Im Internet findet man leicht Informationen, welche Skalenarten es gibt und was sie unterscheidet. Schwieriger wird es schon, festzustellen welche mathematischen Rechenoperationen überhaupt mit welcher Skalenart möglich sind. Häufig gibt es Fehlinterpretationen bei Statistiken, weil die durchgeführte Rechenoperation gar nicht zulässig ist.

Die Nominalskala

Nominalskalen bringen lediglich einen Verschiedenheit eines Merkmals zum Ausdruck. Klassisches Beispiel für eine Nominalskala ist die Frage nach dem Geschlecht: Geschlecht ist also das zu messende Merkmal und weiblich oder männlich die Ausprägungen dazu. Diese Ausprägungen müssen natürlich in Zahlen umgemünzt werden, z.B.

weiblich => 1 und männlich => 2

Selbstverständlich kann eine Nominalskala auch mehrere Ausprägungen haben, z.B.

Welche Augenfarbe haben Sie? blau => 1, braun => 2, grün => 3

Aus den Beispielen wird auch ersichtlich, dass es bei der Nominalskala keine Rangfolge gibt.

Welche Auswertungen können mit Nominalskalen vorgenommen werden?

Die Auswertungsmöglichkeiten sind auf Auszählungen eingeschränkt. Man kann Häufigkeitsverteilungen machen, etwa auszählen lassen, dass 60 Frauen und 40 Männer an einer Befragung teilgenommen haben. Mit Nominalskalen können Kreuztabellen erstellt werden und der Chi-Quadrat-Test gemacht werden. So kann man herausfinden, wie viele von den 60 Frauen und 40 Männern blaue, braune oder grüne Augen haben. Mit dem Chi-Quadrat-Test kann unter anderem geprüft werden, ob ein Zusammenhang zwischen zwei Merkmalen zufällig oder nicht zufällig ist, über das Ausmaß des Zusammenhanges sagt er allerdings nichts aus.

Ordinalskala

Die Ordinalskala bringt die Merkmalsausprägungen sozusagen in eine Ordnung. Man kann bestimmen, wo Merkmalsausprägungen stärker oder schwächer sind. Ein Bespiel für eine Ordinalskala sind Schulnoten. An diesem Beispiel sieht man auch das größte Problem: Ein Zweier ist nicht doppelt so gut wie ein Vierer. Der Abstand zwischen zwei Werten ist bei Ordinalskalen nicht bestimmt. Neben Häufigkeitsdarstellungen ist auch die Berechnung des Medians möglich. Der Median halbiert eine Verteilung.

Intervall-Skalen

Im Unterschied zur Ordinalskala, gibt es bei der Intervallskala zwischen den Werten vergleichbare Abstände. Damit können in SPSS Korrelationen nach Pearson berechnet werden. Mit Korrelationen kann berechnet werden, in welchem Ausmaß ein Zusammenhang zwischen zwei Merkmalen besteht. Auch arithmetische Mittel und Varianz kann bei Intervallskalen eingesetzt werden.

Verhältnisskala / Relationsskala

Verhältnisskalen haben einen absoluten Nullpunkt und bieten die Möglichkeit, Abstandswerte quantitativ in Beziehung zu setzen. Nur mit dieser Skala sind Divisionen und Multiplikationen sinnvoll. Atteslander erklärt das in seinem Buch anhand der Abfrage des Alters. Stellen wir uns vor, die Befragten werden aufgefordert das Alter einzutragen. Befragter A gibt 20 Jahre an, Befragter B gibt 40 Jahre an. Man kann daher sagen, B ist doppelt so alt wie A, weil 20 * 2 = 40.

 

Wenn wir uns jetzt vorstellen, dass Befragte aufgefordert werden, das Geburtsjahr anzugeben, dann hätten wir Folgendes: Befragter A wurde 1991 geboren und Befragter B 1971. Es handelt sich hier um einen Intervallskala, da die Abstände messbar sind. Man kann aber nicht sagen: B ist doppelt so alt wie A, weil 1971 * 2 ergibt keine Logik. Man muss erst wieder die Geburtsjahre in das aktuelle Alter umrechnen, erhält so einen Verhältnisskala und kann dann erst wieder wie zuvor berechnen, dass B doppelt so alt ist wie A.

