wirtschaftlichen Belange der Verlage beachten (vgl. ebd.: S. 42).

Nach Kepplinger sind Rollenselbstbilder normative Selbstwahrnehmungen. So kann sich der Journalist etwa als Investigativjournalist, Kritiker von Missständen oder als neutraler Berichterstatter sehen. Interne Rollenkonflikte werden wiederum dann ausgelöst, wenn die persönlichen Erwartungen eines Journalisten mit den an ihn gestellten externen Faktoren nicht zusammenpassen (vgl. ebd.: S. 44).

Nachrichtenwerttheorie

Einen Gutteil des Buches beschäftigt sich Kepplinger mit den Schwächen der Nachrichtenwerttheorie. So stellt er fest, dass die Nachrichtenfaktoren abhängig vom gesellschaftlichen Wandel sind. (Nachrichtenfaktoren sind gegebene Ereignismerkmale, die den Nachrichtenwert bestimmen.) Das wird gerade bei Umweltthemen deutlich, die heute viel mehr Aufmerksamkeit genießen als früher, obwohl etwa die Nachrichtenfaktoren Schaden oder Aktualität unverändert blieben. Demnach ist die Nachrichtenwerttheorie nicht, wie oft postuliert, eine zeit-, raum- und kontextunabhängige Theorie. Außerdem haben Nachrichtenfaktoren einen gattungsspezifisch unterschiedlichen Nachrichtenwert, man denke nur an die Nachrichtenauswahl von einer Boulevardzeitung versus einer Qualitätszeitung (vgl. ebd.: S. 61ff).

Ethik im Journalismus

Im Kapitel „Rationalität und Ethik im Journalismus“ bedient sich Kepplinger der bekannten Definition der ethischen Verhaltensweisen nach Max Weber. Demnach können Menschen zweckrational oder wertrational handeln. Zweckrational wird dann gehandelt, wenn Zweck und Mittel und deren Folgen miteinander abgewogen werden. Beim wertrationalen Handeln wird dagegen keine Rücksicht auf die Folgen genommen. Des Weiteren kann zwischen verantwortungsethisch und gesinnungsethisch unterschieden werden. Gesinnungsethik orientiert sich nach bestimmten (unveränderlichen) Normen während Verantwortungsethik die möglichen Auswirkungen einer Handlung abwägen (vgl. ebd.: S. 177ff).

Journalismus als Profession

Als letzten großen Abschnitt im Buch wird der Journalismus als Profession behandelt. Laut Kepplinger befindet sich der Journalismus in einer Professionalisierungsphase, aber es ist zweifelhaft ob Journalismus bereits als Profession gelten kann (vgl. ebd.: S. 227). Kepplinger erwähnt Schumpeter, der zwischen freien und intellektuellen Berufe unterschieden hat. Intellektuelle hantieren mit der Macht des geschriebenen oder gesprochenen Wortes, haben aber keine direkte Verantwortlichkeit für praktische Dinge. Beim Journalismus wird Kritik zum Beruf, wobei Journalisten über Themen sprechen, über die ihnen die praktische Kompetenz fehlt (vgl. ebd. S. 231ff).

Ausführlich beschäftigt sich Kepplinger mit Berufsnormen. Berufsnormen sollen

  • den internen Wettbewerb sowie
  • ungerechtfertigte Laienkritik und Laienerwartungen eindämmen.

Das Aktualitätsgebot im Journalismus hebelt dieses Prinzip aber aus. Denn oft werden die Berufsnormen von Journalisten übergangen, wenn es darum geht möglichst schnell eine Nachricht zu publizieren (vgl. ebd.: S. 239f). Aufgrund der Art der Berufsausbildung und die Art des Berufszuganges ist für Kepplinger der Journalismus keine Profession (vgl. ebd.: S. 245). Für mich persönlich ist es allerdings eine leidliche Diskussion, ob Journalismus nun als Profession zu gelten hat oder nicht. Der Begriff Profession birgt wenig Erkenntnisgewinn und kann auch empirisch nicht sinnvoll eingesetzt werden. Warum wird streng an der Definition festgehalten, wonach eine Profession ein (1) Ganztagesberuf sein muss, (2) spezielle Ausbildungen notwendig sind, (3) nationale und/oder internationale Berufsverbände bestehen müssen, (4) es eine spezifische Berufsethik geben muss genauso wie (5) ein Berufsmonopol durch den Staat? (Kepplinger nennt noch eine spezifische Fachterminologie bzw. Fachsprache als weiteres Merkmal.) Abgesehen von der fehlenden Akademisierung müsste demnach auch das Schornsteinfegergewerbe als Profession zählen. Der Beruf eines IT-Technikers darf wiederum nicht als Profession zählen, denn hier gibt es kein Berufsmonopol und selbst eine Ausbildung ist nicht zwingend vorgegeben. Wer beweist, dass er programmieren kann, wird den Job erhalten. IT-Berufe sind aber eine hoch komplexe Tätigkeit mit eigener Fachsprache und oft braucht es einen jahrelangen Lernprozess um sich die notwendigen Kenntnisse anzueignen