Ein weiteres Beispiel für den Unterschied zwischen Intervall- und Verhältnisskala sind Grad Celsius und Kelvin. Kelvin ist einen Verhältnisskala (da absoluter Nullpunkt vorhanden), die Celsius-Temperaturskala eine Intervallskala. Hatte es gestern 10°C und heute 20°C, kann man zwar sagen „Es ist 10°C wärmer als gestern“, aber nicht „Es ist doppelt so warm wie gestern“. (dieses Beispiel ist aus der Wikipedia) Das wird besonders deutlich wenn wir die Celsius in Kelvin umrechnen: 10°C sind nämlich 283,15K und 20°C sind 293,15K, damit es doppelt so warm ist wie gestern, müsste es 566,3K haben, das sind umgerechnet 293,15°C.

Es ist möglich, dass ein Tablet-Computer die traditionellen Printmedien aus der Krise führen könnte. Aber: Sicher nicht das IPad von Apple oder irgendein x-beliebiges Tablet. Der Retter der Printmedien kann nur ein Gerät sein, das von den Verlagen in Kooperation selbst produziert wird.

Auch eine IPad-Alternative: Das Samsung Galaxy Tab

 

Als in Verlagen Wörter geschrieben und vervielfältigt wurden

Bevor Radio und Fernsehen erfunden wurden, waren Zeitungen das einzige und damit uneingeschränkte „Massenmedium“. Massenmedium ist deshalb in Anführungszeichen zu schreiben, weil die damaligen Zeitungen wenig mit den heutigen Printprodukten gemeinsam haben. Der damalige Erfolg der Zeitungen lag sicher auch daran, dass sich nur Verlage große Druckerpressen leisten konnten. Sie waren damit Monopolisten was das Produzieren von Nachrichten anging. Heute wird die technische Vervielfältigung der Wörter immer weiter outgesourct, trotzdem gehörte das zur ureigensten Aufgabe der Zeitungsverlage.

 

Wenn Verlage einen Tablet-Computer produzieren würden

Verlage könnten mit einem eigenen Tablet diese technische Vervielfältigung wieder an sich reißen. Finanziell wie technisch ist so ein Gerät jedenfalls machbar, wenn sich nur alle deutschsprachigen -oder gar weltweit – Verlage auf eine Kooperation verständigen könnten. Die Hardware und Software eines solchen „Zeitungs-Tablet“ oder „Verlags-Tablet“ (VPad) könnte ganz besonders und überzeugend auf journalistischen Angebote abgestimmt werden. Außerdem hätte man gegenüber Apple einen riesigen Vorteil: Noch sind Zeitungen und Zeitschriften viel näher am Bürger als ein Konzern aus der USA. Printmedien genießen großes Vertrauen und wenn alle das gleiche Produkt bewerben würden, hätte man ein Meinungsmonopol gebündelt mit einer unglaublichen Reichweite. Das neue Tablet könnten auch preislich eine Kampfansage sein: Man verkauft das Tablet besonders günstig, verknüpft damit aber ein Bezahlabonnement. Damit würde man vor allem eine jüngere Leserschaft an das Medium binden, eine Zielgruppe die derzeit besonders arg wegbricht. Schlussendlich wäre das „VPad“ eine starke Ansage gegen Apple, Google & Co., die derzeit immer mehr zur (überlegenen) Konkurrenz von Verlagen werden.