Was sagt es uns also genau, wenn ein Beruf als Profession bezeichnet wird? Wie gehaltvoll ist der Erklärungswert dieses Begriffes tatsächlich? Für klassische Berufe wie Arzt oder Jurist passt die Definition zwar, aber für die heutige moderne und diversifizierte Berufs- und Arbeitswelt ist sie unbrauchbar. Beruf als Bezeichnung für die Arbeitstätigkeit einer Person reicht völlig aus.

Yeah. Meine Magisterarbeit  ist bereits benotet und damit muss nur noch eine Hürde überwunden werden: Die Magisterprüfung Ende Juni. In Publizistik- und Kommunikationswissenschaft macht man sich vorab mit seinem Diplomarbeitsbetreuer eine Literaturliste aus, die allerlei wissenschaftlichen Aufsätzen und Büchern enthält. Das Ganze kann dann bei der mündlichen Magisterprüfung abgefragt werden. Nachdem die große Menge an Lernstoff organisiert sein will, schreiben die meisten Studenten für sich selbst Kurzzusammenfassungen. Ich finde es schade, dass so viele hart erarbeitete Zusammenfassungen in studentischen Schubläden versauern. Warum also nicht gleich die Arbeit mit dem Vergnügen verbinden und nacheinander die Zusammenfassungen bloggen und mit ein paar eigenen Gedanken versehen? 😉 Und vielleicht hilft das ja dem ein oder anderen Publizistikstudenten oder solche die es kunczikzipfel_publizistiknoch werden wollen. Los geht es mit einem echten Klassiker:

Kunczik, Michael; Zipfel, Astrid (2005): Publizistik. 2. Aufl. Köln: Böhlau Verlag. Teil III – JOURNALISMUS; Kapitel 1-5. (S.129-187)

Es geht also um die Journalismusforschung. Das Buch ist schon acht Jahre alt. Bei der Zusammenfassung konzentriere ich mich deshalb ganz bewusst auf allgemeinere Aussagen und weniger auf Studienergebnisse. Der erste Abschnitt beschäftigt sich mit „Journalisten und ihr Berufsfeld“. Dabei stellen Michael Kunczik und Astrid Zipfel fest, dass sich das Wort „Journalismus‘ vom französischem „le jour“ ableitet, was wiederum „der Tag“ meint. (vgl. Kunczik; Zipfel, 2005: S. 129) [ref]Kunczik, Michael; Zipfel, Astrid (2005): Publizistik. 2. Aufl. Köln: Böhlau Verlag.[/ref] Die beiden Autoren diagnostizieren einen Wandel vom „Begabungs- zum Ausbildungs- und Qualifikationsberuf“. Gott sei Dank möchte ich anfügen! Was aber unterscheidet nun eigentlich Öffentlichkeitsarbeit von Journalismus? Leichte Antwort: Public Relations ist die Selbstdarstellung von Institutionen, Unternehmen, Politikern und anderen Persönlichkeiten in der Öffentlichkeit und Journalismus deren Fremddarstellung. (vgl. ebd.: S. 130)

Journalist ist aber nicht gleich Journalist. Denn es gibt neben den fix angestellten Journalisten auch nebenberufliche und freie Journalisten. Nebenberuflich sind Journalisten dann, wenn die journalistischen Tätigkeiten alleine nicht für den Lebensunterhalt sorgen und man noch einem anderen Beruf nachgeht. Die Arbeit der freien Journalisten wird auf Honorarbasis vergütet. Dann gibt es noch so Spielarten wie „Feste Freie“ oder Pauschalisten. Es ist schon lange keine Geheimnis mehr, dass sich der Journalismus derzeit stark verändert. Das liegt vor allem an den Neuen Medien. Es können drei Auswirkungen der Neuen Medien unterschieden werden:

  1. Neue Arbeitsmittel (Google & Co.)
  2. neue Gegenstände der Berichterstattung (z.B. Fachzeitschriften wie e-media oder neue Rubriken in den Zeitungen)
  3. und neue journalistische Produkte. (z.B. e-paper) (vgl. ebd.: S. 134)

In dem Zusammenhang diskutieren die beiden Autoren auch die Frage, ob durch die Neuen Medien die journalistische Funktion des „Gatekeepers“ unnötig wird. Kunczik und Zipfel meinen, dass Journalisten in Zukunft verstärkt die nutzerfreundliche Aufbereitung und Selektion der Information gewährleisten. Stichwörter dazu: Journalisten als „Pfadfinder“, „Navigatoren“ oder „Lotsen“ (vgl. ebd.: S. 134) Ich denke allerdings, dass genau das heute nicht mehr zutrifft. Diese Orientierung schafft Googles Algorithmus oder der „intelligente Schwarm“ besser.

In den Neuen Medien gibt es keine klassische Periodizität mehr, daher werden neue Arbeitsabläufe wie etwa 24/7-besetzte Redaktionen notwendig. Auch neu: Zunehmend sind medienübergreifende Erfahrungen gefragt und es bilden sich neue Berufsprofile. (vgl. ebd.: S. 135f)

Historische Aspekte
Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit der Geschichte des Journalismus. Dieter Paul Baumert (1928) unterscheidet folgende vier Phasen des Journalismus in Deutschland:

  • präjournalistische Phase (ab ca. 1500)
  • korrespondierender Journalismus (16. bis Mitte des 18. Jhdt.)
  • schriftstellerischer Journalismus (Mitte des 18. bis Mitte des 19. Jhdt.)
  • redaktioneller Journalismus (seit Mitte des 19. Jhdt.) (vgl. Kunczik; Zipfel, 2005: S. 137f)

Vorfahren der Journalisten waren demnach die im Mittelalter umher reisenden Sänger, Sendboten sowie Stadtschreiber. Die ersten kontinuierlich schreibenden Journalisten waren Korrespondenten der Fürsten, Reichsstädte und Handelshäuser. Doch die vier Merkmale einer modernen Zeitungen waren damit noch lange nicht erfüllt:

  • Publizität
  • Aktualität
  • Universalität
  • und Periodizität

Zwischen dem 15. und Anfang des 17. Jahrhunderts gab es Einblattdrucke (verschieden Mitteilungen), Neue Zeitungen (zu einem einzelnen großen Ereignis), Flugblätter und Flugschriften. Die ersten regelmäßigen Zeitungen gab es dann im ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts. Durch die zunehmende Arbeitsteilung entstanden differenzierte Märkte, die wiederum mittels Anzeigen bedient werden mussten. Der Journalismus Ende des 18. Jahrhunderts war stark von der Aufklärung und der französischen Revolution geprägt. Übrigens wurde auch schon damals die schlechte Bezahlung der Journalisten beklagt. Wobei Untersuchungen sehr wohl zeigen, dass das Journalistengehalt dem anderer bürgerlicher Berufe ebenbürtig war. (vgl. ebd.: S. 139f)

So eine Art Geburtshelfer der Kommunikationswissenschaft war der Soziologe Max Weber, der 1910 beim Ersten Deutschen Soziologentag eine „Soziologie des Zeitungswesens“ forderte. Karl Bücher gründete dann 1916 in Leipzig das erste „Institut der Zeitungskunde“. (vgl. ebd.: S. 141)

Sozialprestige
Der dritte Abschnitt im Einführungsbuch zu Publizistik von Kunczik und Zipfel behandelt das Ansehen der Journalisten. Dieses war schon von jeher negativ oder zumindest ambivalent. Da wurde schon im 19. Jahrhundert über die (angebliche) Geldgier der Verleger und Journalisten geschrieben und in der Neuzeit kennt man ja das Bild des rauchenden und saufenden Journalisten aus Fernsehen und Belletristik. (vgl. ebd. S. 149f)

Journalismus als Profession
Im vierten Abschnitt geht es um den Beruf Journalismus. Der (auch umstrittene) Begriff der Profession wird für einen Beruf verwendet, wenn es sich um

  1. einen Ganztagesberuf handelt,
  2. es dazu eigene Ausbildungen
  3. und Berufsverbände gibt,
  4. und ein Berufsmonopol durch den Staat
  5. sowie eine spezifische Berufsethik existiert.