Foto: CC moster3000

Erscheinungsjahre der Zeitungen (Stand 2011):
• Salzburger Nachrichten: 66 Jahre
• Kronen Zeitung: 52 Jahre
• Kurier: 57 Jahre
• Der Standard: 23 Jahre
• Heute: 7 Jahre
• Kleine Zeitung: 107 Jahre
• Die Presse: 163 Jahre
Reichweiten in Österreich:
• Salzburger Nachrichten: 3,6%
• Kronen Zeitung: 38,9%
• Kurier: 8,1%
• Der Standard: 5,3%
• Heute: 12%
• Kleine Zeitung: 12%
• Die Presse: 3,8%
Werbeanteil in den Medien:
• Printmedien: 21,2%
• Rundfunk: 5,5%
• Fernsehen: 41,6%
• Internet: 7,7%
Zeit fu?r Medien pro Tag:
• Printmedien: 45 min
• Rundfunk: 199 min
• Fernsehen: 157 min
• Internet: 173 min

Zugriffe auf Homepages der Zeitungen/Monat:
• derStandard.at: 227.022
• Kurier.at: 4.280.930
• Krone.at: 9.262.934
• Heute.at: 542.304
Zeitungen auf Facebook:
• Kleine Zeitung: 9333 likes
• Der Standard: 9842 likes
• Die Presse: 1409 likes
Zeit bis 1 Million Nutzer in Österreich:
• Facebook: 21 Monate
• Kronen Zeitung: 21 Jahre ( wenn man von der 2. Republik ausgeht)
Quellen:
Reichweiten Österreich: Media- Analyse von 2010
Gründungsjahre: Verband Österreichischer Zeitungen VÖZ (Stand Mai 2011)
Werbeanteil Österreich: Verband Österreichischer Zeitungen VÖZ (Stand 2010)
Werbeanteil Onlinemedien: Kraus, Daniela u.a.: Crossmediale Strategien überregionaler
Tageszeitungen. In: Media Perspektiven 6/2008, S. 307- 317
Radiohördauer/ TV/ Tageszeitung/ Internet: ORF Mediaresearch
Tages- Prozentangaben Zeitungsleser: ÖWA (Stand März 2011)
Visits der Zeitungs- Homepages: ORF Mediaresearch (Stand April 2011)
Facebook Likes. In: http://www.facebook.com (19.Mai 2011)

[Kuch, Kurt (2011): Land der Diebe. 1. Aufl. Salzburg: Ecowin Verlag.
€ 22,90. 237 Seiten]

Aufdeckungsjournalist Kurt Kuch kreidet Korruption, Nepotismus und Schamlosigkeit an

Die österreichische Politik ist aufregend wie selten zuvor. Für schwache Mägen ist diese Achterbahn der Korruptionsskandale und Enthüllung aber nichts, zu leicht könnte das zum Erbrechen führen. Ausgekotzt hat sich im wahrsten Sinne des Wortes Kurt Kuch. Provokativ ist er dabei in seinem Buch von Anfang an. So lautet der Titel „Land der Diebe“ und das Buchcover ziert ein Ausschnitt des österreichischen Bundesadler, in seiner Kralle ein Haufen Geldscheine. Als Aufdeckungsjournalist für das Nachrichtenmagazin News tätig, hat Kuch im Laufe der Jahre unzählige Informationen zu den Machenschaften der Parteien gesammelt. Möglich machte das sein weites Netzwerk an Informanten. Kein Wunder, dass von verschiedenen Seiten versucht wurde, die Namen dieser Informanten aus ihm herauszupressen, übrigens in völliger Missachtung des Redaktionsgeheimnisses. Diesem Netzwerk hat er auch zu verdanken, dass ihm Datensätze eines Computers der Freiheitlichen in Kärnten zugespielt wurden.

Kreative Parteienfinanzierung

Und was da für welche Rechnungen zu finden waren, sorgte für mediale Aufmerksamkeit. Im Mittelpunkt steht die Werbeagentur Connect, die bis zur Stilllegung zu 100 Prozent im Eigentum der Freiheitlichen in Kärnten war. Connect versprach beispielsweise dem Kärntner Anwalt Gert Seeber Aufträge des Landes Kärnten und erhielt dafür im Gegenzug saftige Provisionen. Rechnungszwecke waren Layout-Beratungen, Recherchen oder Marketing-Konzepte. Wohl nicht nur Kuch dachte sich da: „In meinem nächsten Leben werde ich Layout-Berater“. Aufgrund Kuchs Veröffentlichungen musste mittlerweile der Geschäftsführer Manfred Stromberger zurücktreten. FPK-Obmann Uwe Scheuch lehnt alle Verantwortung daran ab, er hätte nichts davon gewusst. Der Fall ist spektakulär und wurde erst durch die Buchveröffentlichung publik, leider werden dadurch ältere – im Buch beschriebene – Skandale kaum beachtet. Dabei gibt es noch einige atemberaubende Geschichten.