Bis auf Nummer 4 sind alle Merkmale im Journalismus erfüllt. Es gibt zwar in einigen Ländern ein staatliches Berufsmonopol im Journalismus, nicht aber in Deutschland oder Österreich. Auf ein Berufsmonopol wird in Hinblick auf die Meinungs- und Pressefreiheit verzichtet. (vgl. ebd.: S. 152)

Journalismus ist beliebt. Kunczik und Zipfel sehen einen großen Anziehungspunkt für den Journalismus in der autonomen Arbeitsweise. Umfragen zeigen, dass genau das Journalisten an ihrem Beruf schätzen! Und wie wird man nun Journalist? In Österreich führt der Weg in den Journalismus meist (und ich sage fast ausschließlich!) über Volontariate und Praktika. (vgl. ebd.: S. 159)

Nach Esser wirken vier Einflusssphären auf den Journalismus:

  1. Subjektsphäre (Individualebene)
  2. Institutionssphäre (Organisationsebene)
  3. Medienstruktursphäre (rechtlich-normative und ökonomische Ebene)
  4. Gesellschaftssphäre (historisch-kulturelle Ebene)

Die Auffassungen der Journalisten zu ihrem Beruf lässt sich grob in ein Gegensatzpaar teilen: dem neutralen, objektiven Journalismusverständnis versus dem anwaltschaftlichen Journalismusverständnis (Journalismus als vierte Gewalt im Staat). Oder mit anderen Worten beschrieben: Informations- versus Meinungsjournalismus (vgl. Kunczik; Zipfel, 2005: S. 163)

Natürlich können die Journalismusarten noch viel genauer kategorisiert werden:

  • investigativer Journalismus (z.B. Florian Klenk, Kurt Kuch, Ulla Kramar-Schmid und Michael Nikbakshs)
  • Civic Journalism (auch Public Journalism  oder Community Journalism genannt – Einbindungen von Bürgern in das lokale Medium. Ich finde das BezirksBlatt macht das recht gut.)
  • Development Journalism (in Entwicklungsländern)
  • pädagogischer Journalismus
  • Pfadfinder
  • Präzisionsjournalismus (sozialwissenschaftliche Methoden im Journalismus anwenden, Dossier.at macht das hervorragend)
  • New Journalism (z.B. Hunter S. Thompson)
  • literarischer Journalismus
  • Unterhaltungsjournalismus
  • Thesenjournalismus
  • Protokoll- und Verlautbarungsjournalismus (darunter fällt der Journalismus in der DDR) (vgl. ebd.: S. 164ff)

Was noch interessant ist, ist die vergleichsweise geringe Arbeitsteilung und Rollendifferenzierung in deutschen (und österreichischen) Redaktionen. In britischen Redaktionsstuben gibt es etwa

  • Reporter (recherchiert Themen)
  • News Editor (begutachtet die Meldung)
  • Copy Taster (entscheidet welche Meldungen weiterverarbeitet werden)
  • Chief Sub-Editor (entscheidet mit der Chefredaktion, welche Meldungen veröffentlicht werden und wie der Seitenspiegel aussieht)
  • Page Planner macht das Feinlayout
  • Copy Sub-Editor redigiert
  • Revise Sub-Editor überprüft die Arbeit des Copy Sub-Editor
  • der Production Editor prüft auf technische Layoutfehler und inhaltliche Widersprüche
  • der Stone Sub-Editor liest Korrektur
  • und der Chefredakteur kann abschließend noch Korrekturwünsche an den Executive Chef Sub-Editor schicken (vgl. ebd.: S. 181f)

In Deutschland und Österreich erledigt eine Person fast alle der genannten Tätigkeiten. In angelsächsischen Ländern gibt der Journalist also seine Arbeit ab und mit dem Endprodukt hat er meist nicht mehr viel zu tun. Genau das ist in Deutschland und Österreich undenkbar. Da klagt auch ein Journalisten seinen Arbeitergeber, wenn unautorisiert in den Text eingegriffen wird.

Yippie! Mitmachen lohnt sich doch ab und zu: Über das Branchenmedium Horizont habe ich ein Stipendium für blog n‘ BUZZ der Buzz Marketing-Agentur ambuzzador gewonnen. Und hey, nachdem ich aus mehreren Workshops auswählen konnte, habe ich mich gleich für die Session zum Thema Content Creation Audio angemeldet. Klang für mich einfach spannend und nachdem ich mich damit noch nie so wirklich beschäftigt habe, wollte ich mich mal überraschen lassen. Am 4. Mai fuhr ich dementsprechend neugierig zum „The Hub„. Im Nachhinein kann ich sagen: Den Samstag habe ich gerne für den Workshop geopfert. Gerrit Maschek und Felix Wech, die beiden jungen Vortragenden, brachten eine Ladung voll Begeisterung und Freude für das Thema Podcasts mit. Eh klar, die Beiden sind ja auch selber sehr ambitionierte Podcaster.

Gemeinsames Lernen bei blog n‘ BUZZ zur Audio Creation.

Gemeinsames Lernen bei blog n‘ BUZZ zur Audio Creation. Ganz rechts die Vortragenden Felix und Gerrit.

Podcasts: Eine eigene Welt
Ich habe mir nach dem Workshop gleich ein paar Podcasts angehört. Eine persönliche Premiere, denn bisher habe ich mich damit gar nicht beschäftigt. Mein erster Eindruck: Die Welt der Podcasts ist wirklich eine ganz eigene und nicht mit der schreibenden Blogosphäre vergleichbar. Etwas Gesprochenes kommt einfach lockerer und humorvoller rüber als etwas Geschriebenes. Dafür besteht beim Reden viel eher die Gefahr ins Langweilige abzudriften, denn ein Text wird vom Autor (hoffentlich ;-)) mehrmals vorab gelesen, korrigiert und gekürzt. Beim Workshop sprach ich mit Gerrit auch kurz über die Podcasterszene.  In Österreich ist die ja sehr überschaubar und die Community lange nicht so stark vernetzt wie die der Blogger. Dass es im Internet viel mehr schreibende als redende Menschen gibt, liegt wohl auch an der höheren finanziellen Eintrittsschwelle. Denn wer eine oder gar mehrere Tonspuren in hoher Qualität aufnehmen möchte, der braucht schon gute Mikrophone, ein Mischpult, Kopfhörerverstärker, und, und, und. Ich denke, viele schreiben auch deshalb lieber, weil die technisch notwendigen Fähigkeiten für einen Podcast abschrecken. Dabei braucht es schon lange nicht mehr weiß Gott was für ein Know-how: Im Workshop haben wir innerhalb kurzer Zeit eigene Podcastbeiträge produziert und veröffentlicht. Die waren natürlich nicht perfekt und für richtig professionelle Audioproduktion braucht es wohl länger, aber es hat verdammt viel Spaß gemacht!

Fazit
Mit neuen Menschen ins Gespräch ist immer toll und ganz besonders dann, wenn sich damit auch gleich eine ganz neue Welt auftut. Rein von den Inhalten, hätte ich mich beim Workshop aber gerne noch intensiver mit technischen Feinheiten beschäftigt. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass ich mit Audioproduktion schon während meines dreimonatiges Praktikum bei Radio Arabella zu tun hatte und ich dementsprechend schon kein Einsteiger mehr war. Ich habe im Workshop aber auch viel Neues erfahren, zum Beispiel kannte ich den Podcastdienst Podlove nicht. Gerrit und Felix haben überhaupt haufenweise Seiten, Tutorials und Podcasts genannt. Ein paar davon habe ich auf Delicious gespeichert. Wer sich intensiver mit Podcasten beschäftigen möchte, die umfangreichen Linktipps der Beiden sind auch online abrufbar.

Virtual Private Networks (VPNs) sind eine tolle Sache: Die eigene identifizierende IP-Adresse ist für Dritte nicht mehr ganz so einfach festzustellen und damit wird auch die Überwachung des Datenstroms massiv erschwert. Angenehmer Seiteneffekt: mittels eines VPN-Clients können auch Dienste genutzt werden, die ansonsten regionalen Restriktionen unterworfen sind. Hulu.com oder der BBC iPlayer sind da nur zwei prominente Beispiele.

Keine Internetverbindung bei aktiviertem VPN
Soweit also die schöne Theorie. Bei privateinternetaccess, meinem VPN-Anbieter, gab es aber leider ein großes Problem: Immer wenn ich den VPN-Client aktivierte, zeigte mir Windows 7 ein „nicht identifiziertes Netzwerk“ und die Verbindung brach ab. Lustigerweise aber immer erst so fünf Minuten später. Mir blieb nichts anderes übrig, als das Problem zu googlen. Unpackbar, wie viele unzählige Forenbeiträgen und Webseiten ich auf deutsch und englisch gelesen habe… Dabei war die Lösung so peinlich einfach:

Um eine Verbindung mit dem Internet herzustellen gibt es verschiedene Protokolle. Bei meinem Client war udp eingestellt. Dieses alte Protokoll wird von einigen Internet-Accessprovidern geblockt und das ist wahrscheinlich auch bei mir der Fall. Bei meinem VPN-Client kann aber als „Connection Type“ auch das TCP-Protokoll angegeben werden. Genau das habe ich auch gemacht und schon läuft wieder alles superduper – hätte ich das doch bloß früher gewusst! 😉

privateinternetaccess