Weniger Geld für Kinder, mehr für Politiker

So zum Beispiel der Fall Habsburg. Kuch wurde 1998 darauf aufmerksam gemacht, dass Spendengelder von „World-Vision“ verschwunden sind. World-Vision ist eine Hilfsorganisation und sammelt für notleidende Kinder in Afrika. Wie sich später herausstellte, wurden von World-Vision 10.000 Wahlwerbebriefe für den Wahlkampf von Karl Habsburg sowie mehrere Ausgaben der Paneuropa-Zeitung bezahlt; die Paneuropa-Bewegung unterstützte Karl Habsburg massiv.

Dieser gab sich über die Vorwürfe „erschüttert“ und zahlte die missbräuchlich verwendeten Gelder zurück. Die damalige World-Vision-Chefin wurde 2004 schließlich zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt. Kuch begegnete ihr zufällig 2005 im Café Schwarzenberg. Warum war die Dame nicht in ihrer Zelle? – Die Behörden hatten „vergessen“ ihr den Haftantrittsbescheid zuzustellen! Die einstige World-Vision-Chefin flüchtete daraufhin und wieder ließ sich die Justiz viel Zeit bis ein Haftbefehl ausgestellt wurde. August 2005 klickten dann aber die Handschellen, die drei Jahre Haft sollten jetzt angetreten werden. Unvorstellbar: Bereits im Februar 2006 bekam Kuch den Hinweis, dass sich die Dame wieder in Freiheit befindet. Der Anstaltsleiter hatte den „gelockerten Vollzug“ genehmigt, weil die Dame „nicht fluchtgefährdet“ sei. Dass sie zuvor schon geflüchtet war, hat man anscheinend vergessen. Im gleichen Zeitraum wurde sie Alleineigentümerin und Geschäftsführerin einer Vermögensverwaltungsfirma. Auch das war nur möglich, weil die Justiz wieder auf etwas vergaß: nämlich der zuständigen Gewerbebehörde mitzuteilen, dass ihr Gewerbeschein zu löschen ist.

Kleine Häppchen im News-Stil

Diese und andere Skandale, die großen und die kleineren, hat Kurt Kuch zusammengetragen. Auf den 237 Seiten werden die komplexen Geschichten aber nur angerissen. Der Schreibstil entspricht dem der Zeitschrift News: leicht und vor allem schnell lesbare Kost. Der Stil ist angriffig und oft sogar polemisierend. Mit jeder Zeile die man liest merkt man, nicht nur man selbst bekommt eine unendliche Wut ob sovieler Ungerechtigkeiten, auch dem Autor erging es so. Kuch hält was er im Vorwort verspricht: „Das Buch ist eine Generalanklage.“ Es wäre aber wünschenswert gewesen, wenn er sich um mehr Lösungsansätze und Auswege aus dem Filz bemüht hätte. Was sollte konkret gesetzlich gemacht werden? Wie kann das politische System verbessert werden? Wo brauchen wir mehr Transparenz? Das sind Fragen, die leider nur im Vorwort und im Epilog angerissen wurden. Trotzdem zeichnet das Buch ein umfangreiches wie vernichtendes Sittenbild von Österreich. Kuch bringt das treffend auf den Punkt: „Wien liegt nicht nur aus geografischer Sicht östlich von Prag.“ Das riesige Medieninteresse daran und Platz Nr. 1 bei Sachbüchern in Österreich ist sicher gerechtfertigt. Korruption interessiert scheinbar nicht nur Strasser, Grasser, Scheuch & Co. – für alle gilt die Unschuldsvermutung – sondern auch die Steuerzahler.